Abraham und sein Glaube

Abraham wohnte zunächst im Land Chaldäa bzw. Mesopotamien (1. Mose 11, 27-32), dem Lande Nimrods. Nimrod wollte einst eine gewaltige Stadt (Babylon) mit einem gewaltigen Turm bauen, das heißt er war gierig nach Macht, Ehre und Reichtum. Gott aber setzte dem Ehrgeiz Nimrods Grenzen (Sprachverwirrung; 1. Mose 11, 1-9), doch hat er die Kultur Chaldäas entscheidend negativ geprägt. Zur Zeit Abrahams, als Abraham schon in Kanaan (Palästina) wohnte, wurden fünf kanaanitische Könige von mehreren mesopotamischen Königen angegriffen, nur weil sie ihnen nicht untertan sein wollten. Offensichtlich herrschte auch zur Zeit Abrahams immer noch die „Kultur“ Nimrods in Mesopotamien. In Mesopotamien galt das Recht des Stärkeren – der Brutalste setzte sich durch. Die Mesopotamier waren eigentlich Nachkommen Sems, der gottesfürchtig war wie auch Abraham. Sie bewahrten jedoch nicht den Glauben Sems, sondern ließen sich von Nimrod zum Abfall verführen.

Ganz anders als seine semitischen Stammverwandten verhält sich Abraham. Er fällt nicht als Kriegsherr in Kanaan ein, wie die oben erwähnten Könige, sondern kommt dorthin als harmloser Viehzüchter. Abraham repräsentiert nicht Brutalität und Herrschsucht, sondern Sanftmut und Demut, die Früchte seines Glaubens waren.

Abraham hatte wohl die Fähigkeiten eines großen Kriegsherrn, was wir daran sehen, wie er seinen Neffen Lot aus der Gewalt der oben genannten mesopotamischen Könige befreit. Vielleicht war Abraham eine Art „Landsknecht“ gewesen, als er noch in Chaldäa wohnte. Spätestens nachdem Gott Abraham berufen hatte (1. Mose 12, 1-3), wollte er aber nicht mehr als Soldat arbeiten. Er ergriff den Beruf des Viehhirten. Sicher vergossen die Chaldäer und auch die Kanaaniter viel unschuldiges Blut, und das konnte Abraham keinesfalls mitmachen, nachdem er unter den Ruf Gottes gekommen war.

Sicher stand Abrahm immer das Gebot vor Augen, welches Gott schon dem Noah gegeben hatte, 1. Mose 9, 5-7:

Auch will ich euer eigen Blut, das ist das Leben eines jeden unter euch, rächen und will es von allen Tieren fordern und will des Menschen Leben fordern von einem jeden Menschen. 6 Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch durch Menschen vergossen werden; denn Gott hat den Menschen zu seinem Bilde gemacht. 7 Seid fruchtbar und mehret euch und reget euch auf Erden, dass euer viel darauf werden.

Falls Abraham in Chaldäa als Soldat gearbeitet hat, dann hat ihn vielleicht eines Tages dieses Gebot Gottes getroffen und er wurde sich seiner Schuld vor Gott bewußt.

Jedenfalls änderte sich Abraham durch den Ruf Gottes total. Gott stellte Abraham später ein sehr gutes Zeugnis aus, 1. Mose 26, 4-5:

Und durch dein Geschlecht sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden, 5 weil Abraham meiner Stimme gehorsam gewesen ist und gehalten hat meine Rechte, meine Gebote, meine Weisungen und mein Gesetz.

Abraham’s Glaube war verbunden mit praktischer Rechtschaffenheit – es ist kein Zufall, daß Abraham noch heute bekannt ist als ein Gerechter unter den Völkern. Nicht nur Gott stellt Abraham ein sehr gutes Zeugnis aus, sondern sogar die ganze Menschheit. Außer Jesus hat wahrscheinlich kein Mensch jemals größere Verehrung durch die Menschheit erfahren als Abraham.

Natürlich kannte Abraham das „Urevangelium“, das schon im Alten Testament zu finden ist. Er kannte die Geschichten von Abel, der Lämmer opferte (ein Vorbild auf das Opferlamm Jesus), Noah, der Altäre baute, um darauf zu opfern und die Geschichte von der Arche und der Flut (die Arche ist ein Vorbild auf die Taufe). Sicher verstand Abraham, daß auch er ein „Transportmittel“ wie die Arche brauchte, um vom Alten zum Neuen zu kommen. In Abraham’s Fall war das Gottes Ruf, von Chaldäa nach Kanaan auszuwandern. Der Druck des antigöttlichen Regimes in Chaldäa muß untragbar gewesen sein. Wahrscheinlich hätte Abraham als gottesfürchtiger in Chaldäa gar nicht leben können.

Immer wieder entfloh Abraham, als er noch in Chaldäa war, dem Lärm und geschäftigen Treiben Chaldäas. Er nahm sich Zeit zur Kontemplation:

Gott hatte Noah und seine Verwandten durch die Arche aus der alten, sündigen Gesellschaft gerettet und die alte Welt ging in der Sintflut unter. Gott hatte danach geschworen keine neue Sintflut mehr kommen zu lassen. Die Gesellschaft war aber mittlerweile, zur Zeit Abrahams, schon wieder sehr verderbt. Wie konnte Gott ihn da herausretten, ohne Arche und Sintflut? Gott offenbarte Abraham, er würde ihm ein eigenes Land geben und ihn zu einem großen Volk machen.

Abraham wußte, daß Sarah unfruchtbar war, aber darauf schaute er nicht, sondern auf das, was Gott ihm geoffenbart hatte; und er machte sich auf und zog nach Kanaan. Der Zug Abrahams nach Kanaan war gleichbedeutend mit dem Gehen Noahs in die Arche. Heute würde es bedeuten, daß jemand, der das Evangelium für wahr hält, sich taufen läßt (aber keine Wiedertaufe!) oder sich seiner Kindertaufe erinnert. Abel, Noah und Abraham wußten, daß sie ein Opferlamm zur Erlösung und Vergebung ihrer Sünden brauchten; sie wußten aber auch daß allein dieses Wissen ihnen noch keine Kraft gab, sondern daß Gott sie sakral berühren mußte.

Abraham wollte nicht reich werden im Krämerland Chaldäa, sondern er zog es vor Ungemach zu leiden als einfacher Wanderhirte (Nomade) und dabei seine Gottesfurcht zu bewahren. Sicher missbrauchten die Chaldäer ihre militärische Macht, um andere Völker auszubeuten –  dies aber hätte Abraham mit seinem (erneuerten) Gewissen nicht vereinbaren können.

Es war nicht so, daß Abraham Gottes Verheißung einfach nur für wahr halten mußte („glauben„) und sofort alles erfüllt wurde, sondern Abraham mußte den Glauben über lange, lange, lange Zeit bewahren. Abraham’s Glaube war nicht vorübergehender Natur (mehr als eine verstandesmäßige Bejahung), sondern fest eingepflanzt durch eine göttliche Handlung an Abraham. Dies geschah wahrscheinlich zu dem Zeitpunkt, als Gott zum ersten Mal zu ihm sprach und ihn aus Chaldäa herausrief (1. Mose 12, 1-3). Dieser Ruf war sakral, denn Gott war es, der rief. Abraham empfing Kraft von oben, er wurde fähig zu glauben in einem tieferen Sinne. Ein Wort Gottes hatte Neues geschaffen.

Abraham mußte seine Existenz in Chaldäa abbrechen und nach Kanaan ziehen. Dies würde heute der Taufe entsprechen. Der Ort in Raum und Zeit, wo wir geduldig auf die Erfüllung der Verheißungen Gottes warten (glauben), ist die christliche Kirche. In die Kirche gelangen wir durch Glaube und Taufe.

Obwohl Abraham der Verheißung Gottes glaubte, er würde ihm ein eigenes Land geben und ihn zu einem großen Volk machen, mußte Abraham zunächst als Nomade ohne Landbesitz in Kanaan leben und hatte zunächst auch keine Kinder. Der landlose Abraham konnte froh sein, daß er sich im Hain Mamres, des Amoriters, aufhalten durfte. Abraham war tatsächlich ein „Abraham ohne Land“.

Abraham’s Glaube war praktisch ein „Glauben halten oder bewahren“. Bis zu seinem hundertsten (100.) Lebensjahr traf nichts ein von all dem, was Gott ihm verheißen hatte – solange mußte Abraham geduldig auf die Erfüllung der Verheißung hoffen, die Hoffnung nicht aufgeben. Abraham hatte die Verheißung vor seinem 75.  Lebenjahr erhalten – er mußte also mehr als 25 Jahre warten bis ihm Isaak geboren wurde.

Als Gott Abraham zum ersten Mal rief (1. Mose 12, 1-3), pflanzte Gott ihm den Glauben ein. Abraham’s Glaube war somit sakral, Gott hatte an ihm gehandelt, an ihm etwas getan.

Alles was Abraham danach tat, tat er in der Kraft dieses Rufes, durch Gottes Kraft. Die Entsprechung dazu heute wäre die sakramentale Taufe (einschließlich Säuglingstaufe), die ihre Wirksamkeit entfaltet, sobald jemand glaubt, daß Jesus für ihn starb und auferstand und daß er mit der befreienden Kraft des Todes und der Auferstehung Jesu durch die Taufe verbunden ist. Abel, Noah und Abraham hatten sicher schon eine leise Ahnung, daß Gott eines Tages einen Erlöser schicken würde und daß sie einen solchen auch persönlich brauchten. Das Opfern der Tiere war nur sinnvoll im Hinblick und Vorausschau auf den zukünftigen Erlöser, das wahre Lamm Gottes, Jesus.

Aber die Kraft zu einem gottseligen Leben empfingen sie nicht durch dieses Wissen vom Lamm Gottes, sondern als Gott ihnen begegnete, sie ansprach und in seine Nachfolge rief. Nur Gott selbst kann uns die erlösende Kraft des Lammes Gottes zueignen; unser Verstand allein ist zu schwach, es zu erfassen. Wenn Gott einen Menschen anspricht, ist damit eine Kraftwirkung verbunden. Gottes Worte sind mehr als bloße Information, sondern sie haben verändernde Kraft. Kein Mensch, kein Christ kann solche Worte sprechen, sondern dies geschieht heute durch die sakramentale Taufe, die Christus eingesetzt hat. Da sterben wir der Sünde ab und auferstehen mit Jesus zu einem neuen Leben.

Wenn man das Leben Abrahams verfolgt (1. Mose 12 bis 25), merkt man, daß sein Glaube lebendig war, ein durch die Liebe tätiger Glaube. Mehrmals kam es zu Situationen in seinem Leben, wo offenbar werden sollte, daß er wirklich Glauben hatte und welcher Natur sein Glaube war.

1. Mose 12, 1-3

Gott ruft Abraham heraus und Abraham empfängt den Glauben

1. Mose 12, 4-9

Abraham ist gehorsam, kommt nach Kanaan; Gott gibt ihm Zeugnis: „Deinen Nachkommen will ich das Land geben.“

1. Mose 13

Abraham’s Glaube wird offenbar in seiner Liebe zu seinem Neffen Lot; Abraham achtet den Willen Lots höher als seinen Willen und läßt ihm die freie Wahl, welchen Teil des Landes er haben möchte; Gott gibt erneut Zeugnis für Abraham (Verse 14-18)

1. Mose 14-15

Lot wird von mesopotamischen Königen entführt; Abraham setzt sein Leben aufs Spiel und befreit Lot aus der Gewalt der Mesopotamier; Gott gibt wiederum Zeugnis für Abraham und bestätigt die Verheißung (1. Mose 15, 1-6)

1. Mose 16-17

Abraham nimmt liebevoll seine Frau Sarah vor der Magd Hagar in Schutz. Gott gibt wiederum Zeugnis für Abraham.

1. Mose 17-18

Abraham ist gehorsam und beschneidet sich und sein ganzes Haus; Gott erscheint ihm daraufhin, wird sichtbar als der dreieinige Gott und kündigt die unmittelbar  bevorstehende Geburt Isaaks an, den Beginn der Erfüllung der Verheißung aus Abraham ein Volk zu machen.

1. Mose 22

Abraham stellt die Gottesfurcht, die Liebe zu Gott,  über alles; Gott gibt Zeugnis und schwört bei sich selbst, aus Abraham ein Volk zu machen und ihm das verheißene Land zu geben.

Es wird ganz deutlich, daß Abraham keiner war, der auf Gnade hin sündigte, sondern im Gegenteil Abraham übte Liebe; Abraham hatte den durch die Liebe tätigen Glauben.

Abraham wäre nie auf die Idee gekommen sich selber das Heil zuzusprechen (vermeintliche Heilsgewißheit), sondern indem er seinen  Glauben durch Liebe praktizierte, bestätigte Gott Abraham’s Heil immer mehr. Gott sprach Abraham immer mehr das Heil zu, da Abraham den Glauben bewahrte, den Glauben hielt.

Moderne „Christen“ nehmen gerne einen Bibelvers, z. B. Joh. 3, 16, und sprechen sich selbst damit das Heil zu. Vielleicht gehen sie sogar soweit, ihren Nächsten (Arbeitskollege, Nachbar, Verwandter, Mitglied der gleichen Kirche, etc.) zu vernachlässigen, der in Not ist, mit der Begründung, ihr Heil oder Errettung wäre ja von ihren Werken unabhängig und Gott hätte ihnen z. B. durch Joh. 3, 16 die Heilsgewißheit gegeben.  So hat Abraham nicht gedacht. Abraham war sich zwar auch seines Rufes bewußt (1. Mose 12, 1-3), aber eben aufgrund dieses Rufes übte er Liebe an seinen Nächsten und war Gott gehorsam. Abraham hätte niemals sich selbst das Heil zugesprochen. Je länger und mehr Abraham so an seinem Glauben festhielt, desto mehr gab Gott ihm dann Zeugnis, daß er Wohlgefallen an ihm habe. Gott sprach Abraham das Heil zu!

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