Friedrich der Grosse gegen die katholische Kirche

Antoine Pesne, Friedrich der Große, 1745

Antoine Pesne, Friedrich der Große (1712-1786), 1745
Foto: Roland Handrick / SPSG

 

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Antoine Pesne, Friedrich der Große, 1736

 

Bitte lesen Sie erst das Vorwort des Buches Antimachiavel von Friedrich dem Großen, bevor Sie Kapitel 11 des Antimachiavel lesen.
Hinweis: Auch zu Friedrich’s Zeiten erfuhr der sogenannte “Fürst” von Machiavelli eine erhebliche Rezeption in den Kreisen der Staatsmänner. Dies erregte äußerstes Missfallen bei dem tugendhaften Friedrich, denn in dem Buch ”Der Fürst” finden sich nahezu perfide Verhaltensregeln für Politiker, die für einen rechtschaffenen Politiker wie Friedrich völlig inakzeptabel waren. 
Das Buch Friedrichs gegen den “Fürsten” heißt “Der Antimachiavel” oder “Widerlegung des ‘Fürsten’ von Machiavelli”. Daneben gibt es noch eine Ausgabe des “Antimachiavel”, die von Voltaire bearbeitet worden ist und folgendermaßen bezeichnet wird: “Der Antimachiavel oder Untersuchung von Machiavellis ‘ Fürst’”.
Der folgende Text stammt aus dem originalen “Antimachiavel” bzw. “Widerlegung des ‘Fürsten’ von Machiavelli” von Friedrich, der nicht von Voltaire bearbeitet wurde. Es handelt sich dabei um Kapitel 11 von Friedrich’s Buch. In seinem Buch “Der Fürst” stellt Machiavelli auch das geistliche Fürstentum als eine Form des schlauen (eigennützigen) Regierens dar. Da Friedrich sowieso im Allgemeinen Machtstreben, Ruhmsucht, Geldgier schon bei weltlichen Fürsten für völlig verwerflich hält, tut er das umso mehr bei geistlichen Fürstentümern, also Fürstentümer, wo der weltliche Fürst gleichzeitig katholischer Bischof ist. Da zu Friedrich’s Zeiten die katholische Kirche noch eine gewaltige, weltliche Macht darstellte, wird sie in diesem Zusammenhang von Friedrich völlig verworfen.

 

Friedrich der Große, König von Preußen, auch Friedrich II. genannt, schreibt in Kapitel 11 seines Antimachiavel:

Ich fand es immer höchst sonderbar, daß Leute, die sich die Nachfolger der Apostel nennen (Friedrich spielt hier auf katholische Päpste und Bischöfe an; R. B.) - darunter verstehe ich die Nachfolger einer Handvoll armer Leute (Anm. 1, siehe unten) und Prediger der Demut und Buße -, große Güter besaßen, sich raffinierten Luxus leisteten und Ämter bekleideten, die weit mehr der weltlichen Eitelkeit und Prunksucht der Großen angestanden hätten, als Männern, deren Aufgabe es ist, über die Nichtigkeit des menschlichen Lebens und über ihr Seelenheil nachzudenken. Man stellt hingegen fest, daß die Geistlichkeit der römischen Kirche (= katholische Kirche) ungeheuer reich ist, daß Bischöfe den Rang souveräner Fürsten genießen und das die weltliche und geistliche Macht des ersten Bischofs der Christenheit (= Papst) ihn in gewisser Weise zum Schiedsrichter über Könige und zur vierten Person der Gottheit macht (Anm. 2).

Die Geistlichen oder die Theologen unterscheiden sehr viel gewissenhafter als alle anderen zwischen dem, was der Seele, und dem, was dem Körper gebührt; doch ist ihr Ehrgeiz (Ehrsucht, Gier nach Ehre; R. B.) das Thema, bei dem man sie mit ihren Argumenten schlagen muß. Ihre Berufung zum priesterlichen Amt verpflichtet sie, könnten man ihnen vorhalten, zu einem spirituellen Amt. Wie aber konnten sie es so grob mit einem weltlichen verwechseln? Wie kommt es, daß sie so scharfsinnig zu unterscheiden wissen, wenn es um den Geist geht, den sie nicht kennen, und um die Materie, die sie kaum kennen? Wie kommt es, daß sie diese Unterscheidungen aber zurückweisen, sobald es um ihre Interessen geht? Das kommt daher, weil diese Herren sich wenig über den unverständlichen Jargon, den sie benutzen, aber umso mehr über die Größe der ihnen zustehenden Einkünfte Gedanken machen!

Das kommt daher, weil sie nach Art der Orthodoxie (= Rechtgläubigkeit oder konservativer Katholizismus; R. B.) denken, aber auch in Übereinstimmung mit den Leidenschaften (Lüste, Begierden; R. B.), von denen sie getrieben werden, handeln müssen! Und weil die greifbaren Dinge der Natur in dem Maße die Oberhand über das Intellektuelle gewinnen wie das wirkliche Glück in diesem Leben über das ideale Glück in der Welt des Jenseits!

Diese erstaunliche Macht der Geistlichkeit ist das Thema des vorliegenden Kapitels sowie alles, was ihre weltliche Herrschaft anbelangt.

Machiavelli ist der Meinung, daß die Kirchenfürsten besonders glücklich sind, weil sie weder die Aufsässigkeit ihrer Untertanen noch den Ehrgeiz ihrer Nachbarn zu fürchten haben. Der ehrwürdige und mächtige Name Gottes bietet ihnen Schutz vor allem, was sich ihrem Interesse und ihrer Größe widersetzen könnte; die Fürsten, die sie angreifen möchten, fürchten das Schicksal der Titanen (Anm. 3), und die Völker, die ihnen den Gehorsam verweigern möchten, den Fluch des Gottesfrevels. Die fromme Politik dieser Art von Herrschern besteht darin, der Welt einzuschärfen, was Despreaux so gut in folgendem Vers ausdrückt:

Wer Cotin nicht liebt, liebt weder Gott noch den König.

Das Seltsame daran ist, daß diese Fürsten genug Dumme finden, die sich in leichtgläubigem Vertrauen auf ihre Redlichkeit ohne weitere Prüfung an das halten, was die Kleriker als richtig erachten, ihnen glauben zu machen.

Indessen wimmelt es gewiss in keinem Land so sehr von Bettlern wie in den Ländern, die den (katholischen) Priestern gehören und wo man ein erschütterndes Bild allen menschlichen Elends erblicken kann. Es sind aber nicht etwa jene Armen, die von der Freigebigkeit und den Almosen der Herrscher angelockt werden, also jene Insekten, die sich an die Reichen klammern und dem Überfluss hinterherkriechen, sondern es sind arme Teufel von Hungerleidern, denen die Barmherzigkeit ihrer Bischöfe das Lebensnotwendige vorenthält, um der Bestechlichkeit und dem Missbrauch, den das Volk gewöhnlich mit dem Überfluß treibt, vorzubeugen.

Die Grundsätze dieser geistlichen Regierungen beruhen zweifellos auf den Gesetzen Spartas, wo das Geld verboten war, jedoch mit dem Unterschied, daß die Prälaten den Gebrauch der Güter, die sie scheinheilig ihren Untertanen wegnehmen, sich selber vorbehalten. “Selig sind die Armen”, sagen sie sich, “denn ihrer ist das Himmelreich!” Und da sie nun gerne wollen, daß alle Welt selig werde, so bemühen sie sich auch, alle Welt arm zu machen. Oh Frömmigkeit der Kirchenleute! Wie weit erstreckt sich doch eure weise Fürsorge!

Nichts sollte erbaulicher sein als die Geschichte der Oberhäupter der Kirche oder der Stellvertreter Christi. Man stellt sich darauf ein, dort Beispiele untadeliger und heiliger Sitten zu finden. Doch zeigt sich gerade das Gegenteil: Hier gibt es nur Unzucht, Schandtaten, und Quellen für Ärgernisse, und man wird die Lebensgeschichte der Päpste nicht ohne Abscheu vor ihrer Grausamkeit und ihrer Falschheit lesen können.

Im Großen und Ganzen sieht man da, wie ihr Ehrgeiz (Ehrsucht, Gier nach Macht und Ehre; R. B.) darauf bedacht war, ihre weltliche Macht und Größe zu steigern, wie ihre schmutzige Habgier keinen anderen Zweck hatte, als sich unter rechtswidrigen und unanständigen Vorwänden große Güter für ihre Familien zu sichern, um ihre Neffen, ihre Mätressen oder ihre Bastarde (uneheliche Kinder) zu bereichern.

Wer nicht weiter darüber nachdenkt, wird es sonderbar finden, daß die Völker die Unterdrückung durch diese Art von Herrschern mit so viel Hingabe und Geduld ertragen, daß ihnen nicht die Augen aufgehen angesichts der entwürdigenden Laster und Ausschweifungen der Geistlichen, und daß sie von einem geschorenen Haupt Dinge hinnehmen, die sie von einem Lorbeeren gekrönten niemals ertragen würden. Wer freilich die Macht des Aberglaubens über die Einfältigen und die Macht des Fanatismus über den menschlichen Geist kennt, dem erscheint dieses Phänomen weniger befremdlich. Er weiß, daß die Religion eine alte Maschine ist, die sich nicht abnutzen wird und derer man sich zu allen Zeiten bedient hat, um sich der Treue der Völker zu versichern und die widerspenstige menschliche Vernunft zu zügeln. Er weiß, daß der Irrtum die scharfsichtigsten Menschen verblenden kann und daß immer die triumphieren werden, die mit Himmel und Hölle, mit Gott und dem Teufel Politik machen, um ihre Ziele zu erreichen. Es ist eine Tatsache, daß selbst die wahre Religion, die reinste Quelle unseres Wohlergehens, durch einen nicht genug zu beklagenden Missbrauch zum Ursprung und zum Grund all unserer Leiden wird.

Sehr einsichtsvoll bemerkt der Autor, was am meisten zur Erhöhung des Heiligen Stuhls beigetragen hat. Er sieht den wichtigsten Grund im geschickten Verhalten Alexander VII., jenes Pontifex, dessen Grausamkeit und Ehrgeiz (Ehrsucht; R. B.) jedes Maß überstieg und der kein anderes Recht kannte als seine Hinterlist. Es käme also einer Art Gotteslästerung gleich, würde man das Gebäude des Ehrgeizes, das dieser Pontifex errichtet hat, mit dem Werk der Gottheit verwechseln.. Der Himmel konnte also unmittelbar gar keinen Anteil an der Erhöhung dieser weltlichen Größe haben. Es ist ausschließlich das Werk eines der abscheulichsten und schlechtesten Menschen. So tut man immer gut daran, bei Klerikern, welchen Rang auch immer sie bekleiden mögen, stets sorgfältig zu unterscheiden zwischen dem Vermittler von Gottes Wort, der göttliche Weisungen verkündet, und dem verderbten Menschen, der daran denkt, seine Leidenschaften zu befriedigen.

Die Lobrede auf Leo X. beschließt das vorliegende Kapitel: sie hat aber kaum Gewicht, denn Machiavelli war Zeitgenosse dieses Papstes. Jedes Lob eines Untertanen für seinen Herrn oder eines Schriftstellers für seinen Fürsten gerät, was auch immer man dagegen einwenden mag, in große Nähe zur Schmeichelei. Was wir auch sein mögen, unser Schicksal darf nur die Nachwelt bewerten, die ohne Leidenschaft und ohne Eigennutz urteilt. Machiavelli hätte weniger als jeder andere den Fehler der Schmeichelei begehen dürfen, denn er war kein kompetenter Richter über wahren Verdienst, weiß er doch nicht einmal, was Tugend ist. Ob es besser gewesen wäre, von ihm gelobt oder von ihm getadelt zu werden, weiß ich nicht. Diese Frage überlassen ich dem Leser, er möge darüber befinden.

(Ende von Friedrich’s Ausführungen)

Anmerkungen:

(1) Im originalen Text von Friedrich steht “Bettler” statt “arme Leute”. Ich vermute, daß Friedrich mit dem Wort Bettler arme Leute bezeichnen wollte. Die Apostel waren selbstverständlich keine Bettler, sondern höchstens materiell arm. Im Neuen Testament kann man lesen, daß die Apostel von den christlichen Gemeinden unterstützt wurden oder sogar selbst mit ihren eigenen Händen arbeiteten neben ihrem geistlichen Dienst. Nirgends im NT wird davon berichtet, daß die Apostel gebettelt hätten. Es ist höchstens vorstellbar, daß dies eine üble Nachrede ihrer Feinde war. Das Problem in der apostolischen Zeit war, daß sowohl Judenchristen als auch Heidenchristen äußerste Ablehnung von seiten des jüdischen und römische Establishments erfuhren, was sicherlich auch die Erwerbstätigkeit der Christen behindern konnte. In Israel wurden zum Beispiel konvertierte Juden mit dem Bann belegt. Wer hat schon gern einen Angestellten, der mit dem Bann belegt ist, den wirft man doch lieber raus. Kurz gesagt: Christen der apostolischen Zeit lebten sicherlich in äußerst bescheidenen Verhältnissen, aber gebettelt haben sie sicher nie.

 (2) Es kling so spaßig harmlos, wenn Friedrich den Papst als Schiedsrichter über Könige bezeichnet, aber praktisch bedeutet dies, daß noch zu Friedrich’s Zeiten der Papst höher war (höhere weltliche Gewalt hatte) als Könige und der römisch-deutsche Kaiser. Entmachtet wurde der Papst kurz nach der Verfassung von Friedrich’s Antimachiavel, als Karl VII (ein Wittelsbacher) im Jahre 1742 Kaiser des heiligen römischen Reiches deutscher Nation wurde und somit die Herrschaft der Habsburger zu Ende ging, die Marionetten des Papstes waren.

 (3) die Titanen waren Usurpatoren der griechischen Mythologie, welche von dem übermächtigen Zeus in den Tartaros gestoßen wurden. Friedrich vergleicht den übermächtigen Papst mit dem übermächtigen Zeus.

Schlußfolgerung:

Jemand könnte anführen, Friedrich’s Abhandlung sei für die heutige Zeit nicht mehr relevant, da die kath. Kirche alle weltliche Macht verloren habe. Es geht aber in dem Text Friedrich’s auch um den geistlichen Zustand der kath. Kirche, der als katastrophal bezeichnet wird. Die heutige kath. Kirche ist erwachsen aus der kath. Kirche der damaligen Zeit. Kann ein Baum mit faulen Wurzeln ein guter Baum sein?

Der Papst übt zwar kein weltliches Regiment mehr aus, aber innerkirchlich ist er immer noch der unumschränkte Herrscher. Auch dieser Zustand ist absolut verwerflich. Nach dem Neuen Testament soll nicht der Papst das Haupt der Kirche sein, sondern der unsichtbare Christus durch den Heiligen Geist.

Ein gewaltiger Vorzug von Friedrich’s Abhandlung ist, daß sie von einer sekularen Person stammt, denn Friedrich war König von Preußen. Wer sich ein bischen mit Friedrich befaßt, der bemerkt, daß Friedrich nicht auf der Seite irgend einer Kirche oder Religionsgemeinschaft stand, sondern neutral war. Friedrich war das Bild eines idealen, tugendhaften, gerechten Königs. Seine Abhandlung entspringt also nicht etwa der Polemik eines Protestanten gegen die kath. Kirche, sondern dem Zorn eines gerechten Herrschers über diese (Un-)Heilsanstalt. Wir dürfen Friedrich’s Abhandlung als einen historischen Befund über die kath. Kirche betrachten.

Der historische Befund Friedrichs bestätigt den theologischen Befund Martin Luthers über die katholische Kirche. Luther hat die kath. Kirche hauptsächlich wegen des antichristlichen Papsttums und wegen der falschen Sichtweise der Eucharistie verworfen.

An anderer Stelle schreibt Friedrich, daß die Tugend oder gerechtes Verhalten dem Menschen, der sie übt,  nur zum Wohl gereichen, das müsse man den Menschen wieder beibringen, Fürsten und Untertanen. Da hat Friedrich genau das gesagt, was ein Politiker oder Fürst Gott Wohlgefälliges sagen kann. Die Regierung, die die Tugendhaften lobt und die Übeltäter tadelt, fördert damit indirekt auch den christlichen Glauben. Denn die wahrhaft Tugendhaften im Lande werden immer die Gläubigen sein.

Aus der Sicht der christlichen Kirche ist aber noch hinzuzufügen, daß trotz guter Regierung, der Gerechte im Alltag immer auf äußersten Widerstand und Anfeindung stoßen wird. Der Christ wird es häufig eher schwer haben wegen seines gerechten Verhaltens. Dies auszuhalten ermöglicht dem Christen der Glaube an Jesus, das bloße Bewußtsein, eine gerechte Landesregierung zu haben, die das Gute lobt und das Böse tadelt, würde dazu sicherlich nicht ausreichen.

Der gläubige Christ könnte vernünftigerweise erwarten, daß alle Welt ihm zujubelt und ihn unterstützt wegen seines Glaubens und christlicher Lebensart, seien es Arbeitskollegen, Nachbarn, Verwandte, etc.. Aber das Gegenteil ist der Fall und das ist blanke Dämonie. Jesus aber sah das voraus und gab den Christen deswegen die Bergpredigt, wo es darum geht, seinen Nächsten auch dann noch zu lieben, wenn dieser das Evangelium ablehnt oder feindselig ist, weil man sich christlich verhält. Es wird langfristig keinen Bestand haben, wenn ein Christ ungerecht behandelt wird. Dies geht vorbei wie ein Kälteeinbruch im Hochsommer. Wichtig ist nur das der Christ sich durch “Kälteeinbrüche” nicht verleiten läßt selbst ungerecht zu handeln, indem er sich z. B. selbst rächt, wenn er Ungerechtigkeit erfahren hat.

Was ist die Bergpredigt, kurz gesagt?

Eine Liste von Anweisungen wie man sich verhalten soll, wenn man trotz seines christlich, liebevollen, gerechten Verhaltens angefeindet oder ungerecht behandelt wird. Wer nach der Bergpredigt lebt, der bewahrt seinen Heilsstand in Christus. Nur wer durch Glaube und Taufe schon Christ ist, kann nach der Bergpredigt leben und auch nur für solche ist sie gedacht. Man erwirbt das Heil nicht durch das Tun der Bergpredigt, sondern mein bleibt im Heil durch das Tun der Bergpredigt. Erlangt wird das Heil, indem man das Evangelium glaubt und getauft wird. Wer schon als Kind getauft wurde, soll sich nicht wiedertaufen lassen, sondern seiner Kindertaufe im Glauben erinnern, so wird er den heiligen Geist empfangen.

 

Warnung:

Man muß immer unterscheiden zwischen einer Person selbst und ihrem Glauben. Der katholische Glaube ist sicher nicht der fortschrittlichste, trotzdem ist das kein Grund gewöhnliche Katholiken im Alltag zu benachteiligen.

Wir (die Protestanten) haben unter allen Umständen die Menschenwürde unseres Nächsten zu achten, trotz seines unterschiedlichen Glaubens.

Wenn wir unseren Nächsten (Arbeitskollege, Nachbar, Klassenkamerad, etc.) unabhängig von seinem Glauben lieben, predigen wir das Evangelium ohne Worte und sehr wirkungsvoll. Wir lieben unseren Nächsten aber auch unabhängig davon, ob er jemals Christ (evangelischer Christ) wird oder nicht. Es ist allein Gottes Werk in jemand den Glauben zu wirken. Unsere Verantwortung ist es unseren Nächsten zu lieben, solange wir zusammen auf der Erde sind.

Mitglieder von Sekten und falschen Kirchen lieben nur die Mitglieder ihrer Gruppe oder Menschen, die sie bekehren wollen, das ist Bigotterie bzw. Fanatismus. Solch eine “Liebe” ist eine verzerrte Liebe und entspricht nicht dem Willen Gottes.

Ein wahrer Christ liebt seinen Nächsten einfach weil er dessen Menschenwürde achtet oder einfach um der Liebe oder um Jesu willen.

Wodurch ist die Menschenwürde manifestiert?

Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist für die ganze Menschheit in den Tod gegangen. Er starb für uns, obwohl wir Sünder sind. Das zeigt, wie sehr er uns liebt. Gott, der Vater, gab seinen geliebten Sohn für uns bzw. jeden Menschen.

Falls ein Christ es schaffen sollte, tatsächlich fromm und gottesfürchtig in dieser gottlosen Welt zu leben, hat er keinen Grund stolz zu sein auf sich selbst, denn zu gegebener Zeit wird ihn sein sündiger Körper immer wieder an seine Vergangenheit erinnern. Nur weil der Christ durch die Taufe “in Christus” ist, kann er trotz seines sündigen Körpers Werke der Gerechtigkeit und Liebe tun. Ohne Jesus bin ich nur ein sterblicher, sündiger Leib. Es wäre also irrsinnig, wollte sich jemand wegen seiner Frömmigkeit über seine Mitmenschen erheben, denn all seine Frömmigkeit muß er dem Wirken Gottes zuschreiben.

Unsere Liebe ist nur in dem Sinn begrenzt, daß wir nicht zulassen können, daß man alle Religionen in einen Topf wirft, als ob ist nicht darauf ankäme, was man glaubt, sondern daß man nur irgend etwas glaubt. Es gibt nur einen wirklichen, echten Glauben, der Erlösung bewirkt: “Sehet das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt”.

Wenn man sich nur oberflächlich mit Friedrich dem Großen beschäftigt, könnte man meinen, es wäre ihm egal gewesen, was seine Staatsbürger glauben. Es ist aber höchstwahrscheinlich so, daß Friedrich durchaus das Christentum favorisierte. Er hat es aber wahrscheinlich deshalb vermieden, sich als König öffentlich auf eine Seite zu stellen, um das Entstehen einer herrschsüchtigen Glaubensgemeinschaft in der Art der katholischen Kirche zu vermeiden. Sicherlich war die Protestantische Kirche in Preußen nicht in dem Idealzustand, der Jesu Intentionen entsprach, sondern auch in ihr gab es “ehrgeizige bzw. ehrsüchtige Geistliche”, die aus der Kirche einen Machtapparat gemacht hätten, wenn Friedrich nicht dagegengesteuert hätte.

Die Religionsfreiheit in Deutschland, Europa und den USA ist wirklich ein Segen, nur sollte man nicht soweit gehen, daß man alle Religionen in einen Topf wirft und sagt, es sei völlig egal, was man glaubt, Hauptsache man glaubt irgend etwas. Der christliche Glaube ist der historisch glaubwürdigste, hat die besten Inhalte, bringt dem Menschen wirklich Heil, ist weder fanatisch noch bigott.

 

 

 

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Jesus, das Licht der Welt

Johannesevangelium Kap. 8, Verse 12-20

(Fortsetzung von Jesus und die Ehebrecherin)

Jesus das Licht der Welt

12 Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. 13 Da sprachen die Pharisäer zu ihm: Du gibst Zeugnis von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr. 14 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr; denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe; ihr aber wisst nicht, woher ich komme oder wohin ich gehe. 15 Ihr richtet nach dem Fleisch, ich richte niemand. 16 Wenn ich aber richte, so ist mein Richten gerecht; denn ich bin’s nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat. 17 Auch steht in eurem Gesetz geschrieben, dass zweier Menschen Zeugnis wahr sei. 18 Ich bin’s, der von sich selbst zeugt; und der Vater, der mich gesandt hat, zeugt auch von mir. 19 Da fragten sie ihn: Wo ist dein Vater? Jesus antwortete: Ihr kennt weder mich noch meinen Vater; wenn ihr mich kenntet, so kenntet ihr auch meinen Vater. 20 Diese Worte redete Jesus an dem Gotteskasten, als er lehrte im Tempel; und niemand ergriff ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen.

Jesus hatte gerade den Pharisäern und Schriftgelehrten das Maul gestopft, indem er zu ihnen sagte: “Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.”  Da waren sie um eine Antwort verlegen und hoben sich davon. Es ist erstaunlich, daß sich Jesus danach weiter mit ihnen unterhält, hatten sie doch versucht ihn hereinzulegen und die Sünderin übel gerichtet (sie reizten Jesus, eine Steinigung anzuordnen, worauf sie ihn bei den Römern angezeigt hätten). Jesus aber war gekommen zu suchen und zu retten, was verloren ist und das galt nicht nur für die Ehebrecherin, sondern sogar für die Pharisäer und Schriftgelehrten; also redet Jesus weiter mit ihnen.
 
Nun sagt Jesus frei heraus: “Ich bin das Licht der Welt.” Dies mußte den jüdischen Führern mehr als anmaßend erscheinen, wußten sie doch, daß er der Zimmermann aus Galiläa war. Auf der anderen Seite aber hatte er durch seine äußerst weise und maßvolle Behandlung der Ehebrecherin sie in Verlegenheit gebracht, was sie nicht leugnen konnten.
 
Jesus war ein Licht in seinem Umgang mit den Sündern. Jesus war das Licht der Welt, weil er die Sünder nicht richten, sondern erlösen wollte. Es war historische Tatsache: Jesus hatte dem Kranken vom Teich Betesda das Heil gegeben und auch der Ehebrecherin, zwei Menschen, ausgestoßen von der jüdischen Gesellschaft. Ich bin das Licht der Welt war nicht nur ein theoretischer Lehrsatz, sondern die jüdischen Führer und das ganze jüdische Volk sahen dieses Licht, wie es handelte: Jesus, nicht der Richter, sondern der Retter der Sünder.
 
Die jüdischen Führer (Pharisäer und Schriftgelehrte, Priester, Hohenpriester, Älteste, etc.) wollten Richter, Leiter, Erzieher und Lehrer des Volkes sein. Sie verlangten vom Volk das Halten des Gesetzes der Thora aus eigener Kraft. Sie fehlten jedoch, dem Volk einen Erlöser zu verkündigen gemäß des Alten Testamentes, der ein Leben schenken konnte, das nicht mit dem Gesetz der Thora in Konflikt kommt. Die jüdischen Führer begingen eine doppelte Sünde: sie glaubten selbst nicht an einen Erlöser und predigten keinen Erlöser. Das Gesetz der Thora sollte nach Gottes Absicht dem Menschen nur seine Sündhaftigkeit aufzeigen, damit er anfange nach einem Erlöser zu rufen; niemals wollte Gott, daß man versucht einzelne Gebote aus eigener Kraft zu halten. Die jüdischen Führer verlangten vom Volk, das Gesetz, zu dem sie sogar noch menschliche Gebote hinzugefügt hatten, aus eigener Kraft zu halten. Paulus sagt aber im Römerbrief, daß die Sünde “Anlaß am Gebot nimmt”, daß heißt die Versuchung zu sündigen wurde durch das Gesetz noch größer für die Menschen. Daraufhin wurde das Volk von den jüdischen Führern verdammt (sie zürnten dem Volk, beleidigten und verfluchten es). Da die jüdischen Führer das Gesetz so missbrauchten als Schlagstock, gab Gott sie dahin, zog seine bewahrende Hand ab, und die jüdischen Führer mußten viel schlimmer sündigen als das Volk (sie mußten selbst über die Maßen in den Sünden leben, die sie richteten), wobei sie das heimlich taten und durch Scheinheiligkeit  und Heuchelei verbargen. So waren die jüdischen Führer buchstäblich zu Finsternis geworden: sie repräsentierten Hass und Heuchlei, während Jesus Gnade und Wahrheit war. Jesus wollte die Sünder heilen von ihrer Sünde und war selbst heilig, auch wenn er allein war.
 
Römerbrief 2, 17-29:
 

Die Anklage gegen die Juden 

(die Anklage richtet sich gegen jüdische Führer, weniger gegen das jüdische, einfache Volk)

 17 Wenn du dich aber Jude nennst und verlässt dich aufs Gesetz und rühmst dich Gottes 18 und kennst seinen Willen und prüfst, weil du aus dem Gesetz unterrichtet bist, was das Beste zu tun sei, 19 und maßt dir an, ein Leiter der Blinden zu sein, ein Licht derer, die in Finsternis sind, 20 ein Erzieher der Unverständigen, ein Lehrer der Unmündigen, weil du im Gesetz die Richtschnur der Erkenntnis und Wahrheit hast -: 21 Du lehrst nun andere und lehrst dich selber nicht? Du predigst, man solle nicht stehlen, und du stiehlst? 22 Du sprichst, man solle nicht ehebrechen, und du brichst die Ehe? Du verabscheust die Götzen und beraubst ihre Tempel? 23 Du rühmst dich des Gesetzes und schändest Gott durch Übertretung des Gesetzes? 24 Denn »euretwegen wird Gottes Name gelästert unter den Heiden«, wie geschrieben steht (Jesaja 52,5). 25 Die Beschneidung nützt etwas, wenn du das Gesetz hältst; hältst du aber das Gesetz nicht, so bist du aus einem Beschnittenen schon ein Unbeschnittener geworden. 26 Wenn nun der Unbeschnittene hält, was nach dem Gesetz recht ist, meinst du nicht, dass dann der Unbeschnittene vor Gott als Beschnittener gilt? 27 Und so wird der, der von Natur unbeschnitten ist und das Gesetz erfüllt, dir ein Richter sein, der du unter dem Buchstaben und der Beschneidung stehst und das Gesetz übertrittst. 28 Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht; 29 sondern der ist ein Jude, der es inwendig verborgen ist, und das ist die Beschneidung des Herzens, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht. Das Lob eines solchen ist nicht von Menschen, sondern von Gott.
 
“Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.”
 
Diese lang anhaltenden Auseinandersetzungen Jesu mit den jüdischen Führern, von denen wir im Johannesevangelium lesen, waren nichts anderes als ein Ruf in die Nachfolge an sie. Als Jesus einzelne Sünder ganzheitlich heilte, ging es Jesus natürlich um den einzelnen, aber es sollte auch immer ein Vorbild sein für die jüdischen Führer, wie man mit kranken Sündern umgeht. Hätten sie von Jesus gelernt, wären sie bei ihm in die Schule gegangen; dann hätten sie auch persönlich das Heil, das Licht, gehabt. Durch Liebe zu den Sündern hätten die jüdischen Führer ihr Heil in Jesus bewahren können und aus ihrer Gemeinschaft mit Jesus heraus hätten sie die Sünder lieben können. Selbstverständlich hätten die jüdischen Führer durch Liebe zu den Sündern nicht das Heil erwerben können, sondern am Anfang hätte es gestanden, sich einfach Jesus anzuschließen, ihm nachzufolgen. Aus der Gemeinschaft mit Jesus heraus wären sie zur Liebe fähig geworden und in der Liebe hätten sie ihre Gemeinschaft mit Jesus bewahrt.
 
Die jüdischen Führer verschließen/verstocken sich wiederum und Jesus kann wiederum nur monoton antworten, daß er von Gott komme, zu dem er wieder zurückkehren würde.
 
Eines aber konnten die jüdischen Führer nicht verleugnen: Jesus liebte seine Mitmenschen (“ich richte niemand”), das war historische Tatsache; die jüdischen Führer aber richteten nach dem Fleisch, das heißt sie verfluchten und beleidigten ihre Mitmenschen und zürnten ihnen. Es war also ein historischer Unterschied zwischen Jesus und den jüdischen Führern, der von einem dritten unparteiischen Richter bestätigt worden wäre: Jesu Benehmen war unendlich viel besser als das der jüdischen Führer. Zudem übernahm das einfache Volk die Aufgabe des unparteiischen Richters und gab Jesus die Bestnote und liebte ihn. Eines Tages wird Jesus richten, vielleicht viele, die nicht damit gerechnet hätten.
 
Jesus sprach Menschen die Vergebung zu und dann wurden sie auch körperlich gesund. Das hätten die jüdischen Führer als Bestätigung Jesu durch den Vater werten sollen. Was sollte Gott mehr tun, als das und was sollte Jesus anderes sagen, als das Gott, der Vater, ihn bestätigte?
 
Matthäus 9, 1-8:
 

Die Heilung eines Gelähmten (»Der Gichtbrüchige«)

1 Da stieg er in ein Boot und fuhr hinüber und kam in seine Stadt. 2 Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gelähmten, der lag auf einem Bett. Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. 3 Und siehe, einige unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott. 4 Als aber Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denkt ihr so Böses in euren Herzen? 5 Was ist denn leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? 6 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, auf Erden die Sünden zu vergeben – sprach er zu dem Gelähmten: Steh auf, hebe dein Bett auf und geh heim! 7 Und er stand auf und ging heim. 8 Als das Volk das sah, fürchtete es sich und pries Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat.
 
Waren die jüdischen Führer nicht üble Rabauken?
 
Der sakrale Jesus sprach mit ihnen, sie waren in der Gegenwart Gottes, Jesus sprach und der Vater wirkte, aber sie widerstanden alldem und problematisierten. Wir aber, lieber Leser, sind nicht besser als die Juden, wenn wir unsere Säuglingstaufe, wo wir sakral in die Nachfolge Jesu gerufen wurden, nicht Wert achten und weiter in unseren Sünden leben, statt Jesus nachzufolgen in der Kraft des Rufes, unserer Taufe. Durch die Taufe sind wir der Sünde abgestorben und in Christus. In der Kraft dieses Heils können wir unseren sündigen Leib unterdrücken und Gott und unsere Mitmenschen lieben. Wir sind mit Jesus gestorben und mit ihm auferstanden; das glauben wir, wenn wir ihm nachfolgen. Wenn wir Jesu Opfer am Kreuz wertschätzen als Werk der Erlösung, dann ist es auch ein Sühneopfer für unsere Sünden: uns ist vergeben!
 
 
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Jesus und die Ehebrecherin

Johannesevangelium, Kapitel 8, Verse 1-11

(Fortsetzung von “Jesus und die Juden”)

Jesus und die Ehebrecherin

(Joh. 7, 53  Und jeder ging heim.)
 
1 Jesus aber ging zum Ölberg. 2 Und frühmorgens kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm, und er setzte sich und lehrte sie. 3 Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer brachten eine Frau, beim Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte 4 und sprachen zu ihm: Meister, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. 5 Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du? 6 Das sagten sie aber, ihn zu versuchen, damit sie ihn verklagen könnten. Aber Jesus bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. 7 Als sie nun fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. 8 Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. 9 Als sie aber das hörten, gingen sie weg, einer nach dem andern, die Ältesten zuerst; und Jesus blieb allein mit der Frau, die in der Mitte stand. 10 Jesus aber richtete sich auf und fragte sie: Wo sind sie, Frau? Hat dich niemand verdammt? 11 Sie antwortete: Niemand, Herr. Und Jesus sprach: So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr.
 
Am letzten Tag des Laubhüttenfestes hatte Jesus gesagt:
 
“Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.” Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.
 
Jes 58,11 Und der HERR wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.
 
Dies war der Abschluss eines langen Streitgespräches mit den Juden. Das Streitgespräch begann damit, daß die Juden Jesus vorwarfen, er habe keinen Abschluss an einer ihrer theologischen Hochschulen gemacht und somit könne es gar nicht möglich sein, daß er die Schrift verstehe. Jesus wies das zurück mit dem Argument, daß der Vater ihn gesandt habe, und das die Juden ihn nur deshalb nicht verstünden, weil sie so stur an ihren ungerechten Handlungen festhielten. Denn Gott verstehen wollen und die Bereitschaft sich zu bessern, das gehört untrennbar zusammen. Keiner beschäftige sich mit Theologie und halte dabei fest an der Ungerechtigkeit, denn dann wird er Gott nie verstehen. Jesus wirft ihnen ganz konkret ihre Sünde vor, daß sie ihn nämlich töten wollten, nur weil er den Kranken vom Teich Betesda am Sabbat geheilt hatte. Jesus aber hatte “das Herz des Kranken beschnitten” was die Erfüllung dessen war, was von alters her in der Beschneidung des männlichen Gliedes durch die Juden angedeutet wurde. Jesu Beschneidung war sozusagen eine königliche Beschneidung und die Juden hätten sich darüber freuen sollen, auch am Sabbat. Die Juden schnitten eklige Vorhäute ab am Sabbat, also war es sehr ungerecht Jesus wegen seiner vollkommenen Beschneidung des Herzens am Sabbat anzufeinden.
 
Röm 2,29 sondern der ist ein Jude, der es inwendig verborgen ist, und das ist die Beschneidung des Herzens, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht. Das Lob eines solchen ist nicht von Menschen, sondern von Gott.
Hes 36,26 Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.
 
Somit hatte Jesus den jüdischen Führern das Maul gestopft und lehrte nun frei und ungehindert im Tempel. Alle wußten, daß er aus Galiläa kam. Manche aus dem Volk dachten allerding beim “wahren Christus” wüßte man nicht woher er kommt, andere dachten er müsse aus Bethlehem kommen und so glaubten sie nicht, daß Jesus der wahre Christus sei. Andere aus dem Volk wiederum schauten einfach auf sein vollmächtiges Predigen und seine Zeichen und Wunder und kamen gar nicht auf die Idee daran zu zweifeln, daß Jesus der Christus sei. So war das Volk gespalten.
 
Es ist übrigens erstaunlich, daß Jesus seine Predigt mit der Verkündigung des Evangeliums beendet (er ließ sich von den Juden nicht verbittern): “Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.” Er war eben gekommen, nicht um zu richten, sondern um zu suchen und zu retten, was verloren ist. Auch von den verstockten jüdischen Führern ließ er sich nicht zum Richten verführen, denn die Zeit des Richtens war noch nicht da; es war noch Gnadenzeit.
 
Lk 19,10 Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.
 
Joh 12,47 Und wer meine Worte hört und bewahrt sie nicht, den werde ich nicht richten; denn ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette.
 
Jesus ging dann auf den Ölberg, um für alle zu beten.
 
Es war wieder Werktag, das Laubhüttenfest war vorbei, und doch geht Jesus wieder in den Tempel, um zu lehren. Jetzt heißt es schon, “alles Volk” sei zu ihm gekommen. Offensichtlich war Jesu Wort ein wirksames Wort, dessen Wirkung sich die Menschen nicht entziehen konnten und so hingen sie an seinen Lippen; ließen ihre profane Erwerbsarbeit liegen um Jesu willen (es war Werktag). So wurde aus dem Werktag ein Sabbat des Herrn, des Gottes Israels. Anscheinend waren derer mehr, die glaubten, Jesus sei der Christus, als derer, die an ihm zweifelten.
 
Jesus hatte es geschafft “der Juden Laubhüttenfest” zu einem Laubhüttenfest Gottes zu machen: Menschen erkannten das Lamm Gottes, das ihre Sünden wegnehmen konnte.
 
Und doch, die jüdischen Führer treiben ihre Boshaftigkeit auf die Spitze, trotz Jesu Gnade und Liebe. Jesus verkündet dem jüdischen Volk das Heil, ruft sie auf an ihn zu glauben und die Juden kommen und wollen ihm ein Bein stellen. Jesus tat Gutes, aber die Juden wollten es mit Bösem vergelten. Es war den Juden nicht erlaubt jemand zu töten, denn die Blutgerichtsbarkeit hatten die Römer inne. Man wollte also Jesus zu einer Tat verleiten, die in den Augen der Römer eine Straftat gewesen wäre und dann hätte man ihn angezeigt bei den Römern.
 
Tatsächlich hatte Gott geboten, Ehebrecher zu steinigen. Wir können aber davon ausgehen, daß Mose eine Steinigung immer erst dann anordnete, nachdem der Ehebrecher mehrfach, wieder und wieder, erfolglos ermahnt wurde, nicht mehr die Ehe zu brechen. Gesteinigt wurden also nur halsstarrige Sünder, die nicht bereit waren Buße zu tun. Gerade solche halsstarrigen Sünder waren aber die jüdischen Führer selbst, nur das sie heimlich sündigten:
 
Matthäus 5, 27-28 : Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2.Mose 20,14): »Du sollst nicht ehebrechen.« 28 Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.
 
Matthäus 5, 20: Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.
 
Mag sein, daß die jüdischen Führer öffentliche Sünden vermieden, aber sie platzten innerlich vor Geilheit, Begierde und Lüsternheit, denn Gott hatte sie dahingegeben. Eines war sicher, daß die jüdischen Führer zumindest in ihrer Herzen auch Ehebrecher waren; und sicher kam es bei Dunkelheit auch häufig zu Übergriffen.
 
An anderer Stelle sagt Jesus über die jüdischen Führer (Matthäus 15):
 
1 Da kamen zu Jesus Pharisäer und Schriftgelehrte aus Jerusalem und sprachen: 2 Warum übertreten deine Jünger die Satzungen der Ältesten? Denn sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot essen. 3 Er antwortete und sprach zu ihnen: Warum übertretet denn ihr Gottes Gebot um eurer Satzungen willen? 4 Denn Gott hat geboten (2.Mose 20,12; 21,17): »Du sollst Vater und Mutter ehren; wer aber Vater und Mutter flucht, der soll des Todes sterben.« 5 Aber ihr lehrt: Wer zu Vater oder Mutter sagt: Eine Opfergabe soll sein, was dir von mir zusteht, 6 der braucht seinen Vater nicht zu ehren. Damit habt ihr Gottes Gebot aufgehoben um eurer Satzungen willen. 7 Ihr Heuchler, wie fein hat Jesaja von euch geweissagt und gesprochen (Jesaja 29,13): 8 »Dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir; 9 vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts als Menschengebote sind.« 10 Und er rief das Volk zu sich und sprach zu ihnen: Hört zu und begreift’s: 11 Was zum Mund hineingeht, das macht den Menschen nicht unrein; sondern was aus dem Mund herauskommt, das macht den Menschen unrein. 12 Da traten seine Jünger zu ihm und fragten: Weißt du auch, dass die Pharisäer an dem Wort Anstoß nahmen, als sie es hörten? 13 Aber er antwortete und sprach: Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, die werden ausgerissen. 14 Lasst sie, sie sind blinde Blindenführer! Wenn aber ein Blinder den andern führt, so fallen sie beide in die Grube. 15 Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Deute uns dies Gleichnis! 16 Und Jesus sprach zu ihnen: Seid denn auch ihr noch immer unverständig? 17 Merkt ihr nicht, dass alles, was zum Mund hineingeht, das geht in den Bauch und wird danach in die Grube ausgeleert? 18 Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. 19 Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. 20 Das sind die Dinge, die den Menschen unrein machen. Aber mit ungewaschenen Händen essen macht den Menschen nicht unrein.
 
In den Augen Jesu waren also die Pharisäer und Schriftgelehrten Sünder und sogar extreme Sünder, weil sie ihre Sünden durch Scheinheiligkeit und Heuchelei verbargen. Eigentlich waren sie es, die es verdienten, gesteinigt zu werden.
 
Die jüdischen Führer glaubten nicht an einen Erlöser (aus dem Alten Testament hätten sie eigentlich vom Erlöser Gottes wissen müssen) und lehrten auch das Volk nicht, an einen Erlöser zu glauben, stattdessen verlangten sie vom Volk das Gesetz der Thora, dem sie sogar noch selbstgemachte  Satzungen hinzugefügt hatten, aus eigener Kraft zu halten. Wenn nun das Volk zwangsläufig sündigen mußte, denn ohne einen Erlöser kann kein Mensch so leben, daß er nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommt, wurde es von den jüdischen Führern verdammt: sie zürnten, beleidigten und verfluchten das gemeine Volk.
 
Jesus bückte sich nun nieder, schrieb auf die Erde und die jüdischen Führer als professionelle Schriftkundige mußten eigentlich wissen, was er damit meinte:
 
Jeremia 17, 13: Denn du, HERR, bist die Hoffnung Israels. Alle, die dich verlassen, müssen zuschanden werden, und die Abtrünnigen müssen auf die Erde geschrieben werden; denn sie verlassen den HERRN, die Quelle des lebendigen Wassers.
 
Jeremia 17, 5-6: So spricht der HERR: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt und hält Fleisch für seinen Arm und weicht mit seinem Herzen vom HERRN. 6 Der wird sein wie ein Dornstrauch in der Wüste und wird nicht sehen das Gute, das kommt, sondern er wird bleiben in der Dürre der Wüste, im unfruchtbaren Lande, wo niemand wohnt.
 
“Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.”
 
Dies war kein theoretischer Satz, sondern die jüdischen Führer waren wirkliche, freche, penetrante, halsstarrige Sünder, die kein Recht hatten, andere Sünder zu richten. Und selbst wenn sie keine Sünder gewesen wären, dann hätten sie die Sünder lehren sollen, an einen Erlöser zu glauben und sie nicht richten sollen. Sie  machten sich also doppelter Sünde schuldig.
 
Übrigens sollte man diesen Spruch nicht mißbrauchen, um ein Leben im Ehebruch zu entschuldigen. Natürlich soll ein Mensch den anderen nicht richten für irgendeine Sünde. Wer sich aber bewußt ist, daß er sündigt, der soll seine Gesinnung ändern, Gott um Erlösung bitten, und sich nicht selbst rechtfertigen. Jesus will uns Kraft geben, unsere Begierden zu unterdrücken. Wer jemand sündigen sieht, der missbrauche den Spruch nicht als Rechtfertigung für Tatenlosigkeit, sondern gehe zu seinem Nächsten und verkündige ihm das Evangelium von Jesus, damit er Kraft bekomme, sich zu bessern.
 
Jesus schreibt weiter auf die Erde, das heißt für die jüdischen Führer war die Situation äußerst ernst. Sie befanden sich in einer äußerst kritischen Lage vor Gott; Gott zürnte ihnen sehr.
 
Jesus als der heilige Sohn Gottes hätte das Recht gehabt, die Frau zu richten; aber was macht er?: Er verdammt sie nicht, wie auch die “Sünder” sie nicht verdammt hatten, die gerade hinausgegangen waren.  Jesus tut gleichsam so, als ob er auch ein Sünder wäre. Und tatsächlich durch die Taufe des Johannes hatte sich Jesus in die Gemeinschaft der Sünder begeben, den Johannes’ Taufe war eine Bußtaufe. Durch die Taufe des Johannes wurde man zu einem Menschen, der ausrief: Ich bin ein Sünder, der Vergebung braucht. Selbstverständlich hat Jesus nie gesündigt und brauchte von daher die Taufe des Johannes nicht, aber er wollte sich völlig in die Gemeinschaft der sündhaften Menschen begeben, Jesus wollte voll und ganz Mensch sein. Jesus war kein Sünder, hatte aber die Bescheidenheit eines Sünders; dies wurde versiegelt durch die Taufe des Johannes. Lieber wollte Jesus als Sünder gelten und bei den Menschen sein und ihnen das Heil geben, als heilig zu gelten wie ein Pharisäar und in Selbstsucht, getrennt von seinen Mitmenschen, dahinzuvegetieren.
 
Matthäus 9, 9-13:
 
9 Und als Jesus von dort wegging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus; und er sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm. 10 Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern. 11 Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern? 12 Als das Jesus hörte, sprach er: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. 13 Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6,6): »Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer.« Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.
 
 
“So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr.”
 
Hier müssen wir wieder beachten, daß Jesus selber spricht, also Gottes Sohn. Diese Worte waren sakral, das heißt die Ehebrecherin befand sich in der Gegenwart Gottes. Gott in Jesus ruft gleichsam über ihr aus: “sündige nicht mehr”. Gott gibt der Ehebrecherin ein neues Schicksal, er katapultiert sie heraus aus dem unentrinnbaren Verhängnis der Sünde. In der Kraft dieser Worte sollte die Frau jetzt tatsächlich hingehen, und ihren Ehemann lieben und ihm treu bleiben. Gottes Heilswort ist stärker als unsere sündige Natur, die wir von Adam geerbt haben.
 
Dieses “sündige hinfort nicht mehr” kann kein Christ aussprechen, so wie Jesus, denn Jesus war auch Gott. Wenn wir das aussprechen, ist das nur blanke Information und wird unserem Nächsten nicht viel helfen, der die sündige Natur Adams geerbt hatten und quasi zwanghaft sündigen muß. Wir können unseren Nächsten nur zur Besserung aufrufen (zur Buße aufrufen), er kann es bejahen, und dann soll er sofort sakramental getauft werden oder sich seiner Kindertaufe erinnern. Bei der Taufe wird er mit der Kraft des Todes und der Auferstehung Jesu verbunden. In dieser Kraft kann er die Begierden seines Leibes unterdrücken und Gott und seinen Nächsten lieben; das ist das sakrale “sündige hinfort nicht mehr”. Der Leib bleibt sündig in sich selbst auch nach der Taufe, aber die Gesamtpersönlichkeit kommt unter Gottes Heilswort “sündige nicht mehr”. Täglich muß sich der Getaufte der Heilstatsachen erinnern: “der Sünde abgestorben” und “in Christus” durch die Taufe, so wird er die Lüste seines Leibes unterdrücken können. Täglich lade man den demütigen und sanftmütigen Jesus ein zu herrschen.
 
Freuen wir uns mit Jesus, der einem Sünder mehr das ewige Leben geben durfte und der so selbst Trost empfing von dem Höchsten in all seiner Ablehnung durch die jüdischen Führer. Gott, der Vater, gab Jesus die Sünderin und so wurde Jesus nicht wenig getröstet.
 
Lukas 15, 1-7:
 
1 Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. 2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen. 3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: 4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er “eins” von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet? 5 Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude. 6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. 7 Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über “einen” Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.
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Jesus und die Juden

Johannesevangelium, Kap. 7, Verse 40-52

(Fortsetzung von Jesus und das Laubhüttenfest)

Vorbemerkung: Im deutschen Sprachgebrauch versteht man unter dem Wort “Jude” sowohl Anhänger der jüdischen Religion als auch Menschen, die einer bestimmten Rasse angehören (ein Jude der Rasse nach ist ein Nachkomme des Partriarchen Jakob, der der Urvater Israels ist; ein Jude der Rasse nach kann auch als Israeli bezeichnet werden). Im Johannesvangelium jedoch bedeutet das Wort Jude: jüdischer Führer (Pharisäer und Schriftgelehrte, Hohenpriester, Älteste, Priester, Leviten oder, kurz gesagt, jüdisches Establishment). Das Wort Jude wird im Johannesevangelium polemisch gebraucht, was aber nichts mit Rassenhass zu tun hat (der Autor des Johannesvangeliums Johannes war ja selbst rassischer Jude). Es war vielmehr so, daß die Juden (Pharisäer, Schriftgelehrte, Hohenpriester, etc.) Jesus gegenüber feindselig waren. Die Feindschaft ging also nicht von Jesus aus, sondern von den Juden selbst.

Natürlich ist/war ein Anhänger der jüdischen Religion meistens auch ein rassischer Jude, trotzdem hat die Polemik des Johannesevangeliums nichts mit Rassenhass oder Antisemitismus zu tun, sondern rührt vom falschen Glaubensverständnis der Juden her.

Diejenigen, die wir heute als (gewöhnliche) Juden bezeichnen würden (egal ob damit die Religion oder die Rasse gemeint ist) werden im Johannesevangelium “Viele, Solche oder Einige aus dem Volk” genannt. Johannes unterscheidet also zwischen einfachen Juden, die aus dem Volke, die keine leitenden Funktionen innerhalb  der jüdischen Religion hatten und Juden der Führungsschicht, die er einfach “die Juden” nennt. Erstaunlich ist, daß viele gewöhnliche Juden zum Glauben an Jesus fanden, wenn auch nicht alle. Absolut verstockt oder halsstarrig waren eigentlich nur die jüdischen Führer und selbst da gab es Ausnahmen (Nikodemus, Paulus). Wir müssen uns als verabschieden von der Denke, Juden seien so oder so vom Glauben ausgeschlossen, das ist nicht richtig. Es waren nur die religiösen Fanatiker unter den Juden, die nahezu zu hundert Prozent halsstarrig waren.

Zwiespalt im Volk

40 Einige nun aus dem Volk, die diese Worte hörten, sprachen: Dieser ist wahrhaftig der Prophet. 41 Andere sprachen: Er ist der Christus. Wieder andere sprachen: Soll der Christus aus Galiläa kommen? 42 Sagt nicht die Schrift: Aus dem Geschlecht Davids und aus dem Ort Bethlehem, wo David war, soll der Christus kommen?43 So entstand seinetwegen Zwietracht im Volk. 44 Es wollten aber einige ihn ergreifen; aber niemand legte Hand an ihn. 45 Die Knechte kamen zu den Hohenpriestern und Pharisäern; und die fragten sie: Warum habt ihr ihn nicht gebracht? 46 Die Knechte antworteten: Noch nie hat ein Mensch so geredet wie dieser 47 Da antworteten ihnen die Pharisäer: Habt ihr euch auch verführen lassen? 48 Glaubt denn einer von den Oberen oder Pharisäern an ihn 49 Nur das Volk tut’s, das nichts vom Gesetz weiß; verflucht ist es. 50 Spricht zu ihnen Nikodemus, der vormals zu ihm gekommen war und der einer von ihnen war: 51 Richtet denn unser Gesetz einen Menschen, ehe man ihn verhört und erkannt hat, was er tut 52 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Bist du auch ein Galiläer? Forsche und sieh: Aus Galiläa steht kein Prophet auf.
 
In dem Artikel “Jesus und das Laubhüttenfest” war schon von solchen (aus dem Volk) die Rede, die beeindruckt waren davon, daß Jesus im Tempel frei sprechen konnte und vermuteten von daher, ihre Führer würden ihn vielleicht als Christus erkannt haben. Sie beschwichtigten sich aber dann selbst damit, daß ja beim “wahren Christus” niemand wissen würde, wo er herkäme (von Jesus wußte man ja, daß er aus Galiläa kam). Diese Leute waren extrem säkular, denn sie kannten nicht einmal die Prophezeiung aus Micha, daß der Christus in Bethlehem geboren werden würde.
 
Hier haben wir es mit Leuten zu tun, die zwar wissen, daß der Christus aus Bethlehem kommen sollte; sie sind aber so teuflisch dumm, daß sie Jesus nicht fragen, wo er geboren worden sei. Jesus hätte ihnen geantwortet, daß er in Bethlehem geboren wurde und in Nazareth aufwuchs.
 
Weiter hören wir hier von Leuten, wie schon im Artikel “Jesus und das Laubhüttenfest”, die einfach an Jesus glaubten, wegen seiner Zeichen und Wunder. Einige aus dem Volk hielten es also mit den religiösen Führern, andere aber hielten Jesus für den Christus, so war das Volk gespalten.  Auch Paulus erlebte ähnliches auf seinen Missionsreisen, daß etliche Juden sich verstockten, daß es aber auch Juden gab, die zum Christentum konvertierten. Es waren wahrscheinlich nicht wenige gewöhnliche Juden aus dem Volk, die Jesus für den Christus hielten. Die jüdischen Führer hätten Jesus ja gerne festgenommen, konnten es aber nicht, weil sie einen Aufstand des Volkes befürchten mußten, das heißt das ein signifikanter Anteil des Volkes glaubte, Jesus sei der Christus.
 
Lukasevangelium 19, 47-48 Und er lehrte täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten und die Angesehensten des Volkes trachteten danach, dass sie ihn umbrächten, und fanden nicht, wie sie es machen sollten; denn das ganze Volk hing ihm an und hörte ihn.
 
Nikodemus schlägt die genau richtige Verhaltensweise vor, nämlich persönlich mit Jesus zu reden. Aber selbst die gebildeten Pharisäer und Hohenpriester sind so dämonisch dumm, daß sie einfach erwidern, Jesus käme aus Galiläa und somit könne er nicht der Christus sein. Die Knechte der Hohenpriester und Pharisäer nahmen Jesus natürlich nicht deshalb nicht fest, weil sie an ihn glaubten (noch nie hat ein Mensch so geredet wie dieser), sondern weil sie Angst hatten, vom Volk angegriffen zu werden, falls sie Jesus fest genommen hätten, denn viele aus dem Volk liebten Jesus.
 
Im ganzen Kapitel 7 sehen wir, wie Jesus nicht mit Stellen aus dem Alten Testament argumentiert, um seine Gottessohnschaft zu beweisen, sondern er verlangt von den Juden, daß sie ihm einfach so glaubten. War das nicht unvernünftig von Jesus? Es wäre tatsächlich unvernünftig gewesen, wenn Jesus nur ein einfacher Mensch gewesen wäre oder nur ein einfacher Christ. Jesus war allerdings der fleischgewordene Sohn Gottes, das heißt als Jesus mit den Juden sprach waren sie in der Gegenwart Gottes.
 
Es war nicht etwa so, daß sie sein Worte nur akkustisch vernahmen, also blanke Information empfingen, sondern Gott, der Vater, wirkte auch. Das Reden Jesu war sakral, es kann nicht mit dem Reden irgendeines sonstigen Menschen verglichen werden. Durch Jesus sprach tatsächlich der unsichtbare Gott persönlich und wenn Jesus sagte, er rede nicht aus sich selbst, so war das keine Floskel, sondern ernst gemeint. Die Juden sperrten sich also bewußt gegen Gottes Wirken.
 
Hypothese:
 
Freikirchen (Christliche Gemeinden, Die Versammlung, Baptisten, Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde, Freie Evangelische Gemeinde, etc.) bevorzugen ganz besonders das Johannesevangelium. Das Johannesevangelium ist aber ganz offensichtlich die Dokumentation einer langwierigen Auseinandersetzung zwischen Jesus und den Juden. Sachlich gesehen, ist es also ziemlich fragwürdig, das Johannesevangelium direkt auf Menschen aus den Heiden anzuwenden (man kann das Johannesevang. dann auf Heiden anwenden, wenn man die sakralen Predigten Jesu darin auf die heutige sakramentale Taufe überträgt/transformiert, die im Glauben empfangen wird), denn es enthält scharfe Streitgespräche zwischen Jesus und Juden. Und man muß sich immer vergegenwärtigen, daß hier Jesus selbst sprach und nicht ein einfacher Christ. Als Jesus mit den Juden sprach, war Gott tatsächlich gegegwärtig und wirkte; das Ganze war sakral. Letztendlich kann solch sakrales Reden Jesu heute nur durch die sakramentale Taufe nachgeahmt werden, wo auch Gott gegenwärtig ist. Natürlich soll der Täufling vor der Taufe über das Evangelium unterrichtet worden sein und es soweit für wahr halten; auch soll er jemand sein, der sich von Jesus Erlösung erhofft. Aber die Wirkung der Taufe geht weit über die Wirkung der blanken Information “Jesus starb für dich” hinaus. Durch die Taufe wird der Täufling metaphysisch mit dem Tod und der Auferstehung Jesu verbunden, sodaß er fähig wird, die Begierden seines Leibes zu unterdrücken und Gott und seinen Nächsten zu lieben; das ist der wahre Glaube. Den wahren, metaphysischen Glauben, der weit über ein Für-wahr-halten des Evangeliums hinausgeht, kann nur Gott wirken. Dieser Gott ist gegenwärtig bei der sakramentalen Taufe. Auch die sakramentale Säuglingstaufe ist gültig und darf nicht wiederholt werden. Auch Säuglinge können schon glauben (bei Fragen bitte Kommentar hinterlassen). Die Freikirchen sollten also nicht allzu stolz sein auf ihre große Bibelkenntnis, denn wenn sie eine Ahnung von der Bibel hätten, dann würden sie das Johannesevangelium nicht so überbetonen. Sind wir Juden oder Heiden? Da die Freikirchen wiedertaufen, gehören sie sowieso nicht zur weltweiten, allgemeinen Christlichen Kirche.
 
Jesus sagte “wie in einem fiebrigen Wahn” ständig zu den Juden: “Glaubet an mich, der Vater hat mich gesandt!” Die Juden bedurften eben dringend der neuen Geburt aus Wasser und Geist. Solange sie nicht ins Reich Gottes eingegangen waren durch die neue Geburt, brauchte ihnen Jesus auch nicht Dinge wie die Bergpredigt an den Kopf zu werfen, denn die Bergpredigt ist für solche bestimmt, die durch den Glauben an Jesus bereits den Stand des Heils erlangt haben. Die Bergpredigt ist eine Sammlung von Verhaltensweisen für Jünger Jesu. Durch das Beachten dieser Verhaltensweisen erlangt man nicht das Heil, sondern bewahrt es.
 
Die Bergpredigt (siehe Auslegung Bergpredigt)  ist selbstveständlich auch relevant für uns Heidenchristen. Natürlich waren die Jünger, denen die Bergpredigt gehalten wurde, gläubiggewordene Juden, aber zwischen einem gläubiggewordenen Juden und einem gläubiggewordenen Heiden ist praktisch kein Unterschied mehr, sodaß diese Predigt auch für uns relevant ist. Warum haben eigentlich die Freikirchen so eine Abneigung gegen die Bergpredigt? Sind sie wirklich Jünger, sind sie wirklich im seligen Stand des Heils? Die Freikirchen reißen Verse aus dem Johannesevangelium heraus, um damit ihre vermeintliche Heilsgewißheit zu untermauern, wenn sie aber wahre Christen wären, dann würden sie Jesu Anweisungen aus der Bergpredigt befolgen. Nur wer Jesu Anweisungen aus der Bergpredigt befolgt, der baut sein Haus auf den Felsen.
 
Ende Hypothese.
 
Wie wird man ein Jünger Jesu? Durch die neue Geburt aus Wasser und Geist, die sakramentale Taufe, die im Glauben empfangen wird oder derer man sich im Glauben erinnert, falls man schon als Kind getauft wurde. Gott ist gegenwärtig in der sakramentalen Taufe, genauso wie er gegenwärtig war, als Jesus mit den Juden vom Glauben sprach, wovon wir im Johannesevangelium lesen können.
 
 
 
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Jesus und das Laubhüttenfest

Johannesevang., Kap. 7, Verse 1-39

(Fortsetzung von Scheidung unter den Jüngern/ Bekenntnis des Petrus)

Die Reise zum Laubhüttenfest

1 Danach zog Jesus umher in Galiläa; denn er wollte nicht in Judäa umherziehen, weil ihm die Juden nach dem Leben trachteten. 2 Es war aber nahe das Laubhüttenfest der Juden. 3 Da sprachen seine Brüder zu ihm: Mach dich auf von hier und geh nach Judäa, damit auch deine Jünger die Werke sehen, die du tust. 4 Niemand tut etwas im Verborgenen und will doch öffentlich etwas gelten. Willst du das, so offenbare dich vor der Welt. 5 Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn. 6 Da spricht Jesus zu ihnen: Meine Zeit ist noch nicht da, eure Zeit ist allewege. 7 Die Welt kann euch nicht hassen. Mich aber hasst sie, denn ich bezeuge von ihr, dass ihre Werke böse sind. 8 Geht ihr hinauf zum Fest! Ich will nicht hinaufgehen zu diesem Fest, denn meine Zeit ist noch nicht erfüllt. 9 Das sagte er und blieb in Galiläa. 10 Als aber seine Brüder hinaufgegangen waren zum Fest, da ging auch er hinauf, nicht öffentlich, sondern heimlich. 11 Da suchten ihn die Juden auf dem Fest und fragten: Wo ist er? 12 Und es war ein großes Gemurmel über ihn im Volk. Einige sprachen: Er ist gut; andere aber sprachen: Nein, sondern er verführt das Volk. 13 Niemand aber redete offen über ihn aus Furcht vor den Juden.

 

Jesus auf dem Fest

14 Aber mitten im Fest ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte. 15 Und die Juden verwunderten sich und sprachen: Wie kann dieser die Schrift verstehen, wenn er es doch nicht gelernt hat? 16 Jesus antwortete ihnen und sprach: Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat. 17 Wenn jemand dessen Willen tun will, wird er innewerden, ob diese Lehre von Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede. 18 Wer von sich selbst aus redet, der sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und keine Ungerechtigkeit ist in ihm. 19 Hat euch nicht Mose das Gesetz gegeben? Und niemand unter euch tut das Gesetz. Warum sucht ihr mich zu töten? 20 Das Volk antwortete: Du bist besessen; wer sucht dich zu töten? 21 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ein einziges Werk habe ich getan und es wundert euch alle. 22 Mose hat euch doch die Beschneidung gegeben – nicht dass sie von Mose kommt, sondern von den Vätern -, und ihr beschneidet den Menschen auch am Sabbat. 23 Wenn nun ein Mensch am Sabbat die Beschneidung empfängt, damit nicht das Gesetz des Mose gebrochen werde, was zürnt ihr dann mir, weil ich am Sabbat den ganzen Menschen gesund gemacht habe? 24 Richtet nicht nach dem, was vor Augen ist, sondern richtet gerecht. 25 Da sprachen einige aus Jerusalem: Ist das nicht der, den sie zu töten suchen?26 Und siehe, er redet frei und offen und sie sagen ihm nichts. Sollten unsere Oberen nun wahrhaftig erkannt haben, dass er der Christus ist? 27 Doch wir wissen, woher dieser ist; wenn aber der Christus kommen wird, so wird niemand wissen, woher er ist. 28 Da rief Jesus, der im Tempel lehrte: Ihr kennt mich und wisst, woher ich bin. Aber nicht von mir selbst aus bin ich gekommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt. 29 Ich aber kenne ihn; denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt. 30 Da suchten sie ihn zu ergreifen; aber niemand legte Hand an ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen. 31 Aber viele aus dem Volk glaubten an ihn und sprachen: Wenn der Christus kommen wird, wird er etwa mehr Zeichen tun, als dieser getan hat? 32 Und es kam den Pharisäern zu Ohren, dass im Volk solches Gemurmel über ihn war. Da sandten die Hohenpriester und Pharisäer Knechte aus, die ihn ergreifen sollten. 33 Da sprach Jesus zu ihnen: Ich bin noch eine kleine Zeit bei euch, und dann gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat. 34 Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen. 35 Da sprachen die Juden untereinander: Wo will dieser hingehen, dass wir ihn nicht finden könnten? Will er zu denen gehen, die in der Zerstreuung unter den Griechen wohnen, und die Griechen lehren? 36 Was ist das für ein Wort, dass er sagt: Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, da könnt ihr nicht hinkommen? 37 Aber am letzten Tag des Festes, der der höchste war, trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! 38 Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. 39 Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.
 
Wie wir wissen, hatte Jesus in Judäa ein “Verbrechen” begangen, indem er am Sabbat einen Kranken geheilt hatte (der Kranke vom Teich Betesda). In den Augen der Pharisäer und Schriftgelehrten war Jesus ein Sabbatbrecher (in den Augen Gottes allerdings war die Heilung ein Gottesdienst gewesen und genau die richtige Weise den Sabbat zu feiern). Gott selbst hatte geboten, am Sabbat Schafe zu opfern:
 
4. Mose 28, 9-10:
 
9 Am Sabbattag aber zwei einjährige Schafe ohne Fehler und zwei Zehntel feinstes Mehl zum Speisopfer, mit Öl vermengt, und sein Trankopfer. 10 Das ist das Brandopfer an jedem Sabbat außer dem täglichen Brandopfer samt seinem Trankopfer.
 
Die Opfertiere sollten selbstverständlich nur ein Vorbild auf das Opferlamm Christus sein, das wirklich Sünden wegnehmen konnte. Es war also sehr boshaft von den Juden, daß sie Jesus wegen des vermeintlichen Sabbatbrechens anklagten, denn er war nichts anderes als das wahre Opferlamm, daß seit uralten Zeiten durch Opfertiere vorgeschattet wurde, die an jedem Sabbat feierlich geopfert wurden (und keiner machte den Priestern, die die Tiere opferten, den Vorwurf, sie würden den Sabbat brechen). Jesus, das wahre Opferlamm, gab dem Kranken von Betesda das Heil; er konnte das tun im Hinblick auf seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung.
 
Die Juden (Pharisäer und Schriftgelehrte, Hohenpriester, Älteste, Priester und Leviten) wollten Jesus tatsächlich umbringen wegen ihres perversen Sabbatwahns und so mußte Jesus aus Judäa fliehen und sich in Galiläa aufhalten.
 
Eine Volksmenge zog Jesus hinterher weil sie seine Zeichen und Wunder sahen. An einem Berg am See Genezareth (auch galiläisches Meer oder See Tiberias genannt) bereitet Jesus den Menschen einen herzlichen Empfang, indem er Fisch und Brot vermehrt und ihnen vorsetzt. Sie aber verstehen ihn falsch und meinen er sei ein übernatürlicher Brotmacher oder biete ihnen sogar magisches Brot an, das unsterblich macht. Jesus setzt es ihnen dann bis ins Detail auseinander und es wird klar, daß er sie nicht materiell sondern spirituell segnen wollte. Er wollte nicht ihre Bäuche füllen, sondern den Hunger und Durst ihrer Seele stillen. Er drückt es dann überspitzt aus, daß sie ihn selbst essen sollten (sein Fleisch essen, sein Blut drinken), womit er auf die sakramentale Taufe anspielt, die neue Geburt aus Wasser und Geist, wo man vereinigt wird mit Jesus, mit ihm eins wird. Da verließen ihn Viele, denn eine Vereinigung mit Jesus lief ihrem ganzen Streben diametral entgegen: Sie wollten in ihrer Selbstsucht, die nicht bereit war Brot mit dem Nächsten zu teilen, Jesus als Brotmacher missbrauchen; Jesus aber wollte aus ihnen Leute machen, die ihr Brot mit ihrem Nächsten teilten und zwar Brot, das sie durch ihrer Hände Arbeit verdient hatten.
 
Jesus predigte dananach weiter in Galiläa und zur Zeit des Laubhüttenfestes werfen seine leiblichen Brüder es ihm an den Kopf, er solle auf das Fest gehen zu seinen “Jüngern” (sie meinten die Pharisäer und Schriftgelehrten, Priester und Leviten, etc. in Jerusalem). Die leiblichen Brüder Jesu unterstellten ihm also, er unterscheide sich nicht von den religiösen Führern der Juden, wäre sogar ein Oberjude, und wolle auch nur eine religiöse Karriere machen. Sie sollten ihn nicht drängen nach Jerusalem zu gehen, erwiderte er, sich in Lebensgefahr zu bringen, denn die Zeit für sein Abscheiden war noch nicht reif; die Zeit für sie aber war reif, endlich an ihn zu glauben, denn der Zorn Gottes war noch über ihnen und so waren sie es, die eigentlich in Lebensgefahr waren und bei denen Handlungsbedarf bestand. Die leiblichen Brüder Jesu hatten offensichtlich auch das böse Spiel der jüdischen Führer noch nicht durchschaut, die perverse Heuchler wahren. Sie waren nur äußerlich heilig, aber innerlich voller Totengebeine und Unrat:
 
Matthäusevangelium 23:
 

Gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer

1 Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen Jüngern 2 und sprach: Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer. 3 Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht handeln; denn sie sagen’s zwar, tun’s aber nicht. 4 Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern; aber sie selbst wollen keinen Finger dafür krümmen. 5 Alle ihre Werke aber tun sie, damit sie von den Leuten gesehen werden. Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Kleidern groß. 6 Sie sitzen gern obenan bei Tisch und in den Synagogen 7 und haben’s gern, dass sie auf dem Markt gegrüßt und von den Leuten Rabbi genannt werden. 8 Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder. 9 Und ihr sollt niemanden unter euch Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist. 10 Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus. 11 Der Größte unter euch soll euer Diener sein. 12 Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht. 13-14 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein und die hineinwollen, lasst ihr nicht hineingehen.1 15 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr Land und Meer durchzieht, damit ihr einen Judengenossen gewinnt; und wenn er’s geworden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr. 16 Weh euch, ihr verblendeten Führer, die ihr sagt: Wenn einer schwört bei dem Tempel, das gilt nicht; wenn aber einer schwört bei dem Gold des Tempels, der ist gebunden. 17 Ihr Narren und Blinden! Was ist mehr: das Gold oder der Tempel, der das Gold heilig macht? 18 Oder: Wenn einer schwört bei dem Altar, das gilt nicht; wenn aber einer schwört bei dem Opfer, das darauf liegt, der ist gebunden. 19 Ihr Blinden! Was ist mehr: das Opfer oder der Altar, der das Opfer heilig macht? 20 Darum, wer schwört bei dem Altar, der schwört bei ihm und bei allem, was darauf liegt. 21 Und wer schwört bei dem Tempel, der schwört bei ihm und bei dem, der darin wohnt. 22 Und wer schwört bei dem Himmel, der schwört bei dem Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt. 23 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Zehnten gebt von Minze, Dill und Kümmel und lasst das Wichtigste im Gesetz beiseite, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Doch dies sollte man tun und jenes nicht lassen. 24 Ihr verblendeten Führer, die ihr Mücken aussiebt, aber Kamele verschluckt! 25 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr die Becher und Schüsseln außen reinigt, innen aber sind sie voller Raub und Gier! 26 Du blinder Pharisäer, reinige zuerst das Innere des Bechers, damit auch das Äußere rein wird! 27 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch aussehen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat! 28 So auch ihr: von außen scheint ihr vor den Menschen fromm, aber innen seid ihr voller Heuchelei und Unrecht. 29 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Propheten Grabmäler baut und die Gräber der Gerechten schmückt 30 und sprecht: Hätten wir zu Zeiten unserer Väter gelebt, so wären wir nicht mit ihnen schuldig geworden am Blut der Propheten! 31 Damit bezeugt ihr von euch selbst, dass ihr Kinder derer seid, die die Propheten getötet haben. 32 Wohlan, macht auch ihr das Maß eurer Väter voll! 33 Ihr Schlangen, ihr Otternbrut! Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen? 34 Darum: siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und von ihnen werdet ihr einige töten und kreuzigen, und einige werdet ihr geißeln in euren Synagogen und werdet sie verfolgen von einer Stadt zur andern, 35 damit über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut des gerechten Abel an bis auf das Blut des Secharja, des Sohnes Berechjas, den ihr getötet habt zwischen Tempel und Altar. 36 Wahrlich, ich sage euch: Das alles wird über dieses Geschlecht kommen.
 
Es ist klar, daß wenn Jesus das den jüdischen Führern vorhielt, daß sie ihn dann hassen mußten. Ihr Hauptproblem war anscheinend die Ehrsucht. Die leiblichen Brüder Jesu machten den jüdischen Führern sicherlich nicht solche Vorhaltungen, denn sie ließen sich täuschen von ihrer Scheinheiligkeit und Heuchelei, so wie sich heute die Leute von katholischen pädophilen Priestern und schwulen evangelischen Pfarrern täuschen lassen.
 
Schlimm muß es für Jesus gewesen sein, daß seine leiblichen Brüder ihm nun unterstellten er sei einer von jenen Ehrsüchtigen, ja sogar ein Führer und Lehrer der Ehrsüchtigen. Erst verließ Jesus die ganze Schar der Brotjünger und jetzt auch noch das – Jesus hatte es wirklich nicht leicht.
 
Jesus wollte seinen leiblichen Brüdern nicht zu Willen sein und er wollte auch noch nicht für die Sünder sterben, deshalb blieb er zunächst in Galiläa. Jesus geht dann doch heimlich nach Jerusalem. Nachdem er die Lage eingeschätzt hat, wagt er es doch öffentlich im Tempel zu predigen.
 
Es wird hier übrigens etwas interessantes passieren und zwar kommt es wieder zu einer scharfen Auseinandersetzung mit den religiösen Führern der Juden, aber Jesus gibt einer Ehebrecherin das Heil. Ähnlich verlief es auch schon, als Jesus vormals in Jerusalem gewesen war, um den Kranken von Betesda zu heilen: Ein scharfes Streitgespräch mit den Juden, aber der Kranke wurde geheilt.  Es ist übrigens kaum zu glauben wieviel Kraft und Energie Jesus in die Streitgespräche mit den jüdischen Führern investierte. Es ging ihm dabei keinesfalls darum bei den Streitgesprächen den Sieg davonzutragen, sondern es ging ihm um das Heil der jüdischen Führer. Jesus war so sanftmütig und demütig, daß er selbst diesen Monstern, die ihn hassten und töten wollten, das Heil geben wollte. Solche Sanftmut und Demut konnten wohl auch die Jünger kaum fassen. Es war schlicht und einfach die Sanftmut und Demut Gottes, die jeden menschlichen Horizont übersteigt.
 
Jesus war ein hervorragender Kenner des Alten Testamentes und vor allem verstand er es. Die Juden aber waren so dämonisiert, daß sie seine Lehrfähigkeit nicht anerkennen wollten, nur weil er nicht an einer ihrer lächerlichen Schulen einen Abschluss erworben hatte. Jesus war schon immer in Gott und deshalb verstand er das Alte Testament. Jesus war kein Sünder, der seine eigene Ehre suchte, sondern ein Mensch Gottes, der nach Gerechtigkeit strebte, also nach Ehre bei Gott. Und da haben wir wieder dieses Prinzip, daß wer anfängt, sich mit Glaubensfragen zu beschäftigen, der höre auf die eigene Ehre zu suchen und suche Ehre  bei Gott. Ehre bei Gott suchen, heißt zu streben nach Nächstenliebe und Gerechtigkeit. Wer das tut, der wird die Heiligen Schriften verstehen. Wer sich bessern will, der beschäftige sich auch mit der neuen Geburt aus Wasser und Geist, das heißt der sakramentalen Taufe. Da empfängt man den Heiligen Geist, den göttlichen Lehrer, und so wird man die Schriften verstehen. Komm erst in das Reich Gottes und fange dann erst an über Dinge zu reden, die sich in diesem Reich befinden. Was willst du über ein Reich reden, solange du draußen stehst? Ist das nicht unsinnig?
 
Am Sabbat wurden nicht nur Tiere geopfert von den Juden, sondern auch Beschneidungen durchgeführt. Sie, die Säuglinge am Sabbat beschnitten, wollten Jesus töten, weil er einen Kranken am Sabbat geheilt hat. Ihr Hass gegen Jesus war wirklich dämonisch und gegen den gesunden Menschenverstand gerichtet.
 
Und da können sie ihm nichts mehr antworten, es hatte ihnen die Sprache verschlagen. Jesus hatte sie blossgestellt als dämonisierte Hasser.
 
Einige Jerusalemer kommen ins Nachdenken über Jesus, aber da werden sie weggerissen von ihrer teuflischen Dummheit, denn sie wissen nicht einmal, daß es eine Prophezeiung gab, daß der Messias aus Bethlehem kommen sollte; hätten sie ein bischen nachgeforscht, sie hätten sich selbst eingestehen müssen, daß Jesus der Christus war.
 
Mi 5,1 Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.
Mt 2,1 Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen:
 
Warum wuchs Jesus aber dann in Nazareth auf? Hier ist die Antwort (Matthäus 2, 19-23):
 
19 Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum in Ägypten 20 und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und zieh hin in das Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben getrachtet haben. 21 Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich und kam in das Land Israel. 22 Als er aber hörte, dass Archelaus in Judäa König war anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und im Traum empfing er Befehl von Gott und zog ins galiläische Land 23 und kam und wohnte in einer Stadt mit Namen Nazareth, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazoräer heißen.
 
Jesus bleibt nichts anderes übrig, als wieder ganz schlicht und einfach zu betonen, daß Gott in gesandt hätte. Interessant, daß Jesus hier nicht den Schriftbeweis führt mit der Stelle aus Micha, wo seine Geburt in Bethlehem vorausgesagt worden war, sondern sie sollten einfach den Worten glauben, die er gerade sprach. Gott stand persönlich vor ihnen, wie konnten sie ihm da nicht glauben. Aber wie schon Johannes der Täufer gesagt hatte: Gott vermochte aus Steinen Gläubige zu machen, wenn er gewollt hätte, aber an diesen halsstarrigen Juden mußte sogar Gott verzweifeln. Viele glaubten aber doch an ihn, und da will man ihn gleich verhaften. Jesus schließt das Ganze ab, indem er sagt, er würde zu Gott zurückkehren, was nichts anderes als eine indirekte Gerichtsdrohung war. Wenn sie ihn verwarfen, dann blieb für sie nur noch das Gericht, das Jesus selbst am Jüngsten Tag vollziehen wird. Und als allerletztes sagt Jesus nochmals das Evanglium von sich selbst, daß wer an ihn glauben würde, der würde den Heiligen Geist empfangen, der ein Leben in Liebe und Gerechtigkeit verleiht.
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Johannes der Täufer

Johannes der Täufer war ein Asket (zumindest hielt man ihn für einen Asketen) und Heiliger in Israel. Wenn jemand glaubwürdig, ehrbar und zuverlässig war in Israel, dann war es Johannes der Täufer. Jeder in Israel wußte, daß Johannes die Wahrheit redete und daß man ihm jedes Wort glauben konnte (sein Zeugnis war zuverlässig).

Für Johannes den Täufer war es schwierig bis unmöglich mal “fünf gerade sein zu lassen” und das schon von Mutterleibe an (siehe Lukasevangelium 1, 15). Eigentlich hätte Johannes das Priesteramt offengestanden, denn wie sein Vater war er ein Nachkomme des Priesters Aron über Abija (1. Chronik 24, 10).

Lukasevangelium 1, 5-80:

Die Ankündigung der Geburt Johannes des Täufers

5 Zu der Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester von der Ordnung Abija, mit Namen Zacharias, und seine Frau war aus dem Geschlecht Aaron und hieß Elisabeth. 6 Sie waren aber alle beide fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig. 7 Und sie hatten kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar und beide waren hochbetagt. 8 Und es begab sich, als Zacharias den Priesterdienst vor Gott versah, da seine Ordnung an der Reihe war, 9 dass ihn nach dem Brauch der Priesterschaft das Los traf, das Räucheropfer darzubringen; und er ging in den Tempel des Herrn. 10 Und die ganze Menge des Volkes stand draußen und betete zur Stunde des Räucheropfers. 11 Da erschien ihm der Engel des Herrn und stand an der rechten Seite des Räucheraltars. 12 Und als Zacharias ihn sah, erschrak er, und es kam Furcht über ihn. 13 Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Johannes geben. 14 Und du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen. 15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken und wird schon von Mutterleib an erfüllt werden mit dem Heiligen Geist. 16 Und er wird vom Volk Israel viele zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. 17 Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft Elias, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist. 18 Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin alt und meine Frau ist betagt. 19 Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden und dir dies zu verkündigen. 20 Und siehe, du wirst stumm werden und nicht reden können bis zu dem Tag, an dem dies geschehen wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die erfüllt werden sollen zu ihrer Zeit. 21 Und das Volk wartete auf Zacharias und wunderte sich, dass er so lange im Tempel blieb. 22 Als er aber herauskam, konnte er nicht mit ihnen reden; und sie merkten, dass er eine Erscheinung gehabt hatte im Tempel. Und er winkte ihnen und blieb stumm. 23 Und es begab sich, als die Zeit seines Dienstes um war, da ging er heim in sein Haus. 24 Nach diesen Tagen wurde seine Frau Elisabeth schwanger und hielt sich fünf Monate verborgen und sprach: 25 So hat der Herr an mir getan in den Tagen, als er mich angesehen hat, um meine Schmach unter den Menschen von mir zu nehmen.

 

Die Ankündigung der Geburt Jesu

26 Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, 27 zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. 28 Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! 29 Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? 30 Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. 31 Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. 32 Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, 33 und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. 34 Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß? 35 Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. 36 Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei. 37 Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. 38 Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.

 

Marias Besuch bei Elisabeth

39 Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda 40 und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. 41 Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt 42 und rief laut und sprach: Gepriesen bist du unter den Frauen, und gepriesen ist die Frucht deines Leibes! 43 Und wie geschieht mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 44 Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe. 45 Und selig bist du, die du geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn.

 

Marias Lobgesang

46 Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, 47 und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes; 48 denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. 49 Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist. 50 Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten. 51 Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. 52 Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. 53 Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. 54 Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, 55 wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit. 56 Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate; danach kehrte sie wieder heim.
 

Die Geburt Johannes des Täufers

57 Und für Elisabeth kam die Zeit, dass sie gebären sollte; und sie gebar einen Sohn. 58 Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, dass der Herr große Barmherzigkeit an ihr getan hatte, und freuten sich mit ihr. 59 Und es begab sich am achten Tag, da kamen sie, das Kindlein zu beschneiden, und wollten es nach seinem Vater Zacharias nennen. 60 Aber seine Mutter antwortete und sprach: Nein, sondern er soll Johannes heißen. 61 Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt. 62 Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn nennen lassen wollte. 63 Und er forderte eine kleine Tafel und schrieb: Er heißt Johannes. Und sie wunderten sich alle. 64 Und sogleich wurde sein Mund aufgetan und seine Zunge gelöst, und er redete und lobte Gott. 65 Und es kam Furcht über alle Nachbarn; und diese ganze Geschichte wurde bekannt auf dem ganzen Gebirge Judäas. 66 Und alle, die es hörten, nahmen’s zu Herzen und sprachen: Was, meinst du, will aus diesem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.
 

Der Lobgesang des Zacharias

67 Und sein Vater Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach: 68 Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk 69 und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils im Hause seines Dieners David 70 - wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten -, 71 dass er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen, 72 und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund 73 und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, 74 dass wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde, 75 ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen. 76 Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest 77 und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden, 78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, 79 damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. 80 Und das Kindlein wuchs und wurde stark im Geist. Und er war in der Wüste bis zu dem Tag, an dem er vor das Volk Israel treten sollte.
 

Aber anscheinend mochten ihn die anderen Priester nicht leiden und schickten ihren jungen Kollegen in die Wüste. Vermutlich wußte Johannes zu wenig zu unterscheiden zwischen Geschäftsleben (Tempeldienst) und Privatleben so wie seine Priester-Kollegen: “Sollte ein Priester Gottes nicht auch privat heilig sein und nicht nur im Tempel?”, dachte sich Johannes. Es mag sogar vorgekommen sein, daß Johannes ab und zu einen Priesterkollegen zurechtwies, wenn es dieser mit der Heiligkeit im Privatleben nicht so genau nahm. Solch ein Störenfried wie Johannes mußte sich im Laufe der Zeit unbeliebt machen und so wart Johannes in der Wüste gefunden und nicht mehr im Tempel. Auch als einfacher Handwerker oder Landarbeiter auf das Gebirge Judäa zu gehen, wo seine Eltern wohnten, daran konnte Johannes nicht denken, denn wer wollte schon einen entlassenen Priester anstellen. Johannes war heilig, schön und gut, aber seine Sozialkompetenz war gleich Null (so dachten die Leute über ihn).

Im obigen Abschnitt aus dem Lukasevangelium lesen wir, daß Johannes schon von Mutterleib an mit dem Heiligen Geist erfüllt war. Wann empfing der Embryo Johannes den Heiligen Geist? Da brauchen wir bloß 1 und 1 zusammenzuzählen. Das passierte, als die schwangere Maria die schwangere Elisabeth besuchte. Jesus, der im Leib der Maria war, gab Johannes den Heiligen Geist.

Wann empfing Jesus den Heiligen Geist? Da unterscheidet sich Jesus von allen Menschen, die Nachkommen Adams sind, denn Jesus ist der fleischgewordene Gott (Jesus stammte nicht von Adam ab). Er kam sozusagen zweimal in diese Welt. Erst kam er in den Leib der Maria und dann wurde er von Maria geboren. Jesus ist der Mensch, der schon immer in Gott war, immer in Gott ist, und immer in Gott bleiben wird. So ist Jesus der Erstgeborene einer neuen Menschheit (die alte Menschheit hat im Gegensatz zu Jesus das Attribut, daß sie Gott nur immerfort verläßt, ohne jeglichen Grund). Jesus hatte den Heiligen Geist schon, als er in den Leib der Maria kam, ja sogar bevor er in den Leib der Maria kam und er hatte den Heiligen Geist ohne Maß, das heißt die Fülle der Gottheit wohnte leibhaftig in ihm.

Johannesevangelium 3, 34: Denn der, den Gott gesandt hat, redet Gottes Worte; denn Gott gibt den Geist ohne Maß.

Jesus “hatte das Glück”, daß er nur der Sohn eines einfachen Zimmermanns war, denn angenommen Joseph (den man für Jesu Vater hielt) wäre Priester gewesen, dann hätte Jesus das gleiche Schicksal ereilt wie Johannes.

Wir lesen nirgends im Neuen Testament, daß Jesus hinausgegangen wäre zu Johannes in die Wüste, um dort das Asketen-Dasein mit Johannes zu teilen. Vielmehr wurde Jesus auch noch während seines Missionsdienstes als Zimmermann bezeichnet, das heißt bis zum Beginn seines öffentlichen Dienstes blieb Jesus Zimmermann und lebte in Nazareth.

Mk 6,3 Ist er nicht der Zimmermann, Marias Sohn, und der Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Sind nicht auch seine Schwestern hier bei uns? Und sie ärgerten sich an ihm.

Wir können also schlussfolgern, daß das Asketen-Dasein keinen Wert hat in sich selbst, sondern das Johannes gezwungenermaßen  als Asket leben mußte. Wenn das Asketen-Dasein einen Wert in sich selbst hätte, dann hätte es Jesus mit Johannes geteilt.

Lukasevangelium 7, 30-35:

30 Aber die Pharisäer und Schriftgelehrten verachteten, was Gott ihnen zugedacht hatte, und ließen sich nicht von ihm (Johannes) taufen. 31 Mit wem soll ich die Menschen dieses Geschlechts vergleichen, und wem sind sie gleich? 32 Sie sind den Kindern gleich, die auf dem Markt sitzen und rufen einander zu: Wir haben euch aufgespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt nicht geweint. 33 Denn Johannes der Täufer ist gekommen und aß kein Brot und trank keinen Wein; so sagt ihr: Er ist besessen. 34 Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt; so sagt ihr: Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! 35 Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden von allen ihren Kindern.

Zweifellos, Johannes befleißigte sich der Mäßigung, was Essen und Trinken angeht, aber es ist hundertprozentig sicher, daß Jesus das gleiche tat. Es ist nur so, daß die Pharisäer und Schriftgelehrten in ihrem dämonischen Hass das gleiche Verhalten bei zwei Personen unterschiedlich bewerteten, sodaß sie Johannes einen besessenen Hungerleider sein ließen und Jesus einen Fresser und Weinsäufer. Wenn der Engel Gabriel von Johannes sagte, daß er Wein und starkes Getränk nicht trinken wird, dann muß man das ins Verhältnis setzen zum Alkoholkonsum seiner Priesterkollegen. Sie soffen soviel und fraßen soviel, daß Johannes daneben als Waisenknabe erscheinen mußte, der nur wenig trank und aß (natürlich aß und trank Johannes tatsächlich wenig, aber nur vor dem Hintergrund der Sauferei und Völlerei seiner Kollegen erschien das “negativ”, negativ in den Augen seiner sündigenden Kollegen).

Wenn auch die Askese keinen Wert hat in sich selbst, so hat doch die Mäßigung einen großen Wert. Beide, Johannes und Jesus, aßen und tranken wenig und das gehört sicher zum Leben des frommen Menschen. Luther nannte das das evangelische Fasten. Gebet und Fasten führen dazu, daß der Heilige Geist sich entfalten kann. Es ist jedoch nicht so, daß ein Mensch durch Gebet und Fasten den Geist empfängt. Dies geschieht durch die neue Geburt aus Wasser und Geist, das heißt die sakramentale Taufe, die  im Glauben empfangen wird. Man kann nur den Geist fördern durch Gebet und Fasten, den man bereits empfangen hat.

Heutzutage würde man Johannes sicherlich als Moralapostel bezeichnen, aber er war mehr als das. Johannes rief zur Besserung auf, ja seine Taufe war eine Bußtaufe, aber er sagte den Menschen auch, daß sie an den glauben sollten, der nach ihm kommen würde, an Jesus.

Apostelgeschichte 19, 1-7:

1 Es geschah aber, als Apollos in Korinth war, dass Paulus durch das Hochland zog und nach Ephesus kam und einige Jünger fand. 2 Zu denen sprach er: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie sprachen zu ihm: Wir haben noch nie gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt. 3 Und er fragte sie: Worauf seid ihr denn getauft? Sie antworteten: Auf die Taufe des Johannes. 4 Paulus aber sprach: Johannes hat getauft mit der Taufe der Buße und dem Volk gesagt, sie sollten an den glauben, der nach ihm kommen werde, nämlich an Jesus. 5 Als sie das hörten, ließen sie sich taufen auf den Namen des Herrn Jesus. 6 Und als Paulus die Hände auf sie legte, kam der Heilige Geist auf sie und sie redeten in Zungen und weissagten. 7 Es waren aber zusammen etwa zwölf Männer.

Diese “Wiedertaufe” war ausnahmsweise legitim, denn die Taufe des Johannes war keine sakramentale Taufe gewesen (eine sakramentale Taufe darf nicht wiederholt werden!). Johannes konnte die Menschen sozusagen nur in die Buße hineintaufen, aber nicht in Jesus hinein. Was Jesus anging, mußte er sie eben an Jesus selbst verweisen. Jesus konnte Menschen sakramental taufen, das heißt in seine Nachfolge rufen ohne einen Taufakt, indem er z. B. zu  jemand sagte: “Komm, und folge mir nach!” Wenn heutzutage jemand sakramental getauft wird, dann entspricht das einem “Komm, und folge mir nach!” von Jesus, als er auf Erden lebte. Wir müssen daran denken, daß Jesus der Sohn Gottes war bzw. der Christus und so waren seine gesprochenen Worte sakral. In der Kraft des “Komm, und folge mir nach!” konnte z. B. Petrus Jesus nachfolgen. Wenn ein Christ sagt: “Folge Jesus nach!”, dann sind das keine sakralen Worte, sondern nur Information. Wenn ein Christ jemand am Heil in Jesus Anteil geben will, dann muß er den Menschen sakramental taufen oder ihm sagen, er solle sich an seine Kindertaufe erinnern. Der Gegenstand der Taufe ist der Tod und die Auferstehung Jesu. Jesus starb für unsere Sünden am Kreuz und ist um unserer Rechtfertigung willen auferstanden von den Toten.

Lukasevangelium 3, 1-20:

1 Im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war und Herodes Landesfürst von Galiläa und sein Bruder Philippus Landesfürst von Ituräa und der Landschaft Trachonitis und Lysanias Landesfürst von Abilene, 2 als Hannas und Kaiphas Hohepriester waren, da geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste. 3 Und er kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden, 4 wie geschrieben steht im Buch der Reden des Propheten Jesaja (Jesaja 40,3-5): »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige eben! 5 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden. 6 Und alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen.« 7 Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? 8 Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. 9 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 10 Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun? 11 Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso. 12 Es kamen auch die Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun? 13 Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! 14 Da fragten ihn auch die Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt oder Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold! 15 Als aber das Volk voll Erwartung war und alle dachten in ihren Herzen von Johannes, ob er vielleicht der Christus wäre, 16 antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, der ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. 17 In seiner Hand ist die Worfschaufel, und er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen in seine Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen. 18 Und mit vielem andern mehr ermahnte er das Volk und verkündigte ihm das Heil. 19 Der Landesfürst Herodes aber, der von Johannes zurechtgewiesen wurde wegen der Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen alles Bösen, das er getan hatte, 20 fügte zu dem allen noch dies hinzu: er warf Johannes ins Gefängnis.

Da sagt es Johannes selbst, daß seine Taufe “nichts” war im Vergleich zur Taufe Jesu. Johannes’ Taufe war nur eine Bußtaufe, aber Jesus konnte mit dem Heiligen Geist taufen. Und die Jünger von Ephesus (siehe oben) empfingen ja erst den Heiligen Geist, als Paulus sie sakramental taufte.

Aber das entscheidende hier ist, daß Johannes genau sagt, was Buße ist. Buße bedeutet umzuschalten von Egoismus und Ungerechtigkeit auf Nächstenliebe (ein Hemd abgeben, ein Brot abgeben) und Gerechtigkeit (keine überhöhten Gebühren verlangen, kein Mißbrauch von Gewalt, stattdessen sich am Sold genügen lassen). Offensichtlich mißbrauchten Zöllner und Soldaten ihre staatliche Gewalt/Hoheit gerne, um Menschen ungerechterweise etwas abzunehmen und ihren Sold aufzubessern.

Und gleichzeitig sagte er den Menschen, sie sollten an Jesus glauben. Und das ist eben das Wichtige, daß man, sobald man sich mit Glaubensfragen beschäftigt, auch anfängt Buße zu tun, das heißt ernsthaft nach Besserung zu streben. Nur so wird die Beschäftigung mit Glaubensfragen zu einem vernünftigen Ergebnis führen. Wer aufrichtig nach Besserung strebt, der wird merken, wie sündhaft er ist und wird schlußfolgern, daß er einen Erlöser braucht, der ihm Liebe und Gerechtigkeit schenkt. Genau das ist Jesus. Durch seine Bußtaufe machte Johannes die Menschen zu Leuten, die nach einem Erlöser riefen. Er sagte ihnen auch, wer dieser Erlöser war. Durch die folgende sakramentale Taufe konnten die Leute dann diesen Erlöser aufnehmen oder mit ihm verbunden werden und das war die neue Geburt aus Wasser und Geist.

In seiner Brot-des-Lebens-Predigt aus dem Johannesevangelium sagt Jesus, daß man sein Fleisch essen und sein Blut trinken müsse, um selig zu werden; er meinte damit die sakramentale Taufe. Denn nach Römerbrief 6 werden wir durch die Taufe mit Jesus verbunden. Wenn wir getauft sind, dann können wir aus der Kraft Jesu unseren Nächsten lieben und gerecht sein. Unser Leib ist sündhaft in sich selbst, doch dem können wir täglich Jesus entgegensetzen, wenn wir getauft sind. Durch die Taufe sind wir der Sünde abgestorben und in Christus. Dies müssen wir täglich unserm sündigen Leib entgegenhalten und ihn zwingen zu lieben und gerecht zu sein, obwohl er sündig in sich selbst ist. Das ist das Geheimnis der Taufe. Es ist übrigens egal ob wir sagen, wir seien in Christus oder wir hätten den Heiligen Geist. Sicher ist, daß durch die Taufe eine Person der Gottheit bei uns ist und uns hilft unsere Sündhaftigkeit zu unterdrücken.

Keine Wiedertaufe! Wer schon als Kind getauft wurde, aber erst als Erwachsener anfängt zu glauben, der soll sich nicht wiedertaufen lassen, sondern einfach seiner Kindertaufe erinnern und in der Kraft seiner Kindertaufe Jesus nachfolgen.

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Scheidung unter den Jüngern/ Bekenntnis des Petrus

Johannesevang., Kap. 6, Verse 60-71

Scheidung unter den Jüngern

60 Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? 61 Da Jesus aber bei sich selbst merkte, dass seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Ärgert euch das? 62 Wie, wenn ihr nun sehen werdet den Menschensohn auffahren dahin, wo er zuvor war? 63 Der Geist ist’s, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben. 64 Aber es gibt einige unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wusste von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. 65 Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben.
 

Das Bekenntnis des Petrus

66 Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm. 67 Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt ihr auch weggehen? 68 Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; 69 und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes. 70 Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht euch Zwölf erwählt? Und einer von euch ist ein Teufel. 71 Er redete aber von Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Der verriet ihn hernach und war einer der Zwölf.
 
 
Man könnte die Frage stellen, warum Gott am Jüngsten Tag Menschen zur ewigen Hölle verdammen wird, wenn ihre Errettung davon abhing, ob Gott selbst sie zog (sie belehrte, ihnen den Glauben gab). Wenn Sie, lieber Leser, genau jetzt einfach wechseln vom Egoismus zur Nächstenliebe und dabei glauben, daß Sie durch die Taufe mit Jesus verbunden sind, der Ihnen die Kraft darreicht zur Nächstenliebe, dann gehören Sie zu denen, die der Vater belehrt hat, gezogen hat, denen er den Glauben gab. Sie  haben es also selbst in der Hand. Niemand wird sich am Jüngsten Tag entschuldigen können, er sei nicht vom Vater gezogen worden. Vielmehr werden die Gerechten Gott dafür preisen, daß er sie zog.
 
Durch die Predigt vom Brot des Lebens wurde deutlich, daß man von Jesus keine materiellen Segnungen erwarten konnte. Jesus ging es darum, daß man seiner teilhaftig wurde, seines Wesens, das hat er in dieser Predigt betont. Aus der Predigt des Johannes (des Täufers) konnte man schlußfolgern, daß es um Nächstenliebe und Gerechtigkeit ging. Es war also für die selbstsüchtigen, egoistischen Brotsucher, die nur ihren eigenen, materiellen Vorteil suchten, klar geworden, daß sie bei Jesus nichts zu suchen hatten. Jesus war die Verkörperung des Gegenteils dessen, was die Brotsucher wollten. Sie suchten einen Brotmacher, der ihre Gier nach irdischem Brot befriedigte, ihr selbstsüchtiges Wesen aber unangetastet ließ; er aber wollte aus ihnen Menschen machen, die Brot mit ihrem Nächsten teilten, Brot, das sie vielleicht durch ihrer Hände Arbeit verdient hatten. Je länger sie Jesus zu hörten, desto mehr mußten sie eine Abneigung gegen ihn empfinden. Jesus war die Zerstörung all ihrer Träume von Luxus, Wohlleben, Macht, Ehre und Reichtum. Sie konnten sich durchaus vorstellen, daß Jesus ihnen mit Brot diente, aber nicht daß sie ihrem Nächsten, der in Not war (z. B. durch Krankheit, Unfall, Alter, Diebstahl, Arbeitslosigkeit, Unwetter wie “Sandy” oder Naturkatastrophen), mit Brot dienten.
 
Jesus war von Gott gekommen, zu dem er auch wieder auffahren würde. Er bewegte sich nicht in den Kategorieen der Pharisäer und Schriftgelehrten mit ihrer äußerlichen Religion (nutzlose Waschungen des Körpers, Missbrauch von Geld für bedürftige Eltern als Opfergabe, pervertierte Sabbatheiligung, Stolz auf das Haben des Gesetzes ohne es zu tun, Stolz auf die biologische Abstammung von Abraham, die nichts nutzt, Stolz auf die äußerliche Beschneidung ohne Erinnerung an den Glauben Abrahams). Jesus aber war der König der Gerechtigkeit. Im Mittelpunkt seiner Predigt standen nicht sinnlose Rituale, sondern die Liebe zu Gott und zum Mitmenschen und so sagt er: “der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze” Das Fleisch repräsentiert die sinnlosen Rituale der Pharisäer und Schriftgelehrten, während der Geist die Werke der Liebe repräsentiert.
 
Jetzt wandten sich viele Jünger ab und damit handelten sie einigermaßen vernünftig. Sie wußten, daß dieser weltfremde Jesus, der von Nächstenliebe phantasierte, nichts für sie war und folgerichtig verließen sie ihn. Die Zwölf aber wollten Gott und ihren Nächsten lieben in der Kraft Jesu, trotz aller Anfeindung durch das jüdische Establishment; sie wollten den Weg Jesu gehen, ihr Kreuz auf sich nehmen: Leiden und Verwerfung um Jesu willen. Für die Zwölf war es wichtiger Jesus wohlzugefallen als der gottlosen Welt (Judas Iskariot spielte das allerdings bloß, wenn auch perfekt). Dies, weil sie glaubten, daß er der Sohn Gottes war, der Herr aller Herren und der König aller Könige.
 
Judas Iskariot war so schlecht, daß er glaubte, Jesus spiele alles bloß, wäre letztendlich auch nur an Profit interessiert, und sieht keinen Anlaß innerlich an ihn zu glauben (da Judas die Ehre hatte beim letzten Abendmahl neben Jesus zu sitzen, können wir schlussfolgern, daß er selbst ein perfekter Schauspieler war im Gegensatz zu Jesus; er schien wahrscheinlich sogar der frömmste der Jünger zu sein, fast frömmer als Jesus selbst). Die Jünger, die sich abwandten, waren insofern besser als Judas, daß sie Jesus für gut hielten, aber nur selber nicht gut werden wollten. Judas dagegen hielt Jesus für schlecht, obwohl er augenscheinlich gut war, uns so sah Judas keinen Grund Jesus zu verlassen, den Meister der Bosheit, Schlechtigkeit und Gerissenheit (dafür hielt ihn Judas). Judas lieferte sich so der allergrößten Verdammnis aus, denn er verriet später den, den er hätte anbeten sollen.
 
Übrigens hätte das jüdische Establishment Jesus nicht öffentlich festnehmen können, denn dann wäre es zu einem Volksaufstand gekommen, weil viele aus dem gemeinen Volk Jesus liebten. Sie brauchten gewissermaßen Judas, der ihnen einen einsamen Ort nannte (Gethsemane), wo sie Jesus, ohne öffentliches Aufsehen zu erregen,  festnehmen konnten.
 
Jesus war einmal mit einem sehr kostbaren Öl gesalbt worden und das empfand Judas als Verschwendung, denn man hätte es ja verkaufen können und das Geld in die Kasse der Jünger tun können, die Judas verwaltete. Judas dachte: “dieser gerissene Jesus läßt sich salben, anbeten, verringert unsere Einnahmen; Judas wünschte sich schon lange eine Erhöhung seiner Besoldung und genehmigte sich diese schließlich selbst; er sah nicht die geringste Notwendigkeit diesem Prasser Jesus auch nur den geringsten Respekt zu zollen und ihn um Genehmigung für die Erhöhung seiner Besoldung zu bitten.” Dieser Jesus war wirklich geschäftsschädigend für die kleine Papstkirche des Judas und so mußte er entmachtet werden und Judas wollte Papst werden und sein Unternehmen effizienter gestalten. Die Jünger aber wurden vom Apostel Johannes über das wahre Wesen von Judas unterrichtet (Johannes hatte es von Jesus erfahren, als er an seiner Brust lag beim letzten Abendmahl) und so ließen die Jünger Judas nach der Gefangennahme Jesu abblitzen, als er das Kommando übernehmen wollte. Das jüdische Establishment wollte mit diesem ehemaligen Jünger Jesu, ihrem Erzfeind, auch nichts mehr zu tun haben, und so hatte sich Judas zwischen die Stühle gesetzt. Es blieb ihm nichts anderes mehr übrig, da er keine Verdienstquelle mehr hatte, als diese Welt zu verlassen – er erhängte sich. Bevor er sich erhängte, streute er sogar noch das Gerücht aus, es reute ihn, daß er unschuldig Blut verraten habe, damit die Welt ein gutes Andenken von ihm bewahre. Aber, Judas, wir durchschauen dich! Papst, wir durchschauen dich!
 
Judas hatte wahrscheinlich nicht damit gerechnet, daß man Jesus sofort umbringen würde, sondern daß er für eine Weile in den Knast wandern würde. Judas überlieferte Jesus ja mit einem Kuss, das heißt es gab für ihn einen Grund, seine Show auch nach der Gefangennahme Jesu fortzusetzen. Wahrscheinlich konnte sich Judas vorstellen, der Stellvertreter Jesu Christi (Papst) zu sein, während Jesus im Gefängnis saß. Als aber nun das jüdische Establishment im wahrsten Sinne des Wortes “kurzen Prozess” mit Jesus machte, waren alle Pläne des Judas dahin, demnächst Papst zu werden. Mit dem Tod Jesu, ihres “Gurus”, war alles aus für die Jünger und sie zerstreuten sich, so konnte Judas auch nicht mehr ihr Papst werden und so überfiel ihn eine Depression und er ging hin und erhängte sich.
 
 
 
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Jesus, das Brot des Lebens

Johannesevang., Kap. 6, Verse 22-59

22 Am nächsten Tag sah das Volk, das am andern Ufer des Sees stand, dass kein anderes Boot da war als das eine und dass Jesus nicht mit seinen Jüngern in das Boot gestiegen war, sondern seine Jünger waren allein weggefahren. 23 Es kamen aber andere Boote von Tiberias nahe an den Ort, wo sie das Brot gegessen hatten unter der Danksagung des Herrn. 24 Als nun das Volk sah, dass Jesus nicht da war und seine Jünger auch nicht, stiegen sie in die Boote und fuhren nach Kapernaum und suchten Jesus. 25 Und als sie ihn fanden am andern Ufer des Sees, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hergekommen? 26 Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid. 27 Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben. Die wird euch der Menschensohn geben; denn auf dem ist das Siegel Gottes des Vaters. 28 Da fragten sie ihn: Was sollen wir tun, dass wir Gottes Werke wirken? 29 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. 30 Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was für ein Werk tust du? 31 Unsre Väter haben in der Wüste das Manna gegessen, wie geschrieben steht (Psalm 78,24): »Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.« 32 Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. 33 Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. 34 Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. 35 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. 36 Aber ich habe euch gesagt: Ihr habt mich gesehen und glaubt doch nicht. 37 Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. 38 Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. 39 Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich’s auferwecke am Jüngsten Tage. 40 Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage. 41 Da murrten die Juden über ihn, weil er sagte: Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist, 42 und sprachen: Ist dieser nicht Jesus, Josefs Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wieso spricht er dann: Ich bin vom Himmel gekommen? 43 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Murrt nicht untereinander. 44 Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat, und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage. 45 Es steht geschrieben in den Propheten (Jesaja 54,13): »Sie werden alle von Gott gelehrt sein.« Wer es vom Vater hört und lernt, der kommt zu mir. 46 Nicht als ob jemand den Vater gesehen hätte außer dem, der von Gott gekommen ist; der hat den Vater gesehen. 47 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. 51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt. 52 Da stritten die Juden untereinander und sagten: Wie kann der uns sein Fleisch zu essen geben? 53 Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch. 54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. 55 Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. 56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. 57 Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. 58 Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit 59 Das sagte er in der Synagoge, als er in Kapernaum lehrte.

Im letzten Artikel (Jesus und der sinkende Petrus auf dem See) ging es um zwei Dinge: Jesus lehnt das Brotkönigtum ab, was er deutlich macht, indem er vor der Menge, die er gespeist hatte, auf einen Berg flieht. Zum anderen hatte er seine Jünger eilends mit dem Boot weggeschickt, die das Königtum sicher begrüßt hätten. Auf dem See sollten die Jünger auch eine Lektion lernen, nämlich, daß sie trotz ihrer geistlichen Gaben schwache Menschen blieben (vielleicht ist es erlaubt zu sagen: “sie waren arme kleine Sünderlein, die abhingen von der Gnade Gottes”). Die Jünger sollten sich nicht überheben und auf eine Ebene mit Jesus, dem Gottessohn/Gottmenschen stellen. Die Gottessohnschaft oder das Gottkönigtum Jesu war für die Jünger unerreichbar und ausgeschlossen. Die Jünger waren einfach biologische Nachkommen Adams, also Menschen, während Jesus der fleischgewordene (inkarnierte) Gott war. Nur aus der Gemeinschaft mit dem “starken”, göttlich-sakralen Jesus heraus konnten die Jünger, die in sich selbst schwache Menschen waren, Werke Gottes wirken. Jesus dagegen konnte aus sich selbst heraus Werke Gottes wirken, denn er war göttlich.

Die Volksmenge, die das Speisewunder erlebt hatte, jagt Jesus hinterher auf dem Landweg. Es kommen sogar noch zusätzlich Leute aus Tiberias hinzu auf dem Seeweg. Es entsteht also ein Massenauflauf in Kapernaum (Jesu Wohnort) und die Leute drücken und drängen sich, ziemlich unangenehm. Sie suchten nicht das Brot des Lebens, sondern normales Brot. Im Grunde genommen brachte den Leuten ihre Gier nach Brot nur Unannehmlichkeiten. Da wären sie doch lieber zu Hause geblieben und hätten ihr Brot durch ihrer Hände Arbeit verdient. Da Jesus aber, wie wir wissen, gnädig und barmherzig war, sanftmütig und demütig, schimpfte er die Leute nicht aus ob ihrer irdischen Gesinnung, sondern macht eine Überleitung vom irdischen Brot zum himmlischen Brot.

Erinnern wir uns kurz an das Gespräch Jesu mit Nikodemus (Johannesevang. 3):

Nikodemus reagierte richtig auf die Wunder Jesu. Er nahm sie als Beweis seiner Göttlichkeit. Vielleicht wollte ja Nikodemus sich nun beim Messias Jesus als Theologe bewerben oder vielleicht wollte er mit Jesus über sein persönliches Heil sprechen oder er wollte ihn einfach fragen, ob Jesus jetzt die Regierung in Israel übernehmen würde (= Anbruch des Reiches Gottes). Wir wissen es nicht. Auf jeden Fall unterbricht ihn Jesus und sagt ihm, wie man in das Reich Gottes kommen könne, was allein wichtig war. Aus dem weiteren Verlauf des Gesprächs wird klar, daß Nikodemus keine Ahnung hatte vom wahren Glauben (wenn Nikodemus das Alte Testament verstanden hätte, hätte er schon eine Ahnung davon haben können, daß der sündige Mensch einen göttlichen Erlöser braucht).

Für die Menschen, die das Speisewunder erlebt hatten, stand es im Vordergrund satt zu werden. Sie befanden sich wahrscheinlich auch in dem allgemeinen Irrtum der Juden, daß der kommende Messias ein irdisches Reich aufrichten würde und sahen die Brotvermehrung vielleicht als die Feier der Inauguration Jesu als weltlicher König Israels. So wie Nikodemus verstanden die Leute noch nicht, was die wahre Mission Jesu war.

Die Leute wundern sich, wie Jesus an das andere Ufer gekommen ist (vielleicht hätten sie es gerne gehabt, wenn er ihnen seinen Trick verraten hätte), aber auf diese Frage geht Jesus gar nicht ein, sondern macht ihnen einen kleinen Vorwurf, daß sie ihn mehr deshalb suchten, weil sie satt geworden waren, aber weniger deshalb weil sie ihn durch das Speisewunder für göttlich gehalten hätten. Beiden (Nikodemus und den Brotsuchern) aber war gemeinsam, daß sie nicht im Reich Gottes waren (Nikodemus) bzw. daß sie nicht im ewigen Leben waren (Brotsucher).

Jesus sagt: “Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben.”

Beide, Nikodemus und die Brotsucher, werden von Jesus jäh unterbrochen (vielleicht fühlten sich manche dadurch verletzt und unterstellten Jesus Lieblosigkeit) und er sagt ihnen das, worauf es allein ankommt: Wie komme ich in das Reich Gottes bzw. wie werde ich des ewigen Lebens teilhaftig. Hier sehen wir, daß Liebe nicht bedeutet zu schleimen, sondern den Leuten das zu sagen, was notwendig ist und was zu ihrem Heil dient. Indem Jesus die Leute unterbrach, handelte er durchaus liebvoll, denn was sie sagen wollten, war absolut uninteressant im Vergleich zu dem, was Jesus sagen wollte.

Die Leute dachten jetzt natürlich gleich, sie müßten irgendwelche guten Werke tun, um sich die himmlische Speise zu verdienen. Jesus klärt sie aber darüber auf, daß es nur darum geht an ihn zu glauben. Verrückterweise antworten jetzt die Leute, sie würden nur unter der Bedingung an ihn glauben, daß er sie wiederum satt machen würde (Manna). Jetzt werden wir an das Gespräch mit der Samariterin (Joh. 4) erinnert, die das lebendige Wasser, von dem Jesus damals sprach, für magisches Wasser hielt, das den physischen Durst für immer löscht: Jesus sagt, es ginge nicht um Manna, sondern um lebendigmachendes Brot und die Leute glauben, Jesus spräche von einer Art magischem Manna, das ewig sättigt. In vollem Ernst bitten sie Jesus um solches magisches Manna.

Da antwortet Jesus ziemlich schroff: “Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.”

Langsam mußte es den Leuten klar werden, daß sie sich gröblich getäuscht hatten und daß es doch um etwas anderes ging als um Brot, das aus Getreide hergestellt war oder verzaubertes Brot.

“Aber ich habe euch gesagt: Ihr habt mich gesehen und glaubt doch nicht.”

Das ist das Phenomenon Incredibile: Der fleischgewordene Gott steht vor den Menschen, weist sich aus durch Zeichen und Wunder, aber man erkennt ihn nicht. Wirklich ein unglaubliches Phänomen, über das man sich nur verwundern kann.

“Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.”

Lieber Leser, wenn Sie bei sich feststellen, daß Sie keinen Glauben haben bzw. gar nicht begreifen, worum es beim Glauben überhaupt geht, dann beten Sie zu dem unsichtbaren Gott, daß er Ihnen den Glauben gebe bzw. den Heiligen Geist. Gott wird dieses Gebet sicher erhören.

44 Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat, und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage. 45 Es steht geschrieben in den Propheten (Jesaja 54,13): »Sie werden alle von Gott gelehrt sein.« Wer es vom Vater hört und lernt, der kommt zu mir.”

Lieber Leser, beten sie einfach, daß der Vater Sie ziehe oder belehre, wenn Sie (noch) nicht glauben können.

48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. 51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.”

Wie kann der uns sein Fleisch zu essen geben?

Lieber Leser, der Apostel Paulus gebrauchte einmal die Formulierung “aus Glauben zu Glauben”. Wenn sie das Obige für historisch wahr halten (glauben), wenn Sie es also für wahr halten, daß Jesus der Sohn Gottes ist und Ihnen ewiges Leben gibt, dann lassen Sie sich sakramental taufen oder erinnern Sie sich ihrer Säuglingstaufe (Kindertaufe). Durch die Taufe werden Sie metaphysisch mit dem Opfer Jesu am Kreuz verbunden. Durch die Taufe ist Ihr “alter Mensch der Sünde” am Kreuz mit Jesus untergegangen und durch die Taufe sind Sie mit Jesus auferstanden zum ewigen Leben. Nach der Taufe ist ihr Leben Jesus. Ihr biologischer Körper bleibt allerdings sündhaft in sich selbst, deshalb sollen Sie sich täglich der Taufe erinnern und Gott bitten, daß er ihren Glauben erhalte und mehre, damit Sie nicht die Lüste des Fleisches (Körpers) vollbringen, sondern die Werke des Geistes. Wenn Sie täglich in der Kraft des Heiligen Geistes die Begierden Ihres Leibes unterdrücken und Gott und Ihren Nächsten lieben, dann bleiben Sie im Glauben (aus Ihrem Für-wahr-halten ist durch die Taufe etwas tieferes geworden, der wahre Glaube – aus Glauben zu Glauben; verstehen Sie jetzt?) Wenn Sie so Jesu Opfer wertschätzen als Werk der Erlösung, dann ist es auch ein Sühneopfer für Ihre Sünden (für vergangene und zukünftige). Nehmen Sie immer wieder Gottes Geschenk: Erlösung und Vergebung in einem Paket. Versuchen Sie nie, nur die Vergebung zu erlangen, unabhängig von der Erlösung.

Beachten Sie auch folgenden Artikel: “Die 10 Gebote.”

Wie paßt das Ganze in den Gesamtzusammenhang des Johannesevangeliums?

Es geht wieder um die neue Geburt aus Wasser und Geist, wobei hier betont wird, daß der Mensch in engste Verbindung mit Jesus kommen muß (sein Fleisch essen, sein Blut trinken).

Wie läuft das praktisch ab?

Jemand hört das Evangelium: Gott, der Vater, hat Gott, den Sohn, Jesus, um unserer Sünden willen dahingegeben und um unserer Rechtfertigung willen auferweckt von den Toten.

Wer das Evangelium einfach glaubt (für wahr hält) und sakramental getauft wird (Säuglingstaufe ist gültig, gegebenenfalls daran erinnern im Glauben), der ist gerecht. Wer in der Kraft der Taufe bzw. des Heiligen Geistes täglich die Begierden seines Leibes unterdrückt und Gott und seinen Nächsten liebt, der bewahrt den Glauben und für ihn gilt: aus Glauben zu Glauben – aus dem Für-wahr-halten ist der tiefe, echte Glauben geworden. Durch die Taufe sind wir der Sünde abgestorben und in Christus. Aufgrund dieser zwei Verheißungen unterdrücken wir unseren sündigen Leib und lieben Gott und unseren Nächsten und so haben wir den wahren, echten, metaphysischen Glauben, der uns gerecht macht. Wenn wir in der Kraft des Opfers Jesu unser Leben bessern, dann ist dieses Opfer Jesu auch ein Sühneopfer zur Vergebung unserer Sünden (vergangene und zukünftige).

Anmerkung:

Warum spricht Jesus in seiner Predigt über das Brot des Lebens so wenig von Sünde, Schuld, Gerechtigkeit, Vergebung, usw.? Wie sollten die Leute eigentlich begreifen, worum es ging, wenn Jesus immer wieder nur wiederholte: “Ich bin das Brot des Lebens”?

Wir müssen uns immer wieder in Erinnerung rufen, daß ja viele Israeliten die Predigt von Johannes dem Täufer kannten. Johannes war eine Art Moralapostel, er verlangte von den Menschen wirkliche Besserung, wobei er aber sogar noch mehr als ein Moralapostel war, indem er den Menschen sagte, sie sollten an den glauben, der nach ihm kommen würde, an Jesus. Aus dieser Predigt des Johannes hätten die Leute, auch unsere Brotsucher, eigentlich schlußfolgern sollen und können, daß Jesus irgendetwas mit Besserung des persönlichen Lebens bzw. persönlicher Gerechtigkeit zu tun hat und diese dem Menschen geben konnte. Aber offensichtlich gab es in Israel nur wenige, die der Vater zog, bzw. es waren viele nicht bereit den persönlichen Vorteil zu opfern um der Gerechtigkeit willen. Was Jesus eigentlich wollte, wenn wir mal beim Thema Brot bleiben, ist, daß die Menschen nicht Brot bei ihm suchten, sondern die Kraft der Liebe, die sie befähigte ihr Brot mit bedürftigen Mitmenschen zu teilen. Aber anscheinend war das für viele Zuhörer der Brot-des-Lebens-Predigt schon zu viel verlangt.

Lukasevangelium 3, Verse 7-15:

Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? 8 Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. 9 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 10 Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun? 11 Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso. 12 Es kamen auch die Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun? 13 Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! 14 Da fragten ihn auch die Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt oder Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold!

Interessant, daß die Leute Johannes fragten: “Was sollen wir denn tun?” Johannes antwortet und ruft zur praktischen Nächstenliebe und Gerechtigkeit auf. Jesus hatte auf die Frage “Was sollen wir denn tun?” geantwortet, es sei das Werk Gottes, daß sie an ihn glaubten. Wie reimt sich das zusammen? Das ist genau das, was Bonhoeffer gesagt hat, daß Glaube nur im Gehorsam und Gehorsam nur im Glauben existiert. Wenn also Sie, lieber Leser, Gott um den Glauben gebeten haben, dann fangen Sie genau jetzt in dieser Sekunde(right now!) an Werke der Nächstenliebe zu tun und Gerechtigkeit zu üben. Und wenn Sie merken, wie schwer es ist, gerecht und liebevoll zu sein, dann denken Sie an Ihre Kindertaufe bzw. Säuglingstaufe, wo sie “vereinigt” wurden mit dem Brot des Lebens, Jesus. Und so sind Sie durchgedrungen zur neuen Geburt aus Wasser und Geist. In der Kraft des Todes und der Auferstehung Jesu, die Sie bei der Taufe empfangen haben, können Sie dennoch lieben und gerecht sein, trotz Ihres natürlichen Wesens, das bedauerlicherweise sündhaft und selbstsüchtig ist.

Übrigens, lieber Leser, gehen Sie nicht am Sonntag in die Kirche und bitten Gott um Hilfe bei Krankheiten, Arbeitslosigkeit, geschäftlichen Verlusten, etc., wenn Sie nicht bereit sind, Ihrem Nächsten, der in Not ist, zu helfen. In diesem Fall gehörten Sie zu den Brotsuchern, die Jesus nicht verstanden hatten bzw. Ihn als Brotmacher, das heißt Befriediger ihrer selbstsüchtigen Gier, missbrauchen wollten. Wenn Sie dagegen Ihren Nächsten lieben in der Kraft, die Jesus darreicht, dann können Sie am Sonntag in die Kirche gehen und Gott bitten, daß er auch Ihnen helfe in Ihren Nöten.

Tiberias:

Offensichtlich war die Stadt nach dem damaligen römischen Kaiser Tiberius benannt und so mußte sie auch die wichtigste Stadt Galiläas sein und der Regierungssitz des Königs Herodes sein. Herodes hatte in all seiner Raserei und neben all dem Bösen, was er sonst noch tat, auch unseren lieben Johannes (der Täufer) getötet, der das Volk auf Jesus hinwies. Dies war ein direkter Angriff auf Gott und Gottes Werk in Israel. Aber wie reagiert Gott? Jesus vollbringt das Wunder der Speisung der Fünftausend. Er sagt damit förmlich zu Herodes: “Du kannst mich mal!” Herodes hatte Gott zur Eingangstür hinausgestoßen, indem er Johannes tötete, aber in der Person Jesu kam er gleich zur Hintertür wieder herein. Was nun, Herodes?

 

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Jesus und der sinkende Petrus auf dem See

Johannesevang., Kap. 6, Verse 16-21

16 Am Abend aber gingen seine Jünger hinab an den See, 17 stiegen in ein Boot und fuhren über den See nach Kapernaum. Und es war schon finster geworden und Jesus war noch nicht zu ihnen gekommen. 18 Und der See wurde aufgewühlt von einem starken Wind. 19 Als sie nun etwa eine Stunde gerudert hatten, sahen sie Jesus auf dem See gehen und nahe an das Boot kommen; und sie fürchteten sich. 20 Er aber sprach zu ihnen: Ich bin’s; fürchtet euch nicht! 21 Da wollten sie ihn ins Boot nehmen; und sogleich war das Boot am Land, wohin sie fahren wollten.
 
Nach der Die Speisung der Fünftausend wollten die Leute Jesus zum Brotkönig machen. Dafür allerdings wollte sich Jesus nicht zur Verfügung stellen und floh auf einen Berg; seine Jünger schickt er eilends mit dem Boot weg. Jesus wollte kein weltlicher Herrscher sein, sondern er war gekommen, um “sein Volk zu retten von ihren Sünden”; Jesus war also ein großer Seelsorger in Israel.
 
Matthäusevanglium 1, Verse 20-21:

 
20 Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. 21 Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.
 
Es wäre durchaus im Sinne der Jünger gewesen, wenn Jesus sich vom Volk hätte zum König machen lassen; sie begriffen sowieso nicht, warum er nicht einfach ein paar Legionen Engel herbeirief, die römische Besatzungsmacht und das jüdische Establishment vernichtete und den Thron einnahm (Jesu Wille ein Retter bzw. Seelsorger zu sein, ließ sich aber nicht mit irdischer Herrschaft vereinbaren, denn wie sollte er Menschen retten und sie gleichzeitig töten; sicher gab es auch im jüdischen Establishment und bei den Römern Menschen, die demnächst, mittelfristig oder in ferner Zukunft doch noch zum Glauben an Jesus finden würden, wenn man sie am Leben ließ).
 
Petrus konnte sich durchaus vorstellen erster Bischof der Christlichen Kirche zu werden. Einmal mußte er kraft seines päpstlichen Amtes (das er sich anmaßte) Jesus maßregeln, der so naiv und weltfremd war, daß er sich von den Juden töten lassen wollte (“das geschehe dir nur nicht”, sagte Petrus). Dies konnte sogar den sanftmütigen Jesus aus der Fassung bringen, der antwortete: “Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du meinst nicht was göttlich, sondern was menschlich ist.”  (Wie sollte Jesus das Lamm Gottes werden, das hinwegnimmt die Sünde der Welt, ohne den Sühnetod zu sterben?)
 
Auf diesen vorpfingstlichen, fleischlichen Petrus (also ein Petrus, der noch nicht transformiert war durch die Macht des Heiligen Geistes an Pfingsten) stützt sich der Papst, der höchste Bischof der römisch-katholischen Kirche. Auch er will Leiden und Verwerfung aus dem Wege gehen und sucht irdische Macht und Herrlichkeit. Gott aber spricht zum Papst (so wie zum fleischlischen Petrus, der Pfingsten noch nicht erlebt hatte): “Geh weg von mir Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du meinst nicht was göttlich, sondern was menschlich ist.” Und so hat der liebe Papst zwar die ganze Welt gewonnen, aber Schaden an seiner Seele genommen. Was wird der Papst geben am Jüngsten Tag, um seine Seele auszulösen?
 
Matthäusevangelium 16, 21-28:
 

Die erste Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung

21 Seit der Zeit fing Jesus an, seinen Jüngern zu zeigen, wie er nach Jerusalem gehen und viel leiden müsse von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen. 22 Und Petrus nahm ihn beiseite und fuhr ihn an und sprach: Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht! 23 Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.
 

Von der Nachfolge

24 Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. 25 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden. 26 Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?27 Denn es wird geschehen, dass der Menschensohn kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun. 28 Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn kommen sehen in seinem Reich.
 
 
Matthäusevangelium 14, 22-33
 

Jesus und der sinkende Petrus auf dem See

22 Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe. 23 Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein. 24 Und das Boot war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen. 25 Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See. 26 Und als ihn die Jünger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst!, und schrien vor Furcht. 27 Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht! 28 Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. 29 Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. 30 Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, hilf mir! 31 Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? 32 Und sie traten in das Boot und der Wind legte sich. 33 Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!
 
Das übliche Denken in der Welt ist, das Gott die Gebete frommer Menschen erhört und das ist sogar wahr.  Die Versuchung bestand nun aber für die Jünger darin, zu glauben, Jesus sei nur ein besonders frommer Mensch, der wegen seiner Frömmigkeit vom unsichtbaren Gott erhört wird. Vielleicht glaubten sie sogar, ihre eigene, natürliche Frömmigkeit spiele eine Rolle.
 
Markusevangelium 6, 30:
 
30 Und die Apostel kamen bei Jesus zusammen und verkündeten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten.
 
Und so schickt sie Jesus allein in den Sturm. Selbstverständlich sah  Jesus voraus, daß ein Sturm über sie hereinbrechen würde, als er sie mit dem Boot losschickte. Das Ganze war eine seelsorgerliche Maßnahme. Jesus hatte den Jüngern die Gabe der Heilung gegeben (sogar Judas Iskariot) und sie standen in der Gefahr zu vergessen, daß dies nur eine Gabe war und sich so auf eine Stufe mit dem Gottmenschen/Gottessohn Jesus zu stellen. Indem Jesus auf dem Wasser läuft, zeigt Jesus den Jüngern, daß er unendlich viel höher war als sie, ja er spielte in einer ganz anderen Liga als sie. Die Brotvermehrung und die Fischvermehrung waren nicht nur Gebetserhörungen (als ob Gott den frommen Menschen Jesus erhört hätte), sondern Jesus Christus, der fleischgewordene Gott, hatte das in ureigenster Machtvollkommenheit getan, das heißt er war wirklich der eingeborene Sohn Gottes. Selbstverständlich tat Jesus das im Einklang mit dem Vater, denn die 3 Personen der Gottheit sind sich immer einig (dreieiniger Gott). Er kommt auf dem Wasser daher, das heißt jetzt ist Jesu eigener Leib Teil des Wunders. Jesus war also nicht nur ein frommer Mensch, oder hatte eine geistliche Gabe, sondern er war übernatürlich in sich selbst, er war komplett übernatürlich; in ihm wohnte die Fülle der Gottheit leibhaftig. Jesus war Gott, der in freiwilliger Selbstbeschränkung lebte und so in Gebärden als ein Mensch erfunden wurde.
 
Anmaßenderweise geht unser kleiner Papst Petrus jetzt selbst auf das Wasser und muß sinken. Petrus hatte sich sozusagen innerlich überhoben. Er konnte Kranke heilen (allerdings nur durch Gottes Gabe, was er anscheinend vergessen hatte) und das führte ihn zu dem Fehlurteil, er sei nun wie Jesus. Also wird auch der Papst untergehen, der sich einbildet, er sei die vierte Person der Gottheit.
 
Das ganze paßt auch  mit der Lehre des Römerbriefs zusammen. Wir haben zwar durch die neue Geburt aus Wasser und Geist (sakramentale Taufe, die im Glauben empfangen wurde oder Kindertaufe, an die man sich im Glauben erinnert) den heiligen Geist empfangen, aber unser biologischer Leib bleibt sündig in sich selbst. Wir sollten uns also keineswegs  alles “Gottessöhne” betrachten. Vielmehr sollten wir Gott täglich bitten, daß er uns mit dem heiligen Geist erfülle bzw. den Glauben mehre, damit wir hinschauend auf den Gottessohn Jesus nicht die Werke des Fleisches vollbringen, sondern die Werke des Geistes.
 
Lukasevang. 11, 5-13
 
5 Und er sprach zu ihnen: Wenn jemand unter euch einen Freund hat und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; 6 denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, 7 und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. 8 Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, dann wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, soviel er bedarf. 9 Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. 11 Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn der ihn2 um einen Fisch bittet, eine Schlange für den Fisch biete? 12 Oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete? 13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!
 

Hiob 9, 8: Er allein breitet den Himmel aus und geht auf den Wogen des Meers.

 Wie paßt das in den Gesamtzusammenhang des Johannesevangeliums?
 
Im Johannesevang. geht es nicht nur um die neue Geburt aus Wasser und Geist (sakramentale Taufe im Glauben), sondern auch um die Auseinandersetzung zwischen Licht und Finsternis. Die Finsternis versucht die Kinder des Lichts wieder vom Glauben an Jesus abzubringen und wagt es sogar in den Tempel Gottes (heute die christliche Kirche) einzudringen in Form von Irrlehrern (“und aus eurer Mitte werden Männer aufstehen, die Verkehrtes lehren, um die Jünger an sich zu ziehen”). Es gibt abertausende von Irrlehren, eine von ihnen ist die Lehre vom Papsttum. Gegen das Papsttum: Wer Großes (auch vermeintlich Großes) vollbracht hat im Dienste für Gott, der ehre nicht sich selbst, sondern den, der ihm die Gabe gegeben hat, Jesus Christus, das wahre und alleinige Haupt der Kirche: 
 
Offenbarung 4, 10-11:
 
10 fielen die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem, der auf dem Thron saß, und beteten den an, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und legten ihre Kronen nieder vor dem Thron und sprachen: 11 Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden sie geschaffen.
 
 

Nicht aus eigener Kraft und Frömmigkeit (Apostelgeschichte 3, 1-16):

(der durch Pfingsten transformierte Petrus beruft sich nicht mehr auf eigene Kraft und Frömmigkeit, sondern ehrt Jesus, den Knecht Gottes; seit Pfingsten ist Petrus der Anti-Papst; jeder wahre Christ sollte ein Anti-Papst sein und nicht sich selbst, sondern Jesus ehren)
 
1 Petrus aber und Johannes gingen hinauf in den Tempel um die neunte Stunde, zur Gebetszeit. 2 Und es wurde ein Mann herbeigetragen, lahm von Mutterleibe; den setzte man täglich vor die Tür des Tempels, die da heißt die Schöne, damit er um Almosen bettelte bei denen, die in den Tempel gingen. 3 Als er nun Petrus und Johannes sah, wie sie in den Tempel hineingehen wollten, bat er um ein Almosen. 4 Petrus aber blickte ihn an mit Johannes und sprach: Sieh uns an! 5 Und er sah sie an und wartete darauf, dass er etwas von ihnen empfinge. 6 Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher! 7 Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich wurden seine Füße und Knöchel fest, 8 er sprang auf, konnte gehen und stehen und ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott. 9 Und es sah ihn alles Volk umhergehen und Gott loben. 10 Sie erkannten ihn auch, dass er es war, der vor der Schönen Tür des Tempels gesessen und um Almosen gebettelt hatte; und Verwunderung und Entsetzen erfüllte sie über das, was ihm widerfahren war. 11 Als er sich aber zu Petrus und Johannes hielt, lief alles Volk zu ihnen in die Halle, die da heißt Salomos, und sie wunderten sich sehr. 12 Als Petrus das sah, sprach er zu dem Volk: Ihr Männer von Israel, was wundert ihr euch darüber oder was seht ihr auf uns, als hätten wir durch eigene Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, dass dieser gehen kann? 13 Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unsrer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr überantwortet und verleugnet habt vor Pilatus, als der ihn loslassen wollte. 14 Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und darum gebeten, dass man euch den Mörder schenke; 15 aber den Fürsten des Lebens habt ihr getötet. Den hat Gott auferweckt von den Toten; dessen sind wir Zeugen. 16 Und durch den Glauben an seinen Namen hat sein Name diesen, den ihr seht und kennt, stark gemacht; und der Glaube, der durch ihn gewirkt ist, hat diesem die Gesundheit gegeben vor euer aller Augen.

 
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Die Speisung der Fünftausend

Johannesevang., Kap. 6, Verse 1-15

1Danach fuhr Jesus weg über das Galiläische Meer, das auch See von Tiberias heißt. 2Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. 3Jesus aber ging auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. 4Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden. 5Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben? 6Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte. 7Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder ein wenig bekomme. 8Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: 9Es ist ein Kind hier, das hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das für so viele? 10Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer. 11Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, soviel sie wollten. 12Als sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt. 13Da sammelten sie und füllten von den fünf Gerstenbroten zwölf Körbe mit Brocken, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren. 14Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. 15Als Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er selbst allein.

Für die Juden war ihre Religion nur Mittel zum Zweck. Sie strebten nach Macht, Ehre und Reichtum. Jesus dagegen war wirklich um das Seelenheil seiner Mitmenschen besorgt. Vermutlich aber unterstellten ihm die Juden, er habe die gleichen niedrigen Beweggründe wie sie und so mußte er ein unangenehmer Konkurrent für sie sein in ihren Augen, den es zu beseitigen galt. Sie warfen Jesus vor, daß er den Sabbat brach und sich selbst zu Gott machte. Es kann durchaus sein, daß diese Vorwürfe nur vorgeschoben waren und daß es in Wahrheit nur darum ging die lästige Konkurrenz loszuwerden. Man suchte einen Anlaß, Jesus zu töten.

Vermutlich dachten die Juden, Jesus sei noch gerissener als sie selbst und würde seine ganze Demut, Sanftmut und Bescheidenheit nur spielen. Sie konnten sich nicht vorstellen, daß ein Diener Gottes nicht machthungrig, geldgierig und ehrsüchtig war und vermutlich unterstellten sie sogar Gott, dem Vater, selbst einen miesen Charakter.

Übrigens kann man hieraus eine praktische Lehre ziehen für das eigene Verhalten: Man sollte niemals einem Menschen, der sich christlich verhält, unterstellen, er spiele das nur, denn sonst ist man in Gefahr den Pharisäern und Schriftgelehrten gleich zu werden. Wenn sich jemand tugendhaft verhält, sollte man zunächst unterstellen, daß das echt ist und das er keine niedrigen Beweggründe hat (z. B. sich erst bei jemand einschmeicheln, um ihn dann zu betrügen). Im Laufe der Zeit stellt sich immer heraus, wie ein Mensch wirklich ist. Wenn man jedoch denkt: “bevor mich der andere reinlegt, leg’ ich ihn rein!”, dann hat man sein Heil schon lange verloren und ist auf einer Stufe mit Judas Iskariot und den Pharisäern und Schriftgelehrten zur Zeit Jesu. Selbstverständlich begegnet man ab und zu Leuten, die tatsächlich nur etwas vorspielen und man erleidet einen Schaden, weil man ihnen vertraut hat. Dies sollte man jedoch um der Gottseligkeit willen auf sich nehmen (Jesus gab Judas Iskariot einen gewaltigen Vertrauensvorschuss und nahm es in Kauf enttäuscht zu werden). Jeder Mensch hat eine Vertrauensvorschuss verdient. Wenn wir Mitmenschen nur noch das Böse unterstellen und von der ersten Begegnung an nichts Gutes erwarten, dann sind wir selbst böse geworden.

Laßt uns den Vertrauensvorschuß geben und um diejenigen, die uns enttäuschen, wird sich Gott kümmern. Gott spricht: “Die Rache ist mein!”

Das Hauptwirkungsgebiet Jesu scheint das heidnische Galiläa gewesen zu sein, wobei er allerdings immer wieder die jüdischen Feste in Jerusalem (Judäa) besuchte. Durch Verhaltenweisen wie Tempelreinigung, Sabbatbrechen und Sich-selbst-zu-Gott-machen, machte sich Jesus natürlich unbeliebt in Judäa. Man gönnte es ihm auch nicht, daß er zunehmend Anhänger fand.

Matthäusevangelium 4, 12-17:

12Als nun Jesus hörte, dass Johannes gefangen gesetzt worden war, zog er sich nach Galiläa zurück. 13Und er verließ Nazareth, kam und wohnte in Kapernaum, das am See liegt im Gebiet von Sebulon und Naftali, 14damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 8,23; 9,1): 15»Das Land Sebulon und das Land Naftali, das Land am Meer, das Land jenseits des Jordans, das heidnische Galiläa, 16das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen am Ort und im Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.« 17Seit der Zeit fing Jesus an zu predigen: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!

Jesus hatte den Kranken vom Teich Betesda geheilt und zwar an Seele und Leib und da hätten ihn auch die jüdischen Führer als Heiland und Erlöser willkommen heißen sollen, das wäre die Reaktion eines einfältigen “Schafes” gewesen. Sie aber wollten sich weder ihr Geschäft noch ihr falsches Bild vom bösartigen Gott, der so war wie sie, kaputtmachen lassen und verwarfen Jesus. Und das wird bis zum jüngsten Tag so bleiben, daß die religiösen Führer dieser Welt Jesus als Heiland nicht anerkennen werden, sondern sie werden bei ihrem einträglichen Geschäft bleiben und um des Geschäftes willen die schwere Sünde der Irrlehre auf sich nehmen. Die Hauptirrlehre wird häufig darin bestehen, daß man lehrt, Gott, der Vater, sei von Jesus charakterlich verschieden (Arius, Marcion, Mohammed, etc.). Aber es bleibt bestehen: Wer Jesus, den Sohn Gottes, nicht ehrt, der ehrt auch Gott, den Vater, nicht. Wäre der Vater Mensch geworden, er hätte sich exakt gleich wie Jesus verhalten. Man kann Gott, den Vater, nicht unabhängig von Jesus ehren. Es ist nicht möglich den Vater zu ehren und gleichzeitig Jesus nicht. Nur wer Jesus ehrt, ehrt auch den Vater.

Jesus geht nun nicht mehr nach Judäa (Anlaß wäre das Passafest gewesen), sondern die Leute kommen zu ihm nach Galiläa. Natürlich wollten sie gerne von ihren körperlichen Krankheiten und Gebrechen geheilt werden und dachten weniger an ihr Seelenheil. Jesus war aber nicht so kleinkariert wie die jüdischen Führer und heißt die Menschen herzlich willkommen. Wichtig war, daß sie überhaupt zu ihm kamen und die Sache mit dem Seelenheil würde sich schon ergeben. Jesus ist äußerst freundlich zu seinen  Gästen und tischt ihnen Brot und Fische im Überfluss auf, sodaß sie es gar nicht alles essen können.

Jesus pflegte normalerweise einen solch bescheidenen Lebensstil, daß sich selbst die Jünger manchmal fragen mußten, ob er wirklich der herrliche Messias sei. Es kam im Alltag anscheinend sehr selten bis gar nicht vor, daß er durch ein Wunder Brot oder Fische machte, damit seine Jünger und er zu essen hatten. Das fiel sicher auch Philippus, Andreas und den anderen auf und konnte eine Anfechtung für ihren Glauben sein. Jesus aber konnte Wunder tun, er war der Herr der Herrlichkeit, was er hier durch das Vermehren von Fisch und Brot auch zeigt. Je nach dem von welcher Warte man es betrachtet, war das besondere an Jesus nicht sein Gottsein, sondern sein Menschsein und als Mensch durfte er selbstverständlich nicht ständig Wunder tun, um sich zu versorgen, weil er ja sonst eben kein normaler Mensch gewesen wäre. So verstanden die Jünger ihn zum Teil auch falsch und wollten, daß er sich als Gott “aufführt”.

Da kam Jesus der große Besuch gerade recht, wo er als Gott handeln durfte und wollte. Der willkommene Nebeneffekt war die Festigung des Glaubens seiner Jünger. Die Speisung der Fünftausend war nicht das profane Essen und Trinken des Alltags, wo es Jesus nicht erlaubt gewesen wäre Wunder zu tun, sondern es war wiederum ein Gottesdienst, wie die Heilung des Kranken vom Teich Betesda am Sabbat. Die Menschen haben ein bischen Glauben, wollen vielleicht nur von ihren körperlichen Krankheiten geheilt werden, aber das bringt Jesus dazu voll aufzudrehen ganz im Sinne der gewaltigen Liebe Gottes: Er macht auf und offenbart erneut seine Herrlichkeit als der Gott Israels. Heilungen am Teich Betesda gab es wenige, weil dort kein Glaube vorhanden war. Hier sehen wir, was passiert, wenn man Gott auch nur ein bischen vertraut: Er offenbart seine Herrlichkeit mit voller Wucht. Am Teich Betesda hätte der Glaube auch darin bestanden gerecht zu handeln und den Langwartern den Vortritt zu lassen.

Worin bestanden aber hier die Kosten des Glaubens?

Wie wir aus der Apostelgeschichte sehen, waren nicht nur die Juden Feinde der Jünger Jesu, sondern auch die Heiden (meistens Anhänger des griechischen Götterolymps und deshalb im Römerbrief Griechen genannt). Wenn es also bekannt wurde, daß man diesem Atheisten (bezügl. der griechischen Götter) Jesus nachlief, konnte das auch zu Problemen führen. Also, weder die Juden noch die Heiden mochten die Jünger Jesu bzw. Jesus selbst und so war es immer ein Wagnis sich zu Jesus und seinen Jüngern zu halten.

Warum wollte Jesus nicht König sein?

Nicht nur deshalb, weil es Gottes Ratschluss war, daß er für die Sünder sterben sollte. Gott ist außerordentlich sanftmütig und demütig, genauso wie Jesus. Dieser Gott regiert nur über Menschen, die es freiwillig wollen. Viele Menschen in Palästina hätten nicht gewollt, daß Jesus König wird und diesen Willen hat er ganz einfach akzeptiert. Es lag ihm völlig fern mit seinen Anhängern eine Revolution zu starten und diejenigen, die seine Herrschaft nicht freiwillig begrüßten, unter seine Herrschaft zu zwingen.

Das Leben ist nichts weiter als ein gedehnter Moment. Die physikalische Größe Zeit ist nichts weiter als eine Gnade Gottes. Er fragt uns: “willst Du, daß ich Dein König bin?” Dann haben wir einen Moment Zeit zu antworten, der 70 bis 80 Jahre dauern kann. Einige tausend Abende, einige tausend Morgen, einige tausend Mittage, wir haben einen Moment Zeit uns freiwillig unter die Herrschaft Jesu zu begeben und im Himmel wird es nur Freiwillge geben.

 

Vorsicht:

Hier in diesem Text bedeutet das Wort Jude nicht Israeli (biologischer Nachkomme Jakobs), sondern “Anhänger des Gesetzesjudentums”. Kritisiert werden im Johannesevangelium nicht die Israelis (biologische Nachkommen des Patriarchen Jakob, des Vaters Israels), sondern diejenigen, die festhielten am Gesetzesjudentum (Buchstabendienst, pervertierte Sabbatheiligung, äußerliche Beschneidung des männlichen Gliedes ohne Glauben an einen Erlöser, Stolz auf Abstammung von Abraham). Natürlich waren viele Gesetzesjuden auch Israelis, aber kritisiert wird im Johannesevangelium nicht die Nationalität/Rasse “Israeli”, sondern die pervertierte Lehre und die an der perversen Lehre festhielten.

Im Dritten Reich verstand man unter Jude einen Menschen, der ein Nachkomme Jakobs war, also ein Israeli. Die Nazis verfolgten die Juden allein wegen ihrer Nationalität bzw. Rasse (Abstammung von Jakob). Der Antisemitismus der Nazis hat nichts mit der “Feindschaft” Christentum/Judentum zu tun. Im apostolischen Zeitalter war es sogar so, daß eher die Gesetzesjuden die Christen verfolgten, als umgekehrt. Die Christliche Kirche liebt Israel, alle Nachkommen Jakobs, und wünscht ihnen, daß sie möglichst bald erkennen, daß ihr Messias schon da war und Jesus von Nazareth heißt. Auf Seiten der wahren Kirche besteht kein Haß gegen Israel.

Ergänzung:

Im Johannesevangelium geht es nicht nur um die neue Geburt aus Wasser und Geist (sakramentale Taufe, die im Glauben empfangen wird oder derer man sich im Glauben erinnert), sondern auch um die Auseinandersetzung zwischen Licht und Finsternis, Glaube und Unglaube. Das jüdische Establishment (Priester, Leviten, Pharisäer, Schriftgelehrte, Älteste, Hohenpriester) als Ganzes gesehen, verwarf Jesus und es war erstaunlich, was Jesus sich von ihnen bieten ließ, trotz seines Königtums. Jesus war der offizielle, legitime König und Messias Israels, setzte diesen Herrschaftsanspruch aber nicht mit Gewalt durch, sondern ging Auseinandersetzungen aus dem Wege, was als Feigheit und Schwäche gedeutet werden konnte (wir wissen, daß Jesus weder feige noch schwach war). Da waren selbst seine Jünger überfordert. Als Jesus verhaftet wurde, wollte Petrus ja zum Beispiel Gewalt anwenden. Petrus wäre bereit gewesen im Kampf (Schlacht) für Jesus ehrenvoll zu sterben, er war aber nicht bereit sich kampflos zu ergeben, so wie Jesus. Die Zeichen und Wunder Jesu hatten also nicht nur den Zweck gegenwärtige Nöte zu beseitigen (Krankheiten, Gebrechen, Seelennot, Hunger, Durst, Gefahr durch Sturm, etc.), sondern es ging auch darum den Glauben der Jünger zu stärken. Die Jünger dachten sicher manchmal: “warum ist unser Messias so schwach und läßt sich alles gefallen?”. Jesu Wunder und Zeichen machten aber klar, daß er nicht schwach war, sondern bewußt dem Bösen nicht widerstand. Jesus war auch da ganz ein (christlicher) Mensch, indem er Gott seine Rechtssachen anbefahl und das Recht nicht selbst in die Hand nahm (sich nicht selbst Recht verschaffte). Aber auch seine Gottheit wird deutlich in seiner “Schwäche”, denn es ist Gottes “Schwäche”, daß er niemand seinen Willen/seine Herrschaft aufzwingt. Gott will nur über Menschen herrschen, die sich freiwillig seiner Herrschaft unterordnen. Das hat Jesus perfekt praktiziert.

Die Speisung der 5000 zeigt auch, wie der “christliche Staat”, die Kirche, wächst. Die Menschen kommen einfach freiwillig, ohne Zwang, in diesen himmlischen Staat. Sie sahen die Zeichen und Wunder Jesu, seine Kraft den ganzen Menschen zu heilen, und kamen zu ihm. Es war ja von daher auch gar nicht notwendig Krieg zu führen oder eine Revolution/Rebellion zu machen. Menschen treten/traten freiwillig heraus aus der Finsternis ins Licht. Der Staat Gottes, die Kirche, wächst und gedeiht völlig ohne Gewaltanwendung (Irrlehrer dürfen natürlich aus der Kirche herausgeworfen werden; Irrlehrer sind die verfluchtesten Menschen überhaupt, kriminelle Individuen/Elemente).

 

 

 

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Auslegung Johannesevang., Kap. 5, Verse 19-47

Die Vollmacht des Sohnes

19 Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn. 20 Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er tut, und wird ihm noch größere Werke zeigen, sodass ihr euch verwundern werdet. 21 Denn wie der Vater die Toten auferweckt und macht sie lebendig, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will. 22 Denn der Vater richtet niemand, sondern hat alles Gericht dem Sohn übergeben, 23 damit sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. 24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. 25 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören werden, die werden leben. 26 Denn wie der Vater das Leben hat in sich selber, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selber; 27 und er hat ihm Vollmacht gegeben, das Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist. 28 Wundert euch darüber nicht. Denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden 29 und werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts. 30 Ich kann nichts von mir aus tun. Wie ich höre, so richte ich und mein Gericht ist gerecht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.

 

Das Zeugnis für den Sohn

31 Wenn ich von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis nicht wahr. 32 Ein anderer ist’s, der von mir zeugt; und ich weiß, dass das Zeugnis wahr ist, das er von mir gibt. 33 Ihr habt zu Johannes geschickt, und er hat die Wahrheit bezeugt. 34 Ich aber nehme nicht Zeugnis von einem Menschen; sondern ich sage das, damit ihr selig werdet. 35 Er war ein brennendes und scheinendes Licht; ihr aber wolltet eine kleine Weile fröhlich sein in seinem Licht. 36 Ich aber habe ein größeres Zeugnis als das des Johannes; denn die Werke, die mir der Vater gegeben hat, damit ich sie vollende, eben diese Werke, die ich tue, bezeugen von mir, dass mich der Vater gesandt hat. 37 Und der Vater, der mich gesandt hat, hat von mir Zeugnis gegeben. Ihr habt niemals seine Stimme gehört noch seine Gestalt gesehen 38 und sein Wort habt ihr nicht in euch wohnen; denn ihr glaubt dem nicht, den er gesandt hat. 39 Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist’s, die von mir zeugt; 40 aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet. 41 Ich nehme nicht Ehre von Menschen; 42 aber ich kenne euch, dass ihr nicht Gottes Liebe in euch habt. 43 Ich bin gekommen in meines Vaters Namen und ihr nehmt mich nicht an. Wenn ein anderer kommen wird in seinem eigenen Namen, den werdet ihr annehmen. 44 Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht? 45 Ihr sollt nicht meinen, dass ich euch vor dem Vater verklagen werde; es ist einer, der euch verklagt: Mose, auf den ihr hofft. 46 Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben. 47 Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?
 
Bisheriger Verlauf des Johannesevangeliums:
 
Das Wort bricht aus Gott hervor, schon sind Himmel und Erde geschaffen samt aller Kreatur. Das Wort kommt in die Welt, die es geschaffen hat, es wird Licht, aber die meisten Menschen bleiben lieber in der Finsternis. Der große jüdische Asket und Heilige Johannes der Täufer bestätigt die Sendung des Wortes. Einige wenige glauben Johannes und schließen sich Jesus, dem Wort, an. Gott fügt es, daß Jesus und seine Jünger auf eine Hochzeit eingeladen werden, als Belohnung dafür, daß sie zu Jesus halten, trotz der allgemeinen Ablehnung Jesu durch die Juden. Auf der Hochzeit offenbart Jesus seine Herrlichkeit, macht Wasser zu Wein, der Glaube der Jünger wird versiegelt. Das ewige Hochzeitsmahl des Lammes ist aber noch nicht da und die Langmut Gottes wartet ab, das Menschen sich von der Finsternis zum Licht begeben. Die sich zum Licht begeben, sind der wahre Tempel Gottes. Die Verfinstertsten der Verfinsterten kommen aber nun sogar in Gottes Tempel und machen ein Kaufhaus daraus. Sie müssen immer wieder aus dem Tempel hinausgeworfen werden, notfalls mit Gewalt.
 
Dies ist der Ablauf der Weltgeschichte: Jesus und die Seinen, verfolgt und verworfen von der Welt, die Schlimmsten aus der Welt (Gesetzes-Juden, Judas Iskariot, die Päpste nach Gregor I., Arius, Marcion, Origenes, etc.) versuchen sogar in den Tempel Gottes einzudringen und ihn von innen heraus zu zerstören.
 
Der einzelne Mensch kommt von der Finsternis zum Licht durch die neue Geburt aus Wasser und Geist (im Glauben empfangene, sakramentale Taufe, auch Kindertaufe). Durch die neue Geburt wird dem Einzelnen die Kraft des Todes und der Auferstehung Jesu zugeeignet, durch die er die Werke der Finsternis ablegen und die Werke des Lichts anziehen kann und soll. Diese neue Geburt bzw. Taufe kommt direkt aus dem  Himmel von Gott. Johannes der Täufer konnte die Menschen nur zur Buße (Besserung) aufrufen, aber ihnen keine Kraft geben, ihre niedrigen Triebe zu überwinden. Durch die Taufe, die im Glauben empfangen wird, bekommt der Mensch wirklich Kraft, Kraft von oben und kann sich bessern. Der Mensch wird in Jesus hineingetauft, eine Person der Gottheit, die beständig bei ihm bleibt und ihm hilft zu überwinden.
 
Die Verfinsterten gründen sogar ihre eigenen Religionsgemeinschaften, wo man sich durch das Tun bestimmter “guter Werke” von der Gerechtigkeit Gottes dispensieren kann. Ein Beispiel dafür ist die Samariterin, die die Traditionen ihrer Religion hielt, also eine gute Samariterin war, aber nicht bereit war dem Juden Jesus auch nur einen Schluck Wasser zu geben, auch lebte sie in wilder Ehe, war also eine Sklavin ihrer sexuellen Begierde. Jesus macht diese Frau neu, indem er ihr lebendiges Wasser gibt, den Heiligen Geist, und sie wird fähig Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten, was bedeutet die Begierden des Leibes durch den Heiligen Geist zu überwinden und Gott und seinen Nächsten zu lieben.
 
So kommen immer wieder Menschen aus der Finsternis zum Licht, wenn Gläubige ihnen ihre Ungerechtigkeiten vergeben (Jesus vergab  der Frau, daß sie ihm kein Wasser gab) und das Evangelium mitteilen.
 
Der königliche Beamte hatte bisher nur von Jesus gehört und mußte diese Information (daß Jesus heilen konnte) zunächst für historisch wahr halten, damit sie ihm nützlich werden konnte. Der wahre Glaube fängt an mit dem Glauben, der nichts weiter bedeutet, als etwas für wahr halten. Jesus sagt zum Beamten: “Geh hin, dein Sohn lebt!” Auch dieses Wort glaubt der Beamte, wobei dieses Wort schon mehr als eine historische Information über Jesus ist, denn Jesus, der Sohn Gottes, spricht es selbst, es ist ein sakrales Heilswort, das mit göttlicher Kraft verbunden ist. Der Beamte glaubt dieses kleine Evangelium und als sein Sohn tatsächlich gesund wird, wird sein Glaube entgültig versiegelt.
So werden Menschen immer wieder über das Evangelium Gottes von seinem Sohn Jesus Christus (das Evangelium von der Gnade Gottes) informiert werden und diese Information für wahr halten (glauben); durch die sakramentale Taufe wird dann alles metaphysische Wirklichkeit und man fängt an im wahren, tieferen Glauben die Begierden des Leibes durch den Heiligen Geist zu überwinden und Gott und seinen Nächsten zu lieben. Die Taufe entspricht 1:1 einem Heilswort Jesu wie “Dein Sohn lebt!” oder “Komm und folge mir nach!” oder “Gehe hin, sündige nicht mehr!”  Dies ist auch, was Paulus meint mit der Formulierung aus dem Römerbrief: “aus Glauben zu Glauben”.
 
Es wäre irgendwie schlimm, wenn Gott die Menschheit bis zum Jüngesten Gericht einfach so dahingehen lassen würde, als ob es keinen Grund für Beanstandungen gäbe und dann plötzlich erscheinen würde, alle richten und alle in den Feuersee werfen. Wir können aber sicher sein, daß Gott alles tut, um jedem einzelnen Menschen, der jemals geboren wird, das Gericht bzw. den Feuersee zu ersparen. Dafür haben wir das Beispiel des Kranken vom Teich Betesda, der offensichtlich krank war, weil er gesündigt hatte. Krankheiten (aber auch Naturkatastrophen, das Unkraut des Ackers, Hitze, Frost, etc.) zeigen uns, daß mit unserer Welt etwas nicht stimmt. Adam verließ die selige Gemeinschaft mit Gott, der das Leben in sich selbst ist und ordnete sich den Mächten des Todes unter, daraufhin mußte er das Paradies verlassen und fühlen, weil er nicht hören wollte. Krankheiten, Naturkatastrophen, Unkraut, Fäulnis, Schädlinge, Mühsal, etc. sind ein Bild für den spirituellen Tod, in dem wir uns befinden, weil Adam seine seligen Stand verlassen hat. Gäbe es diese Dinge nicht, würde der Mensch einfach so in seinen Alltagsroutinen dahinvegetieren und irgendwann wüsste keiner mehr, was das Wort Gott bedeutet.
 
Man könnte sich fragen, warum Gott den Fluch nicht einfach aufhebt, die Menschheit in Ruhe läßt, ihre eigenen Wege gehen läßt, irgendwo, 2 Millionen Lichtjahre entfernt, eine neue Menschheit gründet. Das Problem ist die Ungerechtigkeit der Menschen untereinander, die auch eine Folge des Sündenfalls ist. Die Welt ohne Gott ist einfach ein riesiger Wettbewerb, wo der Stärkere den Schwächeren niedermacht, gemäß der Evolutionstheorie. Alle Gemeinschaften dieser Welt sind hierarchisch aufgebaut, was automatisch die totale Beschränkung der Freiheit des Einzelnen nach sich zieht. Gott kann da nicht einfach nur zugucken, denn er will Brüderlichkeit und Freiheit der Menschen, das Wohl jedes einzelnen. Wir haben uns daran gewöhnt in Hierarchieen zu leben, uns kommandieren zu lassen, aber das ist eigentlich die Hölle, auch aus göttlicher Sicht, das will Gott beenden.
 
Auch hinter den Mauern der Hallen des Teiches Betesda herrschte solch ein ekliger Wettbewerb. Der Gierigste empfing Heil und wer schon lange gewartet hatte ging leer aus. Betesda war also eine Pseudokultur oder Pseudowelt, ein Bild auf unsere Welt, die in Gottes Augen auch nur eine Pseudozivilisation ist (außer der Kirche). Die meisten Menschen kennen so ungefähr das Gesetz der Thora bzw. dessen Essenz, die 10 Gebote, aber weil die Menschen am Gesetz  bzw. den Geboten scheitern, erfinden sie Dinge zur Rechtfertigung der Sünde. Die ganzen Weltreligionen, außer natürlich das ideale Christentum, laufen auf eine Rechtfertigung der Sünde hinaus, was das Ignorieren der Tatsache bedeutet, daß man vom Gesetz verurteilt wird. Die richtige Handhabung des Gesetzes ist, daß man sich dadurch seiner Sündhaftigkeit bewußt wird, sie zugibt, keine Rechtfertigung sucht, sondern Gott um einen Erlöser bitter, welcher Jesus ist. Die Rechtfertigung der Sünde bedeutet auch, daß man nicht nach Ehre bei Gott strebt, das heißt Gerechtigkeit und gerechtes Handeln im Alltag. Die Welt strebt nach einer Pseudoehre und belohnt die Schönen, Reichen, Leistungsfähigen, Geehrten, Mächtigen, etc.. Die Ehre  der Welt und die Ehre bei Gott sind unvereinbar bzw. diametral entgegengesetzt, weil man zur Erlangung weltlicher Ehre oft ungerecht handeln muß gegen seinen Nächsten.
 
Wir dürfen uns von unserer Pseudowelt, Pseudokultur, Pseudozivilisation mit ihren Pseudoreligionen nicht irre machen lassen. Die Rechtfertigung der Sünde wird nur bewirken, daß wir nur noch mehr sündigen. Mit jeder einzelnen Sünde entfernen wir uns ein Stück weit mehr von Gott, dem Leben, und nähern uns immer mehr dem Tod und das werden wir auch fühlen in Form von Krankheiten.
 
Laßt uns also Betesda verlassen, indem wir uns von Jesu Heilswort leiten lassen: “Geh hin, sündige nicht mehr!”  Diesem Heilswort entspricht heute die sakramentale Taufe. Wenn wir in der Kraft der Taufe die sündigen Begierden unseres Leibes überwinden und Gott und unseren Nächsten lieben, bleiben wir im Heil, im Leben. Wir werden die Erfahrung seelischer und körperlicher Gesundheit machen.
 
Jesus erfüllte das Sabbatgebot, indem er den Kranken von Betesda heilte und so Gott verherrlichte, was der angemessene Gottesdienst für einen Sabbattag ist. Die Juden klagten ihn an, weil er das Sabbatgebot dem Buchstaben nach vermeintlich gebrochen hatte. Jesus wollte aber mit der Heilung kein Geld verdienen, sondern es ging ihm um die Seele des Kranken. Jesus war ein Seelsorger in Israel und so war seine Arbeit keine Erwerbsarbeit, die tatsächlich verboten gewesen wäre am Sabbat, sondern Gottesdienst.
 
Ich glaube, viele Pharisäer und Schriftgelehrte, Priester, Leviten und Hohenpriester wußten genau, daß das buchstäbliche Halten der Gesetzes Schwachsinn war. Aber das Problem war, daß sie mit ihrer schwachsinnigen Religion ihren Lebensunterhalt verdienten. Auch hatte einer Angst vor dem anderen, daß er ihn exkommunizieren würde, wenn er die Wahrheit bekennen würde. Aber all das, den Verlust seines Arbeitsplatzes und Ausschluss aus der jüdischen Gemeinschaft (Bann) hätte ein Jude um Jesu willen auf sich nehmen sollen, den Jesus kam von Gott und war in Gott, er sprach in höchster Autorisierung, seinen Weisungen war Folge zu leisten. Dieser Jesus war das Leben selbst. Daß der Sohn Gottes Mensch geworden ist, zeichnet ihn aus vor den 2 anderen Personen der Gottheit, wenn man das so sagen darf. Es scheint fast, daß der Vater von sich weg weist hin auf Jesus, den Sohn Gottes, der bereit war Mensch zu werden. Fast scheint es, der Vater delegiere sein Gottkönigtum an Jesus, indem er ihn zum Richter der Menschheit macht. Der höchste Richter war schon immer der König. Wir sollten uns also davor hüten, zu glauben, Jesus sei irgendwie niedriger als der Vater oder sogar wesensverschieden von ihm. Jesus war: Bescheidenheit, Mitleid (mitfühlende Trauer), Sanftmut, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Reinheit persönlicher Motive, Friedfertigkeit und geistliche Standhaftigkeit in einer Person. Gerade deshalb haßten ihn die religiösen Führer der Juden. Aber Gott, der Vater, hätte sich genauso wie Jesus verhalten, wenn er Mensch geworden wäre. Das, was wir an Gott lieben sollen, ist nicht seine Allmacht, oder Fähigkeit Wunder zu tun, sondern sein ausgesprochen edler Charakter. Es gibt nichts schlimmeres, als Gott einen niedrigen, gemeinen Charakter zu unterstellen, wie wahrscheinlch Judas Iskariot getan hat.
 
Halten wir fest: Dieser bescheidene, mitfühlende, sanftmütige, gerechte, barmherzige, friedfertige, standhafte Jesus, der reinen Herzens war, dem gebührt alle Ehre und Lobpreis und nur wer ihn ehrt, ehrt auch Gott, den Vater.
 
Fazit: Lassen wir uns nichts vormachen von den religiösen Führern dieser Welt, sondern lassen wir uns von Jesus umgestalten, sodaß wir ihm ähnlich werden und dem der ihn gesandt hat. So werden wir zum Leben auferstehen und nicht zum Gericht. Die Ehre, die bei Gott gilt, ist Gerechtigkeit, die (Pseudo-) Ehre dieser Welt aber wird vergehen. Gott wird nicht die Schönen, Reichen, Klugen, Mächtigen, Geehrten, etc. ehren, sondern die Gerechten.
 
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