Wer war Judas Iskariot?

Ich glaube, man macht es sich zu einfach den Fall des Judas einzig auf seine Geldgier zurückzuführen. Ich vermute, das Problem ist vielschichtiger und Judas‘ Geldgier war nur ein Teil eines Komplexes, innerhalb dessen Judas zu Fall kam. Es ist ja auch eine ganz alltägliche Feststellung, daß geldgierige Menschen meistens auch noch anderen Lastern verfallen sind, wie z. B. Ehrsucht und Machtgier.

Judas Iskariot war zuächst einer der 12 Apostel, der sich in nichts von den anderen Aposteln  unterschied. Wie die anderen Apostel auch hatte Judas von Jesus die Gabe der Heilung verliehen bekommen. Das könnte ein Hinweis darauf sein, daß Judas zunächst von Herzen gläubig war und nichts Betrügerisches im Sinn hatte. Es ist schwer vorstellbar, daß Gott jemand eine Geistesgabe gibt, der nicht glaubt (man könnte ja auch annehmen, Judas sei von vorneherein ein Betrüger gewesen, aber dagegen spricht, daß Jesus ihm die Geistesgabe der Heilung gab).

Als die 12 Apostel unterwegs waren und heilten und predigten, kam es sicherlich vor, daß mancher Geheilte sich mich einem Geldgeschenk erkenntlich zeigen wollte.

Evangelium nach Matthäus 10, 1-8:

1Und er rief seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Macht über die unreinen Geister, dass sie die austrieben und heilten alle Krankheiten und alle Gebrechen. 2 Die Namen aber der zwölf Apostel sind diese: zuerst Simon, genannt Petrus, und Andreas, sein Bruder; Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und Johannes, sein Bruder; 3 Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus, der Zöllner; Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus; 4 Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn verriet. 5 Diese Zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht in keine Stadt der Samariter, 6 sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. 7 Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. 8 Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt böse Geister aus. Umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst gebt es auch.

„Umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst gebt es auch!“, befahl Jesus den Jüngern.

Jesus wollte offensichtlich nicht, daß die Apostel für ihren Dienst Geld nahmen.

Matthäus 12, 1:

1 Zu der Zeit ging Jesus durch ein Kornfeld am Sabbat; und seine Jünger waren hungrig und fingen an, Ähren auszuraufen und zu essen.

Obwohl doch die Apostel so fleißig waren, mutete Jesus ihnen einen ziemlich bescheidenen Lebensstil zu, sodaß sie sich manchmal von rohen Getreidekörnern ernähren mußten. Gleichzeitig waren sie sich der großen Geldsummen bewußt, die ihnen vielleicht von manchem Geheilten angeboten wurden.

Es könnte sein, daß Judas dieses Leben nach einer Weile satt hatte. Warum sollte man von den Geheilten kein Geld nehmen? Judas wollte für seinen Dienst auch entsprechend entlohnt werden und verlangte vielleicht auch mehr Ehre und einen höheren Rang. Beim letzten Abendmahl saß Judas neben Jesus. Beanspruchte er vielleicht Jesu Stellvertreter zu sein oder vielleicht sein Nachfolger, falls Jesus einmal ausfallen würde?

Evangelium nach Johannes 13:

21 Als Jesus das gesagt hatte, wurde er betrübt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. 22 Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. 23 Es war aber einer unter seinen Jüngern, den Jesus lieb hatte, der lag bei Tisch an der Brust Jesu. 24 Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. 25 Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist’s? 26 Jesus antwortete: Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. 27 Und als der den Bissen nahm, fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald! 28 Aber niemand am Tisch wusste, wozu er ihm das sagte. 29 Einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte. 30 Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

Vermutlich hatte Judas den Plan gefaßt, Jesus zu entmachten und die Herrschaft über die Jünger zu übernehmen. Jesus mußte die Jünger vor dem Verräter warnen, um zu verhindern, daß der Verräter nach Jesu Gefangennahme tatsächlich die Jünger an sich reißen würde. Jesus sagt dies aber nur dem Johannes, der an seiner Brust lehnt, weil dieser schon fähig ist die Notwendigkeit des Todes Jesu zu verstehen. Petrus und die anderen Jünger hätten Judas wahrscheinlich in Stücke gehauen, wenn Jesus ihnen gesagt hätte, daß er der Verräter sei. Wie hätte dann aber der Heilsplan Gottes in Erfüllung gehen sollen?

Doch gehen wir noch einmal zurück an den Anfang der Geschichte. Wenn man die Evangelien liest, fällt auf, daß nach einer Weile des unbeschwerten Dienstes der Jünger es plötzlich zu Schwierigkeiten kam, gleichsam als ob sich irgendetwas Verderbliches eingeschlichen hatte.

Matthäus 17:

14 Und als sie zu dem Volk kamen, trat ein Mensch zu ihm, fiel ihm zu Füßen 15 und sprach: Herr, erbarme dich über meinen Sohn! Denn er ist mondsüchtig und hat schwer zu leiden; er fällt oft ins Feuer und oft ins Wasser; 16 und ich habe ihn zu deinen Jüngern gebracht und sie konnten ihm nicht helfen. 17 Jesus aber antwortete und sprach: O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch erdulden? Bringt ihn mir her! 18 Und Jesus bedrohte ihn; und der böse Geist fuhr aus von ihm und der Knabe wurde gesund zu derselben Stunde. 19 Da traten seine Jünger zu ihm, als sie allein waren, und fragten: Warum konnten „wir“ ihn nicht austreiben? 20-21 Er aber sprach zu ihnen: Wegen eures Kleinglaubens. Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.

Was ist das?

Jesus hatte doch den Jüngern die Gabe der Heilung gegeben. Warum konnten sie nun den mondsüchtigen Knaben nicht heilen, wo sie doch sogar schon Tode auferweckt hatten? In anderen Evangelien steht außerdem noch, daß Jesus gesagt habe, diese Art fährt nicht aus, es sei denn durch Gebet und Fasten.

Hier ergibt sich eine sachliche Nötigung. Wie soll man fasten, in dem Moment, wo man einen Kranken heilen will? Fasten erstreckt sich immer über einen Zeitraum. Es scheint, daß Jesus etwas anderes meint: Es hatte sich unter den Jüngern eine gewisse Laxheit, was Fasten und Gebet angeht, breit gemacht, die den Glauben dämpfte. War die Quelle dafür vielleicht Judas Iskariot, der den bescheidenen Lebensstil Jesu satt hatte?

Es war hier etwas ganz Bedenkliches geschehen. Die kleine, junge Kirche Jesu bzw. die Schar der Jünger war in Gefahr zu verderben oder vom  Glauben abzufallen. Verantwortlich dafür war wahrscheinlich Judas.

Matthäus 17:

24 Als sie nun nach Kapernaum kamen, traten zu Petrus, die den Tempelgroschen einnehmen, und sprachen: Pflegt euer Meister nicht den Tempelgroschen zu geben? 25 Er sprach: Ja. Und als er heimkam, kam ihm Jesus zuvor und fragte: Was meinst du, Simon? Von wem nehmen die Könige auf Erden Zoll oder Steuern: von ihren Kindern oder von den Fremden? 26 Als er antwortete: Von den Fremden, sprach Jesus zu ihm: So sind die Kinder frei. 27 Damit wir ihnen aber keinen Anstoß geben, geh hin an den See und wirf die Angel aus, und den ersten Fisch, der heraufkommt, den nimm; und wenn du sein Maul aufmachst, wirst du ein Zweigroschenstück finden; das nimm und gib’s ihnen für mich und dich.

Was ist das? Judas hatte doch die Kasse der Jünger und war Chef-Ökonom. Warum kamen die Steuereinnehmer zu Petrus und gingen davon aus, daß Jesus die Tempelsteuer nicht zahlen würde? Offensichtlich waren sie zuvor bei Judas gewesen und der hatte sie abgewiesen. Für Judas war klar, daß er und die Apostel die neuen religiösen Führer Israels waren und somit keine Steuer zu zahlen hatten. Gott sei Dank, Jesus konnte die Situation gerade noch retten. Außerdem war die Kasse wieder einmal leer (sonst hätte ja Jesus zu Judas gesagt, er solle die Tempelsteuer aus der Kasse bezahlen) und Jesus mußte das Geld durch ein kleines Wunder beschaffen. Hatte Judas wieder einmal Geld aus der Kasse der Jünger veruntreut?

Matthäus 18:

1 Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich?

Es mußte den Jüngern doch eigentlich klar sein, daß Jesus so etwas gar nicht leiden konnte (die Frage nach dem persönlichen Rang). Jesus war ihr Herr und Meister und sie waren gleichberechtigte Brüder. Woher kam dieser üble Gedanke, nach dem eigenen Rang zu fragen. War es etwa wieder Judas Iskariot, der die kleine Kirche Jesu etwas ökonomischer gestalten wollte und durch den Aufbau einer Hierarchie disziplinieren wollte? Wenn er die Führung übernommen hätte, würde er es den anderen Jüngern schon zeigen, wie man einen Gewinn erwirtschaftet. Jesus war wirklich ein charismatischer Guru, aber doch etwas zu weltfremd in Judas‘ Augen. Kaum kam etwas Geld in die Kasse, gab Jesus auch schon wieder den Befehl es den Armen zu geben. Oh dieser naive Jesus, wußte er denn nicht, daß er (Judas) und die Kirche (die Jünger) auch Bedürfnisse hatten?

Die Bedrohung für das geistliche Leben der Jünger wird zusehends größer. Jesus muß wirklich befürchten, daß ihm Judas alles kaputt macht und sogar die Führung der Jünger übernehmen will.

Johannes 12:

1 Sechs Tage vor dem Passafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den Jesus auferweckt hatte von den Toten. 2 Dort machten sie ihm ein Mahl und Marta diente ihm; Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tisch saßen. 3 Da nahm Maria ein Pfund Salböl von unverfälschter, kostbarer Narde und salbte die Füße Jesu und trocknete mit ihrem Haar seine Füße; das Haus aber wurde erfüllt vom Duft des Öls. 4 Da sprach einer seiner Jünger, Judas Iskariot, der ihn hernach verriet: 5 Warum ist dieses Öl nicht für dreihundert Silbergroschen verkauft worden und den Armen gegeben? 6 Das sagte er aber nicht, weil er nach den Armen fragte, sondern er war ein Dieb, denn er hatte den Geldbeutel und nahm an sich, was gegeben war. 7 Da sprach Jesus: Lass sie in Frieden! Es soll gelten für den Tag meines Begräbnisses. 8 Denn Arme habt ihr allezeit bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit. 9 Da erfuhr eine große Menge der Juden, dass er dort war, und sie kamen nicht allein um Jesu willen, sondern um auch Lazarus zu sehen, den er von den Toten erweckt hatte. 10 Aber die Hohenpriester beschlossen, auch Lazarus zu töten; 11 denn um seinetwillen gingen viele Juden hin und glaubten an Jesus.

In den anderen Evangelien steht außerdem noch, daß Judas unmittelbar nach der Salbung Jesu zu den Hohenpriestern ging und Jesus verriet. Offensichtlich hatte die Salbung Jesu das Fass zum Überlaufen gebracht. Judas dachte schon lange, daß Jesus zu viel Macht und Geld für sich beanspruchte und zu wenig für ihn (Judas) und die Kirche (die Jünger) übrig hatte. Seinen mangelnden Verdienst vermochte Judas schon lange durch Veruntreuung von kirchlichen Kassengeldern auszugleichen. Wenn Jesus jetzt aber der Kasse, also Judas, eine Einnahme von 300 Denaren (Silbergroschen) vorenthielt, was einem Jahresverdienst entsprach, dann mußte Judas zu härteren Maßnahmen greifen. Jesus mußte entmachtet werden.

Matthäus 26:

14 Da ging einer von den Zwölfen, mit Namen Judas Iskariot, hin zu den Hohenpriestern 15 und sprach: Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten. Und sie boten ihm dreißig Silberlinge. 16 Und von da an suchte er eine Gelegenheit, dass er ihn verriete.

Matthäus 26:

47 Und als er noch redete, siehe, da kam Judas, einer von den Zwölfen, und mit ihm eine große Schar mit Schwertern und mit Stangen, von den Hohenpriestern und Ältesten des Volkes. 48 Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen genannt und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist’s; den ergreift. 49 Und alsbald trat er zu Jesus und sprach: Sei gegrüßt, Rabbi!, und küsste ihn. 50 Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, dazu bist du gekommen? Da traten sie heran und legten Hand an Jesus und ergriffen ihn.

Judas überlieferte Jesus mit einem Kuß, das heißt das Judas seine Show noch fortsetzen wollte. Andernfalls hätte er einfach zu den Häschern gesagt: „Das ist er!“ Vielleicht wollte Judas nach der Gefangennahme Jesu den Jüngern erzählen, er sei von den Soldaten der Hohenpriester gezwungen worden, sie zu Jesus zu führen. Judas konnte sich vielleicht vorstellen, daß Jesus nun für eine ganze Weile ins Gefängnis wandern würde und er (Judas) konnte sein Stellvertreter sein. Judas geriet in Verzückung, wenn er an die Erhöhung seiner Diäten dachte, die er sich selbst genehmigen würde.

Anders als erwartet wird Jesus zum Tode verurteilt. Das hatte Judas nicht erwartet, obwohl es ihm hätte klar sein müssen. Judas wußte, daß seine Brüder (die anderen Jünger) naive Verehrer ihres Gurus Jesus waren und mit seinem Tod alles aus wäre, und somit auch die Quelle seines Lebensunterhaltes versiegen würde.

Außerdem wollte Judas, nach der Gefangennahme Jesu, die Herrschaft über die Jünger übernehmen. Gott sei Dank, hatte aber Jesus dem Johannes, der beim letzten Abendmahl an seiner Brust lag, deutlich gemacht, daß Judas der Verräter wäre. So ließen die Jünger Judas abblitzen, als er das Kommando übernehmen wollte, was ihn sicherlich nicht in eine fröhliche Stimmung versetzte. Mit einem ehemaligen Jünger ihres Feindes Jesus wollten die Hohenpriester auch nichts zu tun haben. So hatte sich Klein-Judas zwischen die Stühle gesetzt und befand sich jetzt in einer außerordentlich schwierigen Situation. Alle Hoffnungen auf einen künftigen einfachen Lebensunterhalt waren nun dahin. Judas beschloß, diese Welt zu verlassen.

Matthäus 27:

Am Morgen aber fassten alle Hohenpriester und die Ältesten des Volkes den Beschluss über Jesus, ihn zu töten, 2 und sie banden ihn, führten ihn ab und überantworteten ihn dem Statthalter Pilatus. 3 Als Judas, der ihn verraten hatte, sah, dass er zum Tode verurteilt war, reute es ihn, und er brachte die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und Ältesten zurück 4 und sprach: Ich habe Unrecht getan, dass ich unschuldiges Blut verraten habe. Sie aber sprachen: Was geht uns das an? Da sieh du zu! 5 Und er warf die Silberlinge in den Tempel, ging fort und erhängte sich.

Schlussfolgerung:

Die Reue des Judas aus Matthäus 27 darf nicht mit der Reue eines Christen verwechselt werden, der gesündigt hat. Es handelte sich bei Judas vielmehr um eine kaufmännische Reue: Angenommen jemand kauft ein Aktienpaket und die Aktien fallen im Kurs, danach bereut er den Kauf dieser Aktien.

Lange vor dem Verrat bezeichnete Jesus den Judas schon als Teufel oder als einen, der besser nicht geboren worden wäre. Außerdem veruntreute Judas schon lange vor dem Verrat Gelder aus der Kasse der Jünger. Wahrscheinlich wurden auch die ganzen Rangstreitigkeiten der Jünger von Judas verursacht. Als Jesus von der Frau gesalbt wurde, wird Jesus von Judas scharf kritisiert. Judas hatte offensichtlich keine ausreichende Wertschätzung für Jesus, sonst hätte er sich über die Anbetung seines Meisters durch die Salbung gefreut.

Wir sollten also kein großes Mitleid mit Judas haben. Judas war ein Mensch, der getrieben war von seinen niedrigsten Instinkten. Was er tat, tat er aus niedrigen Beweggründen. Judas ist das Idealbild eines Papstes, er war gierig nach Macht, Ehre und Reichtum.

Ergänzung:

Das Evangelium besteht darin, daß Gott uns alles schenkt aus freier Gnade: Vergebung und ein neues Leben in einem Paket. Das christliche Leben bringt jedoch zwangsläufig Entbehrungen mit sich, denn so wie Jesus leiden mußte und verworfen wurde, müssen auch wir leiden und verworfen werden. Judas Iskariot gehörte offensichtlich zu denen, die Leiden und Verwerfung nicht ertragen wollten. Mit der Ablehnung des Kreuzes (Leiden und Verwerfung) lehnte Judas auch den ganzen Glauben ab und ging verloren.

Laßt uns Leiden und Entbehrung hinnehmen als ganz normale Bestandteile des christlichen Lebens und uns trösten mit der Hoffnung der himmlischen Herrlichkeit.

 

Und noch etwas:

Als Jesus sich in Jerusalem aufhielt und im Tempel predigte, warum haben ihn die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Ältesten nicht einfach so öffentlich festgenommen? In Jerusalem war Jesus ständig von einer Menschenmenge umgeben, die an seinen Lippen hing. Hätte man ihn in aller Öffentlichkeit festgenommen, wäre es zu einem Tumult gekommen, denn viele einfache Juden liebten Jesus, ähnlich wie Johannes den Täufer. So war es sachlich notwendig (aber natürlich unendlich böse), daß Judas den Führern Israels einen Platz verriet, wo sie ihn heimlich ohne Unruhe festnehmen konnten. Das war der Garten Gethsemane, der außerhalb Jerusalems liegt.  Im Grunde genommen hat Judas Jesus indirekt umgebracht, denn ohne seine Anzeige des Garten Gethsemanes hätte man Jesus nicht festnehmen und somit auch nicht töten können.

Man könnte noch fragen, warum das gemeine Volk dann nicht nach der Festnahme Jesu noch rebellierte? Sicherlich konnten viele vom Volk nicht verstehen, daß Jesus einfach passiv blieb und sich nicht wehrte. Das Volk hätte von einem vermeintlichen König eine wirksame Gegenwehr erwartet, auch Gewaltanwendung. Jesus verhielt sich jedoch wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird. In diesem Moment brachen sicherlich viele innerlich mit Jesus, denn das konnten sie nicht verstehen. Auch Petrus verließ ihn ja bei der Festnahme, weil Jesus ihm verbot mit dem Schwert drein zu schlagen.

 

Der Unterschied zwischen Petrus und Judas:

Jemand könnte die Frage stellen, warum nicht Petrus auch verdammt wurde, der doch ebenfalls Jesus verleugnete.

Zunächst ist offensichtlich, daß Petrus mehr im Affekt gehandelt hat, d. h. er war von der plötzlich hereinbrechenden Situation schlichtweg überfordert und hatte außerdem Jesu Weg noch nicht völlig verstanden (Petrus war wahrscheilnlich die heilsgeschichtliche Notwendigkeit des Todes Jesu noch nicht klar). Bei der Gefangennahme wollten Petrus und die anderen Jünger Jesus unter Gewaltanwendung verteidigen. Petrus liebte seinen Herrn und Meister nach wie vor. Petrus und die anderen Jünger verließen Jesus erst, als sie sahen, daß er sich widerstandslos festnehmen ließ und es ihnen untersagte zu kämpfen. Wie konnte der König Israels eine solch unrechtmäßige Handlung über sich ergehen lassen? Petrus und die anderen Jünger waren hier überfordert. Es war ihnen irgendwie auch verhüllt, warum Jesus am Kreuz sterben mußte. Jesus hatte häufig vergeblich versucht ihnen das zu erklären.

Im Gegensatz zu Petrus liebte Judas Jesus nicht. Für Judas war das Problem nicht, ob Jesus Gewalt anwendet oder nicht, sondern Judas wollte Jesus entmachten und sich an sein Stelle setzen, weswegen er ihn ja verriet. Judas wollte aus der Schar der Jünger, die den Menschen in Demut und Bescheidenheit das Heil Gottes austeilten, eine kleine Papstkirche machen. Judas wollte die geistlichen Heilsgüter Gottes für teures Geld an die Menschen verkaufen und dafür auch noch von den Menschen geehrt werden. Als Haupt seiner kleinen Papstkirche hatte Judas natürlich sich selbst vorgesehen. Aufgrund seiner Geschäftsidee hatte er doch ein natürliches Recht das Unternehmen zu leiten.

Lk 22,32 Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder.
 
Dieser Vers bezieht sich auf Petrus. Obwohl die Verleugnung Jesu durch Petrus nicht so schlimm war wie der Verrat des Judas, war es dennoch eine schlimme Sache und deswegen sagt Jesus: „wenn du dereinst dich bekehrst“. Petrus hatte etwas Schlimmes getan, aber er kehrte wieder um zu seinem Herrn und er hat ihn wieder aufgenommen. An Pfingsten bekamen auch alle den Heiligen Geist, sodaß sie endlich die Wege Gottes verstehen konnten.
 
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2 Antworten zu Wer war Judas Iskariot?

  1. Volker Eschen schreibt:

    Die Reue des Judas ist zunächst echt und ehrlich. Er erkennt, dass er den Justizmord an einem Unschuldigen mit herbeigeführt hat, und das tut ihm ufrichtig leid.
    Aber diese Reue führt bei ihm nicht zur Umkehr sondern zur Verzweiflung. Statt darauf zu vertrauen, dass Jesus ihm vergeben und ihm einen Neuanfang ermöglichen wird, hängt er sich auf. Die größter Sünde des Judas besteht also nicht darin, dass er Jesus an den Sanhedrin ausgeliefert hat, sondern darin, dass er (wie schon Kain) geglaubt hat, seine Sünde könnte nicht vergeben werden.

    • Rainer Braendlein schreibt:

      Es ist wirklich geheimnisvoll, wie es Judas nicht klar sein konnte, daß man Jesus töten würde. Mit Sicherheit wußte er, daß die Schriftgelehrten und Pharisäer Jesus haßten.

      Jesus war ja beim einfachen Volk sehr beliebt. Deswegen mußte er ja auch heimlich verhaftet werden und man brauchte Judas als Überlieferer. Judas rechnete vielleicht damit, daß man Jesus nur einsperren, aber nicht töten würde, weil er beim Volk so beliebt war (die Schriftgelehrten und Pharisäer wagten ja nicht einmal Johannes dem Täufer das Prophetentum abzusprechen, aus Angst vom Volk gesteinigt zu werden).

      Die Stimmung im Volk schlug aber um (gegen Jesus), vielleicht einfach aus dem Grund, weil er sich nicht mit Gewalt gegen seine Verhaftung wehrte, was man doch vom Sohne Davids, dem König Israels, erwarten durfte. Soll der Schwächling der König Israels sein?

      So hatte sich Judas verkalkuliert und tötliche Reue kam über ihn (remorse). Ohne Guru keine Spenden.

      Zusatz:

      Beim letzten Abendmahl hatte Jesus Johannes zugeflüstert, daß Judas der Verräter sei. Wahrscheinlich ging Judas nach der Verhaftung Jesu zu den Jüngern, um das Kommando über sie zu übernehmen als Stellvertreter Jesu Christi (eine nicht ganz unbeabsichtigte Anspielung auf Papa Ratzi). Johannes wußte aber wer Judas war und so ließen ihn die Jünger abblitzen. Er viel in eine fürchterliche Depression, denn sein Plan, Papst zu werden, war gescheitert.

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