Antimachiavel/Vorwort

Hinweis: Auch zu Friedrich’s (ich meine Friedrich den Großen bzw. Friedrich II., König von Preußen, Förderer der Aufklärung) Zeiten erfuhr der sogenannte “Fürst” von Machiavelli eine erhebliche Rezeption in den Kreisen der Staatsmänner. Dies erregte äußerstes Missfallen bei dem tugendhaften Friedrich, denn in dem Buch ”Der Fürst” finden sich nahezu perfide Verhaltensregeln für Politiker, die für einen rechtschaffenen Politiker wie Friedrich völlig inakzeptabel waren. 
Das Buch Friedrichs gegen den “Fürsten” heißt “Der Antimachiavel” oder “Widerlegung des ‘Fürsten’ von Machiavelli”. Daneben gibt es noch eine Ausgabe des “Antimachiavel”, die von Voltaire bearbeitet worden ist und folgendermaßen bezeichnet wird: “Der Antimachiavel oder Untersuchung von Machiavellis ‘Fürst’”.
Der folgende Text stammt aus dem originalen “Antimachiavel” bzw. “Widerlegung des ‘Fürsten’ von Machiavelli” von Friedrich, der nicht von Voltaire bearbeitet wurde.

 

Vorwort Friedrich’s des Großen zu seinem Antimachiavel

Der Fürst (ein Buch von Machiavelli) bedeutet auf dem Gebiet der Moral, was das Werk von Benedikt Spinoza im Bereich des Glaubens darstellt: Spinoza untergrub die Fundamente des Glaubens und versuchte nichts Geringeres, als die Religion insgesamt umzustürzen; Machiavelli verdarb die Politik und unternahm es, die Gebote der gesunden Moral zu vernichten. Die Irrtümer des Einen waren nur Irrtümer der Spekulation, die des Anderen der Praxis. Dennoch haben Theologen gegen Spinoza Sturm geläutet und Alarm geschlagen, ist sein Werk in aller Form widerlegt und die Gottheit gegen die Angriffe des Ungläubigen bewiesen worden, während Machiavelli nur von einigen Moralisten zur Rede gestellt wurde und er sich ihnen zum Trotz und ungeachtet seiner verhängnisvollen Moral bis heute auf dem Lehrstuhl der Politik gehalten hat.

Ich wage es, zur Verteidigung der Menschheit gegen ein Ungeheuer anzutreten, das sie zerstören will; und ich habe mich erkühnt, meine Überlegungen zu seinem Buch Kapitel für Kapitle darzulegen, daß sich das Gegengift gleich neben dem Gift befindet.

Ich habe Machiavellis „Fürsten“ immer als eines der gefährlichsten Werke betrachtet, die in der Welt verbreitet sind. Es liegt in der Natur dieses Buches, daß es den Fürsten und den Liebhabern der Staatskunst in die Hände fallen muß. Und da es sehr leicht geschieht, daß ein ehrgeiziger junger Mann, dessen Herz und Verstand noch nicht reif genug sind, um Gutes und Böses zu unterscheiden, durch Maximen verdorben wird, die seinen ungestümen Leidenschaften schmeicheln, muß man jedes Buch, das dazu beitragen kann, als ganz und gar schädlich und dem Wohl der Menschen abträglich halten.

Wenn es schon schlimm ist, die Unschuld eines einzelnen Menschen, der die Angelegenheiten der Welt nur wenig beeinflußt, zu verführen, dann ist es umso schlimmer, die Fürsten – die Völker regieren, für Gerechtigkeit sorgen und ihren Untertanen ein Vorbild sein sollen – zu verderben, Fürsten, die berufen sind, durch ihre Güte, Großmütigkeit und Barmherzigkeit sichtbare Abbilder der Gottheit zu sein und die weniger durch ihre Standeshoheit und ihre Macht als vielmehr durch ihre persönlichen Eigenschaften und ihre Tugenden zu Königen werden. 

Überschwemmungen, die ganze Landstriche verwüsten, ein Blitz, der ganze Städte in Asche legt, das tödliche und ansteckende Gift der Pest, das Provinzen entvölkert, all das ist für die Welt nicht so verhängnisvoll wie die gefährliche Moral und die zügellosen Leidenschaften bei den Königen. Denn wenn sie den Willen haben, Gutes zu tun, dann haben sie auch die Macht dazu, und wenn sie das Böse wollen, dann hängt es auch allein von ihnen ab, es zu tun.

Wie beklagenswert ist doch die Lage der Völker, die alles vom Missbrauch der Herrschermacht zu fürchten haben, wenn ihr Hab und Gut zur Beute der Habgier ihres Fürsten wird, ihre Freiheit seinen Launen, ihre Ruhe seinem Ehrgeiz, ihre Sicherheit seiner Tücke und ihr Leben seiner Grausamkeit ausgeliefert ist! Das jedenfalls wäre die Beschreibung eines Reiches, in dem ein politisches Ungeheuer, wie Machiavelli es zu formen sich anmaßt, regieren würde.

Selbst wenn das Gift des Autors nicht bis zum Thron vordringen würde, behaupte ich, das eine einziger Schüler Machiavellis und Cesare Borgias Anlass genug ist, ein derart abscheuliches Buch mit Entrüstung zurückzuweisen. Manche haben zwar gemeint Machiavelli beschreibe eher das, was die Fürsten tun, als das, was sie tun sollen. Dieser Gedanke fand Anklang, weil er richtig zu sein scheint. Man hat sich freilich mit einer glänzenden Fehleinschätzung zufrieden gegeben und sie wiederholt, weil sie einmal ausgesprochen war.

Es sei mir erlaubt, für die Fürsten und gegen ihre Verleumder das Wort zu ergreifen, um diejenigen vor der abscheulichsten Anklage in Schutz zu nehmen, deren einzige Aufgabe es ist, für das Glück der Menschheit zu arbeiten.

Diejenigen, die ein derartiges Urteil über die Fürsten gefällt haben, sind zweifellos durch das Beispiel schlechter Fürsten, von denen einige bei Machiavelli erwähnt werden, verleitet worden oder durch die Geschichte kleiner italienischer  Fürsten zu Machiavellis Zeiten und das Leben einiger Tyrannen, die nach solchen bedenklichen Staatslehren gehandelt haben. Ich möchte indes daran erinnern, daß es in jedem Land anständige und unanständige Menschen gibt, so wie in jeder Familie neben den schön Gewachsenen auch Bucklige, Blinde oder Hinkende zu finden sind. Und so gab es zu jeder Zeit und wird es zu jeder Zeit unter den Fürsten Ungeheuer geben, die nicht würdig sind, diesen heiligen Namen zu tragen. Ich könnte noch hinzufügen, daß die Versuchung auf dem Thron außerordentlich groß ist, und daß es einer aúßergewöhnlichen Tugend bedarf, um ihrer zu widerstehen. Kein Wunder also, daß es so wenige gute Fürsten gibt. Dennoch sollten sich alle, die so leichtfertig urteilen, daran erinnern, daß es neben Caligula und Tiberius auch Titus, Trajan und die Antonine gibt; es wäre nämlich eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit einem ganzen Stand das zuzuschreiben, was nur für einige seiner Mitglieder zutrifft.

In der Geschichte sollte man nur die Namen der guten Fürsten aufbewahren und die anderen mit samt ihrer Trägheit und ihrem Unrecht dem Vergessen überlassen. Die Geschichtsbücher würden dann zwar um vieles schmäler werden, aber die Menschheit könnte nur gewinnen und die Ehre, im Gedächtnis weiter zu leben, wäre dann einzig und allein die Belohnung der Tugend, Machiavellis Buch würde nicht länger die Schulen der Politik vergiften, man würde lernen, den kläglichen Widerspruch, in dem er immer mit sich selber liegt, zu verachten, und erkennen, daß die wahre, nur auf Gerechtigkeit und Güte gegründete Staatskunst der Könige sich erheblich vom zusammenhangslosen System voller Grauen und Falschheit unterscheidet, das Machiavelli die Dreistigkeit besaß, der Öffentlichkeit vorzulegen.

(Ende von Friedrich’s Vorwort)

Was hat Politik mit einer christlichen Website zu tun?

Es gibt heute keine öffentlich bekannten politischen Führer, die für ihre Gerechtigkeit, Güte, Tugend, usw. bekannt wären. Es entsteht in der Gesellschaft immer mehr ein Klima, das zu dem Schluß verführt, Gerechtigkeit, Güte, Tugend, etc. würden nicht mehr belohnt werden, sondern im Gegenteil, wer sich korrekt verhält, der wird am Ende der Dumme sein.

Wir brauchen wieder Politiker wie Friedrich der Große, die durch und durch tugendhaft sind und die Tugendhaftigkeit auch in den führenden Schichten der Gesellschaft durchsetzen, sodaß so etwas wie eine staatstragende Schicht entsteht, wie sie es im alten Preußen noch gab.

Es ist wirklich schwer und deprimierend in einer Gesellschaft als Christ zu leben, wo es immer mehr als Schwäche und Dummheit oder gar fast als Behinderung bzw. Naivität gilt, tatsächlich als Christ im Alltag zu leben. „Lieber einer ist Junky oder Alkoholiker, als Christ.“ Wir kommen allmählich wieder im heidnischen römischen Reich an.

Möge jeder Politiker den Antimachiavell von Friedrich lesen, damit er erkennt, was seine wahre Aufgabe ist: Nicht sein Volk melken, sondern es glücklich machen. Glück kommt durch Güte, Gerechtigkeit, Tugend, usw.. Es muß wieder der Mensch zum Leitbild werden, der nicht mit allen Mitteln nach Macht, Reichtum, Ruhm und Ehre strebt, sondern seine Mitmenschen liebt und ihr Glück und ihre Wohlfahrt sucht.

 

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