Jesus, das Brot des Lebens

Johannesevang., Kap. 6, Verse 22-59

22 Am nächsten Tag sah das Volk, das am andern Ufer des Sees stand, dass kein anderes Boot da war als das eine und dass Jesus nicht mit seinen Jüngern in das Boot gestiegen war, sondern seine Jünger waren allein weggefahren. 23 Es kamen aber andere Boote von Tiberias nahe an den Ort, wo sie das Brot gegessen hatten unter der Danksagung des Herrn. 24 Als nun das Volk sah, dass Jesus nicht da war und seine Jünger auch nicht, stiegen sie in die Boote und fuhren nach Kapernaum und suchten Jesus. 25 Und als sie ihn fanden am andern Ufer des Sees, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hergekommen? 26 Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid. 27 Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben. Die wird euch der Menschensohn geben; denn auf dem ist das Siegel Gottes des Vaters. 28 Da fragten sie ihn: Was sollen wir tun, dass wir Gottes Werke wirken? 29 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. 30 Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was für ein Werk tust du? 31 Unsre Väter haben in der Wüste das Manna gegessen, wie geschrieben steht (Psalm 78,24): »Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.« 32 Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. 33 Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. 34 Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. 35 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. 36 Aber ich habe euch gesagt: Ihr habt mich gesehen und glaubt doch nicht. 37 Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. 38 Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. 39 Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich’s auferwecke am Jüngsten Tage. 40 Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage. 41 Da murrten die Juden über ihn, weil er sagte: Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist, 42 und sprachen: Ist dieser nicht Jesus, Josefs Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wieso spricht er dann: Ich bin vom Himmel gekommen? 43 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Murrt nicht untereinander. 44 Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat, und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage. 45 Es steht geschrieben in den Propheten (Jesaja 54,13): »Sie werden alle von Gott gelehrt sein.« Wer es vom Vater hört und lernt, der kommt zu mir. 46 Nicht als ob jemand den Vater gesehen hätte außer dem, der von Gott gekommen ist; der hat den Vater gesehen. 47 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. 51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt. 52 Da stritten die Juden untereinander und sagten: Wie kann der uns sein Fleisch zu essen geben? 53 Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch. 54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. 55 Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. 56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. 57 Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. 58 Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit 59 Das sagte er in der Synagoge, als er in Kapernaum lehrte.

Im letzten Artikel (Jesus und der sinkende Petrus auf dem See) ging es um zwei Dinge: Jesus lehnt das Brotkönigtum ab, was er deutlich macht, indem er vor der Menge, die er gespeist hatte, auf einen Berg flieht. Zum anderen hatte er seine Jünger eilends mit dem Boot weggeschickt, die das Königtum sicher begrüßt hätten. Auf dem See sollten die Jünger auch eine Lektion lernen, nämlich, daß sie trotz ihrer geistlichen Gaben schwache Menschen blieben (vielleicht ist es erlaubt zu sagen: „sie waren arme kleine Sünderlein, die abhingen von der Gnade Gottes“). Die Jünger sollten sich nicht überheben und auf eine Ebene mit Jesus, dem Gottessohn/Gottmenschen stellen. Die Gottessohnschaft oder das Gottkönigtum Jesu war für die Jünger unerreichbar und ausgeschlossen. Die Jünger waren einfach biologische Nachkommen Adams, also Menschen, während Jesus der fleischgewordene (inkarnierte) Gott war. Nur aus der Gemeinschaft mit dem „starken“, göttlich-sakralen Jesus heraus konnten die Jünger, die in sich selbst schwache Menschen waren, Werke Gottes wirken. Jesus dagegen konnte aus sich selbst heraus Werke Gottes wirken, denn er war göttlich.

Die Volksmenge, die das Speisewunder erlebt hatte, jagt Jesus hinterher auf dem Landweg. Es kommen sogar noch zusätzlich Leute aus Tiberias hinzu auf dem Seeweg. Es entsteht also ein Massenauflauf in Kapernaum (Jesu Wohnort) und die Leute drücken und drängen sich, ziemlich unangenehm. Sie suchten nicht das Brot des Lebens, sondern normales Brot. Im Grunde genommen brachte den Leuten ihre Gier nach Brot nur Unannehmlichkeiten. Da wären sie doch lieber zu Hause geblieben und hätten ihr Brot durch ihrer Hände Arbeit verdient. Da Jesus aber, wie wir wissen, gnädig und barmherzig war, sanftmütig und demütig, schimpfte er die Leute nicht aus ob ihrer irdischen Gesinnung, sondern macht eine Überleitung vom irdischen Brot zum himmlischen Brot.

Erinnern wir uns kurz an das Gespräch Jesu mit Nikodemus (Johannesevang. 3):

Nikodemus reagierte richtig auf die Wunder Jesu. Er nahm sie als Beweis seiner Göttlichkeit. Vielleicht wollte ja Nikodemus sich nun beim Messias Jesus als Theologe bewerben oder vielleicht wollte er mit Jesus über sein persönliches Heil sprechen oder er wollte ihn einfach fragen, ob Jesus jetzt die Regierung in Israel übernehmen würde (= Anbruch des Reiches Gottes). Wir wissen es nicht. Auf jeden Fall unterbricht ihn Jesus und sagt ihm, wie man in das Reich Gottes kommen könne, was allein wichtig war. Aus dem weiteren Verlauf des Gesprächs wird klar, daß Nikodemus keine Ahnung hatte vom wahren Glauben (wenn Nikodemus das Alte Testament verstanden hätte, hätte er schon eine Ahnung davon haben können, daß der sündige Mensch einen göttlichen Erlöser braucht).

Für die Menschen, die das Speisewunder erlebt hatten, stand es im Vordergrund satt zu werden. Sie befanden sich wahrscheinlich auch in dem allgemeinen Irrtum der Juden, daß der kommende Messias ein irdisches Reich aufrichten würde und sahen die Brotvermehrung vielleicht als die Feier der Inauguration Jesu als weltlicher König Israels. So wie Nikodemus verstanden die Leute noch nicht, was die wahre Mission Jesu war.

Die Leute wundern sich, wie Jesus an das andere Ufer gekommen ist (vielleicht hätten sie es gerne gehabt, wenn er ihnen seinen Trick verraten hätte), aber auf diese Frage geht Jesus gar nicht ein, sondern macht ihnen einen kleinen Vorwurf, daß sie ihn mehr deshalb suchten, weil sie satt geworden waren, aber weniger deshalb weil sie ihn durch das Speisewunder für göttlich gehalten hätten. Beiden (Nikodemus und den Brotsuchern) aber war gemeinsam, daß sie nicht im Reich Gottes waren (Nikodemus) bzw. daß sie nicht im ewigen Leben waren (Brotsucher).

Jesus sagt: „Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben.“

Beide, Nikodemus und die Brotsucher, werden von Jesus jäh unterbrochen (vielleicht fühlten sich manche dadurch verletzt und unterstellten Jesus Lieblosigkeit) und er sagt ihnen das, worauf es allein ankommt: Wie komme ich in das Reich Gottes bzw. wie werde ich des ewigen Lebens teilhaftig. Hier sehen wir, daß Liebe nicht bedeutet zu schleimen, sondern den Leuten das zu sagen, was notwendig ist und was zu ihrem Heil dient. Indem Jesus die Leute unterbrach, handelte er durchaus liebvoll, denn was sie sagen wollten, war absolut uninteressant im Vergleich zu dem, was Jesus sagen wollte.

Die Leute dachten jetzt natürlich gleich, sie müßten irgendwelche guten Werke tun, um sich die himmlische Speise zu verdienen. Jesus klärt sie aber darüber auf, daß es nur darum geht an ihn zu glauben. Verrückterweise antworten jetzt die Leute, sie würden nur unter der Bedingung an ihn glauben, daß er sie wiederum satt machen würde (Manna). Jetzt werden wir an das Gespräch mit der Samariterin (Joh. 4) erinnert, die das lebendige Wasser, von dem Jesus damals sprach, für magisches Wasser hielt, das den physischen Durst für immer löscht: Jesus sagt, es ginge nicht um Manna, sondern um lebendigmachendes Brot und die Leute glauben, Jesus spräche von einer Art magischem Manna, das ewig sättigt. In vollem Ernst bitten sie Jesus um solches magisches Manna.

Da antwortet Jesus ziemlich schroff: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“

Langsam mußte es den Leuten klar werden, daß sie sich gröblich getäuscht hatten und daß es doch um etwas anderes ging als um Brot, das aus Getreide hergestellt war oder verzaubertes Brot.

„Aber ich habe euch gesagt: Ihr habt mich gesehen und glaubt doch nicht.“

Das ist das Phenomenon Incredibile: Der fleischgewordene Gott steht vor den Menschen, weist sich aus durch Zeichen und Wunder, aber man erkennt ihn nicht. Wirklich ein unglaubliches Phänomen, über das man sich nur verwundern kann.

„Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“

Lieber Leser, wenn Sie bei sich feststellen, daß Sie keinen Glauben haben bzw. gar nicht begreifen, worum es beim Glauben überhaupt geht, dann beten Sie zu dem unsichtbaren Gott, daß er Ihnen den Glauben gebe bzw. den Heiligen Geist. Gott wird dieses Gebet sicher erhören.

44 Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat, und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage. 45 Es steht geschrieben in den Propheten (Jesaja 54,13): »Sie werden alle von Gott gelehrt sein.« Wer es vom Vater hört und lernt, der kommt zu mir.“

Lieber Leser, beten sie einfach, daß der Vater Sie ziehe oder belehre, wenn Sie (noch) nicht glauben können.

48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. 51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.“

Wie kann der uns sein Fleisch zu essen geben?

Lieber Leser, der Apostel Paulus gebrauchte einmal die Formulierung „aus Glauben zu Glauben“. Wenn sie das Obige für historisch wahr halten (glauben), wenn Sie es also für wahr halten, daß Jesus der Sohn Gottes ist und Ihnen ewiges Leben gibt, dann lassen Sie sich sakramental taufen oder erinnern Sie sich ihrer Säuglingstaufe (Kindertaufe). Durch die Taufe werden Sie metaphysisch mit dem Opfer Jesu am Kreuz verbunden. Durch die Taufe ist Ihr „alter Mensch der Sünde“ am Kreuz mit Jesus untergegangen und durch die Taufe sind Sie mit Jesus auferstanden zum ewigen Leben. Nach der Taufe ist ihr Leben Jesus. Ihr biologischer Körper bleibt allerdings sündhaft in sich selbst, deshalb sollen Sie sich täglich der Taufe erinnern und Gott bitten, daß er ihren Glauben erhalte und mehre, damit Sie nicht die Lüste des Fleisches (Körpers) vollbringen, sondern die Werke des Geistes. Wenn Sie täglich in der Kraft des Heiligen Geistes die Begierden Ihres Leibes unterdrücken und Gott und Ihren Nächsten lieben, dann bleiben Sie im Glauben (aus Ihrem Für-wahr-halten ist durch die Taufe etwas tieferes geworden, der wahre Glaube – aus Glauben zu Glauben; verstehen Sie jetzt?) Wenn Sie so Jesu Opfer wertschätzen als Werk der Erlösung, dann ist es auch ein Sühneopfer für Ihre Sünden (für vergangene und zukünftige). Nehmen Sie immer wieder Gottes Geschenk: Erlösung und Vergebung in einem Paket. Versuchen Sie nie, nur die Vergebung zu erlangen, unabhängig von der Erlösung.

Beachten Sie auch folgenden Artikel: „Die 10 Gebote.“

Wie paßt das Ganze in den Gesamtzusammenhang des Johannesevangeliums?

Es geht wieder um die neue Geburt aus Wasser und Geist, wobei hier betont wird, daß der Mensch in engste Verbindung mit Jesus kommen muß (sein Fleisch essen, sein Blut trinken).

Wie läuft das praktisch ab?

Jemand hört das Evangelium: Gott, der Vater, hat Gott, den Sohn, Jesus, um unserer Sünden willen dahingegeben und um unserer Rechtfertigung willen auferweckt von den Toten.

Wer das Evangelium einfach glaubt (für wahr hält) und sakramental getauft wird (Säuglingstaufe ist gültig, gegebenenfalls daran erinnern im Glauben), der ist gerecht. Wer in der Kraft der Taufe bzw. des Heiligen Geistes täglich die Begierden seines Leibes unterdrückt und Gott und seinen Nächsten liebt, der bewahrt den Glauben und für ihn gilt: aus Glauben zu Glauben – aus dem Für-wahr-halten ist der tiefe, echte Glauben geworden. Durch die Taufe sind wir der Sünde abgestorben und in Christus. Aufgrund dieser zwei Verheißungen unterdrücken wir unseren sündigen Leib und lieben Gott und unseren Nächsten und so haben wir den wahren, echten, metaphysischen Glauben, der uns gerecht macht. Wenn wir in der Kraft des Opfers Jesu unser Leben bessern, dann ist dieses Opfer Jesu auch ein Sühneopfer zur Vergebung unserer Sünden (vergangene und zukünftige).

Anmerkung:

Warum spricht Jesus in seiner Predigt über das Brot des Lebens so wenig von Sünde, Schuld, Gerechtigkeit, Vergebung, usw.? Wie sollten die Leute eigentlich begreifen, worum es ging, wenn Jesus immer wieder nur wiederholte: „Ich bin das Brot des Lebens“?

Wir müssen uns immer wieder in Erinnerung rufen, daß ja viele Israeliten die Predigt von Johannes dem Täufer kannten. Johannes war eine Art Moralapostel, er verlangte von den Menschen wirkliche Besserung, wobei er aber sogar noch mehr als ein Moralapostel war, indem er den Menschen sagte, sie sollten an den glauben, der nach ihm kommen würde, an Jesus. Aus dieser Predigt des Johannes hätten die Leute, auch unsere Brotsucher, eigentlich schlußfolgern sollen und können, daß Jesus irgendetwas mit Besserung des persönlichen Lebens bzw. persönlicher Gerechtigkeit zu tun hat und diese dem Menschen geben konnte. Aber offensichtlich gab es in Israel nur wenige, die der Vater zog, bzw. es waren viele nicht bereit den persönlichen Vorteil zu opfern um der Gerechtigkeit willen. Was Jesus eigentlich wollte, wenn wir mal beim Thema Brot bleiben, ist, daß die Menschen nicht Brot bei ihm suchten, sondern die Kraft der Liebe, die sie befähigte ihr Brot mit bedürftigen Mitmenschen zu teilen. Aber anscheinend war das für viele Zuhörer der Brot-des-Lebens-Predigt schon zu viel verlangt.

Lukasevangelium 3, Verse 7-15:

Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? 8 Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. 9 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 10 Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun? 11 Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso. 12 Es kamen auch die Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun? 13 Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! 14 Da fragten ihn auch die Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt oder Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold!

Interessant, daß die Leute Johannes fragten: „Was sollen wir denn tun?“ Johannes antwortet und ruft zur praktischen Nächstenliebe und Gerechtigkeit auf. Jesus hatte auf die Frage „Was sollen wir denn tun?“ geantwortet, es sei das Werk Gottes, daß sie an ihn glaubten. Wie reimt sich das zusammen? Das ist genau das, was Bonhoeffer gesagt hat, daß Glaube nur im Gehorsam und Gehorsam nur im Glauben existiert. Wenn also Sie, lieber Leser, Gott um den Glauben gebeten haben, dann fangen Sie genau jetzt in dieser Sekunde(right now!) an Werke der Nächstenliebe zu tun und Gerechtigkeit zu üben. Und wenn Sie merken, wie schwer es ist, gerecht und liebevoll zu sein, dann denken Sie an Ihre Kindertaufe bzw. Säuglingstaufe, wo sie „vereinigt“ wurden mit dem Brot des Lebens, Jesus. Und so sind Sie durchgedrungen zur neuen Geburt aus Wasser und Geist. In der Kraft des Todes und der Auferstehung Jesu, die Sie bei der Taufe empfangen haben, können Sie dennoch lieben und gerecht sein, trotz Ihres natürlichen Wesens, das bedauerlicherweise sündhaft und selbstsüchtig ist.

Übrigens, lieber Leser, gehen Sie nicht am Sonntag in die Kirche und bitten Gott um Hilfe bei Krankheiten, Arbeitslosigkeit, geschäftlichen Verlusten, etc., wenn Sie nicht bereit sind, Ihrem Nächsten, der in Not ist, zu helfen. In diesem Fall gehörten Sie zu den Brotsuchern, die Jesus nicht verstanden hatten bzw. Ihn als Brotmacher, das heißt Befriediger ihrer selbstsüchtigen Gier, missbrauchen wollten. Wenn Sie dagegen Ihren Nächsten lieben in der Kraft, die Jesus darreicht, dann können Sie am Sonntag in die Kirche gehen und Gott bitten, daß er auch Ihnen helfe in Ihren Nöten.

Tiberias:

Offensichtlich war die Stadt nach dem damaligen römischen Kaiser Tiberius benannt und so mußte sie auch die wichtigste Stadt Galiläas sein und der Regierungssitz des Königs Herodes sein. Herodes hatte in all seiner Raserei und neben all dem Bösen, was er sonst noch tat, auch unseren lieben Johannes (der Täufer) getötet, der das Volk auf Jesus hinwies. Dies war ein direkter Angriff auf Gott und Gottes Werk in Israel. Aber wie reagiert Gott? Jesus vollbringt das Wunder der Speisung der Fünftausend. Er sagt damit förmlich zu Herodes: „Du kannst mich mal!“ Herodes hatte Gott zur Eingangstür hinausgestoßen, indem er Johannes tötete, aber in der Person Jesu kam er gleich zur Hintertür wieder herein. Was nun, Herodes?

 

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