Auslegung Johannesevang., Kap. 5, Verse 1-18

Die Heilung eines Kranken am Teich Betesda

1 Darnach war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf gen Jerusalem. 2 Es ist aber zu Jerusalem bei dem Schaftor ein Teich, der heißt auf hebräisch Bethesda und hat fünf Hallen, 3 in welchem lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Verdorrte, die warteten, wann sich das Wasser bewegte. 4 (Denn ein Engel fuhr herab zu seiner Zeit in den Teich und bewegte das Wasser.) Welcher nun zuerst, nachdem das Wasser bewegt war, hineinstieg, der ward gesund, mit welcherlei Seuche er behaftet war.
   5 Es war aber ein Mensch daselbst, achtunddreißig Jahre lang krank gelegen. 6 Da Jesus ihn sah liegen und vernahm, daß er so lange gelegen hatte, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden? 7 Der Kranke antwortete ihm: HERR, ich habe keinen Menschen, wenn das Wasser sich bewegt, der mich in den Teich lasse; und wenn ich komme, so steigt ein anderer vor mir hinein. 8 Jesus spricht zu ihm: Stehe auf, nimm dein Bett und gehe hin! 9 Und alsbald ward der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin. Es war aber desselben Tages der Sabbat. 10 Da sprachen die Juden zu dem, der geheilt worden war: Es ist heute Sabbat; es ziemt dir nicht, das Bett zu tragen. 11 Er antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sprach zu mir: „Nimm dein Bett und gehe hin!“ 12 Da fragten sie ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat: „Nimm dein Bett und gehe hin!“? 13 Der aber geheilt worden war, wußte nicht, wer es war; denn Jesus war gewichen, da so viel Volks an dem Ort war.
   14 Darnach fand ihn Jesus im Tempel und sprach zu ihm: Siehe zu, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Ärgeres widerfahre. 15 Der Mensch ging hin und verkündete es den Juden, es sei Jesus, der ihn gesund gemacht habe. 16 Darum verfolgten die Juden Jesum und suchten ihn zu töten, daß er solches getan hatte am Sabbat. 17 Jesus aber antwortete Ihnen: Mein Vater wirkt bisher, und ich wirke auch. 18 Darum trachteten ihm die Juden viel mehr nach, daß sie ihn töteten, daß er nicht allein den Sabbat brach, sondern sagte auch, Gott sei sein Vater, und machte sich selbst Gott gleich.

Jesus beschloß wiederum nach Judäa zu gehen, obwohl er Nachstellungen seitens der Pharisäer befürchten mußte, die mit Neid beobachteten, wie Jesus sogar noch mehr Anhänger fand als Johannes der Täufer. Jesus war ein ernstzunehmender Konkurrent für die Pharisäer geworden, der ihnen Marktanteile streitig machen konnte, wobei es Jesus nicht auf Profit abgesehen hatte wie die Pharisäer, sondern auf das Seelenheil der Menschen.  Aber da der Mittelpunkt eines jeden jüdischen Festes selbstverständlich der Gott Israels sein mußte, wollte sich Jesus den Juden als solcher gerne zur Verfügung stellen, um ihr Fest mit seiner Gegenwart zu schmücken. Auch der Mensch Jesus, der äußerst demütig und sanftmütig war und vielleicht deswegen von manchen Juden für minderwertig (im Sinne von lebensunwertes Leben) gehalten wurde, hielt es für selbstverständlich zum Fest nach Jerusalem zu gehen, denn Jesus war sich völlig bewußt, daß er ein wirklich ehrbarer Bürger Israel’s war und wollte als solcher gerne an öffentlichen Feiern und Veranstaltungen teilnehmen. Obwohl Jesus sanftmütig und demütig war, war er doch kein Kopfhänger oder passiv oder gar depressiv-melancholisch, sondern im Gegenteil er war absolut lebensbejahend, einer der aktivsten Bürger Israels.

Der Teich Betesda hatte ein Gesetz: „Welcher nun zuerst, nachdem das Wasser bewegt war, hineinstieg, der ward gesund, mit welcherlei Seuche er behaftet war.“

Eigentlich war es so, daß es nur darauf ankam, unmittelbar nach der Bewegung des Wassers hineinzusteigen, denn offensichtlich reichte die Heilkraft des Wassers pro Ereignis immer nur für eine Heilung. Man hätte eigentlich der Anlage (Betesda) eine Aufsicht geben sollen, die sicherstellte, daß immer der zuerst hineinsteigen durfte, der schon am längsten wartete, dies jedoch war nicht der Fall, denn unser Kandidat wartete ja schon 38 Jahre und immer stieg ein anderer vor ihm hinein, wie der Text sagt. Übrigens kann das Wort Betesda mit „Haus der Gnade“ aber auch mit „Schande“ übersetzt werden und tatsächlich: Betesda war ein Ort der Gnade, was die Heilungen anging, aber ein Ort der Schande, was die perverse, gottlose Ordnung des Teiches („der Vordrängler gewinnt“) anging, die sehr ungerecht war. Wer sich an das Gesetz des Teiches hielt, der wurde zwar geheilt, nahm aber Schaden an seiner Seele, weil er die Langwarter übervorteilte, denen er gemäß der Liebe hätte den Vortritt lassen sollen.

Dennoch, wer das Gesetz Betesda’s dem Buchstaben nach hielt, der wurde tatsächlich geheilt.

Wer das „Gesetz des Teiches Betesda“ buchstäblich hielt, der wurde zwar geheilt, mußte aber zwangsläufig gegen die Liebe (Nächstenliebe) handeln, denn mindestens ein Kranker wartete schon seit 38 Jahren und im buchstäblichem Halten des Betesda-Gesetzes hatte sich immer ein anderer vorgedrängelt, obwohl doch die Liebe geboten hätte, den ins Wasser zu lassen, der schon lange wartete.

Betesda war also gleichzeitig ein Ort der Gnade und ein Ort der Schande. Die Leute, die in den Teich stiegen wurden körperlich geheilt, aber gleichzeitig sündigten sie gegen die Liebe (weil sie diejenigen, die schon lange warteten, nicht vorließen) und nahmen so Schaden an ihrer Seele.

Es ist ersaunlich, daß die Leute doch geheilt wurden, obwohl sie so gegen die Liebe sündigten (allerdings waren es ihrer nur wenige, die geheilt wurden). Dies ist ein Bild für die Gnade Gottes, die selbst dem schlimmsten Sünder noch gilt (Vorsicht, nicht missverstehen: die körperliche Heilung war eben nur ein Bild für die Gnade mit den Sündern; es ist nicht so, daß Gott die Sünde des gierigen Sich-Vordrängelns einfach so übersehen hätte und ich sagte ja schon, daß die Leute Schaden an ihrer Seele nahmen, obwohl sie körperlich geheilt wurden; besser sie hätten auf die körperliche Heilung zunächst verzichtet oder ein bischen gewartet und dafür ihre Seele nicht beschädigt! ).

So erinnern uns also die 5 Hallen von Betesda an den Pentateuch (auch die Thora oder die fünf Bücher Mose genannt) des Alten Testamentes, die das Gesetz Gottes enthalten. Pentateuch heißt wörtlich übersetzt Fünfgefäß und so könnte man Betesda vielleicht auch Pentateich nennen. Wieviel Jammer und Elend gab es in Israel, weil Menschen das Gesetz buchstäblich hielten. All die in den fünf Hallen Betesdas Dahinsiechenden waren ein Bild dieses Jammers und dieses Elends in Israel. Israels Unglück war das Halten des Gesetzes nach dem Buchstaben. So wie die Kranken in den 5 Hallen Betesdas dahinsiechten, siechte ganz Israel dahin im Buchstabendienst, das heißt im falschen Gebrauch des Gesetzes der Thora.

Jesus fragt den 38er, ob er gesund werden möchte. Dies war in einem gewissen Sinne selbstverständlich nur eine rethorische Frage, denn es war ja klar, daß der 38er gesund werden wollte. Bezog sich Jesu Frage nur auf die körperliche Gesundheit, so war sie absolut überflüssig. Selbstverständlich ging es Jesus nicht nur um den Körper des 38ers, sondern auch um seine liebe Seele, um die Jesus sich sorgte und die er heil sehen wollte.

Jesus beendet das Thema körperliche Krankheit mit einem Fingerschnippen und der 38er ist gesund. Die körperliche Krankheit des 38ers sollte ab sofort weiter kein Thema sein, denn es ging um wichtigeres, um seine Seele. Es scheint fast, als ob Jesus sagen wollte: „lass uns jetzt mal über etwas Wichtigeres reden (die Seele)“. Interessant ist, daß ähnlich wie Nikodemus (leibliche Geburt statt geistliche Geburt) und die Samariterin (magisches Wasser statt Heiliger Geist), auch der 38er Jesus ganz naiv und einfältig missversteht, indem er Jesu Frage nur auf die körperliche Gesundheit bezieht. Auch der 38er hätte es besser wissen können, sah er doch immer wie die Opfertiere durch das Schaftor getrieben wurden (oder er hörte sie zumindest blöken), die ein Vorbild auf das wahre Opferlamm Christus wahren (Jesaja 53). Die Heilung der Kranken im Teich hätte ihn an Hesekiel erinnern können, wo von der Reinigung des Herzens durch heiliges Wasser die Rede ist (Hesekiel 36).

Jesaja 53:

1 Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des HERRN offenbart? 2 Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. 3 Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. 4 Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. 5 Aber er ist um unsrer Missetat1 willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. 6 Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn. 7 Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf. 8 Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volks geplagt war. 9 Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern2, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist. 10 So wollte ihn der HERR zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge leben, und des HERRN Plan wird durch seine Hand gelingen. 11 Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. 12 Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben, dafür dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

Hesekiel 36, 24-28:

24 Denn ich will euch aus den Heiden herausholen und euch aus allen Ländern sammeln und wieder in euer Land bringen, 25 und ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet; von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen. 26 Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. 27 Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun. 28 Und ihr sollt wohnen im Lande, das ich euren Vätern gegeben habe, und sollt mein Volk sein und ich will euer Gott sein.

Der Kranke erhält von Jesus den Befehl sein stinkendes Bett zu entsorgen, wobei er wegen des Sabbatgebotes mit den Juden in Konflikt gerät. Das stinkende Bett war ein Zeugnis dafür, daß das Gesetzes-Judentum (Haben des Gesetzes, Buchstabendienst, Stolz auf Abstammung von Abraham, äußerliche Beschneidung) dem Kranken nicht helfen konnte. Es gab eigentlich nur einen angemessenen Platz für das Gesetzes-Judentum genauso wie für das stinkende Bett: Die Müllkippe. Indem der ehemals Kranke sein Bett ensorgte, erfüllte er das Sabbatgebot nach seiner geistlichen, der Liebe gemäßen Auslegung, denn Gott hatte den Sabbat als einen Tag der Ruhe von der Erwerbsarbeit gegeben, den man nutzen konnte, um des Gottes Israels und seiner Gnade zu gedenken. Es geht also am Sabbat nicht darum überhaupt nichts zu tun, sondern Muße zu haben für den Gottesdienst. Wenn etwas verboten ist am Sabbat, dann ist es profane Erwerbsarbeit, aber nicht irgendwelche Verrichtungen an sich. Ein gläubiger Mensch wird sicher um der Liebe zu Gott willen einmal die Woche seinen Arbeitstrott (Erwerbsarbeit) unterbrechen, um zu ruhen und des Herrn seine Gottes und seiner Gnade zu gedenken. Kurz gesagt: Schlimm ist, wenn jemand am Sabbat das profane Geldverdienen wichtiger ist als der ewige Gott, sein Schöpfer.

Das Gesetz bzw. Gesetzesjudentum sprach: „Trag dein Bett nicht am Sabbat!“, die Liebe aber, Jesus, sprach: „Trag dein Bett am Sabbat!“ Das Betttragen war selbstverständlich keine Erwerbsarbeits, sondern mit dem Betttragen pries der 38er die Liebe und Gnade Gottes, der ihn geheilt hatte und das war Gottesdienst und somit die Erfüllung des Sabbatgebotes par excellence. Der Buchstabendienst und die Auslegung des Gesetzes gemäß der Liebe bzw. des Heiligen Geistes sind einander tatsächlich diametral entgegengesetzt.

Mich persönlich erinnert der Teich Betesda auch an den großen Wasserstrom, der dermaleinst von Jerusalem ausgehen soll zur Heilung der Nationen:

Sacharja – Kapitel 14

Jerusalem und die Völkerwelt am Tage des HERRN

1 Siehe, es kommt dem HERRN die Zeit, daß man deinen Raub austeilen wird in dir (Israel). 2 Denn ich werde alle Heiden wider Jerusalem sammeln zum Streit. Und die Stadt wird gewonnen, die Häuser geplündert und die Weiber geschändet werden; und die Hälfte der Stadt wird gefangen weggeführt werden, und das übrige Volk wird nicht aus der Stadt ausgerottet werden. 
   3 Aber der HERR wird ausziehen und streiten wider diese Heiden, gleichwie er zu streiten pflegt zur Zeit des Streites.4 Und seine Füße werden stehen zu der Zeit auf dem Ölberge, der vor Jerusalem liegt gegen Morgen. Und der Ölberg wird sich mitten entzwei spalten, vom Aufgang bis zum Niedergang, sehr weit voneinander, daß sich eine Hälfte des Berges gegen Mitternacht und die andere gegen Mittag geben wird. 5 Und ihr werdet fliehen in solchem Tal zwischen meinen Bergen, denn das Tal zwischen den Bergen wird nahe heranreichen an Azel, und werdet fliehen, wie ihr vorzeiten flohet vor dem Erdbeben zur Zeit Usias, des Königs Juda’s. Da wird dann kommen der HERR, mein Gott, und alle Heiligen mit dir. 6 Zu der Zeit wird kein Licht sein, sondern Kälte und Frost. 7 Und wird ein Tag sein, der dem HERRN bekannt ist, weder Tag noch Nacht; und um den Abend wird es licht sein. 
   8 Zu der Zeit werden lebendige Wasser aus Jerusalem fließen, die Hälfte zum Meer gegen Morgen und die andere Hälfte zum Meer gegen Abend; und es wird währen des Sommers und des Winters. 9 Und der HERR wird König sein über alle Lande.

Hesekiel – Kapitel 47

Der wunderbare Strom aus dem Tempel

1 Und er führte mich wieder zu der Tür des Tempels. Und siehe, da floß ein Wasser heraus unter der Schwelle des Tempels gegen Morgen; denn die vordere Seite des Tempels war gegen Morgen. Und des Tempels Wasser lief an der rechten Seite des Tempels neben dem Altar hin gegen Mittag. 2 Und er führte mich hinaus zum Tor gegen Mitternacht und brachte mich auswendig herum zum äußern Tor gegen Morgen; und siehe, das Wasser sprang heraus von der rechten Seite. 3 Und der Mann ging heraus gegen Morgen und hatte die Meßschnur in der Hand; und er maß tausend Ellen und führte mich durchs Wasser, das mir’s an die Knöchel ging. 4 Und maß abermals tausend Ellen und führte mich durchs Wasser, daß mir’s an die Kniee ging. Und maß noch tausend Ellen und ließ mich dadurchgehen, daß es mir an die Lenden ging. 5 Da maß er noch tausend Ellen, und es ward so tief, daß ich nicht mehr Grund hatte; denn das Wasser war zu hoch, daß man darüber schwimmen mußte und keinen Grund hatte.
   6 Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, das hast du ja gesehen. Und er führte mich wieder zurück am Ufer des Bachs. 7 Und siehe, da standen sehr viel Bäume am Ufer auf beiden Seiten. 8 Und er sprach zu mir: Dies Wasser, das da gegen Morgen herausfließt, wird durchs Blachfeld fließen ins Meer, da sollen desselben Wasser gesund werden.9 Ja, alles, was darin lebt und webt, dahin diese Ströme kommen, das soll leben; und es soll sehr viel Fische haben; und soll alles gesund werden und leben, wo dieser Strom hin kommt. 10 Und es werden die Fischer an demselben stehen; von Engedi bis zu En-Eglaim wird man die Fischgarne aufspannen; denn es werden daselbst sehr viel Fische von allerlei Art sein, gleichwie im großen Meer. 11 Aber die Teiche und Lachen daneben werden nicht gesund werden, sondern gesalzen bleiben. 12 Und an demselben Strom, am Ufer auf beiden Seiten, werden allerlei fruchtbare Bäume wachsen, und ihre Blätter werden nicht verwelken noch ihre Früchte ausgehen; und sie werden alle Monate neue Früchte bringen, denn ihr Wasser fließt aus dem Heiligtum. Ihre Frucht wird zur Speise dienen und ihre Blätter zur Arznei.

Offenbarung – Kapitel 22

1 Und er zeigte mir einen lautern Strom des lebendigen Wassers, klar wie ein Kristall; der ging aus von dem Stuhl Gottes und des Lammes. 2 Mitten auf ihrer Gasse auf beiden Seiten des Stroms stand Holz des Lebens, das trug zwölfmal Früchte und brachte seine Früchte alle Monate; und die Blätter des Holzes dienten zu der Gesundheit der Heiden. 3 Und es wird kein Verbanntes mehr sein. Und der Stuhl Gottes und des Lammes wird darin sein; und seine Knechte werden ihm dienen 4 und sehen sein Angesicht; und sein Name wird an ihren Stirnen sein. 5 Und wird keine Nacht da sein, und sie werden nicht bedürfen einer Leuchte oder des Lichts der Sonne; denn Gott der HERR wird sie erleuchten, und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Warum gab es am Teich Betesda so wenige Heilungen, sodaß die Nachfrage nach Heilungen anscheinend viel größer war als das Angebot und warum war die Kapazität des Teiches Betesda so weit weg von dem, was wir in Sacharja, Hesekiel und Offenbarung lesen? Das hing eben mit dem Gesetzes-Judentum zusammen, das das Gegenteil des einfachen Glaubens an Jesus ist. Der Götzendienst der meisten Juden bestand darin, stolz zu sein auf ihre Abstammung von Abraham, das Haben des Gesetzes zusammen mit dem Buchstabendienst und die äußerliche Beschneidung des männlichen Gliedes. Die Gesetzes-Juden hatten alle guten Gaben des Gottes Israels entweiht und deuteten sie völlig falsch (siehe Auslegung Römerbrief 4). Abraham, das Gesetz und die Beschneidung, alle drei, hätten die Juden so deuten sollen, daß sie einen Erlöser brauchten bzw. daß sie an einen Erlöser glauben sollten. Dieser Erlöser war Jesus. Wer wahrhaft an den Erlöser glaubt, der undrückt in der Kraft des Heiligen Geistes seine niedrigen Instinkte (z. B. Streben nach Gewinn durch Vordrängeln) und übt Liebe an seinem Nächsten (z. B. den Nächsten vorlassen). Hätten nun die Kranken am Teich Betesda sich alle innerlich zum Gott Israels bekehrt, das heißt an seinen Messias geglaubt, dann hätte Gott mit absoluter Sicherheit die Heilungen am Teich vermehrt und alle wären gesund geworden. Durch ihren Unglauben aber wurde der Strom der Heilung gehemmt, der Unglaube verstopfte Gottes Gnadenquelle.

Gott will die Heilung der Seele von der Heilung des Körpers nicht trennen, das ist für Gott einen Einheit (siehe Ich bin der Herr, dein Arzt). Sobald des Menschensohn den Glauben auf Erden finden wird, wird er auch die allgemeine, körperliche Heilung schenken (siehe Sacharja, Hesekiel, Offenbarung).

Wie paßt das Ganze in den Zusammenhang des Johannesevangeliums?

Das Licht kommt in die Welt und macht eine Scheidung: Die Welt wird aufgeteilt in die Kirche und die Menschen außerhalb der Kirche. Das konkrete Ereignis am Einzelnen, das die Scheidung bewirkt, ist die neue Geburt aus Wasser und Geist (sakramentale Taufe, die im Glauben empfangen wird bzw. derer man sich im Glauben erinnert).

Das Gespräch mit Nikodemus war eine theologische Abhandlung über die neue Geburt. Beim Gespräch mit der Samariterin wird schon deutlicher, worum es praktisch und konkret geht: Die meisten Menschen sind irgendwie religiös, überwinden aber nicht (können es auch nicht) die niedrigen Triebe ihres Leibes, was die wirkliche Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit wäre. Obwohl die Samariterin sehr religiös war, lebte sie doch in wilden Ehen, war also eine Sklavin ihrer sexuellen Begierde oder Leidenschaft. Jesus bietet ihr lebendiges Wasser, das heißt den Heiligen Geist an, durch den die Samariterin ihre Begierden unterdrücken konnte und so zu einer Anbeterin Gottes im Geist und in der Wahrheit werden konnte. Der wahre, christliche Glaube besteht darin im Alltag die Begierden des Leibes durch die Kraft des Heiligen Geistes bzw. des Todes und der Auferstehung Jesu zu unterdrücken und so, zur Liebe befreit, Gott und seine Mitmenschen zu lieben. Das ist genau das Gegenteil von Religion.

Bei dem 38er vom Teich Betesda kommt noch der Aspekt der körperlichen Krankheiten mit ins Spiel. Krankheiten können oftmals eine Anzeigung dafür sein, daß mit der Seele eines Menschen etwas nicht stimmt. Menschen wollen aber oftmals nur von ihren körperlichen Gebrechen geheilt werden ohne Berücksichtung des Seelenheils. Der Kranke am Teich Betesda macht klar, daß körperliche Heilung mit der Heilung der Seele einhergehen muß, die beschädigt wurde durch Sündigen und deshalb sagt Jesus das folgende Heilswort zum 38er: „Siehe zu, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Ärgeres widerfahre.“

In der Kraft dieses Wortes sollte unser Kandidat jetzt hingehen und seine Mitmenschen und Gott lieben, das heißt nicht sündigen (Sündigen ist immer ein Handeln gegen die Liebe). Jesus sprach also ein Heilswort über unseren Kandidaten, welches heute seine Entsprechung in der sakramentalen Taufe hat, wo Gott uns in die Nachfolge Jesu ruft.

Es ist leicht zu glauben, daß Jesus für uns am Kreuz starb zur Vergebung unserer Sünden. Es war aber Jesu Opfer am Kreuz nicht nur ein Sühneopfer für unsere Sünden, sondern auch ein Werk der Erlösung. Durch die Taufe wird uns zugeeignet, daß wir mit Jesus gestorben und mit Jesus auferstanden sind, das heißt durch die Taufe sterben wir der Sünde ab und „kommen in Christus hinein“. Nach der Taufe ist Christus unsere Gerechtigkeit, das heißt „in Christus“ überwinden wir die niedrigen Triebe unseres Leibes und lieben Gott und unsere Mitmenschen. Der Leib in sich selbst bleibt immer sündig und kann durch keine Übung und Training gebessert werden. Wir können sozusagen nur trainieren, gewohnheitsmäßig den Leib durch den Glauben an Jesus zu unterdrücken. Das ist der wahre, christliche Glaube, die Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit.

 

 

 

 

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