Basar-Ökonomie nach Hans-Werner Sinn

Dieser Artikel bezieht sich auf das Buch „Die Basar-Ökonomie“ von Prof. Dr. Hans Werner Sinn. An sich ist es nicht gut, wenn ein Laie über Dinge spricht, von denen er nichts versteht, aber Not kennt kein Gebot. Da eine große (psychische) Not das deutsche Volk heimsucht, muß ich so vermessen bzw. anmaßend sein, mich zu Dingen zu äußern, von denen ich eigentlich nichts verstehe. Wenn es irgendwo brennt und keine Feuerwehr ist verfügbar, dann muß jeder löschen, auch der dämlichste Laie.

Wenn Herr Sinn etwas zu einem volkswirtschaftlichen Thema sagt, dann ist es meistens stimmig in sich selbst, muß es ja auch sein, denn Herr Sinn ist Fachmann auf dem Gebiet der Volkswirtschaftslehre bzw. Ökonomie. Würde er zu oft etwas sagen, was fachlich unrichtig wäre, würde er schnell seinen guten Ruf und sein Ansehen verlieren.

Kann es dennoch sein, so frage ich, daß Herr Sinn doch nicht völlig zu unserer Aufklärung beiträgt? Theophanes Confessor, ein Geistlicher der byzantinischen Kirche und Geschichtsschreiber klagt immer wieder andere große Geschichtsschreiber, auf die er sich bezieht, dafür an, daß sie sehr wichtige Dinge einfach nicht erwähnen bzw. unterschlagen (natürlich muß man dahinter ein bestimmtes Kalkül vermuten). Was für Geschichtsschreibung gilt, kann man vielleicht verallgemeinern und auch auf Aussagen über Volkswirtschaft beziehen, wobei sicherlich folgende Regel gilt:

„Je bedeutender ein Gelehrter der Geschichte bzw. der Ökonomie ist, desto mehr wird das, was er sagt und schreibt, stimmig in sich selbst sein. Man wird aber umso mehr darauf achten müssen, was er nicht sagt (stillschweigend übergeht).“

Das eigentlich Interessante an Sinn’s Buch ist also nicht, was er schreibt, sondern was er nicht schreibt bzw. was er nicht kritisiert, sondern als gegeben und unabänderlich hinnimmt.

Mit dem Begriff Globalisierung verbinden wir doch eher etwas negatives, wobei rein rational gesehen die Globalisierung Gewinner und Verlierer hervorbringt, also nicht nur negativ ist – es hängt vom einzelnen Land ab. Sicherlich kam der bisherige sogenannte Freihandel oder internationale Handel unter Abbau von Handelshemmnissen nie so in den Verruf wie die gegenwärtige Globalisierung. Was ist denn nun der Hauptunterschied zwischen dem bisherigen Freihandel und der Globalisierung? Das wird sehr gut in Sinn’s Buch beantwortet. Durch den Fall des „Eisernen Vorhangs“ wurde es für westliche Firmen möglich, arbeitsintensive Produktion in östliche Niedriglohnländer zu verlagern (Offshoring; Direktinvestitionen) oder Teile, deren Produktion arbeitsintensiv ist, von Firmen dieser Billiglohnländer zu kaufen (Outsourcing). Egal ob Offshoring oder Outsourcing, es wird produktive Arbeit von Deutschland ins Ausland verlagert. Tschechien, Ungarn, Estland, Slowakei, Polen, Litauen, Lettland, Rumänien, Bulgarien und China haben einfach unschlagbar niedrige Arbeitskosten pro Stunde (China im Jahre 2005 nur 1 Euro pro Stunde im Gegensatz zu Deutschland mit ca. 28 Euro je Stunde – das ist der Faktor 28). Das ist eben das extrem negative an dem Freihandel heute, den wir Globalisierung nennen, daß er definitiv in Deutschland Arbeitsplätze vernichtet (wahrscheinlich für immer) und hohe und zunehmende strukturelle Arbeitslosigkeit erzeugt (natürlich tendenziell eher bei einfachen Arbeiten; aber langfristig werden auch qualifizierte Arbeiten betroffen sein).

Was schlägt Herr Sinn vor, wie man dieser Abwanderung von Arbeitsplätzen begegnen könnte? Er meint, man müsse in Deutschland das Lohnniveau senken – eine andere Möglichkeit gäbe es nicht. Nur Lohnsenkungen könnten Unternehmen dazu bewegen, ihre Produktion nicht ins Ausland zu verlagern bzw. Teile nicht in Billiglohnländern einzukaufen.

Herr Sinn erklärt praktisch den gewöhnlichen, deutschen Arbeiter zum Schuldigen an der ganzen Misere. Sein Vergehen bestünde darin, daß er zu hohe Löhne nimmt. Das ist natürlich blanker Unsinn, denn das hohe Lohnniveau in Deutschland ist nicht nur die Folge immer neuer Forderungen nach Lohnerhöhungen seitens der Gewerkschaften, die evtl. über die Zunahme der Produktivität hinausgingen, sondern auch eines natürlichen Prozesses des Wachstum der deutschen Wirtschaft im Rahmen der guten, sozialen Marktwirtschaft über viele Jahrzehnte hinweg. Viele Jahre wuchs die deutsche Wirtschaft einfach sehr stark (siehe Ludwig Erhard’s Buch „Wohlstand für alle“) und deswegen konnten auch die Löhne steigen, ohne eine Inflation zu verursachen. In anderen Worten: Durch Fleiß, Sparsamkeit (Konsumverzicht) und unternehmerische Geschicklichkeit erhöhten die Deutschen (Unternehmer, Angestellte und Arbeiter zusammen) den Kapitalstock der deutschen Volkswirtschaft, wodurch immer  mehr Werte geschaffen werden konnten bzw. das Bruttosozialprodukt nahm jährlich zu – deswegen war es volkswirtschaftlich völlig legitim auch entsprechend immer höhere Löhne zu zahlen.

Ganz einfach ausgedrückt: Das deutsche Volk stellte jährlich mehr und mehr Güter her und konnte deshalb jährlich mehr Güter konsumieren bzw. Ersparnisse anhäufen und Investitionen tätigen. Dies kam zum Ausdruck durch jährlich steigende Löhne. Der Kuchen wuchs und alle konnten sich deshalb größere Stücke herausschneiden.

Entwicklung Bruttoinlandsprodukt seit 1950

Entwicklung Bruttoinlandsprodukt pro Kopf seit 1991

Seit 1950 wächst der Mehrwert (Wertschöpfung) der erzeugten Güter und erbrachten Dienstleistungen in Deutschland. Noch nie konnten wir (Konsumenten, Staat, Unternehmer) solch ein Berg von Gütern und Dienstleistungen mit Cash (Bargeld) bezahlen wie 2013: 2.809 Milliarden Euro (= 2, 809 Billionen Euro) war der Mehrwert dieser Güter und Dienstleistungen (2.809.000.000.000 Euro).

2013 betrug das durchschnittliche Bruttoinlandsprodukt pro Kopf 34.219 Euro, das heißt man hätte im Jahr 2013 einen Betrag von 34.219 Euro an jeden Bundesbürger verteilen können vom Säugling bis zum Greis und diesem Betrag standen kaufbare Güter und Dienstleistungen in diesem Wert gegenüber. Noch nie waren wir im Durchschnitt so reich wie 2013 und da spricht Herr Sinn von Lohnsenkungen.

Das Problem ist natürlich, daß in der Realität dieses Bruttoinlandsprodukt sehr ungleich verteilt wird. Arbeiter bekommen immer weniger bis gar nichts davon ab und qualifizierte Angestellte und Unternehmer immer mehr davon. Einfache Arbeit wird immer mehr ins Ausland verlagert, das heißt die Unternehmer haben immer niedrigere Lohnkosten, was zu steigenden Unternehmergewinnen führt. Natürlich wird auch binnenwirtschaftlich (intern) immer mehr rationalisiert (Industrieroboter), wodurch einfache Arbeit entfällt und hochqualifizierte Arbeit entsteht. Immer weniger Deutsche schöpfen jährlich mittels eines gewaltigen, perfektionierten Produktionsapparates einen immer größeren Wert und nur diesen wenigen gehört dieser gewaltige Wert, weil sie dafür hochqualifiziert gearbeitet haben. Immer mehr einfache Arbeiter stehen abseits und kucken in die Röhre; ihnen bleiben nur noch prekäre Jobs oder das soziale Netz.

Nun zum eigentlichen Punkt dieses Artikels:

Was ich eben skandalös finde, ist nicht nur, daß Herr Sinn Lohnsenkungen fordert, sondern, daß er die Globalisierung als gegeben und unabänderlich hinnimmt. Keine einzige Seite seinen Buches widmet Sinn dem Thema, was eigentlich die Ursache der Globalisierung war. Nun, sage ich, dahinter steckt natürlich ein politischer Wille und Sinn möchte sich sicherlich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Würde er die Globalisierung als solche hinterfragen, würde er durch die deutsche Administration sicherlich bald aus dem Kreis der Wirtschaftsfachmänner hinauskatapultiert werden. Manche Dinge sind einfach tabu, darüber redet man nicht.

Herr Sinn lehnt Protektionismus strikt ab. Stellen wir uns vor, bei eiskaltem Winterwetter öffnet ein Familienvater das Fenster. Seine Kinder fangen an zu frieren. Er dreht die Heizung auf, zieht den Kindern Wintermäntel an, gibt ihnen heißen Tee zu trinken, läßt sie Kniebeugen machen, etc. Er kommt allerdings nicht auf die Idee, einfach das Fenster wieder zu schließen, denn das wäre ja „Protektionismus“. Natürlich ist solch ein Verhalten Schwachsinn. Jeder normale Mensch würde nach einer Weile einfach das Fenster wieder schließen. Wir sind in wirtschaftliche Beziehungen getreten zu Ländern des ehemaligen Ostblocks und zu China. Dies geschah praktisch durch den Abschluß von Handelsabkommen mit diesen Ländern seitens der deutschen Politik und war gewollt. Nun merken wir, daß es langsam ungemütlich bei uns wird und ich frage, was uns daran hintern sollte, diesen Vorgang rückgängig zu machen. Es war noch nie gut etwas absolut zu setzen oder gleichsam anzubeten und wir sollten auch den Nicht-Protektionismus nicht anbeten. Natürlich würden wir international an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, wenn wir die Arbeitskräfte der Billig-Lohn-Länder nicht mehr nutzen würden, aber wir würden deswegen nicht untergehen, denn wir könnten viele verschiedene, hochwertige Produkte herstellen auch ohne die Polen, Tschechen, Chinesen, etc. Wir sollten uns auf das spezialisieren, was wir selbst können (vielleicht haben wir viele Begabungen und Talente bei uns einfach noch nicht entdeckt).

Deutschland hat gewaltige Vorräte an Kapital, sagt auch Sinn in seinem Buch. Warum setzt man dieses Kapital nicht ein, um aus Deutschland etwas völlig neues zu schaffen. Man könnte in Deutschland z.B. eine Kultur der Produktion sehr hochwertiger Güter etablieren, wobei ich damit nicht Maschinen, Elektrogeräte, etc. meine sondern eher gediegene Gegenstände: Hochwertige Kleidung (nicht C&A-Lumpen), hochwertige Möbel (nicht der IKEA-Dreck), hochwertige Schuhe (Einzelfertigung für den individuellen Fuß), Schmuck, Porzellan, Handtaschen, Top-Lebensmittel, Top-Getränke, Musikinstrumente, Optik, etc. Um natürlich wieder die Masse des deutschen Volkes zu beschäftigen, müßte man sehr viele solcher Edel-Branchen etablieren, denn der Witz wäre ja eben nicht die Massenfertigung billiger, mittelmäßiger Ware, sondern die Fertigung hochwertiger, exklusiver Spitzen-Artikel in kleinen Stückzahlen. Das Ganze ist nur eine Sache des politischen Willens. Natürlich wäre das eine Sache von Jahrzehnten, aber es ist genug Kapital vorhanden, um so etwas durchzuziehen. Danach wären wir sicher alle glücklicher.

Noch erwähnt werden muß, daß wir ja nicht nur alle „Marktteilnehmer“ sind, sondern auch vor Gott verantwortliche Wesen, manche von uns sogar gläubige Christen. Wie der Name schon sagt, verdienen die Arbeiter in den Billig-Lohn-Ländern viel weniger als bei uns. Dazu kommen mangelnde Arbeitssicherheit, unzureichender Gesundheitsschutz, kärgliche Sozialleistungen, lange Arbeitszeiten, wenig Urlaub, etc. Die Länder mit denen wir im Rahmen der Globalisierung zusammenarbeiten misshandeln letztlich ihre eigenen Völker, was verbrecherisch ist. Nur durch diese Misshandlung und Ausbeutung sind die niedrigen Löhne möglich. Es ist also sittlich-moralisch verwerflich mit diesen Ländern zusammenzuarbeiten und deshalb bin ich für Protektionismus oder die Aufhebung bestimmter Freihandelsabkommen (ich bin nicht grundsätzlich gegen internationalen Handel).

Noch etwas zu Sinn’s Buch: Mit Basar-Ökonomie ist einfach der Sachverhalt gemeint, daß deutsche Firmen immer mehr Teile von Zulieferern aus Billig-Lohn-Länder verarbeiten und die Wertschöpfung pro Stück, die noch in Deutschland erbracht wird, sinkt. Kurz: „Die Sachen werden in Deutschland nur noch zusammengeschraubt“ oder noch extremer: „Das betreffende Produkt wird komplett im Ausland hergestellt und in Deutschland kommt nur noch der Stempel ‚Made in Germany‘ drauf“. Dies führt dazu, daß Waren, die Deutschland exportiert, immer weniger in Deutschland hergestellt wurden. Die Export-Waren enthalten sozusagen immer mehr ausländische Vorleistungen. Vom reinen deutschen Exportvolumen kann man also immer weniger auf einen Vorteil für die deutsche Wirtschaft schließen. Angela Merkel’s Slogan „Deutschland ist Exportweltmeister“ wird also immer mehr zu einer Worthülse ohne Inhalt, zu einer hohlen Phrase.

Was hat das auf einer christlichen Website zu suchen?:

Die ewige Sorge um unser wirtschaftliches Wohlergehen grenzt allmählich an eine Massenpsychose. Wir sind so eingenommen von unseren Zukunftssorgen und von unserer täglichen, übertriebenen Geschäftigkeit, daß wir das vernachlässigen, worauf es zu allererst ankommt, die Frage schlechthin: „Wie erlange ich das Seelenheil?“ Noch nie in der Geschichte der Menschheit, behaupte ich, war es so schwer, daß Evangelium Gottes von seinem Sohn Jesus Christus zu vernehmen und vor allem richtig zu verstehen gemäß Gottes‘ Intention wie heute. Es gibt in Deutschland keine Christliche Kirche mehr und das Evangelium von Jesus ist sozusagen verschüttgegangen – ein historisch einmaliger Zustand. Deutschland, das deutsche Volk, sieht sich einem „intergalaktischen“ Angriff von mehreren Seiten gegenüber: Globalisierung, Finanzmarktkrise, demographischer Wandel, abgefallene Kirchen, zunehmender Einfluß des Islam und von Sekten und Kulten. Wie soll da der Einzelne noch Zeit und Muse haben, sich mit Glaubensfragen zu beschäftigen und zur Wahrheit durchzudringen? Das Motto für den modernen Christen muß also lauten: Reform der deutschen Volkswirtschaft und Wiederherstellung der Christlichen Kirche. Beides gehört zusammen.

Sehr gutes Video zum Thema. (Bitte anklicken!)

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