Bergpredigt 1

Bergpredigt (Matthäusevangelium 5, 1 – 7, 29)

 

Die Seligpreisungen

Jesus, die Jünger und das Volk (eine göttliche Inszenierung).

Jesus hatte ZUVOR schon auf der Seebühne von Galiläa gepredigt (Matth. 4, 17):

„Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbei gekommen.“

Wie, wo, was?, Wo Himmelreich?, mag sich manch einer gedacht haben, als er Jesus, im Fischerkahn sitzend, predigen hörte. Aber der vom Himmelreich predigte, der war es selbst. Dieser einfache Mensch Jesus von Nazareth war Christus, der Sohn Gottes. Der himmlische König besucht sein Volk in der Gestalt eines einfachen Menschen und muß im Glauben als Christus wahrgenommen werden. Seine Worte und Werke, d. h. Worte in Vollmacht und Werke Gottes, zeugen davon, daß er Gottes Sohn ist. Die Jünger zweifelten nicht, daß Jesus der Christus war und folgten ihm nach.

Vielleicht wollte das Volk Jesus zum König machen, als sie sahen, welche Wunder er tat, aber Jesus will kein irdischer König sein, denn er ist der König eines unsichtbaren Reiches (übrigens, wenn Jesus sich der Welt in sichtbarer Herrlichkeit offenbaren wird, ist der Gerichtstag da!).

Jesus fühlt sich gezwungen aus der Mitte des Volkes herauszutreten.

Jesus geht heraus aus dem Volk auf den Berghang. Ohne jeden Befehl Jesu gesellen sich die Jünger zu Jesus, denn sie können schlechterdings nur da sein, wo auch ihr Meister ist. Jesus inszeniert eine göttliche Oper auf einer Naturbühne für das Publikum Volk. Jesus der Hauptdarsteller betritt die Bühne, danach die Jünger. Was soll hier dargestellt werden? Jesu Wunder bestätigten ihn als Christus. Trotzdem will er aber zu dieser Zeit nicht zum König des Volkes gemacht werden, sondern er will ein Meister und Lehrer von Jüngern sein. Jesus sucht Jünger. Es sei wiederholt: Angenommen, Jesus hätte sein Königtum zur Jetztzeit wahrgenommen, wäre für das Volk der Gerichtstag dagewesen. Aber noch wollte er ja nicht richten, sondern retten. Jesus will also zunächst einmal, daß man einfach zu ihm kommt und ihn als Herrn und Meister respektiert. Man wird jemand nur dann als Meister anerkennen, wenn man das eigene Wissen gegenüber dem Wissen des Meisters als sehr gering einschätzt, und das taten die Jünger. Und das ist ja auch die ureigenste Bedeutung des Wortes Jünger: Sein Leben mit einem Meister teilen und so von ihm lernen.

Die Choreographie ist perfekt:
Jesus am Hang mit seinen Jüngern wie eine Stadt auf dem Berge, die man schon von weitem sieht und die nicht verborgen sein kann: Die Stadt Gottes (Civitas Dei).

Jesus spricht seine Jünger selig. Jesus beugt sich herab zu den armen kleinen Sünderlein, für die sich die Jünger hielten, und hüllt sie in ein Ehrenkleid göttlich Worte: Die Seligpreisungen. Die Ärmsten dieser Erde – Gott zieht ihnen Kleider des Heils an. Dem Volk, das zuschaut, verschlägt es den Atem, und es steht da mit offenem Mund, die Kinnlade heruntergefallen.

Die Jünger hatten diese in ihren primitiven Kategorieen gefangene Welt verlassen und folgten Jesus nach. Indem die Jünger sich zu Jesus hielten, drückten sie aus: diese bürgerliche Welt ist irgendwie rückwärts gewandt (backward) und wir wollen mit Jesus in den Kategorieen einer neuen Welt leben. Im Vergleich zu Jesus erschien ihnen aller Glanz (Selbstgerechtigkeit, Ehre, Macht, Schönheit) und Reichtum dieser Welt wie Abfall (junk).

Selig die geistlich Armen. Die Jünger mußten bei Jesus noch einmal ganz von vorne anfangen. Ein Bäckerlehrling ist gegenüber dem Bäckermeister arm, was die Kenntnisse des Brotbackens angeht. Die Jünger war Jesus gegenüber arm, was die Kenntnisse der Seelsorge angeht. Sie kamen ja gerade aus dieser Welt der Selbstgerechten, Selbstsüchtigen, die Menschen nach dem Grad ihrer Nützlichkeit bewertet. In dieser Welt waren die Jünger lange Jahre eingesperrt gewesen und da war weit und breit niemand gewesen, der sie hätte herausreißen können. Aber Gott sei Dank, ihr Befreier war nun da (Luther: „siehe dein Meister ist da kommen“ aus 2. Bearbeitung der 7 Bußpsalmen).

Die Jünger sind bereit bei Jesus in die Schule zu gehen. Sie geben zu, daß die  Welt sie fast schon assimiliert hatte und begeben sich mit Freude unter die Obhut Jesu. Jesus füllt die Armut seiner lieben Lehrlinge aus und schenkt ihnen das Himmelreich,  d. h. sie dürfen bei Gott sein von nun an bis in Ewigkeit. Die Ärmsten dieser Erde – Gott lädt sie ein mit ihm an einem Tisch zu sitzen.

Selig sind, die da Leid tragen. Die Jünger werden je länger sie Jesus nachfolgen, desto mehr die Welt mit den Augen Gottes sehen.  Der Gerichtstag Gottes kommt immer näher und nur wenige Menschen bereiten sich darauf vor. Im Gegenteil man macht sich etwas vor und ist völlig auf das Diesseits fixiert. Die Jünger lieben ihre Mitmenschen und wollen sie aus ihrem Todesschlaf aufwecken. Obwohl die Jünger der Welt nur Gutes wollen, werden sie von ihr als Störer wahrgenommen. Die Welt will ewig weiterträumen und nicht aufgeweckt werden. Die Jünger können und wollen niemand mit Gewalt ins Himmelreich zwingen. Sie können nur die Botschaft ausrichten und dann die Menschen Gott befohlen sein lassen. Der Rachen der Hölle ist weit aufgesperrt und die Jünger müssen hilflos zu sehen, wie die Menschen hineinlaufen und verschlungen werden. Gibt es einen größeren Schmerz, gibt es ein größeres Leid, als so etwas zu sehen? Die Jünger finden keinen Trost auf Erden, aber in Gottes Gegenwart sollen sie getröstet sein von nun an bis in Ewigkeit. Den Jüngern ist es auf dieser Welt nicht nach Lachen zumute, sondern eher nach Weinen. Darob werden sie von der Welt noch als Feinde der Menschheit bezeichnet. Das ist Leiden ohne Maß und es müßte die Jünger verzehren, aber Gott selbst will ihr Trost sein. Gott selbst wischt ihre Tränen ab.

Selig sind die Sanftmütigen. Jesus sagte: „das Himmelreich IST ihr und sie SOLLEN getröstet werden“, den Besitz des Erdreichs muß er aber ganz in die Zukunft verlegen: „sie WERDEN das Erdreich besitzen“. Jesus läßt sich von den religiösen Führern durch ganz Judäa und Galiläa jagen. Verfolgt man ihn an einem Ort, weicht er und zieht zum nächsten. Jesus leistet keinen gewaltsamen Widerstand.  Er predigt das Evangelium und heilt Kranke, das ist alles. In Worten wird Jesus oft sehr deutlich, aber Gewalt wendet er  nicht an. Das ist einfach das Wesen Gottes, er läßt sich lieber schlagen, als daß er zuschlägt. Nichts ist den Bürgern dieser Welt ein größeres Greuel als Sanftmut. Der Bürger dieser Welt setzt sein Recht mit allen Mitteln durch. Jesus ist der rechtmäßige König Israels und er hätte die Leute mit Gewalt unter seine Herrschaft zwingen dürfen. In der Sanftmut Gottes aber tut Jesus nicht nur keine Gewalt, sondern läßt sich sogar wegstoßen, als Besessener beschimpfen, aus den Synagogen verjagen, bestehlen (Judas), als Fresser und Weinsäufer bezeichnen und schließlich schlagen, bespucken, verspotten und kreuzigen. Dort von Golgatha her, wo der Sanftmütigste starb, wird die Erde erneuert werden. Die in der Sanftmut Jesu leben, werden in ferner Zeit das Erdreich besitzen. Diejenigen für die es auf Erden keinen fußbreit Raum gab, die werden die Erde besitzen. Mit seinem vollmächtigen Wort tröstet Jesus die Jünger und gibt ihnen Hoffnung in einer Welt, wo es für sie keine Zukunft zu geben schien. Die Gemeinde derer, die sich schweigend alles haben nehmen lassen – König Gott wird ihnen dermaleinst die ganze Erde zum Besitz geben.

Kurzauslegung Matth. 5, 3-5:

Seht meine lieben Lehrlinge, sie werden in meiner Gemeinschaft um das Seelenheil ihrer Mitmenschen bekümmert sein. Die Menschen werden sie zusammen mit mir aus ihrer Welt jagen, aber die Menschen werden bald nicht mehr da sein, sondern nur noch meine Jünger und ich. 

 

HINWEIS:

Heute geschieht der Ruf in die Nachfolge durch das Sakrament der Taufe. Gott ruft durch die Kirche Menschen in die Nachfolge Christi. Die Taufe kommt direkt vom Himmel und wird von der Kirche nur verwaltet. Gott ist der eigentliche Täufer. In der Taufe handelt Gott. Der alte Mensch stirbt und der Täufling emfängt ein neues Leben. In der Taufe wird man wiedergeboren durch Wasser und Geist.

Wiedertaufe ist strengstens verboten!

Kindertaufe ist gültig. Wer erst als Erwachsener gläubig wird, kann sich auf seine Kindertaufe rückbeziehen und soll sich keinesfalls wiedertaufen lassen.

Auch die Kindertaufe der röm.-kath. Kirche ist gültig!!! Das die r.-k. Kirche von ihrem Herrn abgefallen ist, steht auf einem anderen Blatt, und muß zu einer anderen Zeit besprochen werden.

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