Jesus und die Juden

Johannesevangelium, Kap. 7, Verse 40-52

(Fortsetzung von Jesus und das Laubhüttenfest)

Vorbemerkung: Im deutschen Sprachgebrauch versteht man unter dem Wort „Jude“ sowohl Anhänger der jüdischen Religion als auch Menschen, die einer bestimmten Rasse angehören (ein Jude der Rasse nach ist ein Nachkomme des Partriarchen Jakob, der der Urvater Israels ist; ein Jude der Rasse nach kann auch als Israeli bezeichnet werden). Im Johannesvangelium jedoch bedeutet das Wort Jude: jüdischer Führer (Pharisäer und Schriftgelehrte, Hohenpriester, Älteste, Priester, Leviten oder, kurz gesagt, jüdisches Establishment). Das Wort Jude wird im Johannesevangelium polemisch gebraucht, was aber nichts mit Rassenhass zu tun hat (der Autor des Johannesvangeliums Johannes war ja selbst rassischer Jude). Es war vielmehr so, daß die Juden (Pharisäer, Schriftgelehrte, Hohenpriester, etc.) Jesus gegenüber feindselig waren. Die Feindschaft ging also nicht von Jesus aus, sondern von den Juden selbst.

Natürlich ist/war ein Anhänger der jüdischen Religion meistens auch ein rassischer Jude, trotzdem hat die Polemik des Johannesevangeliums nichts mit Rassenhass oder Antisemitismus zu tun, sondern rührt vom falschen Glaubensverständnis der Juden her.

Diejenigen, die wir heute als (gewöhnliche) Juden bezeichnen würden (egal ob damit die Religion oder die Rasse gemeint ist) werden im Johannesevangelium „Viele, Solche oder Einige aus dem Volk“ genannt. Johannes unterscheidet also zwischen einfachen Juden, die aus dem Volke, die keine leitenden Funktionen innerhalb  der jüdischen Religion hatten und Juden der Führungsschicht, die er einfach „die Juden“ nennt. Erstaunlich ist, daß viele gewöhnliche Juden zum Glauben an Jesus fanden, wenn auch nicht alle. Absolut verstockt oder halsstarrig waren eigentlich nur die jüdischen Führer und selbst da gab es Ausnahmen (Nikodemus, Paulus). Wir müssen uns als verabschieden von der Denke, Juden seien so oder so vom Glauben ausgeschlossen, das ist nicht richtig. Es waren nur die religiösen Fanatiker unter den Juden, die nahezu zu hundert Prozent halsstarrig waren.

Zwiespalt im Volk

40 Einige nun aus dem Volk, die diese Worte hörten, sprachen: Dieser ist wahrhaftig der Prophet. 41 Andere sprachen: Er ist der Christus. Wieder andere sprachen: Soll der Christus aus Galiläa kommen? 42 Sagt nicht die Schrift: Aus dem Geschlecht Davids und aus dem Ort Bethlehem, wo David war, soll der Christus kommen?43 So entstand seinetwegen Zwietracht im Volk. 44 Es wollten aber einige ihn ergreifen; aber niemand legte Hand an ihn. 45 Die Knechte kamen zu den Hohenpriestern und Pharisäern; und die fragten sie: Warum habt ihr ihn nicht gebracht? 46 Die Knechte antworteten: Noch nie hat ein Mensch so geredet wie dieser 47 Da antworteten ihnen die Pharisäer: Habt ihr euch auch verführen lassen? 48 Glaubt denn einer von den Oberen oder Pharisäern an ihn 49 Nur das Volk tut’s, das nichts vom Gesetz weiß; verflucht ist es. 50 Spricht zu ihnen Nikodemus, der vormals zu ihm gekommen war und der einer von ihnen war: 51 Richtet denn unser Gesetz einen Menschen, ehe man ihn verhört und erkannt hat, was er tut 52 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Bist du auch ein Galiläer? Forsche und sieh: Aus Galiläa steht kein Prophet auf.
 
In dem Artikel „Jesus und das Laubhüttenfest“ war schon von solchen (aus dem Volk) die Rede, die beeindruckt waren davon, daß Jesus im Tempel frei sprechen konnte und vermuteten von daher, ihre Führer würden ihn vielleicht als Christus erkannt haben. Sie beschwichtigten sich aber dann selbst damit, daß ja beim „wahren Christus“ niemand wissen würde, wo er herkäme (von Jesus wußte man ja, daß er aus Galiläa kam). Diese Leute waren extrem säkular, denn sie kannten nicht einmal die Prophezeiung aus Micha, daß der Christus in Bethlehem geboren werden würde.
 
Hier haben wir es mit Leuten zu tun, die zwar wissen, daß der Christus aus Bethlehem kommen sollte; sie sind aber so teuflisch dumm, daß sie Jesus nicht fragen, wo er geboren worden sei. Jesus hätte ihnen geantwortet, daß er in Bethlehem geboren wurde und in Nazareth aufwuchs.
 
Weiter hören wir hier von Leuten, wie schon im Artikel „Jesus und das Laubhüttenfest“, die einfach an Jesus glaubten, wegen seiner Zeichen und Wunder. Einige aus dem Volk hielten es also mit den religiösen Führern, andere aber hielten Jesus für den Christus, so war das Volk gespalten.  Auch Paulus erlebte ähnliches auf seinen Missionsreisen, daß etliche Juden sich verstockten, daß es aber auch Juden gab, die zum Christentum konvertierten. Es waren wahrscheinlich nicht wenige gewöhnliche Juden aus dem Volk, die Jesus für den Christus hielten. Die jüdischen Führer hätten Jesus ja gerne festgenommen, konnten es aber nicht, weil sie einen Aufstand des Volkes befürchten mußten, das heißt das ein signifikanter Anteil des Volkes glaubte, Jesus sei der Christus.
 
Lukasevangelium 19, 47-48 Und er lehrte täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten und die Angesehensten des Volkes trachteten danach, dass sie ihn umbrächten, und fanden nicht, wie sie es machen sollten; denn das ganze Volk hing ihm an und hörte ihn.
 
Nikodemus schlägt die genau richtige Verhaltensweise vor, nämlich persönlich mit Jesus zu reden. Aber selbst die gebildeten Pharisäer und Hohenpriester sind so dämonisch dumm, daß sie einfach erwidern, Jesus käme aus Galiläa und somit könne er nicht der Christus sein. Die Knechte der Hohenpriester und Pharisäer nahmen Jesus natürlich nicht deshalb nicht fest, weil sie an ihn glaubten (noch nie hat ein Mensch so geredet wie dieser), sondern weil sie Angst hatten, vom Volk angegriffen zu werden, falls sie Jesus fest genommen hätten, denn viele aus dem Volk liebten Jesus.
 
Im ganzen Kapitel 7 sehen wir, wie Jesus nicht mit Stellen aus dem Alten Testament argumentiert, um seine Gottessohnschaft zu beweisen, sondern er verlangt von den Juden, daß sie ihm einfach so glaubten. War das nicht unvernünftig von Jesus? Es wäre tatsächlich unvernünftig gewesen, wenn Jesus nur ein einfacher Mensch gewesen wäre oder nur ein einfacher Christ. Jesus war allerdings der fleischgewordene Sohn Gottes, das heißt als Jesus mit den Juden sprach waren sie in der Gegenwart Gottes.
 
Es war nicht etwa so, daß sie sein Worte nur akkustisch vernahmen, also blanke Information empfingen, sondern Gott, der Vater, wirkte auch. Das Reden Jesu war sakral, es kann nicht mit dem Reden irgendeines sonstigen Menschen verglichen werden. Durch Jesus sprach tatsächlich der unsichtbare Gott persönlich und wenn Jesus sagte, er rede nicht aus sich selbst, so war das keine Floskel, sondern ernst gemeint. Die Juden sperrten sich also bewußt gegen Gottes Wirken.
 
Hypothese:
 
Freikirchen (Christliche Gemeinden, Die Versammlung, Baptisten, Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde, Freie Evangelische Gemeinde, etc.) bevorzugen ganz besonders das Johannesevangelium. Das Johannesevangelium ist aber ganz offensichtlich die Dokumentation einer langwierigen Auseinandersetzung zwischen Jesus und den Juden. Sachlich gesehen, ist es also ziemlich fragwürdig, das Johannesevangelium direkt auf Menschen aus den Heiden anzuwenden (man kann das Johannesevang. dann auf Heiden anwenden, wenn man die sakralen Predigten Jesu darin auf die heutige sakramentale Taufe überträgt/transformiert, die im Glauben empfangen wird), denn es enthält scharfe Streitgespräche zwischen Jesus und Juden. Und man muß sich immer vergegenwärtigen, daß hier Jesus selbst sprach und nicht ein einfacher Christ. Als Jesus mit den Juden sprach, war Gott tatsächlich gegegwärtig und wirkte; das Ganze war sakral. Letztendlich kann solch sakrales Reden Jesu heute nur durch die sakramentale Taufe nachgeahmt werden, wo auch Gott gegenwärtig ist. Natürlich soll der Täufling vor der Taufe über das Evangelium unterrichtet worden sein und es soweit für wahr halten; auch soll er jemand sein, der sich von Jesus Erlösung erhofft. Aber die Wirkung der Taufe geht weit über die Wirkung der blanken Information „Jesus starb für dich“ hinaus. Durch die Taufe wird der Täufling metaphysisch mit dem Tod und der Auferstehung Jesu verbunden, sodaß er fähig wird, die Begierden seines Leibes zu unterdrücken und Gott und seinen Nächsten zu lieben; das ist der wahre Glaube. Den wahren, metaphysischen Glauben, der weit über ein Für-wahr-halten des Evangeliums hinausgeht, kann nur Gott wirken. Dieser Gott ist gegenwärtig bei der sakramentalen Taufe. Auch die sakramentale Säuglingstaufe ist gültig und darf nicht wiederholt werden. Auch Säuglinge können schon glauben (bei Fragen bitte Kommentar hinterlassen). Die Freikirchen sollten also nicht allzu stolz sein auf ihre große Bibelkenntnis, denn wenn sie eine Ahnung von der Bibel hätten, dann würden sie das Johannesevangelium nicht so überbetonen. Sind wir Juden oder Heiden? Da die Freikirchen wiedertaufen, gehören sie sowieso nicht zur weltweiten, allgemeinen Christlichen Kirche.
 
Jesus sagte „wie in einem fiebrigen Wahn“ ständig zu den Juden: „Glaubet an mich, der Vater hat mich gesandt!“ Die Juden bedurften eben dringend der neuen Geburt aus Wasser und Geist. Solange sie nicht ins Reich Gottes eingegangen waren durch die neue Geburt, brauchte ihnen Jesus auch nicht Dinge wie die Bergpredigt an den Kopf zu werfen, denn die Bergpredigt ist für solche bestimmt, die durch den Glauben an Jesus bereits den Stand des Heils erlangt haben. Die Bergpredigt ist eine Sammlung von Verhaltensweisen für Jünger Jesu. Durch das Beachten dieser Verhaltensweisen erlangt man nicht das Heil, sondern bewahrt es.
 
Die Bergpredigt (siehe Auslegung Bergpredigt)  ist selbstveständlich auch relevant für uns Heidenchristen. Natürlich waren die Jünger, denen die Bergpredigt gehalten wurde, gläubiggewordene Juden, aber zwischen einem gläubiggewordenen Juden und einem gläubiggewordenen Heiden ist praktisch kein Unterschied mehr, sodaß diese Predigt auch für uns relevant ist. Warum haben eigentlich die Freikirchen so eine Abneigung gegen die Bergpredigt? Sind sie wirklich Jünger, sind sie wirklich im seligen Stand des Heils? Die Freikirchen reißen Verse aus dem Johannesevangelium heraus, um damit ihre vermeintliche Heilsgewißheit zu untermauern, wenn sie aber wahre Christen wären, dann würden sie Jesu Anweisungen aus der Bergpredigt befolgen. Nur wer Jesu Anweisungen aus der Bergpredigt befolgt, der baut sein Haus auf den Felsen.
 
Ende Hypothese.
 
Wie wird man ein Jünger Jesu? Durch die neue Geburt aus Wasser und Geist, die sakramentale Taufe, die im Glauben empfangen wird oder derer man sich im Glauben erinnert, falls man schon als Kind getauft wurde. Gott ist gegenwärtig in der sakramentalen Taufe, genauso wie er gegenwärtig war, als Jesus mit den Juden vom Glauben sprach, wovon wir im Johannesevangelium lesen können.
 
 
 
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