Auslegung Johannesevang., Kap. 2, Verse 1-12

1 Und am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. 2 Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. 3 Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. 4 Jesus spricht zu ihr: Was geht’s dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. 5 Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. 6 Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße. 7 Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. 8 Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. 9 Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten -, ruft der Speisemeister den Bräutigam 10 und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten. 11 Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. 12 Danach ging Jesus hinab nach Kapernaum, er, seine Mutter, seine Brüder und seine Jünger, und sie blieben nicht lange da.

Im ersten Kapitel des Johannesevangeliums hatten wir gesehen, daß zwar Viele zu der Taufe des Johannes gekommen waren, aber nur Wenige richtig auf seine Predigt reagierten und dem Lamm Gottes nachfolgten.

Wahrscheinlich glaubten viele Juden, der Gesalbte müßte eine imposante Persönlichkeit sein wie Herodes, Pontius Pilatus und dergleichen. Jesus aber war bescheiden, mitfühlend, sanftmütig, gerecht, barmherzig, rein, versöhnlich, konsequent. Jesus war sogar dann noch nett zu Leuten, wenn sie ihm mit Hass, Ablehnung und Feindseligkeit begegneten. Mancher Jude mochte sich denken: „Dieser Schwächling soll der Messias, der König Israels sein? Niemals! Der hat doch Minderwertigkeitskomplexe!“

Die breite Masse des jüdischen Volkes schloss sich Jesus nicht an, sondern blieb beim Judentum. Dies muß für Johannes den Täufer und Jesus eine äußerst bittere Erfahrung gewesen sein, die sie nicht so leicht verdauen konnten.

Um aber Jesus und Johannes vor übergroßer Traurigkeit zu bewahren, läßt Gott etwas Wunderbares geschehen. Einige Wenige aus dem Volk hören doch auf die Predigt des Johannes und schließen sich Jesus an: Andreas, Petrus, Philippus und Nathanael.

Diese Vier schließen sich Jesus an gegen alle Überzeugung und Meinung der Juden und des jüdischen Establishments. Sie sind Felsen in der Brandung des jüdischen Hasses gegen Jesus.

Die Vier waren nun bei Jesus, aber es hätte nun passieren können, daß sie einfach zu fünft traurig waren. Da fügt es Gott so, daß sie auf eine Hochzeit eingeladen werden.

Interessant ist, daß nicht Jesus zusammen mit seiner Mutter eingeladen wurde, sondern seine Mutter besonders und Jesus und seine Jünger besonders. Jesus und seine Jünger bildeten also eine Einheit, sie waren wie Verwandte, die junge Kirche. Die Jünger hatten sich Jesus angeschlossen unter widrigsten Umständen. Vielleicht wollte Gott ihnen durch die Einladung zur Hochzeit ein kleines Zeichen seiner Gunst geben. Vielleicht sollte diese Hochzeit auch ein Hinweis sein auf das Hochzeitsmahl des Lammes, das in der Ewigkeit stattfinden wird. Wer sich hier auf Erden dem Lamm anschließt, trotz aller Ignoranz der Welt dem Lamm gegenüber, der wird auch in der Ewigkeit bei ihm sein und da wird Jubel und Freude sein beim Hochzeitsmahl des Lammes.

Das Brautpaar, das Jesus eingeladen hatte, tat damit etwas Großes und ging ein Risiko ein, denn sie mußten mit scharfer Kritik seitens der Juden und der Synagoge rechnen. Es konnte sie einiges kosten, daß sie es gewagt hatten, Jesus (ein Verführer in den Auge der Juden) und seine Jünger einzuladen. Später wurden ja solche, die sich öffentlich zu Jesus bekannten, aus der Synagoge ausgestoßen, was sicher zu erheblichen Problemen auch im Berufsleben und Geschäftsleben führte für den Ausgestoßenen.

Da ging der Wein aus (sollten die Jünger Traurigkeit über Traurigkeit haben?) und Maria sah nun die Gelegenheit gekommen, daß ihr Sohn endlich mal zeigen sollte, was er so drauf hatte. Ein Engel war Maria vor vielen, vielen Jahren erschienen und hatte ihr die Geburt des Gottessohnes angekündigt und sie wußte wer Jesus war. Aber er hatte seit seiner Geburt kein einziges Wunder getan. Paßt das zusammen, daß einer der Gesalbte Gottes sein will, tut aber keine Wunder?

Selbst die heilige Maria war vielleicht manchmal etwas erstaunt über den eigenartigen Charakter ihres lieben Kindes Jesus. Er war bescheiden, mitfühlend, sanftmütig, gerecht, barmherzig, rein, versöhnlich und konsequent. Er hatte auch ein außergewöhnliches Verständnis des Alten Testamentes, sodaß er schon als 12jähriger im Tempel lehrte. Jesus war ein frommer Knabe, gewiss, aber konnte der der Messias und König Israels sein? Brauchte es dazu nicht ein bischen mehr? War er nicht etwas zu weltfremd? War er nicht zu schüchtern und zu zurückhaltend?

Maria gibt Jesus einen dezenten Hinweis, er könne doch für neuen Wein sorgen. Jesus reagiert darauf ein wenig barsch: „Was geht es dich an, Frau, was ich tue?“

Gott (Jesus) will von uns Menschen geliebt werden, auch ohne daß er Wunder tut oder seine Herrlichkeit offenbart. Gott ist einfach ein bescheidener und freundlicher Mensch und als solcher will er von uns geliebt werden. Wir sollen Gott lieben, wegen seines liebevollen Charakters. Dies galt auch für Maria, seine Mutter. Das Gr0ßartige an Jesus war eigentlich sein ausgesprochen edler Charakter, seine Fähigkeit Wunder zu tun aber war für ihn selbst absolut zweitrangig (für Gott ist es ja tatsächlich auch nichts besonderes ein Wunder zu tun; Menschen nähen, backen, kochen, waschen Wäsche und Gott tut seine Werke, die für ihn Alltagsarbeit sind, uns aber als Wunder erscheinen. Gott verlangt von uns, daß wir soweit denken. Wir müssen soweit kommen, daß wir Gott nicht wertschätzen, wegen seiner Fähigkeit Wunder zu tun, sondern wegen seines außerordentlich edlen Charakters.

Der Mensch, dem ich gestern, heute und in Ewigkeit begegnen möchte, weil er so angenehm ist, ist Gott (Jesus). Der Mensch Jesus war der geselligste, sozialste, konstruktivste, kultivierteste Mensch, der je gelebt hat. Gott ist ein vorbildlicher Mensch.

 „Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“

Maria wollte, daß Jesus durch ein Wunder Wein machte, das heißt seine Herrlichkeit offenbarte. Jesus hingegen wollte seine Herrlichkeit erst offenbaren nach seinem Tod und seiner Auferstehung. Gottes Knecht wollte durch Leiden zur Herrlichkeit gehen und diese Ordnung wollte er sich von niemand umstoßen lassen. Deshalb reagiert er auch etwas barsch auf Maria’s Hinweis.

Aber um der Liebe willen gibt Jesus nach und tut ein Wunder. Jesus tut ein Wunder um der gegenwärtigen, praktischen Not willen (Mangel an Wein, Gefahr von Traurigkeit). Jesus muß fast gezwungen werden ein Wunder zu tun. Er war also keiner, der es auf eine große Show anlegte.  Jesus wollte nicht in der Öffentlichkeit groß herauskommen.

Jesus stellt sich auch nicht vor die versammelte Hochzeitsgesellschaft hin und zelebriert das Wunder, sondern abseits, da wo die Teilnehmer der Hochzeit sich nach jüdischem Brauch reinigten, bevor sie sich in den Hochzeitssaal begaben, da macht er aus Wasser Wein.

Jesus marschiert nun nicht selbst in den Hochzeitsaal mit den Amphoren in den Händen, sondern beauftragt die Diener, den Wein zum Speisemeister zu bringen, der ihn ohne großes Aufsehen ausschenken würde.

Jesus machte einen absoluten Spitzenwein. Es kann sich also nicht um irgendeine Panscherei gehandelt haben. Noch dazu faßten die Krüge mehrere hundert Liter Wasser/Wein. Wie sollte man unbemerkt soviel Zucker, Alkohol und Aromen herbeischaffen, um mit dem Panschen falschen Weines ein Wunder vorzutäuschen? Nein, Jesus tat wirklich ein Wunder.

Johannes hatte mit Wasser getauft, was notwendig war, aber es war „nur“ eine Bußtaufe. Wobei die Bußtaufe des Johannes durchaus sehr wichtig und notwendig war, denn durch sie wurden die Menschen sich ihrer Sündhaftigkeit bewußt. Aber erst Jesus, das Licht und das Leben, war hinreichend zum Heil. Nur die Gegenwart Jesu bzw. später des Heiligen Geistes konnte Sünder fröhlich machen. So machte Jesus aus traurigen Sündern fröhliche Heilige durch seine Gegenwart  bzw. den Heiligen Geist und aus fadem Wasser machte er Wein. So wird uns der liebliche Wein ein Bild für den Heiligen Geist, der uns arme, traurige Sünder fröhlich macht. Bitten wir Gott täglich, uns mit dem Geist zu erfüllen.

Ohne die Geburt von oben kann der Mensch gerade so weit kommen, daß er seine Sündhaftigkeit erkennt. Heilig werden kann der Mensch aber nur durch die Gegenwart einer Person der ewigen Gottheit (Jesus oder der Heilige Geist). Auf wunderbare Weise kamen Menschen, die von Johannes getauft worden waren, zu Jesus. Jesus rief sie in seine Gemeinschaft, wodurch sie von neuem geboren wurden. Jesu göttliche Kraft vermag es, Sünder heilig zu machen, zu heiligen.

Diese neue Geburt geschieht heute durch die sakramentale Taufe. Heute ruft der dreieinige Gott Menschen durch die Taufe in seine Gegenwart, wo sie heilig werden können. Wer erst als Erwachsener das Evangelium hört, aber schon als Kind getauft wurde, der soll sich nicht wiedertaufen lassen, sondern einfach an seine Kindertaufe erinnern. Kindertaufe und Säuglingstaufe sind das gleiche. Die Säuglingstaufe ist gültig. Wiedertaufe ist verboten!

Durch die Taufe sind wir mit Jesus gestorben und mit Jesus auferstanden. Wir sind der Sünde abgestorben und in Christus. Unser Leib bleibt aber ewig sündig (das ist buchstäblich so gemeint; unser Leib ist ein ewig sündiger Madensack). Rufen wir Christus täglich an, in uns zu herrschen durch den Heiligen Geist. Wenn wir Tag für Tag Gott bitten, uns mit dem Heiligen Geist zu erfüllen, dann werden wird die Begierden unseres sündigen Körpers überwinden. Wir werden fröhlich sein im Herrn und Anfeindung und Ablehnung seitens der Menschen in seiner Kraft ertragen, hinblickend auf den ewigen Tag Gottes, der bald anbrechen wird und an dem wir zur Herrlichkeit erhöht werden werden, wo Jesus schon ist. Jesus überwand durch den Geist alle Mächte des Todes und Gott hat ihn dafür als Herrn und Christus bestätigt durch die Auferstehung von den Toten. Überwinden wir durch den Geist, dann wird Gott auch uns zu Erben der ewigen Herrlichkeit machen.

 

 

 

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