Wiedergeburt

Vielfach wird heute angenommen, Wiedergeburt sei das bloße Fürwahrhalten der Botschaft:  „Glaube an Jesus und du wirst gerecht!“ In den esten fünf Kapiteln des Römerbriefs sieht es tatsächlich so aus, als ob es nur diese Formel gäbe: „Glaube an Jesus und du wirst gerecht.“ Paulus hat das Problem, daß er da etwas Göttliches  in Worte fassen will, was man aber gar nicht in Worte fassen kann. „Glaube an Jesus und du wirst gerecht!“ ist nur das Bild eines Apfels, aber nicht der Apfel selbst. Jeder wird zugeben, daß ein gewaltiger Unterschied zwischen einem Apfel und dem bloßen Bild eines Apfels besteht. Genießen kann man nur einen wirklichen, körperlichen Apfel, aber nicht sein Bild. In Röm. 4 sagt Paulus tatsächlich, daß uns allein das Glauben der Verheißung „Gott gab seinen Sohn für dich und warf deine Sünden auf ihn; oder Jesus starb für dich und trug deine Sünden“ zur Gerechtigkeit gerechnet wird. Also, es geht schon um das pure Fürwahrhalten des Evangeliums (= Jesus trug deine Sünden, als er am Kreuz für dich starb), aber dieser Glaube muß durch die sakramentale Taufe versiegelt werden. Es sieht so aus, daß der Glaube, der nicht durch die Taufe versiegelt wurde, mehr oder weniger nur ein Fürwahrhalten ist, das nicht zur Erlösung des Sünders führt.

Paulus kommt in den ersten fünf Kapiteln des Römerbriefes immer wieder auf Leute in der römischen Gemeinde zu sprechen, die offenbar auf Gnade hin sündigten, was pervers war. Paulus als liebender Seelsorger will diesen Menschen helfen, aber mit der Formel „Glaube an Jesus und werde gerecht“ richtet er nicht viel aus, denn er kratzt damit nur an der Oberfläche. Außerdem, warum sollte man nicht kräftig sündigen, wenn man doch nicht aufgrund von Werken, sondern aus Gnade gerettet wird? Paulus kann das nur immer wieder mit „das sei ferne“ kommentieren. Nun hat Paulus eine Idee, er fängt an vom Sakrament der Taufe zu sprechen (Röm. 6). Gott hatte es vorausgesehen, daß blanke Information dem Menschen nicht viel helfen kann. Schön und gut, wenn ein Mensch diesen Satz „glaube und werde gerecht“ im Gehirn liegen hat, aber was hilft es dem Menschen in seiner Ganzheit. Da erfand Gott die Taufe, d. h. das Taufbad der Wiedergeburt, wir werden wiedergeboren durch Wasser und Geist. Was Worte allein nicht vermochten, vermögen Wasser und Geist. In der Taufe ist unser „alter Mensch der Sünde“ mitgestorben und wir sind mit Jesus auferstanden zu einem neuen Leben. Gott packt alle Segnungen, die zu einem christlichen Leben notwendig sind, in die sakramentale Taufe hinein. Was kann ein Mensch, der die frohe Botschaft hört, schon tun, als zu bekennen: „ja, ich bin ein Sklave der Sünde, bitte Jesus, Sohn Gottes, mach mich frei“. Wenn er das bekannt hat, muß man ihn taufen, denn was soll ein Sünder mehr produzieren, als dieses Bekenntnis. Der Sünder kann nur ein paar lächerliche Worte produzieren, aber erlösender Glaube ist das sicher noch nicht. Gott kommt in der Taufe und schenkt dem Menschen eine neue Geburt aus Wasser und Geist. Danach sagt er zu ihm in göttlicher Authorität: Lieber Hans, dein „alter Mensch der Sünde“ ist durch die Taufe am Kreuz zusammen mit Jesus untergegangen, außerdem bist du durch die Taufe auch zusammen mit Jesus auferstanden und nun „in Jesus gekleidet“. Lieber Hans, sagt Gott, der Allmächtige, du hast zwar noch deinen Leib, der genauso sündig ist wie Adams Leib, aber diesem sündigen Leib setze ich meine göttlichen Heilsworte entgegen, daß nach der Taufe dein „alter Mensch der Sünde“ gestorben ist und du dich „in Jesus befindest“.  Lieber  Hans, lade Christus, der nach der Taufe mit aller Bescheidenheit, Zurückhaltung und Demut in der wohnt, jeden Morgen ein, sein Leben in dir zu entfalten. Christus will dich nicht beherrschen wie ein Diktator, sondern bietet der jeden Tag zurückhaltend und freundlich seine Hilfe an. Er will dir ja nur helfen. Er wartet nur darauf das du ihn angesichts der Not deines Leibes freiwillig einlädst dir zu helfen.

Übrigens, als Jesus sichtbar auf Erden lebte, rief er Menschen mit hörbarer Stimme in die Nachfolge. Dieser Ruf war sakral, denn es war Christus der da rief. Der Ruf war übernatürlich und unwiderstehlich. Lange bevor Jesus Petrus rief, hatte der schon versucht nach dem Gesetz zu leben, aber das Gesetz machte ihn immer mehr zum Sünder. Da kommt Jesus, des Zimmermanns Sohn zu ihm (Petrus) und ruft ihn in die Nachfolge. Petrus merkt aber gleich, daß hier nicht nur Jesus vor ihm steht, sondern Christus, der Sohn Gottes. Petrus läuft nun einfach hinter Jesus her und so ist alles gut: Seine Sünden sind vergeben und er tut Werke Gottes in der Gemeinschaft Jesu.

Ich glaube, daß Gott mich durch die Taufe in die Nachfolge ruft, ich folge nun einfach nach und indem ich nachfolge, glaube ich. Das furchtbarste Rätsel meines Lebens ist gelöst: Bin ich wirklich gläubig??? Gott sei Dank, das ist jetzt kein Thema mehr, denn ich bin getauft und folge meinem HERRN. Ich leb‘ einfach das Leben, in das Gott mich hineinversetzt hat. Alles fängt mit purem Glauben an. Die Taufe aber gibt meinem Glauben eine solche Sicherheit, daß ich nach der Taufe einfach Gott gehorsam sein kann. Nachdem ich die Taufe im Glauben ergriffen habe,  gilt der Satz: Nur der Glaubende ist gehorsam und nur der Gehorsame glaubt. Nach der Taufe gehen Glaube und Gehorsam Hand in Hand.

Ist das Werksgerechtigkeit? Nie im Leben, denn Gott schenkt mir beides, sowohl Werke in Christus als auch Vergebung in Christus aus lauter Gnade. Und nun können wir uns recht freuen über den Satz: „glaube an Jesus und du wirst gerecht“, denn wir haben es erfahren. 

Für Leute, die erst als Erwachsene gläubig werden, aber schon als Kind getauft wurden:

Wer als Kind getauft wurde (Säuglingstaufe), dessen Taufe ist gültig und er soll sich nicht wiedertaufen lassen. Wiedertaufe trennt von der einen Kirche Jesu. Wiedertaufe ist verboten und wurde von der Christlichen Kirche schon immer abgelehnt. Wer erst als Erwachsener von Jesus hört, kann sich auf seine Kindertaufe rückbeziehen und ist damit wiedergeboren aus Wasser und Geist und kann jetzt Jesus nachfolgen. Daß die großen Kirchen Kinder aus unfrommen Elternhäusern taufen, ist traurig, aber trotzdem ist die Kindertaufe gültig, denn sie kommt von Gott. Gott ist immer der eigentliche Täufer. Die Kirche verwaltet die Taufe nur. Wirksam beim Einzelnen wird die Taufe, wenn er sich ihrer im Glauben erinnert. Hat man sich der Taufe im Glauben erinnert, sollte man anfangen Jesus nachzufolgen, denn man hat jetzt mit Sicherheit die Kraft dazu (Buchempfehlung: „Nachfolge“ von Dietrich Bonhoeffer).

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2 Antworten zu Wiedergeburt

  1. Edzard Klapp, Vaihinger Strasse 19, DE-71144 Steinenbronn schreibt:

    „Zimmermanns Sohn“ erlaubt auch die Lesart „Gottes Sohn“! Das griechische Wort tektoon kann auch bedeuten „Urheber“ oder „Schöpfer“ : wenn also laut NT die Leute untereinander fragen : „ist das nicht Zimmermanns Sohn“, so kann das nach den Intentionen der Verfasser der Evangelien auch ein versteckter Hinweis auf die Gottes-Sohn-Eigenschaft Jesu Christi sein. Ein Umstand, der leider in unseren Kommentaren – soweit ich zu sehen vermochte – nirgends erwogen wird. Bei den Freimaurern allerdings wird Gott als „Baumeister“ gefeiert. …

    • Rainer Braendlein schreibt:

      Hallo Herr Klapp,

      danke für ihren Kommentar.

      In Johannesevangelium Kapitel 1, Vers 10 können sie das Folgende lesen:

      „Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht.“

      Dieser Vers bezieht sich auf Jesus Christus.

      Es gibt noch andere Bibelstellen, wo klar gesagt wird, daß Gott die Welt durch Christus geschaffen hat.

      Es ist also kein Geheimnis, daß die Welt durch Gott, den Sohn, geschaffen wurde.

      Gruß,

      Brändlein

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