Glaube, Werke oder Taufe – wodurch werden wir gerettet?

Vor dem Zorn Gottes werden wir gerettet allein durch den Glauben an Jesus.

Dies schreibt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Kirche zu Rom:

Römerbrief 3, 21-31 21 Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. 22 Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: 23 sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, 24 und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. 25 Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher 26 begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, dass er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus. 27 Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. 28 So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben. 29 Oder ist Gott allein der Gott der Juden? Ist er nicht auch der Gott der Heiden? Ja gewiss, auch der Heiden. 30 Denn es ist der eine Gott, der gerecht macht die Juden aus dem Glauben und die Heiden durch den Glauben. 31 Wie? Heben wir denn das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! Sondern wir richten das Gesetz auf.

Was nun bedeutet das Wort „Glauben“ in diesem Text des Paulus und was für eine Rolle spielen Werke und Taufe?

Bedeutet „Glauben“ einfach „Für-wahr-halten“ oder bedeutet es mehr?

Unser Glaube muß auf jeden Fall so beschaffen sein, daß wir nicht zu Gesetzesbrechern werden, denn dies sagt Paulus durch Vers 31: „Wie? Heben wir denn das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! Sondern wir richten das Gesetz auf.“

„Gesetz“ in dem Text des Paulus bedeutet das Gesetz der Thora, der fünf Bücher Mose. Hierzu gehören z. B. die zehn Gebote.

Wenn wir es also einfach für wahr halten, daß Jesus für uns starb am Kreuz, daß sein Tod am Kreuz ein Sühnopfer (siehe Vers 25, oben) für unsere Sünden war, dann darf das nicht dazu führen, daß wir es locker nehmen mit dem Sündigen bzw. Brechen von Geboten. Die Versuchung hierzu ist aber groß, weil ja mein Verstand sagt, daß alle meine Sünden durch Jesu Opfer gesühnt wurden. Wenn mein Glaube von dieser Art ist, dann sagt uns schon allein der obige Text von Paulus, daß das nicht der wahre Glaube sein kann.

Der wahre Glaube muß dazu führen, daß ich ein Leben führe, das nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommt – daß ich also nicht regelmäßig Gebote breche. Dadurch „richte ich das Gesetz auf“.

Kurzer Rückblick: Dennoch, trotz des bisher gesagten, bleibt es wahr, daß wir allein durch den Glauben an Jesus gerettet werden.

Was ist nun das Problem?

Nun, das Problem ist unser sündiges Fleisch, das wir vom gefallenen Adam geerbt haben. Der auch in der Welt bekannte Spruch „der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ ist gar nicht so unwahr.

Jesus sagt:

Joh 3,6 Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist.

Joh 6,63 Der Geist ist’s, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben.

Das „sündige Fleisch“ sind auch wir in uns selbst, einfach das, was wir von Natur aus sind, von Geburt (die natürliche Geburt durch unsere Mutter) an, ohne Jesus. Was Jesus durch Joh. 3, 6 und Joh. 6, 63 sagt ist praktisch das Folgende: Der natürliche Mensch kann gar nicht wirklich glauben; er ist in seinem „Fleisch“ gefangen.

Der natürliche Mensch kann das Evangelium von Jesus, daß er unsere Sünden getragen hat, als er am Kreuz für uns starb, und auferstand, um uns gerecht zu machen, nur für wahr halten, so wie er beliebige Dinge des alltäglichen Lebens für wahr oder unwahr halten kann.

Damit wir wirklich glauben können, müssen wir erst durch einen metaphysischen Akt Gottes an uns verwandelt werden bzw. Gott muß uns eine gewaltige Hilfestellung geben, damit aus unserem Für-wahr-halten ein echter Glaube wird.

Durch die neue Geburt aus Wasser und Geist wird unsere fleischliche Natur für tot erklärt und wir empfangen den Heiligen Geist.

Joh 3,5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

Was nun konkret ist die „Neue Geburt aus Wasser und Geist“? Das Wort „Wasser“ erinnert uns an die Taufe. Was aber ist die Bestätigung, daß es wirklich um die Taufe geht? Nun, dies ist das sechste Kapitel des oben genannten Römerbriefs:

Römerbrief 6, 4-5 4 So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. 5 Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.

Weiter Bibelstellen, die das bestätigen:

Apg 2,38 Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.

1Kor 12,13 Denn wir sind durch „einen“ Geist alle zu „einem“ Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit „einem“ Geist getränkt.

Gal 3,27 Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.

Kol 2,12 Mit ihm seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.

Schon im Alten Testament wird die Wiedergeburt bzw. Neue Geburt beschrieben:

Hesekiel 36, 24-29 24 Denn ich will euch aus den Heiden herausholen und euch aus allen Ländern sammeln und wieder in euer Land bringen, 25 und ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet; von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen. 26 Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. 27 Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun. 28 Und ihr sollt wohnen im Lande, das ich euren Vätern gegeben habe, und sollt mein Volk sein und ich will euer Gott sein. 29 Ich will euch von all eurer Unreinheit erlösen und will das Korn rufen und will es mehren und will keine Hungersnot über euch kommen lassen.

Siehe auch: Bekehrung oder Taufe – was genau ist die Wiedergeburt?

Kurzum: Wir werden tatsächlich einfach durch Glauben an Jesus gerettet. Diesen Glauben allerdings können wir als natürliche Menschen ohne Jesus wegen unserer degenerierten Natur, die wir vom gefallenen Adam geerbt haben, unserem sündigen Fleisch, kaum aufbringen. Durch die sakramentale Taufe bzw. Wiedergeburt bzw. Neue Geburt werden wir befähigt, wirklich  zu glauben:

Nach der Wiedergeburt gilt das Folgende:

Da wir wissen und es auch metaphysische Wirklichkeit ist, daß wir mit Jesus gestorben und mit Jesus auferstanden sind, werden wir niemals so denken: „Jesus hat alle meine Sünden getragen, nun kann ich sorglos sündigen.“ Nein, durch die Taufe sind wir der Sünde abgestorben und in Christus bzw. haben den Heiligen Geist. Dieser Geist leitet uns so, egal ob wir wachen oder schlafen, egal wo wir sind, im Alltag und am Sonntag, daß wir uns automatisch im Rahmen der Gebote bewegen bzw. unser Leben sogar die Erfüllung des Gesetzes ist, was über ein Halten hinausgeht. In diesem Leben des Gehorsams ist unser Glaube eingebettet und so dürfen wir auch wissen, daß unsere Sünden vergeben sind, weil Jesu Opfer am Kreuz auch ein Sühneopfer war für unsere Sünden.

Wir tun natürlich Werke, aber nicht um durch diese Werke gerettet zu werden, sondern weil diese Werke einfach selbstverständlich für uns sind, Teil des neuen Lebens, das Gott uns geschenkt hat. Gott schenkt uns zwei Dinge in einem Paket: Vergebung und gute Werke.

Eph 2,10 Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

Die römisch-katholische Lehre von der Werksgerechtigkeit bzw. Gerechtigkeit aus Werken entfällt also völlig bzw. wird verworfen. Sie hat überhaupt nichts mit dem biblischen Befund zu tun.

Es entfällt aber auch bzw. wird verworfen die billige Gnade der Billige-Gnade-Protestanten, die sprechen: „Jesus hat meine Sünden getragen, also kann ich nun beliebig sündigen, ohne meine Vergebung aufs Spiel zu setzen.“

Es entfällt auch bzw. wird verworfen der sogenannte Glaube und die sogenannte Taufe der Evangelikalen, denn sie legen die Bibel verkehrt aus in der Weise, daß sie behaupten, der Mensch könne wiedergeboren werden ohne die sakramentale Taufe. Für sie ist die Taufe (ihre sogenannte Taufe) nur ein Gehorsamsakt und öffentliches Bekenntnis des Glaubens nach bereits innerlich, angeblich erfolgter Wiedergeburt. Bei den Evangelikalen bleibt es sehr im Finstern, was die Wiedergeburt eigentlich ist bzw. sein soll.

Hinweis:

Wer anfängt, sich mit Gott zu beschäftigen, Gott zu suchen, der sollte gleichzeitig und sofort umkehren von allem Bösen in seinem Leben, egal was er bisher von der christlichen Lehre verstanden hat. Derjenige sucht Gott wirklich, der beständig Buße tut über seine Sünden.

Warnung:

Die Wahrscheinlichkeit, daß Sie, lieber Leser, als Kind in der katholischen Kirche oder der evangelischen Kirche getauft wurden, ist hoch. Beide Kirchen befinden sich leider in einem sehr bedauerlichen Zustand, aber dennoch ist Ihre Taufe gültig, lieber Leser, da sie direkt von Gott kommt. Wenn Sie ab heute als bewußter Christ leben möchten, dann brauchen Sie sich nur auf Ihre Kindertaufe zu beziehen. Aus der Kraft Ihrer Taufe bzw. des Todes und der Auferstehung Jesu können Sie täglich Ihre sündigen Gewohnheiten bzw. Neigungen überwinden. Sie dürfen allerdings nicht davon ausgehen, und darin besteht meine Warnung, daß Ihre sündigen Neigungen nun schlagartig weg sind, als ob sie „weggezaubert“ wären – oder weg sind, wie das Licht ausgeht, wenn man den Schalter betätigt. Unsere sündige Natur wurde durch die Taufe „nur“ für tot erklärt und wir empfangen den Heiligen Geist. Dies wird wirksam, sobald wir uns eben als bußfertige Sünder auf unsere Taufe beziehen. Unserer sündigen Natur, dem, was wir von Natur aus sind, werden praktisch zwei Verheißungen entgegengesetzt: „Wir sind der Sünde abgestorben“ und „in Christus“ oder in anderen Worten: „Wir als Sünder sind gestorben“ und „wir haben den Heiligen Geist empfangen“. Das „Problem“ bei der Sache ist nämlich, daß wir ja nicht mehr die gleiche Person wären, die wir vor der Wiedergeburt waren, wenn uns Gott einfach in Heilige „verwandelt“ hätte im Sinne von „Verzaubern“. Der gerechte Gott achtet sozusagen unsere Menschenwürde, unsere freie, unantast-bare Persönlichkeit. Was heißt das praktisch? Wir sind einerseits noch die Person, die wir vor der Wiedergeburt waren, andererseits sind wir aber auch wiedergeboren. Wenn wir nun als bewußte Christen leben wollen, aus unserem freien Willen heraus, dann können wir uns eben täglich in diese Verwandlung, die durch die Wiedergeburt geschehen ist, hineingeben, indem wir durch die zwei Heilstatsachen „der Sünde abgestorben“ und „in Christus“ unsere alten, sündigen Neigungen, die sündigen Neigungen unseres Leibes, überwinden und Gott und unseren Nächsten lieben.

Einfacher ausgedrückt: Unser Leib (einfach unser biologischer Körper) ist nach der Wiedergeburt genauso sündig in sich selbst wie vorher. Wir werden kaum ein anderes Körpergefühl haben nach der Wiedergeburt wie vorher. Was anders ist nach der Wieder-geburt, das ist das Folgende: Durch die Kraft unserer Taufe bzw. des Todes und der Auferstehung Jesu sind wir den Begierden unseres Leibes nicht mehr hilflos ausgeliefert, sondern können sie überwinden – wir müssen nicht mehr zwanghaft sündigen, die Sünde ist entthront. Dies ist dennoch ein Kampf des Glaubens gegen unseren Leib, unsere alten Gewohnheiten, den wir täglich führen müssen und solange wir kämpfen, bewahren wir den Glauben.

Ergänzung vom 23.10.2015

Da die EKD ein neues Gottesbild hat, ist die Taufe der EKD nicht mehr gültig; siehe hierzu:

Gibt es eine erlaubte Wiedertaufe?

Ergänzung vom 17.12.2015

Ist die Taufe der römisch-katholischen Kirche gültig?

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