Gott, der Spielverderber – oder die Sünde?

Im Folgenden möchte ich einige Dinge aussprechen, die eigentlich Selbstverständlichkeiten (bei Selbstverständlichkeiten geht man davon aus, daß sie jeder weiß; daß sie geistiges Allgemeingut sind) sein sollten. Es gibt mindestens zwei Gründe, warum einer über eine bestimmte Sache nicht spricht oder warum sie ein Autor in seinem Buch nicht erwähnt: Entweder die Sache ist selbstverständlich, man impliziert, daß es sowieso jeder weiß oder genau das Gegenteil ist der Fall, daß die Sache völlig untergegangen ist, sodaß selbst ein beflissener Redner oder ein hochkarätiger Autor nicht mehr davon weiß. Es wäre verhängnisvoll davon auszugehen, daß eine Sache nicht erwähnt wird, weil sie selbstverständlich ist, wenn sie in Wirklichkeit deswegen nicht mehr erwähnt wird, weil sie keiner mehr weiß.

Es sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, daß man weiß, was Sünde ist (bitte bleiben Sie weiter auf meiner Website, trotz des Anstoßes, den dieses Wort bei Ihnen vielleicht jetzt erregt).

Ich bin mir aber nicht sicher, daß es heute noch Allgemeinwissen ist, worum es bei Sünde überhaupt geht.

Ich vermute, wenn heute ein moderner Mensch das Wort Sünde hört, dann erwartet er nichts anderes als den stürmischen Frontalangriff eines fanatischen Sektierers. In 99,999% aller Fälle wird das auch so sein. Es spielt das Wort Sünde aber auch eine Rolle bei der legitimen Christlichen Kirche, die um das Seelenheil aller Menschen bekümmert ist.

Das Kernproblem ist sicherlich, daß etliche meinen, Sünde sei erst dann da, wenn ein Gebot da sei und dieses gebrochen würde. Das Wort Sünde wird als etwas äußerst belastendes empfunden; es stört unser Wohlbefinden auf das Äußerste. „Anscheinend hat Gott die Gebote nur deshalb gegeben, um uns unglücklich zu machen, denn wenn keine Gebote da wären, könnten wir sie auch nicht brechen. Folglich gäbe es keine Sünde und die Menschheit wäre glücklich.“

Dies ist ein schweres, fast tödliches Missverständnis.

Sünde existiert, auch wenn keine Gebote da sind.

Angenommen, Gott hätte uns nie Gebote (z. B. das Gesetz der Thora) gegeben, dann wäre trotzdem die Sünde da. Sünde ist nicht erst dann da, wenn man ein Gebot bricht, sondern schon dann, wenn man gegen die Liebe handelt bzw. lieblos oder egoistisch.

Das Grundprinzip des Universums ist Liebe. Unser Universum besteht in Gott, der die Liebe ist. Unsere Welt hängt in einem unsichtbaren „Geflecht“, das Liebe ist. Wenn auch alle Menschen dieser Welt mit diesem Gott freiwillig in Einklang wären und sich gegenseitig lieben (nicht erotisch) würden, dann hätten wir völlige Harmonie auf Erden. Leider ist es so, daß wir uns häufig hassen oder sogar Böses antun. Nicht nur unser Nächster spürt, wenn wir an ihm sündigen, ihm Böses antun, gegen die Liebe handeln, sondern auch Gott selbst, „in dem wir leben und weben“.

Apg. 17, 28 Denn in ihm (Gott) leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.

Hiob 34, 14-15 Wenn er (Gott) nur an sich dächte, seinen Geist und Odem an sich zöge, 15 so würde alles Fleisch miteinander vergehen, und der Mensch würde wieder zu Staub werden.

Herbräerbrief 1, 3 Er (Jesus) ist der Abglanz seiner (Gottes) Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe.

In unserem Körper wirken viele Organe zusammen. Jedes Organ dient dem Gesamtkörper, aber die Organe dienen sich auch gegenseitig. Angenommen, ein Organ würde plötzlich viel mehr Nährstoffe verbrauchen als im Gleichgewichtszustand, dann würde das der Gesamtkörper spüren und auch die anderen einzelnen Organe. Gelegentlich nennen wir so etwas Krebs. Ein Organ fängt plötzlich an zu wuchern, es zieht nur noch Nährstoffe, aber erzeugt keine mehr. Das Organ ist egoistisch geworden, es handelt lieblos an seinen Mitorganen und am Gesamtkörper mit seinem Haupt. Keiner findet heute etwas dabei, wenn solch ein Krebsgeschwür herausgeschnitten, das heißt vernichtet wird. Sünder sollten also Gott dankbar sein, daß er Sünder nicht so schnell vernichtet, wie Chirurgen Krebsgeschwüre.

Angenommen, unser Magen würde ein Magengeschwür bilden, dann wäre das für uns schlecht und schmerzhaft, auch wenn es kein Gebot gibt, das dem Magen verbietet: „Du sollst nicht ein Geschwür bilden!“

Fehlverhalten erregt also Missfallen, Unglück, Schaden, Unbehagen, Unwohlsein, etc., auch wenn kein Gebot da ist, das das Fehlverhalten verbietet.

Abraham lebt mehrere Jahrhunderte vor Mose. Das Gesetz des Mose (= Gesetz der Thora) war Abraham und seinen Mitmenschen völlig unbekannt. Es konnte durchaus vorkommen, daß ein Kanaaniter Abraham ein paar Schafe stahl (Abraham war Viehzüchter und lebte in Kanaan, heute Palästina). Eines ist sicher, daß diese Handlung Abraham sehr unangenehm war, denn er erlitt einen Schaden. Also, auch ohne daß „Gott, der Spielverderber“ ein Gebot gegeben hatte, war doch etwas Unangenehmes geschehen. Es kann aber sein, daß der Dieb sich bei Sache noch ganz wohlfühlte aus irgendwelchen Gründen. Ein hinzukommendes Gebot „Du sollst nicht stehlen!“ hätte also dann das Wohlbefinden des Diebes beeinträchtigt, aber Abraham und andere geschützt. Sicherlich hätte der Dieb eine Neigung verspürt, Gott als Spielverderber zu bezeichnen, aber in Wirklichkeit war der Dieb selbst der Spielverderber (die Leute, vor denen wir uns also am meisten in Acht nehmen müssen, sind die, die Gott anklagen).

Gab es aber auch ohne Anwesenheit eines Gesetzes irgendwelchen Konsequenzen für den Dieb?

Römerbrief 5, 12-14  Deshalb, wie durch „einen“ Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben. 13 Denn die Sünde war wohl in der Welt, ehe das Gesetz kam; aber wo kein Gesetz ist, da wird Sünde nicht angerechnet. 14 Dennoch herrschte der Tod von Adam an bis Mose auch über die, die nicht gesündigt hatten durch die gleiche Übertretung wie Adam, welcher ist ein Bild dessen, der kommen sollte.

Beachte: Solange kein Gesetz/Gebot da ist, kann Sünde zwar (juristisch) nicht angerechnet werden, aber sie bewirkt dennoch den Tod.

Wie kommt das, daß die Sünde den Tod bewirkt?

Wie schon gesagt, die Grundstruktur des Universums ist Liebe. Wenn wir also lieblos handeln bzw. sündigen, dann sägen wir den Ast ab, auf dem wir sitzen bzw. zerreißen das unsichtbare Netz (Gott), das uns hält. Unser Nächster, an dem wir sündigen, kann uns unsere Sünde nicht unmittelbar heimzahlen, Gott jedoch verhängt den Tod über uns in Form von Depressionen, Verzweiflung, Krankheit, Missgeschick, etc.

Wenn wir ein Krebsgeschwür haben, dann entfernen wir es durch die Hand eines Chirurgen. Nichts anderes tut Gott mit dem Sünder, nur nicht so schnell. Gott hat eine Zeit lang Geduld mit dem Sünder, ob er nicht etwa umkehre von seinen bösen und schlechten Wegen. Der Sünder aber, der niemals umkehrt, wird am Ende vernichtet. Depression, Verzweiflung, Krankheit, etc. könnten also dem Sünder anzeigen, in welche Richtung er sich bewegt, nämlich auf den Tod zu. Diese Dinge sind also ein verzögerter Tod, der im völligen Tod endet, wenn der Sünder nicht irgendwann umkehrt.

Schon immer haben sich Menschen an Tod, Krankheit, Depression, Verzweiflung, Unkraut auf dem Acker, Hitze und Frost, Naturkatastrophen gewöhnt. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier. Zu allen Zeiten gab es wahrscheinlich immer nur wenige Menschen, die einen Zusammenhang zwischen diesen Dingen und der Sünde herstellten. Dem wirkt Gott entgegen und zwar durch Gebote. Gott möchte verhindern, daß es in Vergessenheit gerät, daß es einen Zusammenhang gibt zwischen Sünde, Krankheit, Depression und Tod.

Zum Schutz der Opfer (siehe Abraham) der Sünde/des Sünders aber auch um die Sünde wirklich als Sünde erscheinen zu lassen, hat Gott das Gesetz/die Gebote gegeben.

Röm. 7, 7-13 Aber die Sünde erkannte ich nicht außer durchs Gesetz. Denn ich wusste nichts von der Begierde, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte (2.Mose 20,17): »Du sollst nicht begehren!« 8 Die Sünde aber nahm das Gebot zum Anlass und erregte in mir Begierden aller Art; denn ohne das Gesetz war die Sünde tot. 9 Ich lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, wurde die Sünde lebendig, 10 ich aber starb. Und so fand sich’s, dass das Gebot mir den Tod brachte, das doch zum Leben gegeben war. 11 Denn die Sünde nahm das Gebot zum Anlass und betrog mich und tötete mich durch das Gebot. 12 So ist also das Gesetz heilig, und das Gebot ist heilig, gerecht und gut. 13 Ist dann, was doch gut ist, mir zum Tod geworden? Das sei ferne! Sondern die Sünde, damit sie als Sünde sichtbar werde, hat mir durch das Gute den Tod gebracht, damit die Sünde überaus sündig werde durchs Gebot.

Das Gebot läßt uns also den Tod, der durch die Sünde auch ohne Gebot verursacht wird, noch viel mehr schmecken. Es kann uns dies aber zum Vorteil gereichen, wenn wir uns erziehen lassen – Gott, kein Spielverderber.

Gott will uns unser Leben mit den Geboten nicht (zumindest nicht für immer) sauer machen, sondern will uns zeigen, daß wir uns nicht im seligen Heilsstand der Liebe (Gott) befinden; wir sind nicht in Gott. In Gott wären wir frei von Depression, Verzweiflung, Unglück, Einsamkeit, etc. und dem ewigen Tod. Es wäre also klug, zu Gott zurückzukehren, in seine vertrauensvolle Gemeinschaft und Gegenwart. Gott selbst ist das Leben!

Wenn uns also die Gebote erst recht depressiv, verzweifelt, unglücklich, etc. gemacht haben, weil wir nicht anders als sie brechen konnten, dann brauchen wir Jesus:

Römerbrief 8, 1-4 So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. 2 Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. 3 Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: Er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch, 4 damit die Gerechtigkeit, vom Gesetz gefordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch leben, sondern nach dem Geist.

Wie kommen wir in Christus Jesus hinein, der uns hilft unser sündiges Fleisch zu überwinden und unsere Gemeinschaft mit Gott wiederherstellt und erhält?

Evangelium: Jesus trug unsere Sünden, als er am Kreuz für uns starb. Er ist auferstanden, um uns zu rechtfertigen.

Wenn wir das einfach glauben und sakramental getauft werden (wer schon als Kind getauft wurde, soll sich auf seine Kindertaufe beziehen, die gültig ist, und nicht wiedertaufen lassen), dann sind wir mit Jesus gestorben und mit ihm auferstanden. Durch die Taufe sind wir der Sünde abgestorben und in Christus. Diese zwei Heilstatsachen können wir nun täglich unserem sündigen Leib entgegenhalten, der immer so zwanghaft sündigen will. Unser Leib ist nach der Taufe genauso sündig wie vorher. Nur wenn wir es täglich neu in Anspruch nehmen, daß wir der Sünde abgestorben sind durch Jesu Opfer und die Taufe und in Christus sind durch Seine Auferstehung und die Taufe, dann können wir unsere alte, egoistische Natur überwinden. Durch den Glauben an Jesus üben wir Nächstenliebe und lieben auch Gott trotz unserer sündigen, alten Natur. Wenn wir im täglichen Glaubenskampf gegen unsere alte Natur feststellen, daß wir nicht sündlos werden können, dann wird uns Jesu Opfer am Kreuz auch sehr wertvoll (teure Gnade) als Sühneopfer für alle unsere Sünden. Wir dürfen erkennen, daß wir allein durch Glauben an die Gnade Gottes in Jesus gerettet werden.

Die 10 Gebote (bitte anklicken)

2. Mose 20, 1-17

(2. Mose ist das zweite Buch der 5 Mosebücher des Alten Testamentes, welches zu Paulus’ Zeiten die Heilige Schrift darstellte)

1 Und Gott redete (Gott war auf dem Berge Sinai erschienen und schrie vom Berg herunter Richtung des Volkes Israel, das sich am Fuß des Berges versammelt hatte) alle diese Worte:

(blaue Ziffern sind die Versnummern aus dem Bibeltext)

1. Gebot: 2 Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. 3 Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

2. Gebot: 4 Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis1 machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: 5 Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, 6 aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

3. Gebot: 7 Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

4. Gebot: 8 Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. 9 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. 10 Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. 11 Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.

5. Gebot: 12 Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.

6. Gebot: 13 Du sollst nicht töten.

7. Gebot: 14 Du sollst nicht ehebrechen.

8. Gebot: 15 Du sollst nicht stehlen.

9. Gebot: 16 Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

10. Gebot: 17 Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.

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