Epiphanie und die Taufe Jesu

 

13 Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, daß er sich von ihm taufen ließe. 14 Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf wohl, daß ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? (Johannes 13.6) 15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß es jetzt also sein! also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s ihm zu.
   16 Und da Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser; und siehe, da tat sich der Himmel auf Über ihm. Und er sah den Geist Gottes gleich als eine Taube herabfahren und über ihn kommen. (Jesaja 11.2) 17 Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe. (Matthäusevangelium Kap. 3, Verse 13-17)

Längst bevor Weihnachten gefeiert wurde, galt in der Alten Kirche Epiphanias als der höchste Festtag der Winterjahreshälfte. An Epiphanias gedachte man vierer Ereignisse gleichzeitig:

  1. Die Geburt Christi
  2. Die Taufe Christi
  3. Hochzeit zu Kana (Wasser/Wein-Wunder, Offenbarung Christi Herrlichkeit)
  4. Ankunft der Magier aus dem Morgenland (Anbetung Christi, Erscheinung der Gottheit Christi)

Erst seit dem 4. Jahrhundert nach Christus wird „Die Geburt Christi“ festlich am 25. Dezember gesondert gefeiert und damit aus dem Epiphaniasfest herausgelöst. Rom hat weiter auch die Gedenktage für „Die Taufe Christi“ und die „Die Hochzeit zu Kana“ auf andere Festzeiten verlegt, sodaß allein das „Fest der Erscheinung der Gottheit Jesu Christi vor der Welt“ in den Mittelpunkt des Epiphaniasfestes trat.

Es gab eine sachliche Notwendigkeit für die Kirche die „Taufe Christi“ und die „Geburt Christi“ zeitlich zu trennen. Irrlehrer behaupteten damals, Gott habe Jesus erst am Tag seiner Taufe als seinen Sohn „adoptiert“ und Jesus wäre bei seiner Geburt durch Maria noch nicht Gottes Sohn gewesen. Die Irrlehrer meinten also, Jesus wäre erst am Tag seiner Taufe zum Sohn Gottes „geboren“ worden und vorher wäre er nur ein bloßer Mensch gewesen. Für die Irrlehrer war also Jesu Tauftag gleichzeitig Christi Geburtstag und deshalb mußte die Kirche diese Feste zeitlich trennen. Wäre Jesus tatsächlich nur ein normaler Mensch gewesen, der erst bei seiner Taufe zum Sohn Gottes erhoben worden wäre, hätte er niemals unser Erlöser werden können. Es war vielmehr so, daß Gottes Sohn Mensch wurde, d. h. Christus hat sich zum Menschen Jesus von Nazareth erniedrigt. Christus kam durch ein Wunder in den Leib der Jungfrau Maria. Nur der Sohn Gottes, der aus der Ewigkeit zu uns herabkam, konnte unser sündiges Fleisch und somit die ganze Menschheit tragen.

Wenn nun die Taufe Jesu durch Johannes nicht die Erhebung Jesu zum Sohn Gottes war, was war sie dann???

Jesus Christus war ohne Sünde und bedurfte deswegen keiner Vergebung. Jesus hatte die Taufe des Johannes nicht nötig, denn sie war eine göttliche Proklamation über den Menschen: „Du bist ein Sünder, der Vergebung braucht“ und das war Jesus ja nicht. Warum ließ Jesus sich trotzdem taufen? Durch die Taufe stellte sich Jesus auf eine Stufe mit den Sündern, d. h. er wurde in Gottes Namen ein Sünder. Der Heilige, der Gerechte, der Sündlose läßt über sich ausrufen: „Dieser ist ein Sünder“. Wenn auch die Taufe des Johannes nicht sakramental war, so kam sie doch vom Himmel, d. h. Jesus bekam tatsächlich ein Etikett im Namen Gottes angeheftet: „Sünder„. Jesus sagt: „Denn es gebührt uns, daß wir die ganze Gerechtigkeit erfüllen.“ Diese „ganze“ Gerechtigkeit ist nicht eine selbstsüchtige Heiligkeit, sondern die vollkommene Liebe zu den Menschen, zu den Sündern. Der Pharisäer kann sich immer nur einen gerechten Menschen auf Erden vorstellen, nämlich sich selbst. Jesus ist buchstäblich das Gegenteil eines Pharisäers, denn er hält sich für einen Sünder und läßt das durch die Taufe über sich ausrufen (proklamieren). Gott der Vater kann in diesem Moment nicht mehr an sich halten und ruft vom Himmel herab: „Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe“. Jesus will als Sünder dastehen, da ruft Gott: „Dies ist mein lieber Sohn!“ Christus liebte uns selbstverständlich schon von Ewigkeit her, aber durch die Taufe tut er den Schritt in unsere reale Gemeinschaft. Mit „dies ist mein lieber Sohn“ sagt Gott praktisch: das ist genau in meinem Sinne, daß Jesus sich in die Gemeinschaft der Sünder begibt. Seht, der Heiland der Sünder kommt zu euch.

Es sollte uns nicht allzu schwerfallen Jesus nachzuahmen, d. h. uns als Sünder zu sehen (oder doch?). Das Attribut Sünder macht alle Menschen zu Brüdern. Eine gemeinsame Eigenschaft haben wir alle, wir sind Sünder. Auch wenn wir an Jesus glauben, bleiben wir immer noch Sünder und können uns nicht über unsere Mitmenschen erheben. Und außerdem, der, an den wir glauben, suchte die Gemeinschaft der Sünder. Im Artikel „Verbotene Früchte“ schrieb ich, daß nur das Christentum einen Erlöser hat und die anderen Religionen nicht. Der Glaube an Jesus gibt uns aber kein Recht Angehörige anderer Religionen zu verachten, sondern laßt uns daran denken, daß Gott auch ihnen jederzeit seinen Christus offenbaren kann. Und Gott liebte uns ja auch schon, als wir noch blind waren. Trotz oder gerade wegen unserer Liebe zu den Angehörigen anderer Religionen werden wir ihnen immer wieder sagen, daß wir Jesus für den einzigen Weg halten und sonst nichts.

Es muß uns immer im Gedächtnis bleiben, daß wir, was wir täglich leben, geschenkt bekommen. Wir bleiben immer Sünder, mit denen Gott aber gnädig umgeht. Diese Gnade gilt nicht nur uns, sondern auch unseren Mitmenschen. Das ist wirklich wichtig zu verstehen, die Gnade ist nicht unser Eigentum, sondern sie gehört allen Menschen. Laßt uns nicht die anderen als Ungläubige besuchen, sondern ein Sündern besucht den anderen. Vielleicht wird Gott eines Tages dann auch über uns sagen: „Meine lieben Söhne!“ Sprechen wir uns doch nicht selbst die Gnade zu, sondern warten wir bis Menschen und Gott sagen: „Liebe Söhne.“ Bleiben wir auch nicht bei diesem theoretischen „ich bin ein Sünder“ stehen, sondern gehen wir hin zu unseren Brüdern und dienen ihnen in Liebe.

Gefahren:

Die Nachfolge bleibt immer eine Gradwanderung: Gemeinschaft mit den Sündern, aber Ablehnung der Sünde. Ablehnung der Sünde, aber kein Pharisäertum. Das ist die Kunst der Nachfolge: die Sünder zu lieben, aber ihrer Sünden nicht teilhaftig werden.

Nachtrag:

Man kann die Taufe Jesu auch so sehen, daß er aus lauter Güte die Gemeinschaft mit den Sündern suchte. Also hier mehr der Aspekt der Gemeinschaft mit den Sündern, als der Aspekt seines Bekenntnisses als Sünder. Die Taufe Jesu hat also 2 Aspekte:

  1. Ablehnung jeglichen Pharisäertums (Bekenntnis als Sünder)
  2. Der Schritt in die reale Gemeinschaft der Sünder (die Taufe wie eine Tür zu den Sündern)
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