Dietrich Bonhoeffer und der Papst

Zunächst, wer war Dietrich Bonhoeffer?

Bonhoeffer war wahrscheinlich der begabteste Theologe, der seit Martin Luther gelebt hat.  Bonhoeffer studierte an der Friedrich-Wilhelm-Universität (heute Humboldt-Universität) in Berlin. Bonhoeffer gehörte zu den begabtesten des wissenschaftlichen Nachwuchses an der theologischen Fakultät. Bonhoeffer entschied sich jedoch nicht für die wissenschafliche Laufbahn, sondern wurde evangelischer Pfarrer (er war Pfarrer der altpreußischen Union).

Bonhoeffer war nicht nur ein Spitzentheologe, sondern auch ein frommer Christ. Bonhoeffer praktizierte tatsächlich, was er predigte (diese Art Pfarrer ist heute wahrscheinlich längst ausgestorben). Lesen Sie doch mal Eberhard Bethge’s Biographie über Bonhoeffer.

Bonhoeffer’s ursprüngliche Absicht war es, die evangelische Kirche (früher DEK, heute EKD) zu reformieren. Leider platzte satanischer Weise der Nationalsozialismus dazwischen. Die bekennende Kirche (eine sozusagen reformierte, evangelische Kirche mit allzu kurzer Lebensdauer), der sich Bonhoeffer anschloß, ging leider nach dem Dritten Reich unter. Die bekennende Kirche war die rechtmäßige (mit „rechtmäßig“ meine ich, von Gott anerkannt), protestantische Kirche in Deutschland während des Dritten Reiches (die bekennende Kirche widersetzte sich Nazi-Staat und Nazi-Kirche).  Im Gegensatz zur bekennenden Kirche verhielt sich die DEK opportun zu den Nazis und unterstützte sie. Die DEK muß als antichristlich bezeichnet werden, denn sie hatte nichts mehr gemein mit den Vorstellungen Jesu Christi über seine Kirche bzw. verhielt sich konträr dazu. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die bekennende Kirche und die DEK in der EKD zusammengefaßt (ein historischer Mißgriff). Leider konnten sich in der EKD nach dem 2. Weltkrieg reaktionäre Kräfte durchsetzen und der Einfluß der ehemaligen Glieder der bekennenden Kirche verschwandt. So blieb die EKD unreformiert.

Bonhoeffer war ein Reformator auf Augenhöhe mit Martin Luther. Nur aufgrund ungünstiger, geschichtlicher Umstände erlangte er nicht den Bekanntheitsgrad Luthers.

Warum erzähle ich das? Ich will zum Ausdruck bringen, daß Bonhoeffer nicht ein Irgendjemand (nobody) war, sondern eine Kapazität. Bonhoeffer war ein sprichwörtlicher Gelehrter. Er war auf einer Ebene mit Paulus, Augustinus und Luther.

Wer Aussagen Bonhoeffers anzweifelt, muß Beweise bringen (Schriftbeweis). Aufgrund Bonhoeffer’s Lehrautorität ist es nicht erlaubt, einfach Aussagen, die er gemacht hat, für nichtig oder nicht relevant zu erklären. Vor Bonhoeffer muß man sich zunächst mal klein machen. Wer sich vielleicht zwanzig oder dreißig Jahre mit ihm beschäftigt hat, der mag dann auch eigene Theorieen aufstellen.

Bonhoeffer hat das Papsttum verworfen!!!

Während des Dritten Reiches standen Einzelne, Gemeinden und Pfarrer vor der Entscheidung sich der Bekennenden Kirche anzuschließen oder sich der Reichskirchenregierung (Nazi-Kirche)  zu unterwerfen. Damals gab es Pfarrer, Gemeinden und Einzelne, die argumentierten, solange wir vor Ort in unseren lokalen Gemeinden das reine Evangelium predigen, gehören wir zur wahren, weltweiten Kirche Jesu (christliche Kirche) unbeschadet davon, wenn wir uns „formal“ der Reichskirchenregierung unterwerfen.

Bonhoeffer hat diese Argumentation verworfen. Bekannt wurde sein Ausspruch: „Extra ecclesiam nulla salus (außerhalb der Kirche gibt es kein Heil)“. In der Situtation des Angriffes einer antichristlichen Kirche auf die christliche Kirche gibt es nur eine heilige Handlung, nämlich die antichristliche Kirche zu verlassen und sich der christlichen Kirche anzuschließen. Eine dem Wortlaut nach korrekte Verkündigung des Evangeliums innerhalb einer antichristlichen Gesamtkirche wird annulliert durch die Feigheit des Pfarrers und der lokalen Gemeinde sich zu Jesus Christus öffentlich zu bekennen (durch Wechsel von der feindlichen Kirche in die christliche Kirche). Der „Dauerfeind“ der christlichen Kirche ist die römische Kirche. Für Bonhoeffer kam eine Unterwerfung unter den Papst einer Unterwerfung unter die Leitung der Nazi-Kirche gleich.

Sie können das nachlesen im Band 14 der DietrichBonhoefferWerke (DBW) „Illegale Theologenausbildung in Finkenwalde 1935-1937“, Bonhoeffers Aufsatz über Kirchengemeinschaft:

Schlagen Sie doch mal die Seiten 677 und 678 des Bandes auf, denn da können Sie das Folgende lesen:

„Wie aber, wenn nun in einer einzelnen Gemeinde der römischen Kirche oder der Reichskirche das Evangelium lauter verkündigt würde? Ist dann nicht auch dort die wahre Kirche? (Antwort:) Es gibt keine lautere Verkündigung des Evangeliums unabhängig von der Gesamtkirche. Und wenn einer das Evangelium so lauter verkündigt wie der Apostel Paulus und er wäre dem Papst oder der Reichskirchenregierung gehorsam, so wäre er ein Irrlehrer und ein Verführer der Gemeinde.“

Übrigens ist das Problem des Papsttums ein prinzipielles. Es geht nicht um das praktische Verhalten der römischen Kirche, sondern um ihre Struktur: Jesus Christus will das Haupt der allgemeinen, christlichen Kirche sein. Dieses Amt hat der Papst Christus gestohlen. Somit ist das Papsttum verwerflich, mag sich die römische Kirche auch noch so freundlich gebärden.

Heil gibt es nur in der Kirche, die wirklich von Christus regiert wird! Extra ecclesiam nulla salus!

Hinweis:

Was war eigentlich die „Bekennende Kirche“?

In der Zeit, als die Nazis die Macht ergriffen, gab es in Deutschland ähnlich wie heute Landeskirchen, die in der DEK (Deutsche Evangelische Kirche) zusammengeschlossen waren. Die DEK wurde vor die Entscheidung gestellt, sich für Christus und gegen die Nazis oder für die Nazis und gegen Christus zu entscheiden. Ein Teil der Einzelpersonen, Pfarrer und Gemeinden der DEK wollte sich nicht von den Nazis beherrschen lassen. Dieser Teil der DEK schloß sich zur „Bekennenden Kirche“ zusammen, die eine eigene Kirchenleitung und sogar einen eigenen Mitgliedsausweis hatte. Die Bekennende Kirche war also keine Freikirche, sondern der Teil der traditionellen evangelischen Kirche, der Christus treu blieb, trotz des Drucks des Nazi-Regimes. Die, in Gottes Augen, rechtmäßige, protestantische Kirche während des Dritten Reiches war die Bekennende Kirche. Der Teil der DEK, der sich den Nazis unterordnete, hatte sich damit von Christus geschieden, auch wenn sie es nicht wahrhaben wollten.

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