Zölibat

Der Zölibat

Über 1000 Jahre lang seit ihrer Gründung gab es in der christlichen Kirche keinen Pflichtzölibat. Und das ist schon das erste Argument gegen den Pflichtzölibat: Sollte die christliche Kirche die Heilige Schrift über 1000 Jahre lang falsch ausgelegt haben? Doch wohl nicht.

Zweitens, muß man bedenken, daß ja die frühe Kirche ihren Gottesdienst nicht nur nach der Heiligen Schrift gestaltete, sondern sie kam ja gerade aus der Urkirche und übernahm selbstverständlich die Gewohnheit bzw. Tradition der Urkirche, keinen Pflichtzölibat zu fordern.

Es ist also anzunehmen, daß die Lehre vom Pflichtzölibat eine Lehre ist, die nicht den Intentionen des HERRN der Kirche und ihres Gründers entspricht, sondern später von Menschen erdichtet wurde.

Drittens, spricht gegen den Pflichtzölibat, daß es viel Unheil und Leid über katholische Priester gebracht hat. Das so viele Priester gefallen sind, beweist, daß der Zölibat wirklichkeitsfern ist. Was gegenwärtig durch die Medien geht, war schon vor 500 Jahren Gegenstand öffentlicher Debatten. Und es ist immer wieder erstaunlich, was für eine Stirn die Papstkirche hat, den Pflichtzölibat zu verteidigen, trotz des vernichtenden Urteils der Geschichte.

Die drei o. g. Argumente sollten schon genügen, um einen vernünftigen   Menschen  zu überzeugen, aber zur Bekräftigung noch einige zusätzliche Argumente:

Augsburger Bekenntnis (Artikel 23, Vom Ehestand der Priester):

(Zur Zeit der Reformation wollten viele Priester aus einer großen Not heraus doch ehelich werden und beriefen sich dabei auf folgende Bibelstellen:)

1. „Um Unzucht zu vermeiden, soll jeder sein eigen Eheweib haben.“  (1. Kor. 7, 2)

2. „Es ist besser zu heiraten, als zu brennen.“ (1. Kor. 7, 9)

3. Christus sagt Matthäusevangelium 19, 10-12:

Jesus hatte gerade ein Streitgespräch mit den Pharisäern über Ehescheidung beendet, da sagten die Jünger zu Jesus, es sei wohl besser nicht ehelich zu werden, wenn die Scheidung so streng verboten sei. Die Jünger wollten den Teufel (geschiedene Ehe) mit dem Beelzebub (Ehelosigkeit) austreiben. Jesus muß den Vorschlag der Jünger entschieden zurückweisen, denn er kennt die Natur des Menschen. Er sagt ihnen, wenn sich ein Mann in der Lage fühlt, sich so zu verhalten, wie ein Kastrierter (Eunuch, Entmannter), dann kann er auf die Ehe verzichten. Mit anderen Worten, die Ehelosigkeit ist nur für solche erlaubt, die ihre Geschlechtlichkeit (Männlichkeit) in dem Grade verleugnen können, der einer physischen Kastration entspricht (daß Jesus nie wollte, daß jemand sich selbst die Geschlechtsteile abschneidet, braucht wohl nicht erwähnt zu werden). Um Jesu Wort weiter zu führen: Nur wer fähig ist, auf jegliche sexuelle Betätigung zu verzichten, dem ist Ehelosigkeit erlaubt. Jesus läßt es hier ein wenig im Versteck, aber er sagt es doch, es mag einige Wenige geben, die fähig sind, völlig enthaltsam zu leben und somit den Dienst für das Himmelreich an die Stelle der Ehe setzen.

4. Schon im Genesis-Buch  (1. Mose 1, 27-28) wird davon berichtet, wie Gott die Ehe heiligt:

Und Gott schuf den Menschen als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch … .

Und noch mehr Argumente gegen den Zwangszölibat gibt es:

1. Timotheus 3, 2: „… ein Bischof soll eines Weibes Mann sein …“

1. Timotheus 4, 1-3: „… die Lehre, die die Ehe verbietet, ist eine Teufelslehre …“

Übrigens ist es interessant, daß gerade Paulus, der die Gabe (Charisma) der Enthaltsamkeit besaß, die Ehe für die Meisten geboten hat, denn alle o. g. Bibelworte stammen von ihm, außer Matthäus 19, 10-12.

Genauso wie Jesus kannte Paulus die ungestüme Natur des Menschen und gebot deshalb die Ehe und lehnte die Ehelosigkeit für die meisten ab.

Noch eine sehr interessante Stelle gibt es und zwar wiederum ein Ausspruch von Paulus:

„Haben wir nicht auch das Recht, eine Schwester als Ehefrau mit uns zu führen, wie die anderen Apostel und des Herrn Brüder und Kephas (Petrus)?“ (1. Kor. 9, 5)

Ist das nicht erstaunlich? Die ganze Führungsriege der Urkirche war verheiratet, außer Paulus, der auf sein Recht, eine Schwester als Ehefrau zu haben, verzichten konnte.

Zusammenfassend ist zu sagen, daß es zwar für sehr Wenige ein freiwilliges Zölibat gibt, aber ein Pflichtzölibat oder Zwangszölibat ist eine Erfindung des Teufels und antichristlich.

Mann kann nur alle röm.-kath. Priester aufrufen, nach Rom zu maschieren und dort ordentlich für die  Abschaffung des Zwangszölibats zu demonstrieren. Gott hätte Wohlgefallen daran.

Ein so keuscher Mann wie Paulus wird wahrscheinlich nur alle tausend Jahre einmal geboren!

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Befreiung, Beichte, Bibel, Ehe, Ehelosigkeit, Enthaltsamkeit, Eunuch, Frieden, Glaube, Häresie, Jesus, Kastration, Keuschheit, Kirche, Liebe, Nachfolge, Not, Papst, Priester, Reinheit, Sünder, Theologie, Vergebung, Weisheit, Zölibat abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Zölibat

  1. Monika schreibt:

    Der Zölibat ist wirklichkeitsfern, sagen Sie, und verweisen auf gescheiterte Priesterexistenzen. Sie verweisen nicht auf die Lebensläufe jener Priester, die den Zölibat in der Treue und Liebe zu Gott und in der bedingungslosen Nachfolge des Lebens Christi lebten. Nicht wenige dieser Priester wurden selig oder heilig gesprochen. Woher kommt Ihre Einseitigkeit? Woher kommt ihre Gewissheit, dass der Zölibat nicht den Intentionen des HERRN entspricht? Noch dazu wo ER es doch war, der diese Lebensform lebte und sie dementsprechend auch würdigte und heiligte?

    Ferner sollten Sie sich darum bemühen das Wort „wirklichkeitsfern“ sparsamer anzuwenden, denn die Lehre Jesu Christi, die er uns Menschen brachte, war für die Mehrheit der Juden, Sadduzäer und Pharisäer auch „wirklichkeitsfern“ – unter anderem wurde Jesus Christus deswegen ans Kreuz genagelt, weil die Menschen die gesunde Lehre einfach nicht ertragen konnten. Ihre Herzen waren verhärtet und ihr Verstand war der Verwirrung preisgegeben.

    Ich hoffe diese Zeilen regen Sie dazu an, sich ein bisschen besser mit dem Thema Zölibat, Kirche und Jesus Christus auseinanderzusetzen. Was aber noch wichtiger ist, als zu theologisieren, ist das Gebet und der Empfang der Sakramente. Ohne all diese Mittel wird uns der Wille Gottes nie wahrhaft erkennbar sein.

    Gottes Segen!

    • Rainer Braendlein schreibt:

      Hallo Frau Monika,

      ich bin Christ, d. h. für mich ist Jesus der Herr. Grundlage all meines Denkens und Handelns kann nur die Heilige Schrift sein. Die Heilige Schrift ist in der Alten Kirche, die auf Jesus zurückgeht kanonisiert worden, d. h. wir finden darin die Grundsätze der ältesten Christenheit. Mein Artikel über das Zölibat stützt sich auf die Hl. Schrift und Sie können selbst die Stellen in der Bibel nachlesen. Was ich geschrieben habe, habe ich nicht an der Haaren herbeigezogen, sondern es ist biblisch fundiert. Übrigens mußte Jesus selbstverständlich zölibatär Leben, denn er war Gottes Sohn, d. h. eine Person der Gottheit. Sollte sich Gott mit … ? Das wage ich nicht einmal zu auszusprechen. Die Lebensweise Jesu kann man nicht 1:1 auf Jünger übertragen. Die Segnung kleiner Kinder durch Jesus z. B. entspricht dem Sakrament der Taufe. Das profane „ich segne dich“ eines Christen ist im Vergleich dazu nichts als warme Luft. Einzelne Dinge, die Jesus tat, können heute oft nur durch die Kirche als ganzes getan werden, denn in der Kirche ist Jesus gegenwärtig. Jesus wird nie durch einen einzelnen Christen repräsentiert, sondern immer durch die ganze Kirche, denn sie ist sein Leib.

      Mit herzliche Grüßen
      Rainer Brändlein

    • Rainer Braendlein schreibt:

      Hallo Frau Monika,

      ich bin Christ, d. h. für mich ist Jesus der Herr. Grundlage all meines Denkens und Handelns kann nur die Heilige Schrift sein. Die Heilige Schrift ist in der Alten Kirche, die auf Jesus zurückgeht kanonisiert worden, d. h. wir finden darin die Grundsätze der ältesten Christenheit. Mein Artikel über das Zölibat stützt sich auf die Hl. Schrift und Sie können selbst die Stellen in der Bibel nachlesen. Was ich geschrieben habe, habe ich nicht an der Haaren herbeigezogen, sondern es ist biblisch fundiert. Übrigens mußte Jesus selbstverständlich zölibatär Leben, denn er war Gottes Sohn, d. h. eine Person der Gottheit. Sollte sich Gott mit … ? Das wage ich nicht einmal zu auszusprechen. Die Lebensweise Jesu kann man nicht 1:1 auf Jünger übertragen. Die Segnung kleiner Kinder durch Jesus z. B. entspricht dem Sakrament der Taufe. Das profane „ich segne dich“ eines Christen ist im Vergleich dazu nichts als warme Luft. Einzelne Dinge, die Jesus tat, können heute oft nur durch die Kirche als ganzes getan werden, denn in der Kirche ist Jesus gegenwärtig. Jesus wird nie durch einen einzelnen Christen repräsentiert, sondern immer durch die ganze Kirche, denn sie ist sein Leib.

      Mit herzliche Grüßen
      Rainer Brändlein

  2. verwackelts schreibt:

    Interessanter Artikel, habe ich direkt in meinem Artikel zum Zölibat verlinkt. Viele Grüße, verwackelts.

  3. Pingback: Zölibat früher und heute « Verwackelts

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