Bergpredigt als Ideal???

Ich hab‘ heute eine Predigt aus München-Pasing im DLF gehört. Es ging auch um die Bergpredigt. Wie zu erwarten war, wurde natürlich ein Leben nach der Bergpredigt zu einem unerreichbaren Ideal erklärt.

(siehe auch „Auslegung der Bergpredigt“ und „Grenzen der Bergpredigt„)

So sieht das Ganze sachlich aus:

Die Bergpredigt hat nicht Paulus, sondern Jesus Christus selbst gehalten. Jesus war und ist der einzige, der das Recht hat, solche Worte zu verkünden, denn er war schlicht und ergreifend der, der auch perfekt nach der Bergpredigt lebte.

Einem einzelnen Christen (die Betonung liegt auf „einzelnen“; einem Christen innerhalb des Leibes Christi, der Kirche, wird es schon leichter fallen) wird es schwerfallen, nach der Bergpredigt zu leben, denn sie stellt ein Lebensprogramm dar, das aus einer anderen Welt kommt und nicht in das System dieser Welt paßt. Jedem, der nach der Bergpredigt leben will, ist klar, daß er hier auf Erden Anfeindung erleben wird und das will ja keiner, ausgegrenzt sein.

Die Jünger aber, könnte jemand einwenden, die zur Zeit Jesu lebten, hatten IHN ja bei sich, der sie behütete als ein guter Hirte und der sie trösten konnte inmitten der Anfeindungen.

Wir unterliegen aber einer Täuschung, wenn wir glauben, wir wären im Vergleich mit den Jüngern im Nachteil, denn es ist so, daß Jesus heute genauso (und stärker) gegenwärtig ist wie damals und zwar durch den Heiligen Geist in der (wahren) Kirche. Wenn es in der Bibel heißt, wir sollen den Christus „anziehen“, dann ist damit die Zugehörigkeit zu einer lebendigen Gemeinde gemeint. In der Kirche gibt es reiche Gnadenmittel, die den Glauben stärken, wie z. B. die Predigt, das Sakrament des Leibes und Blutes unseres Herrn, Beichte, Absolution, usw. Wenn wir durch die Kirche Christus „anziehen“, dann rückt ein Leben nach der Bergpredigt in den Bereich des möglichen, denn ein Leben nach der Bergpredigt entspricht dem ursprünglichsten Wesen des Christus. Und hier schließt sich der Kreis: Derjenige, der diese gewaltige Forderung an den Menschen stellt, will sie im Menschen auch erfüllen. Und Paulus würde sagen: „Wir wandeln in den Werken, die Gott zuvor bereitet hat.“

Eine Predigt in der Kirche Jesu sollte also dazu ermutigen, in der Kraft der heiligen Gemeinschaft der Gläubigen real als Christ zu leben. Die Bergpredigt heißt nicht Ideal, sondern Tun. Keine Infragestellung des Maßstabs ist erlaubt sondern nur das einfältige Tun.

Siehe auch „Die geistliche Katastrophe

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