Auslegung Johannesevang., Kap. 4, Verse 1-42

1 Als nun Jesus erfuhr, dass den Pharisäern zu Ohren gekommen war, dass er mehr zu Jüngern machte und taufte als Johannes 2 – obwohl Jesus nicht selber taufte, sondern seine Jünger -, 3 verließ er Judäa und ging wieder nach Galiläa. 4 Er musste aber durch Samarien reisen. 5 Da kam er in eine Stadt Samariens, die heißt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gab. 6 Es war aber dort Jakobs Brunnen. Weil nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich am Brunnen nieder; es war um die sechste Stunde. 7 Da kommt eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken! 8 Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, um Essen zu kaufen. 9 Da spricht die samaritische Frau zu ihm: Wie, du bittest mich um etwas zu trinken, der du ein Jude bist und ich eine samaritische Frau? Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern. – 10 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, du bätest ihn und er gäbe dir lebendiges Wasser. 11 Spricht zu ihm die Frau: Herr, hast du doch nichts, womit du schöpfen könntest, und der Brunnen ist tief; woher hast du dann lebendiges Wasser? 12 Bist du mehr als unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? Und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh. 13 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; 14 wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. 15 Spricht die Frau zu ihm: Herr, gib mir solches Wasser, damit mich nicht dürstet und ich nicht herkommen muss, um zu schöpfen! 16 Jesus spricht zu ihr: Geh hin, ruf deinen Mann und komm wieder her! 17 Die Frau antwortete und sprach zu ihm: Ich habe keinen Mann. Jesus spricht zu ihr: Du hast recht geantwortet: Ich habe keinen Mann. 18 Fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann; das hast du recht gesagt. 19 Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. 20 Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten soll. 21 Jesus spricht zu ihr: Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, dass ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. 22 Ihr wisst nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden. 23 Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben. 24 Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. 25 Spricht die Frau zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen. 26 Jesus spricht zu ihr: Ich bin’s, der mit dir redet. 27 Unterdessen kamen seine Jünger, und sie wunderten sich, dass er mit einer Frau redete; doch sagte niemand: Was fragst du?, oder: Was redest du mit ihr? 28 Da ließ die Frau ihren Krug stehen und ging in die Stadt und spricht zu den Leuten: 29 Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe, ob er nicht der Christus sei! 30 Da gingen sie aus der Stadt heraus und kamen zu ihm. 31 Inzwischen mahnten ihn die Jünger und sprachen: Rabbi, iss! 32 Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, von der ihr nicht wisst. 33 Da sprachen die Jünger untereinander: Hat ihm jemand zu essen gebracht? 34 Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist die, dass ich tue den Willen dessen, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk. 35 Sagt ihr nicht selber: Es sind noch vier Monate, dann kommt die Ernte? Siehe, ich sage euch: Hebt eure Augen auf und seht auf die Felder, denn sie sind reif zur Ernte. 36 Wer erntet, empfängt schon seinen Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, damit sich miteinander freuen, der da sät und der da erntet. 37 Denn hier ist der Spruch wahr: Der eine sät, der andere erntet. 38 Ich habe euch gesandt zu ernten, wo ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und euch ist ihre Arbeit zugute gekommen. 39 Es glaubten aber an ihn viele der Samariter aus dieser Stadt um der Rede der Frau willen, die bezeugte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. 40 Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb zwei Tage da. 41 Und noch viel mehr glaubten um seines Wortes willen 42 und sprachen zu der Frau: Von nun an glauben wir nicht mehr um deiner Rede willen; denn wir haben selber gehört und erkannt: Dieser ist wahrlich der Welt Heiland.

Kap. 1 und Kap. 2 des Johannesevangeliums war eine Darstellung der Weltgeschichte aus christlicher Sicht: Aufteilung der Menschheit in „Welt“ und „Braut Christi“ durch die Geburt aus Wasser und Geist. Kap. 1 und Kap. 2 stellten sozusagen einen historischen Befund dar. In Kap. 3 und Kap. 4 liefert uns Johannes der Evangelist den geistlichen Befund, wie und durch was konkret die Menschheit in zwei Gruppen aufgeteilt wird. Das Gespräch mit Nikodemus aus Kap. 3 kann man vielleicht als rein theologisch, theoretische Abhandlung sehen, während das Gespräch mit der Samariterin aus Kap. 4 ein praktisches Beispiel für ein seelsorgerliches Gespräch ist. Jesus sagte der Samariterin nicht einfach plump, sie sei eine Sünderin, sondern legte den Finger in die konkrete Wunde, indem er sie auf ihre wilden Ehen hinwies. Die Samariterin sollte erkennen, daß sie sich nicht im seligen Heilsstand der Liebe befand, sonst wäre sie ja wohl bei ihrem ersten Mann geblieben und hätte ihn geheiratet. Auch machte Jesus sie frei von kraftloser Religiosität. Wichtig war nicht, ob man auf dem Garizim anbetete oder zu Jerusalem, sondern im Geist und in der Wahrheit. Wahre Anbetung ist, wenn man durch den Heiligen Geist die Begierden seines Körpers (z. B. Ehebruch) überwindet und christliche Liebe übt. Bei der Geburt aus Wasser und Geist (sakramentale Taufe) empfängt man den Geist der Liebe und in diesem Geist soll man tatsächlich die Lüste des Fleisches überwinden und christliche Liebe üben.

Jesus und seine Jünger tauften erfolgreicher als Johannes der Täufer. Wahrscheinlich deswegen, weil in der Person Jesu das Heil bei der Taufe auch gleich vorhanden war, während Johannes nur zur Buße taufen konnte und bezüglich des Heils auf Jesus verweisen mußte. Johannes selber konnte kein Heil vermitteln, sondern die Menschen durch seine Taufe nur zur Buße leiten.

Apg 19,4 Paulus aber sprach: Johannes hat getauft mit der Taufe der Buße und dem Volk gesagt, sie sollten an den glauben, der nach ihm kommen werde, nämlich an Jesus.

Die Pharisäer und Schriftgelehrten standen schon Johannes und seiner Taufe äußerst kritisch gegenüber. Wenn nun Jesus viel mehr Menschen zu Jüngern machte als Johannes, mußte er ernsthafte Auseinandersetzungen mit den Pharisäern und Schriftgelehrten befürchten und floh deshalb nach Galiläa. Er wollte zwar für die Sünder sterben, aber jetzt noch nicht.

Die Pharisäer und Schriftgelehrten betrachteten Religion als ihr Business, das sie sich von niemand kaputtmachen lassen wollten. Johannes‘ und Jesu unabhängiges Predigen mußte ihren äußersten Unwillen und Missfallen hervorrufen. Weiter lehrten Johannes und Jesus auch etwas Neues: Gerechtigkeit durch Glauben an das Lamm Gottes, aber nicht Gerechtigkeit aus Gesetzeswerken. Johannes und Jesus lehrten also nicht nur unabhängig von den Führern der Juden, sondern unterminierten auch das Lehrsystem der Pharisäer und Schriftgelehrten.
 
Jesus mußte also vor ihnen auf der Hut sein.
 
Aus der Apostelgeschichte (Kap. 8, 4-25) geht hervor, daß die Samariter ziemlich abergläubisch waren, was auch zusammenpassen würde mit dem Bericht aus 2. Könige 17, 1-41, wo es heißt, daß die Völker, die von den Assyrern im Gebiet Samariens angesiedelt worden waren, Götzendiener waren, wobei sie auch den Gott Israels verehrten. Selbstverständlich war ihre Verehrung des Gottes Israels nicht akzeptabel, da sie auch die Götzen verehrten.
 
Apg. 8, 4-25:
 
4 Die nun zerstreut worden waren, zogen umher und predigten das Wort. 5 Philippus aber kam hinab in die Hauptstadt Samariens und predigte ihnen von Christus. 6 Und das Volk neigte einmütig dem zu, was Philippus sagte, als sie ihm zuhörten und die Zeichen sahen, die er tat. 7 Denn die unreinen Geister fuhren aus mit großem Geschrei aus vielen Besessenen, auch viele Gelähmte und Verkrüppelte wurden gesund gemacht; 8 und es entstand große Freude in dieser Stadt. 9 Es war aber ein Mann mit Namen Simon, der zuvor in der Stadt Zauberei trieb und das Volk von Samaria in seinen Bann zog, weil er vorgab, er wäre etwas Großes. 10 Und alle hingen ihm an, Klein und Groß, und sprachen: Dieser ist die Kraft Gottes, die die Große genannt wird. 11 Sie hingen ihm aber an, weil er sie lange Zeit mit seiner Zauberei in seinen Bann gezogen hatte. 12 Als sie aber den Predigten des Philippus von dem Reich Gottes und von dem Namen Jesu Christi glaubten, ließen sich taufen Männer und Frauen. 13 Da wurde auch Simon gläubig und ließ sich taufen und hielt sich zu Philippus. Und als er die Zeichen und großen Taten sah, die geschahen, geriet er außer sich vor Staunen. 14 Als aber die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, sandten sie zu ihnen Petrus und Johannes. 15 Die kamen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen. 16 Denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus. 17 Da legten sie die Hände auf sie und sie empfingen den Heiligen Geist. 18 Als aber Simon sah, dass der Geist gegeben wurde, wenn die Apostel die Hände auflegten, bot er ihnen Geld an 19 und sprach: Gebt auch mir die Macht, damit jeder, dem ich die Hände auflege, den Heiligen Geist empfange. 20 Petrus aber sprach zu ihm: Dass du verdammt werdest mitsamt deinem Geld, weil du meinst, Gottes Gabe werde durch Geld erlangt. 21 Du hast weder Anteil noch Anrecht an dieser Sache; denn dein Herz ist nicht rechtschaffen vor Gott. 22 Darum tu Buße für diese deine Bosheit und flehe zum Herrn, ob dir das Trachten deines Herzens vergeben werden könne. 23 Denn ich sehe, dass du voll bitterer Galle bist und verstrickt in Ungerechtigkeit. 24 Da antwortete Simon und sprach: Bittet ihr den Herrn für mich, dass nichts von dem über mich komme, was ihr gesagt habt. 25 Als sie nun das Wort des Herrn bezeugt und geredet hatten, kehrten sie wieder um nach Jerusalem und predigten das Evangelium in vielen Dörfern der Samariter.
 
 2. Könige 17, 1-41:
 

Reich Israel: Hoschea letzter König. Eroberung Samarias. Die assyrische Gefangenschaft

1 Im zwölften Jahr des Ahas, des Königs von Juda, wurde Hoschea, der Sohn Elas, König über Israel und regierte zu Samaria neun Jahre. 2 Und er tat, was dem HERRN missfiel, doch nicht wie die Könige von Israel, die vor ihm waren. 3 Gegen ihn zog herauf Salmanassar, der König von Assyrien. Und Hoschea wurde ihm untertan und brachte ihm Abgaben. 4 Als aber der König von Assyrien innewurde, dass Hoschea eine Verschwörung gemacht und Boten gesandt hatte zu So, dem König von Ägypten, und keine Abgaben dem König von Assyrien brachte wie alle Jahre, nahm er ihn fest und legte ihn ins Gefängnis. 5 Und der König von Assyrien zog durch das ganze Land und gegen Samaria und belagerte es drei Jahre lang. 6 Und im neunten Jahr Hoscheas eroberte der König von Assyrien Samaria und führte Israel weg nach Assyrien und ließ sie wohnen in Halach und am Habor, dem Fluss von Gosan, und in den Städten der Meder.
 

Der Grund für die Verwerfung des Reiches Israel

7 Denn die Israeliten hatten gegen den HERRN, ihren Gott, gesündigt, der sie aus Ägyptenland geführt hatte, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten, und fürchteten andere Götter 8 und wandelten nach den Satzungen der Heiden, die der HERR vor Israel vertrieben hatte, und taten wie die Könige von Israel. 9 Und die Israeliten ersannen, was nicht recht war gegen den HERRN, ihren Gott, sodass sie sich Höhen bauten in allen Orten, von den Wachttürmen bis zu den festen Städten, 10 und richteten Steinmale auf und Ascherabilder auf allen hohen Hügeln und unter allen grünen Bäumen 11 und opferten auf allen Höhen wie die Heiden, die der HERR vor ihnen weggetrieben hatte, und trieben böse Dinge, womit sie den HERRN erzürnten, 12 und dienten den Götzen, von denen der HERR zu ihnen gesagt hatte: Das sollt ihr nicht tun! 13 Und doch hatte der HERR Israel und Juda gewarnt durch alle Propheten und alle Seher und ihnen sagen lassen: Kehrt um von euren bösen Wegen und haltet meine Gebote und Rechte nach dem ganzen Gesetz, das ich euren Vätern geboten habe und das ich zu euch gesandt habe durch meine Knechte, die Propheten. 14 Aber sie gehorchten nicht, sondern versteiften ihren Nacken wie ihre Väter, die nicht an den HERRN, ihren Gott, glaubten. 15 Dazu verachteten sie seine Gebote und seinen Bund, den er mit ihren Vätern geschlossen hatte, und seine Warnungen, die er ihnen gab, und wandelten ihren nichtigen Götzen nach und trieben Nichtiges. Sie taten wie die Heiden um sie her, von denen der HERR ihnen geboten hatte, sie sollten nicht wie diese tun. 16 Aber sie verließen alle Gebote des HERRN, ihres Gottes, und machten sich zwei gegossene Kälber und ein Bild der Aschera und beteten alles Heer des Himmels an und dienten Baal 17 und ließen ihre Söhne und Töchter durchs Feuer gehen und gingen mit Wahrsagen und Zauberei um und verkauften sich, zu tun, was dem HERRN missfiel, um ihn zu erzürnen. 18 Da wurde der HERR sehr zornig über Israel und tat es von seinem Angesicht weg, sodass nichts übrig blieb als der Stamm Juda allein. – 19 Auch Juda hielt nicht die Gebote des HERRN, seines Gottes, sondern wandelte nach den Satzungen, nach denen Israel gelebt hatte. – 20 Darum verwarf der HERR das ganze Geschlecht Israel und bedrängte sie und gab sie in die Hände der Räuber, bis er sie von seinem Angesicht wegstieß. 21 Denn der Herr riss Israel vom Hause David los, und sie machten zum König Jerobeam, den Sohn Nebats. Der wandte Israel ab vom HERRN und machte, dass sie schwer sündigten. 22 So wandelte Israel in allen Sünden Jerobeams, die er getan hatte, und sie ließen nicht davon ab, 23 bis der HERR Israel von seinem Angesicht wegtat, wie er geredet hatte durch alle seine Knechte, die Propheten. So wurde Israel aus seinem Lande weggeführt nach Assyrien bis auf diesen Tag.
 

Die Entstehung des Volkes der Samaritaner

24 Der König von Assyrien aber ließ Leute von Babel kommen, von Kuta, von Awa, von Hamat und Sefarwajim und ließ sie wohnen in den Städten von Samarien an Israels statt. Und sie nahmen Samarien ein und wohnten in seinen Städten. 25 Als sie aber anfingen, dort zu wohnen, und den HERRN nicht fürchteten, sandte der HERR unter sie Löwen, die töteten sie. 26 Und man ließ dem König von Assyrien sagen: Die Völker, die du hergebracht und mit denen du die Städte Samariens besetzt hast, wissen nichts von der Verehrung des Gottes dieses Landes. Darum hat er Löwen unter sie gesandt, und siehe, diese töten sie, weil sie nichts wissen von der Verehrung des Gottes dieses Landes. 27 Der König von Assyrien gebot: Bringt dorthin einen der Priester, die von dort weggeführt sind; er ziehe hin und wohne dort und lehre sie die Verehrung des Gottes des Landes. 28 Da kam einer der Priester, die von Samarien weggeführt waren, und wohnte in Bethel und lehrte sie, wie sie den HERRN fürchten sollten. 29 Aber jedes Volk machte sich seinen Gott und tat ihn in die Heiligtümer auf den Höhen, die die Samaritaner gemacht hatten, jedes Volk in seinen Städten, in denen es wohnte. 30 Die von Babel machten sich Sukkot-Benot, die von Kuta machten sich Nergal, die von Hamat machten sich Aschima, 31 die von Awa machten sich Nibhas und Tartak; die von Sefarwajim verbrannten ihre Söhne dem Adrammelech und Anammelech, den Göttern derer von Sefarwajim. 32 Und weil sie auch den HERRN fürchteten, bestellten sie sich Priester auf den Höhen aus allem Volk unter ihnen; die opferten für sie in den Heiligtümern auf den Höhen. 33 So fürchteten sie den HERRN, dienten aber auch den Göttern nach dem Brauch der Völker, von denen man sie hergebracht hatte. 34 Und bis auf diesen Tag tun sie nach den früheren Bräuchen: Sie fürchten weder den HERRN noch halten sie Satzungen und Rechte nach dem Gesetz und Gebot, das der HERR geboten hat den Söhnen Jakobs, dem er den Namen Israel gab; 35 hatte doch der HERR einen Bund mit ihnen geschlossen und ihnen geboten: Fürchtet keine andern Götter und betet sie nicht an und dient ihnen nicht und opfert ihnen nicht, 36 sondern den HERRN, der euch aus Ägyptenland geführt hat mit großer Kraft und ausgestrecktem Arm, den fürchtet, den betet an und dem opfert. 37 Und die Satzungen, Rechte, Gesetze und Gebote, die er euch hat aufschreiben lassen, die haltet, dass ihr danach tut allezeit, und fürchtet nicht andere Götter. 38 Und vergesst nicht den Bund, den er mit euch geschlossen hat, und fürchtet nicht andere Götter, 39 sondern fürchtet den HERRN, euren Gott; der wird euch erretten von allen euren Feinden. 40 Aber sie gehorchten nicht, sondern taten nach ihren früheren Bräuchen. 41 So fürchteten diese Völker den HERRN und dienten zugleich ihren Götzen. Auch ihre Kinder und Kindeskinder tun, wie ihre Väter getan haben, bis auf diesen Tag.
 
Mit Samarien kam Jesus also in eine Gegend, die selbst dem Gesetzesjudentum anrüchig sein mußte. Die Samaritaner waren abergläubisch und verstießen somit gegen das 1. Gebot: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir!“
 
Die Leute von Sychar waren sich bewußt, daß der Vater Israels Jakob hier einmal eine Zeit lang gelebt hatte, daß sein Sohn Joseph (der ehemalige Herrscher Ägyptens) hier begraben war und daß sie einen Brunnen hatten, der von Jakob gegraben worden war. Vielleicht war Sychar eine Art Wallfahrtsort für die Leute Samariens und darüber hinaus. Vielleicht dachten die Leute von Sychar, sie seien etwas Besonderes und von Gott bevorzugt, weil sie an diesem „heiligen“ Ort lebten: „unser Vater Jakob“. Es barg jedoch eine Gefahr in sich, sich auf die Abstammung von Jakob zu berufen. Wie die Juden, die sich auf ihre Abstammung von Abraham beriefen, konnte sie das von der neuen Geburt aus Wasser und Geist abhalten. Beide, Juden und Samaritaner, hätten den Glauben Abrahams und Jakobs zum Vorbild nehmen sollen. Beide, Abraham und Jakob, waren durch Glauben an Gottes Verheißung gerecht geworden. Gottes neue Verheißung war das Evangelium von seinem Sohn Jesus Christus. Würden sie das Evangelium glauben, würden sie gerecht werden.
 
Josua 24, 29-33:
 

Josuas und Eleasars Tod. Bestattung der Gebeine Josefs

29 Und es begab sich nach diesen Geschichten, dass Josua, der Sohn Nuns, der Knecht des HERRN, starb, als er hundertundzehn Jahre alt war. 30 Und man begrub ihn in dem Gebiet seines Erbteils in Timnat-Serach, das auf dem Gebirge Ephraim liegt, nördlich vom Berge Gaasch. 31 Und Israel diente dem HERRN, solange Josua lebte und die Ältesten, die noch lange Zeit nach Josua lebten und alle Werke des HERRN kannten, die er an Israel getan hatte. 32 Die Gebeine Josefs, die die Israeliten aus Ägypten gebracht hatten, begruben sie zu Sichem auf dem Stück Feld, das Jakob von den Söhnen Hamors, des Vaters von Sichem, für hundert Goldstücke gekauft hatte und das das Erbteil der Söhne Josef ward. 33 Auch Eleasar, der Sohn Aarons, starb und sie begruben ihn in Gibea, der Stadt seines Sohnes Pinhas, die ihm gegeben war auf dem Gebirge Ephraim.
 
(Sichem lag auf dem Gebiet des heutigen Nablus (eigentlich Neapolis) und war nur einige Kilometer von Samaria (auch Sebaste) und Sychar (heute wahrscheinlich Askar) entfernt).
 
„Da spricht die samaritische Frau zu ihm: Wie, du bittest mich um etwas zu trinken, der du ein Jude bist und ich eine samaritische Frau? Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern.“
 
Jesus war für die Samariterin als Jude zu erkennen (Sprache?, Aussehen?). Jesus war anscheinend äußerst durstig gewesen, sonst hätte er nicht gesagt: „gib mir zu trinken!“, sondern „bitte, gib mir zu trinken!“. Vielleicht hat die Frau ihm das übelgenommen und da will sie ihm das Wasser verweigern, unter dem Vorwand er gehöre zum Volk der Juden, das das Volk der Samariter verachte.
 
Jesus läßt sich jetzt aber nicht auf ein Streitgespräch über die jüdische und die samaritische Religion ein, sondern bietet ihr das Evangelium an, denn allein das war wichtig. Sie hatte das auch bitter nötig, denn sie hatte nicht die christliche Liebe, ihm einfaches Wasser zu geben, während Er die Liebe hatte, ihr lebendiges Wasser zu geben. Die Frau ermangelte also des wahren Glaubens, der Liebe wirkt (auch zu Menschen, die einen anderen Glauben haben).
 
Jesus dreht den Spieß praktisch um: Wenn die Frau durstig zu ihm gekommen wäre, er hätte ihr sofort Wasser gegeben und sogar lebendiges Wasser (der heilige Geist). Eigentlich hätte es der Frau jetzt bewußt werden müssen, daß sie äußerst lieblos an dem Juden Jesus gehandelt hatte und daß Jesus ein lieber Jude war. Entweder sie wollte diesen Gedanken verdrängen und tut deshalb im Folgenden so, als ob sie meinte, Jesus würde von normalem Wasser reden oder sie war wirklich so naiv.
 
Die Frau reagiert ähnlich wie Nikodemus, indem sie Jesu Wort für bare Münze nimmt (Nikodemus nahm an, Jesus würde von einer physischen Geburt sprechen und die Frau nimmt an, Jesus spräche von normalem Wasser). Jesus benutzt offensichtlich auch Vokabeln, die man benutzte, wenn man von normalem Wasser sprach. Dies, um anzudeuten, daß der Heilige Geis nicht nur ein Prinzip ist, sondern eine lebendige Person (lebendige Wirklichkeit), deren Lebendigkeit einer wirklichen sprudelnden Wasser-Quelle entspricht und der Leben bringt, wie wirkliches Wasser Leben bringt zusammen mit Licht.
 
„Spricht zu ihm die Frau: Herr, hast du doch nichts, womit du schöpfen könntest, und der Brunnen ist tief; woher hast du dann lebendiges Wasser? 12 Bist du mehr als unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? Und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh.“
 
„Spricht die Frau zu ihm: Herr, gib mir solches Wasser, damit mich nicht dürstet und ich nicht herkommen muss, um zu schöpfen!“
 
Die Frau glaubt tatsächlich, Jesus rede von einer Art magischem Wasser, das physischen Durst für immer stillt. Sie war eben eine typisch abergläubische Samariterin.
 
Damit die Samariterin begreift, worum es wirklich geht, muß Jesus ihr einen Hinweis auf ihre Sündhaftigkeit geben. Offenbar lebte die Samariterin in wiederholter wilder Ehe.
 
Jetzt versucht die Frau wieder auf die Schiene eines religiösen Streitgesprächs auszuweichen, indem sie die Frage nach dem korrekten Ort der Anbetung Gottes stellt. Die Sache mit ihren wilden Ehen war ihr im ersten Moment wahrscheinlich zu heiß.
 
„Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben. 24 Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“
 
Worauf es ankam, war nicht in Jerusalem oder auf dem Berg Garizim anzubeten, sondern in Geist und Wahrheit. Wie Nikodemus benötigte auch die Samariterin die neue Geburt aus Wasser und Geist. Der Geist, den sie bei der neuen Geburt erhalten würde, konnte er helfen ihren sündigen Leib zu bezwingen und so wahrhaft den Vater anzubeten. Jesus führte allezeit ein Leben im Heiligen Geist, das nie mit dem Gesetz in Konflikt kam, weil es pure Liebe war. Jesus liebte Gott und seine Mitmenschen, er war Gnade und Wahrheit: Jesus predigte Liebe und liebte tatsächlich. An diesem Leben aus Gott wollte Jesus der Samariterin Anteil geben.
 
Irdisches Wasser wird nun ganz unwichtig für die Samariterin, sie läßt ihren Krug stehen und läuft in die Stadt, um auch ihre Nachbarn auf die „Quelle des Lebens“ hinzuweisen, die sich gerade dort am Brunnen Jakobs aufhielt. Offensichtlich war der Geist der Liebe, der Heilige Geist, von Jesus auf die Frau übergesprungen und sie wurde erfüllt mit Liebe für ihre Nachbarn und will, daß auch sie ihren Durst stillen and der Quelle des Wassers des ewigen Lebens Jesus.
 
„Spricht die Frau zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen. 26 Jesus spricht zu ihr: Ich bin’s, der mit dir redet. 27 Unterdessen kamen seine Jünger, und sie wunderten sich, dass er mit einer Frau redete; doch sagte niemand: Was fragst du?, oder: Was redest du mit ihr? 28 Da ließ die Frau ihren Krug stehen und ging in die Stadt und spricht zu den Leuten: 29 Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe, ob er nicht der Christus sei!
 
Jesus hatte es geschafft, die Frau am Brunnen von aller religiösen Selbstgerechtigkeit zu befreien. Vor wenigen Augenblicken verwies sie noch stolz auf Folgendes:
 
  • sie war eine Samariterin (Anhängerin der Religion der Samariter), die dem Juden Jesus kein Wasser geben wollte
  • der Patriarch Jakob war ihr Vater (spirituell?, der Abstammung nach?)
  • sie betete an am richtigen Ort, dem Berg Garizim

Der ganze Stolz der Frau war ihre Religion und das zerstörte Jesus, indem er sie nach Wasser und ihrem Ehemann fragte. Die Frau wurde „entlarvt“ als offensichtlich lieblos. Was war eine Religion wert, die nicht zur Liebe führte?

Jesus erklärt ihr, daß sie den Heiligen Geist brauche und es scheint, daß etwas von Gottes Liebe von Jesus auf sie übersprang. Alle religiöse Selbstgerechtigkeit weicht von ihr und sie bekennt vor ihren Nachbarn von Sychar, daß Christus „ihr alles gesagt habe, was sie getan habe“. Dies selbstverständlich in dem Bewußtsein, daß Christus ihr vergeben hatte. Die Frau hing jetzt Christus dem Gott der Liebe an und nicht mehr ihrer falschen Religion, damit war sie selig. Jesus hatte der Samariterin das Heil gegeben (Jesus selbst konnte das Heil auch ohne Taufe vermitteln).

Die Begegnung der Samariterin mit Jesus entspricht heute einer sakramentalen Taufe. Bei der Taufe oder Erinnerung an die Säuglingstaufe empfängt man den Heiligen Geist durch den man die Begierden des Körpers überwindet und christliche Liebe übt. Christliche Liebe sieht immer den Menschen und schaut nicht auf Hautfarbe, Nationalität, Religionszugehörigkeit, sozialer Status, usw.. Christus starb für die ganze Menschheit. Dies tat er in der Kraft des Heiligen Geistes der Liebe. Der gleiche Geist bewirkt Liebe im Christen.

Die Jünger registrieren gar nicht, daß die Frau liebevoll ihren Krug zurückläßt, damit sie Wasser schöpfen konnten. Da hätten sie doch Jesus fragen können: „Was hast du mit der Samariterin gemacht, daß sie uns so freundlich ihren Krug überläßt?“ Auch den Jüngern mußte es klar sein, daß es nicht selbstverständlich war, daß eine Samariterin sich mit Juden abgab. Die Jünger waren in ihrem Glauben an Jesus noch nicht so weit gewachsen, daß sie die Trennung Juden/Samariter überwinden konnten. Für Jesus war es selbstverständlich mit der Samariterin zu sprechen. Jesus hatte aus der Samariterin eine Jüngerin gemacht und die Jünger dachten nur ans Mittagessen: „Rabbi, iß!“

„Ich habe eine Speise zu essen, von der ihr nicht wisst.“
 
Jesus war besorgt um das Heil seiner Mitmenschen, das war seine Speise. Es ging hier auch die Verheißung aus Matthäus 5-7 in Erfüllung, daß Gott denen das Leben erleichtert, die zuerst nach dem Reich Gottes trachten. Offensichtlich hatten die Jünger vergessen einen Krug zu kaufen, sonst hätten sie ja der Samariterin gesagt, sie solle ihren Krug mitnehmen. Jesus macht aus der feindlichen Samariterin eine liebevolle Christin und Gott benutzt sie, um Jesus und den Jüngern einen Krug zum Wasserschöpfen zu geben. So sorgte Gott für Jesus und die Jünger.
 
 
„Sagt ihr nicht selber: Es sind noch vier Monate, dann kommt die Ernte? Siehe, ich sage euch: Hebt eure Augen auf und seht auf die Felder, denn sie sind reif zur Ernte. 36 Wer erntet, empfängt schon seinen Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, damit sich miteinander freuen, der da sät und der da erntet. 37 Denn hier ist der Spruch wahr: Der eine sät, der andere erntet. 38 Ich habe euch gesandt zu ernten, wo ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und euch ist ihre Arbeit zugute gekommen.“
 
Die Jünger sollten Menschen „ernten“ wollen, so wie sie schon sage und schreibe vier Monate vor der normalen Ernte des Getreides sich auf die Getreideernte freuten. Dies sollte ihr Begehr sein: „Menschenfischen“. Menschen zu evangelisieren gehört zum Leben des Christen (das ewige Leben) und führt zur Freude für den Christen und für Gott.
 
Jesus führt die Samariterin zum Glauben, indem er sie nicht verurteilte wegen ihres samaritischen Glaubens, sondern ihr das Heil gab. Diese bedingungslose Liebe, die nur den Menschen sieht, fehlte den Jüngern noch. Aber nur diese Liebe überwindet die Welt und führt dazu, daß auch andere Menschen zu Jüngern werden.
 
„Es glaubten aber an ihn viele der Samariter aus dieser Stadt um der Rede der Frau willen, die bezeugte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.“
 
Die Jünger waren nach Sychar gegangen, um einzukaufen. Die Samariterin, die eine Jüngerin geworden war, ging nach Sychar, um Menschen zu fischen. Sie war keine stolze Samariterin mehr, sondern bezeugte ihre Armut in sich selbst (was ich getan habe) und ihren Reichtum in Christus. Das mußten die Leute von Sychar sympathisch finden und wurden selber zu Jüngern.
 
 

Ergänzung:

Religionen (außer der Glaube an Jesus) haben es an sich, daß sie ihre Gläubigen vom Tun wahrer Gerechtigkeit im Alltag dispensieren. Ein guter Samariter berief sich auf den Patriarchen Jakob, wallfahrtete ab und zu zum Grab Joseph’s des Patriarchen in Sichem (nahe bei Sychar), betete an auf dem Berg Garizim, hielt sich fern von Juden, erwartete den Messias. Die Samariterin hielt sich für eine gute Gläubige, weil sie all diese Traditionen hielt. Ähnlich beriefen sich die Juden auf den Patriarchen Abraham, auf die Beschneidung und das Haben des Gesetzes.
 
Bei der wahren Religion (der Glaube an Jesus) steht aber nicht das Halten irgendwelcher Traditionen im Mittelpunkt, sondern die praktische Liebe im Alltag. Christen sind von Natur aus Sünder (die vielleicht früher religiös waren), die durch Christus gebessert werden bzw. durch den Heiligen Geist ihren sündhaften Körper überwinden und Liebe üben. Die ganze Religion des Christen ist Christus. Er lebt durch Christus und sagt seinen Mitmenschen, daß sie auch diesen Christus bräuchten, um Gott wohlgefällig zu sein. Nur durch Christus kann der Mensch seine Sündhaftigkeit überwinden, aber nicht durch irgendwelche Religionen. Im Gegenteil, Religionen verstärken die Sünde noch, weil sie zur Rechtfertigung der Sünde führen. Bei den Religionen steht das Halten der Traditionen im Mittelpunkt (z. B. Abstammung von Abraham, Beschneidung, Haben des Gesetzes) und das führt zur Rechtfertigung der Sünde, denn man ist ja schon ein guter Gläubiger, wenn man diese Traditionen hält. Das praktische Verhalten im Alltag aber wird vernachlässigt. 
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