Auslegung Lukasevangelium, Kap. 2, Verse 22-40; Jesu Darstellung im Tempel

22 Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz des Mose um waren, brachten sie ihn nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen, 23 wie geschrieben steht im Gesetz des Herrn (2.Mose 13,2; 13,15): »Alles Männliche, das zuerst den Mutterschoß durchbricht, soll dem Herrn geheiligt heißen«, 24 und um das Opfer darzubringen, wie es gesagt ist im Gesetz des Herrn: »ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben« (3.Mose 12,6-8). 25 Und siehe, ein Mensch war in Jerusalem, mit Namen Simeon; und dieser Mensch war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war mit ihm. 26 Und ihm war ein Wort zuteil geworden von dem Heiligen Geist, er solle den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen. 27 Und er kam auf Anregen des Geistes in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz, 28 da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach: 29 Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; 30 denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, 31 den du bereitet hast vor allen Völkern, 32 ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.  33 Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde. 34 Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zum Aufstehen für viele in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird 35 – und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen -, damit vieler Herzen Gedanken offenbar werden. 36 Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuëls, aus dem Stamm Asser; die war hochbetagt. Sie hatte sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt, nachdem sie geheiratet hatte, 37 und war nun eine Witwe an die vierundachtzig Jahre; die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. 38 Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. 39 Und als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder zurück nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth. 40 Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm.

Auslegung

Für Gott scheint es eher ein Anlaß zur Trauer zu sein als ein Anlaß zur Freude, wenn ein Kind zur Welt kommt, denn nachdem eine (jüdische) Frau ein Kind geboren hat, ist sie mehrere Wochen unrein.

Sie, lieber Leser, mögen fragen: „Was ist das denn für ein Gott?“ Vielleicht sagen Sie auch: „Der Gott der Bibel ist ja noch grausamer als Allah!“

Lassen Sie mich Ihnen das erklären.

Die natürliche Geburt eines Menschen ist nichts weiter als die Reproduktion „menschlichen Fleisches“ bzw. dient der Fortpflanzung des Menschgeschlechts. Nach der Lehre der Bibel stammen wir alle von Adam und Eva ab und wir alle haben von ihnen ein Wesensmerkmal geerbt: Die extreme Neigung zum Sündigen (Sündigen bedeutet, so zu denken und zu handeln, daß es nicht der Liebe Gott und dem Nächsten gegenüber entspricht; auch ohne Anwesenheit eines Gebotes kann man sündigen – einfach durch Lieblosigkeit). Wir sollten nicht so tun, als ob das hier alles etwas Theoretisches wäre, als ob uns das nichts anginge, denn wenn jemand an uns sündigt im Alltag, das heißt uns lieblos behandelt, dann spüren wir einen Schmerz. Im Nachhinein wünschen wir uns dann, es wäre nicht an uns gesündigt worden bzw. man hätte uns nicht lieblos behandelt. Es geht hier also um etwas sehr Reales. Wir tun einen großen Schritt nach vorne, wenn wir eingestehen, daß wir selbst auch manchmal lieblos sind.

Der springende Punkt: Wenn also Gott etwas gegen das Menschengeschlecht, die Menschheit hat, dann ist das nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern er hat einen triftigen Grund. Immer wenn wir gekränkt oder beleidigt sind, weil uns jemand etwas angetan hat, dann bestätigen wir damit indirekt Gott in seiner schlechten Meinung über die Menschheit. Gäbe es das Böse nicht, dann wären wir wohl  nie gekränkt, beleidigt oder verletzt.

Begreifen Sie langsam, lieber Leser, worauf ich hinaus will?

Wenn ein Kind geboren wird, ist das nichts weiter als ein Anwachsen dieser Masse von Wesen, die sich ständig gegenseitig Böses antun und Gott ignorieren, der ihnen so viel Gutes tut (z. B. gute Ernten, gutes Wetter, Gesundheit, etc.).

Jesus drückt das ganz einfach aus: „Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch!“

Joh 3,6 Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist.

Gäbe es noch heute einen Tempel (ein Gebäude) in Jerusalem, dann würde eine jüdische Frau, die ein Kind bekommen hat, erst 33 Tage bzw. 66 Tage nach der Geburt wieder zum Tempel gehen. Dies würde sie einfach im einfältigen Gehorsam gegen das Gebot des Mose tun ohne tiefergehende Gedanken.  (siehe 3.Mose 12,6-8)

Dies wäre allerdings nur ein sehr „schwaches“ Halten des Gebotes. Das Gebot wäre wirklich gehalten bzw. sogar erfüllt, wenn die betreffende Frau die Wartezeit (Tage ihrer Reinigung) als einen Hinweis auf die Wertlosigkeit, ja Verwerflichkeit des natürlichen Menschen, der natürlichen Geburt nähme: „Warum darf ich so lange nicht zum Tempel kommen???“ Antwort: Durch die Geburt des Kindes ist zunächst nichts Gutes passiert, sondern einfach die Masse sündigen Fleisches auf Erden gewachsen. Es ist nichts Gutes passiert sondern sogar etwas Schlechtes, etwas Schädliches, deswegen soll die Gebärerin dieses Häufleins sündigen Fleisches sich eine Weile vom heiligen Tempel fernhalten – sie hat sich sozusagen durch die Geburt dieses Kindes verunreinigt.

Was ist die Lösung?

Nach 33 oder 66 Tagen sollte man dann endlich auf die Idee kommen, das Kind dem Herrn zu weihen. Dieses sündige Häuflein Fleisch kann nur wertvoll werden, indem es auf dem Altar Gottes geopfert wird (bitte unterstellen Sie mir jetzt nicht, ich würde behaupten, man solle kleine Kinder auf dem Scheiterhaufen verbrennen – pervers). Dieses sündige Fleisch muß Gott dargebracht werden, indem das Leben des Kindes Gott geweiht wird.

2Mo 13,2 Heilige mir alle Erstgeburt bei den Israeliten; alles, was zuerst den Mutterschoß durchbricht bei Mensch und Vieh, das ist mein.

Gott verhängte einstmals zehn schwere Plagen über Ägypten, weil sie sein Volk nicht ziehen lassen wollten. Die letzte Plage war die schwerste: Gott tötete alle männliche Erstgeburt im Lande Ägypten vom Menschen bis zum Vieh. Es wäre verständlich, würde man einwenden: „Was konnte der Sohn eines armen Bauern am Nil für die Halsstarrigkeit des Pharao, der Israel nicht ziehen lassen wollte?“ Nun, die einfachen Ägypter war nicht ganz unschuldig an dem bösen Regiment des Pharao. Jeder einzelne Ägypter hätte für sich allein die Möglichkeit gehabt, vom Heidentum zum Glauben des Volkes Israel zu konvertieren, aber anscheinend tat es kein einziger. Wer weiß, wenn vielleicht auch nur ein einziger, kleiner Ägypter gegen Pharao gebetet hätte, hätte Gott ihn vielleicht vernichtet, ohne dem Volk der Ägypter, den einfachen Leuten, Schaden zu tun, aber da war keiner. Das ganze Volk der Ägypter war letztendlich mit dem Pharao zu einem metaphysischen, satanischen Körper verschmolzen und so schlug Gott nicht nur den Pharao sondern das ganze Volk, seinen metaphysischen Leib. Betet heute auch nur ein Deutscher gegen Angela Merkel und ein Amerikaner gegen Barack Obama? Gott wird das deutsche Volk und das amerikanische Volk richten, denn durch ihre Gottlosigkeit stützten sie ihre gottlosen Regenten.

Die Tötung der ägyptischen Erstgeburten war primär eine Züchtigung, um die Ägypter bzw. Pharao dazu zu bewegen, Israel ziehen zu lassen. Es zeigt uns aber auch, wie wenig Gott ein rein heidnisches Menschenleben wert ist. Natürlich trauerten die Ägypter um ihre ältesten Kinder, da war ein großes Geschrei, aber sie waren doch alle zusammen in sich selbst nur eine wilde, heidnische Horde von Übeltätern und Bösewichtern. Wie hatten sie die armen Juden misshandelt und ihr Herz vor ihnen verschlossen (sie warfen die kleinen Juden in den Nil und plagten die älteren Juden durch Sklavenarbeit). Aber ein neugeborener Jude war letztlich auch nur ein kleiner Heide, nur sündiges Fleisch, solange Gott ihn nicht neu gemacht hatte, deswegen habe ich die Geschichte mit den Ägyptern erwähnt. Ein kleiner Jude war ohne den Beistand einer göttlichen Person, ohne das Heil Gottes, nicht wohlgefälliger vor Gott als ein kleiner Heide.  

2Mo 12,30 Da stand der Pharao auf in derselben Nacht (als Gott die Erstgeborenen tötete; R. B.) und alle seine Großen und alle Ägypter, und es ward ein großes Geschrei in Ägypten; denn es war kein Haus, in dem nicht ein Toter war.

Im alten Tempel zu Jerusalem war Gott tatsächlich gegenwärtig. Wenn man also damals ein Kind in den Tempel brachte, kam es in die Gegenwart Gottes. So konnte Gott ein „Häuflein sündiges Fleisch“ in etwas  wertvolles verwandeln. Das Gegenstück dazu heute ist die sakramentale Taufe, wo auch ein Kind Gott übergeben wird, der eine neue Kreatur aus ihm macht: Das sündige Fleisch wird als tot deklariert und der Heilige Geist wird gegeben, der ein heiliges Leben ermöglicht. Dies ist die neue Geburt aus Wasser und Geist.

„Was vom Geist geboren ist, das ist Geist.“, sagte Jesus.

2Kor 5,17 Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

Gal 6,15 Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern eine neue Kreatur.

Wenn jemand die neue Geburt aus Wasser und Geist nicht nötig hatte, dann war es Jesus, denn Jesus war ja der fleischgewordene Gott. Brachte man irgendein jüdisches Kind in den Tempel, dann wurde das Kind durch das Ritual geheiligt. Das Ganze natürlich unter der Voraussetzung frommer Eltern also Juden, die an einen Erlöser glaubten und sich von ihm leiten ließen. Dem entspräche heute die sakramentale Taufe, wobei die Taufe immer nur dann wirksam wird, wenn sie in einem frommen Umfeld erfolgt. Gültig ist sie auch ohne frommes Umfeld, aber, wie gesagt, ihre Kraft entfaltet sie erst in Zusammenhang mit Glauben.

Bei der Darstellung Jesu im Tempel war es nun gerade umgekehrt, was ein bisschen verrückt klingen mag. Nicht Jesus wurde durch das Ritual geheiligt, sondern das Ritual wurde durch den heiligen Jesus geheiligt:

All die Juden, die bisher ihre Kinder im Glauben an einen Erlöser in den Tempel gebracht hatten, deren Kinder wurden auch verwandelt. Maria und Joseph bringen den Erlöser selbst, Jesus, das kleine Kind, in den Tempel. Dadurch identifiziert sich Jesus, der Erlöser, mit allen kleinen, jüdischen Kindern, die jemals in den Tempel gebracht wurden, um sie dem Herrn darzustellen. So macht Jesus aus dem sündigen Fleisch etwas neues. Durch sein Kommen in den Tempel als Kleinkind hat Jesus rückwirkend alle Darstellungen von Kleinkindern im Tempel geheiligt.

Simeon war ein frommer Jude und der heilige Geist war mit ihm. Er hatte also Frieden mit Gott.

Warum freut er sich so sehr über das Kind Jesus?

Nun, ganz einfach, Jesus war eben nicht der unsichtbare sondern der sichtbare Gott: „Gott mit uns.“ Als Simeon den kleinen Jesus auf die Arme nahm, da empfand er wahrscheinlich ein ähnliches Glück, wie es ein Christ heute empfinden könnte, würde er am heiligen Abendmahl teilnehmen.

Jeder Christ ist ja grundsätzlich mit Gott verbunden, hat den Heiligen Geist, aber die Teilnahme an Abendmahl ist trotzdem etwas besonderes. Es ist eine Gemeinschaft mit dem Herrn, die über die alltägliche Gemeinschaft hinausgeht. Durch Jesus hat sich Gott in die Lebenssphäre der Menschen begeben – er ist nicht mehr unendlich, unerreichbar weit weg im Himmel. Diese Erfahrung machte Simeon und diese Erfahrung macht heute ein Christ ganz besonders beim Heiligen Abendmahl. Wir sehen hier wieder, was Glauben wirklich ist: Nicht nur ein Für-wahr-halten des Evangeliums sondern ein neues Leben aus der Kraft der sakralen/sakramentalen Verbindung mit Jesus. Am Anfang stand die Taufe, die neue Geburt aus Wasser und Geist, wo wir der Sünde abstarben und den Heiligen Geist empfingen.

Römer 10, 6-8 6 Aber die Gerechtigkeit aus dem Glauben spricht so (5.Mose 30,11-14): »Sprich nicht in deinem Herzen: Wer will hinauf gen Himmel fahren?« – nämlich um Christus herabzuholen -, 7 oder: »Wer will hinab in die Tiefe fahren?« – nämlich um Christus von den Toten heraufzuholen -, 8 sondern was sagt sie? »Das Wort ist dir nahe, in deinem Munde und in deinem Herzen.« Dies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen.

(Jesus, das Wort, ist Gott, der zu uns Menschen herabgestiegen ist; „Gott mit uns“ ist sein Name; er ist nicht weit weg im Himmel, auch nicht bei den Toten sondern ganz nahe bei uns)

Das Heilige Abendmahl dient der Stärkung des Glaubens, der Aufrechterhaltung des neuen Lebens.

Martin Luther über das Heilige Abendmahl:

„Darum heißt es mit Recht eine Speise der Seele, die den neuen Menschen nährt und stärkt. Durch die Taufe werden wir ja erstlich neugeboren; aber daneben bleibt, wie gesagt, gleichwohl noch die alte Haut in Gestalt von Fleisch und Blut am Menschen. Da gibt’s so viel Hinderung und Anfechtung vom Teufel und der Welt, daß wir oft müde und matt werden und zuweilen auch straucheln. Darum ist uns das Sakrament zur täglichen Weide und Fütterung gegeben, damit sich der Glaube erhole und stärke, um in diesem Kampf keinen Rückfall zu erleiden, sondern immerfort stärker und stärker zu werden. Denn das neue Leben soll so beschaffen sein, daß es stets zunehme und fortschreite. Es muß aber dagegen viel leiden. Denn der Teufel ist so ein zorniger Feind: wenn er sieht, daß man sich wider ihn legt und den alten Menschen angreift und daß er uns nicht mit Gewalt überrumpeln kann, dann schleicht und streicht er auf allen Seiten umher, versucht alle Künste und läßt nicht ab, bis er uns zuletzt müde macht, so daß man entweder den Glauben fallen läßt oder Hände und Füße gehen läßt und unlustig oder ungeduldig wird. Dafür ist nun dieser Trost gegeben; wenn das Herz das fühlt, daß es ihm zu schwer werden will, soll es hier neue Kraft und Labsal holen.“

(siehe Der Große Katechismus: Vom Sakrament des Altars)

Vielleicht hatten auch Simeon’s Eltern ihn einmal in den Tempel gebracht und er glaubte an eine Erneuerung durch Gottes Gegenwart, die er als kleines Kind im Tempel erfahren hatte. Aber der zu den Menschen hinab gestiegene Gott ist eben Jesus und so wurde Simeon gestärkt, ohne zu wissen wie, durch das kleine aber himmlische Kind, daß er auf die Arme nahm. Simeon hielt das personifizierte Sakrament in seinen Armen.

„Und siehe, ein Mensch war in Jerusalem …“

Eigenartig, daß Lukas uns mitteilt, daß Simeon ein Mensch war.

Was will er damit sagen?

Antwort: Simeon war im Vergleich zu allen anderen Einwohnern Jerusalems ein Mensch. Er war ein wirklicher Jude, indem er fromm und gottesfürchtig war und den Trost Israels, Jesus, erwartete. Im Matthäusevangelium lesen wir, wie die Einwohner Jerusalems zusammen mit Herodes erschraken, als die Weisen aus dem Morgenland die Geburt Jesu verkündeten. Sie lebten offenbar so gottlos und abtrünnig, daß die Herrschaft des Messias, Jesus, für sie nichts gutes bedeuten konnte. Keine schlimmere Nachricht gab es für sie, als die von der Ankunft des Messias. Simeon war das Gegenteil von ihnen und deshalb nannte ihn Lukas „Mensch“.

„Ein Licht, zu erleuchten die Heiden …“

Anscheinend hat Simeon es schon geahnt, daß die meisten Juden Jesus nicht annehmen würden und erwähnt deswegen die Heiden schon am Anfang des Lebens Jesu; dies ist durchaus eigentümlich an dieser Stelle, denn Jesus war zuerst für die Juden und nicht für die Heiden gekommen. Aber Simeon wußte, was es werden würde.

„Damit vieler Herzen Gedanken offenbar werden“

Was sind diese Gedanken?

Will ich Herrlichkeit hier (auf Erden) und hier unter dem Selbstbetrug leben, ich könne dann auch dort Herrlichkeit haben oder bin ich bereit hier auf Erden in Niedrigkeit zu leben mit der Sicherheit der Herrlichkeit dort (im Himmel). Diese Gedanken werden offenbar, indem ich mich Jesus anschließe oder ihn ablehne. Wie ich mich Jesus gegenüber verhalte, zeigt praktisch, ob Gott mir etwas (ein Opfer, das Opfer meines Lebens) wert ist oder nicht. Die Person der Gottheit, die die Menschen anspricht, ist Jesus. Wenn ich ihn erwähle, weiß ich, daß ich mich für das ewige Leben mit Gott entschieden habe und zwar ganz eindeutig, aber genauso weiß ich, daß dies hier auf Erden Niedrigkeit bedeutet (Leider, Verwerfung, Verfolgung). Aber das ist gerade der Witz an der Sache: Ich weiß, es kostet mich etwas, Jesus zu erwählen, aber dadurch zeige ich, daß mir das ewige Leben, das Wohlgefallen Gottes etwas wert ist. Indem ich Jesus erwähle oder ablehne wird also offenbar, wer ich wirklich bin, mein Herz.

Ergänzung

Es entspricht der Lehre auf Grundlage des Befundes der Bibel, daß ein Jude (also ein biologischer Nachkomme des Patriarchen Jakob) von Natur aus, was also sein natürliches Wesen angeht, nicht besser ist als ein Heide (z. B. Ägypter). Alle Menschen haben die degenerierte Natur des gefallenen Adam geerbt, der der Urvater aller Menschen ist. Wie ich weiter oben schrieb, brachte Gott die Erstgeborenen, das heißt ältesten Söhne, der Ägypter um, aber die ältesten Söhne der Juden ließ er am Leben. Der Todesengel ging an den jüdischen Häusern vorbei, weil deren Türpfosten mit dem Blut des Passahlammes bestrichen waren. Dieses Passahlamm war ein Vorbild auf das wahre Lamm Gottes, Jesus, das am Kreuz unsere Sünden getragen hat.

Es könnte aber jetzt mit Recht jemand die Frage stellen, warum Gott nicht auch einigen Ägyptern sagte, sie sollten ein Lamm schlachten und die Türpfosten ihrer Häuser mit dessen Blut bestreichen. Nun, die Juden waren gegenüber dem Rest der Menschheit erhoben, weil sie drei äußerst fromme Erzväter bzw. Patriarchen hatten: Abraham, Isaak und Jakob (aus Abraham und Isaak gingen auch noch andere Völker hervor, deswegen ist strenggenommen Jakob der eigentliche Erzvater der Juden). In einer Welt, die völlig gottlos war, dem Götzendienst verfallen war, hatten sowohl Abraham, Isaak als auch Jakob den Mut und die Tapferkeit, den Herrn, den ewigen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, zu suchen, was sie Einiges kostete, wofür sie große Opfer bringen mußten.

Das Glück eines Juden ist sozusagen, daß er ein Nachkomme z. B. Abrahams ist. Abraham war sicherlich der größte der drei Erzväter, da er buchstäblich bei Null anfing. Abraham war einfach ein zunächst heidnischer Chaldäer, der anfing den wahren Gott zu suchen und sich das auch etwas kosten ließ, denn die Chaldäer waren grauenhafte Götzendiener und schlimme Sünder.

Bis zum heutigen Tag (29. Oktober 2015) wird den Juden das Verdienst der Erzväter angerechnet und das gibt ihnen eine Vorrang gegenüber allen anderen Völkern.

Allerdings soll das nicht heißen, daß man automatisch das ewige Leben hat, wenn man ein (biologischer) Jude ist.

Der Apostel Paulus über die Juden, seine Stammverwandten:

Römerbrief 9, 1-5Ich sage die Wahrheit in Christus und lüge nicht, wie mir mein Gewissen bezeugt im Heiligen Geist, dass ich große Traurigkeit und Schmerzen ohne Unterlass in meinem Herzen habe. 3 Ich selber wünschte, verflucht und von Christus getrennt zu sein für meine Brüder, die meine Stammverwandten sind nach dem Fleisch, 4 die Israeliten sind, denen die Kindschaft gehört und die Herrlichkeit und die Bundesschlüsse und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen, 5 denen auch die Väter gehören und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott über alles, gelobt in Ewigkeit. Amen.

Warum empfand Paulus Schmerzen und Traurigkeit, wenn er an die Juden dachte?

Nun, wie schon sagte, ein Jude hat nicht automatisch das ewige Leben wegen seiner edlen Abstammung. Die Juden haben nur den Vorzug gegenüber den Nicht-Juden, daß Gott sich ihnen mehr geoffenbart hat und daß es von daher für sie leichter gewesen ist, zu gottesfürchtigen Menschen zu werden. Nur wenn ein Jude bis zum persönlichen Glauben an einen Erlöser, das heißt Jesus, durchdringt, dann nutzt ihm der Segen etwas, der auf Israel liegt.

Jetzt kommt der Hammer:

Von all den Juden, die Mose durch das Rote Meer führte, worunter sich auch viele Erstgeborene befanden, die in der Nacht des Auszugs vom Todesengel Gottes verschont wurden, kamen nur zwei im verheißenen Land an: Joshua und Kaleb. Alle anderen kamen um während der Wüstenwanderung. Gott raffte sie in der  Wüste dahin, weil sie nicht gottesfürchtig waren, sondern sich nach Ägypten zurücksehnten. Sie waren also grundsätzlich gesegnet durch ihren Zugehörigkeit zum Volk Israel, aber weil es sich nicht mit dem Glauben verband, hatte Gott keinen Wohlgefallen an ihnen und sie gingen des Segens verlustig.

Apg 7,39 Ihm (Mose; R. B.) wollten unsre Väter nicht gehorsam werden, sondern sie stießen ihn von sich und wandten sich in ihrem Herzen wieder Ägypten zu

1Kor 10,5 Aber an den meisten von ihnen (das Volk Israel; R. B.) hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie wurden in der Wüste erschlagen.

4Mose 26, 63-65  63 Das ist die Summe der Israeliten, die Mose und Eleasar, der Priester, zählten im Jordantal der Moabiter gegenüber Jericho. 64 Unter diesen aber war keiner mehr von denen aus Israel, die Mose und Aaron, der Priester, gezählt hatten in der Wüste Sinai. 65 Denn der HERR hatte ihnen gesagt, sie sollten des Todes sterben in der Wüste. Und so blieb keiner von ihnen übrig als Kaleb, der Sohn Jefunnes, und Josua, der Sohn Nuns. (diese Zählung fand statt unmittelbar vor dem Einzug ins verheißene Land)

Ein Deutscher genießt das Vorrecht zu einem Volk zu gehören, daß traditionell christlich ist. Dies ist ein sehr großer Segen. Aber ähnlich wie bei den Juden ist der reine Status „deutsch-christlich bzw. christlich getauft“ keine Garantie für das ewige Leben. Um persönlich gerettet zu werden, muß ich auch die Segnungen des deutschen Volkes im Glauben ergreifen. Deutschland hat so große Männer wie König Chlodwig, der sich christlich taufen ließ, trotz der Tatsache, daß alle anderen Germanen Arianer (häretische Kirche) waren, Luther und Bonhoeffer hervorgebracht – das steht Gott immer noch vor Augen. Aber ich muß die „deutschen Heilsgüter“ auch im Glauben ergreifen, um gerettet zu werden.

1Kor 5,7 Darum schafft den alten Sauerteig (der Sünde; R. B.) weg, damit ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja ungesäuert seid. Denn auch wir haben ein Passalamm, das ist Christus, der geopfert ist.

Wenn wir durch die Kraft des Passahlammes unsere natürliche Neigung zum Sündigen überwinden, dann sind wir wirklich gottesfürchtig, das ist der wahre Glaube.

Siehe auch Passah.

 

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