Auslegung Lukasevangelium, Kap. 5, Verse 27-39; Jesus kehrt dem orthodoxen Judentum den Rücken, Scheidung zwischen Kirche und Synagoge

27 Und danach ging er hinaus und sah einen Zöllner mit Namen Levi am Zoll sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach! 28 Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach. 29 Und Levi richtete ihm ein großes Mahl zu in seinem Haus, und viele Zöllner und andre saßen mit ihm zu Tisch. 30 Und die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten und sprachen zu seinen Jüngern: Warum esst und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern? 31 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. 32 Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Gerechten. 33 Sie aber sprachen zu ihm: Die Jünger des Johannes fasten oft und beten viel, ebenso die Jünger der Pharisäer; aber deine Jünger essen und trinken. 34 Jesus sprach aber zu ihnen: Ihr könnt die Hochzeitsgäste nicht fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist. 35 Es wird aber die Zeit kommen, dass der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten, in jenen Tagen. 36 Und er sagte zu ihnen ein Gleichnis: Niemand reißt einen Lappen von einem neuen Kleid und flickt ihn auf ein altes Kleid; sonst zerreißt man das neue und der Lappen vom neuen passt nicht auf das alte. 37 Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der neue Wein die Schläuche und wird verschüttet und die Schläuche verderben. 38 Sondern neuen Wein soll man in neue Schläuche füllen. 39 Und niemand, der vom alten Wein trinkt, will neuen; denn er spricht: Der alte ist milder.

Auslegung

Zuvor hatte Jesus einen Aussätzigen und dann einen Gelähmten geheilt. Diese beiden Heilungen versinnbildlichten, daß Jesus kein anmaßender Scharlatan war, der Menschen die Vergebung zusprach, ohne daß göttliche Autorität dahinter war, sondern Jesus war sanftmütig und von Herzen demütig, machte nichts aus sich selbst, und er konnte tatsächlich Sünden vergeben in göttlicher Kraft, womit eine körperliche Heilung des Sünders einhergehen konnte.

Bei der Heilung des Gelähmten hätten die Juden erkennen sollen, daß sie die an sich Gelähmten waren, gelähmt durch ihr orthodoxes Judentum. Sie bildeten sich ein, etwas Besonderes, Kinder Gottes, zu sein, nur weil sie biologisch von Abraham abstammten, das Gesetz besaßen und die Beschneidung praktizierten, etc. Aber die Heiligkeit des Lebens Abrahams war ihnen völlig fremd – was ihr praktisches Leben anging, waren sie keine Nachkommen Abrahams sondern Kinder des Teufels. Ihr Wahn, sie seien durch die biologische Abstammung von Abraham schon Kinder Gottes, hielt sie davon ab, nach einem Erlöser zu fragen, wirkliche Kinder Gottes zu werden.

Joh 8, 33-34 33 Da antworteten sie (die Juden; R. B.) ihm (Jesus; R. B.): Wir sind Abrahams Kinder und sind niemals jemandes Knecht gewesen. Wie sprichst du dann: Ihr sollt frei werden? 34 Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht.

Joh 8,39 Sie (die Juden; R. B.) antworteten und sprachen zu ihm (Jesus; R. B.): Abraham ist unser Vater. Spricht Jesus zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, so tätet ihr Abrahams Werke.

Joh 8,41 Ihr tut die Werke eures Vaters (des Teufels; R. B.). Da sprachen sie zu ihm: Wir sind nicht unehelich geboren; wir habeneinenVater: Gott.

Lies Johannesevangelium, Kap. 8, Verse 30-59!

Als sie (die Juden) bei der Heilung des Gelähmten Jesus der Gotteslästerung bezichtigten, überschritten sie eine rote Linie; da gingen sie zu weit. Nach dieser schweren Sünde konnte Jesus kaum mehr unter ihnen wirken; diese schwere Sünde war der Anfang der nun schon seit ca. 2000 Jahren andauernden Feindschaft zwischen Synagoge und Kirche bzw. (orthodoxem) Judentum und christlichem Glauben.

Die Berufung des Zöllners Levi, von der wir im obigen Abschnitt lesen, ist praktisch eine Trotzreaktion Gottes gegenüber den „Religiösen“, den orthodoxen Juden. Er sagt quasi zu seinen Lästerern: „Dann leckt mich doch am Arsch, ab jetzt gehe ich zu den Sündern.“ (siehe unbedingt Anmerkung 1, unten)

Die zwei Jünger Petrus und Andreas waren übrigens nicht in dem Sinn Sünder gewesen, bevor sie zu Jesus kamen, sondern von Herzen fromme Juden, allerdings in einer ganz anderen Art fromm wie die Pharisäer und Schriftgelehrten. Jene Zwei waren schon Jünger Johannes des Täufers, des Heiligen, gewesen, bevor sie Jünger Jesu wurden. Natürlich hatten auch Petrus und Andreas die degenerierte Natur Adams geerbt, litten unter der natürlichen Sündhaftigkeit aller Menschen, aber sie waren doch nicht das, was man damals unter „Zöllner und Sünder“ verstand. Jesus fing an, seine Kirche zu bauen mit Menschen, die tatsächlich aus der jüdischen Synagoge, mitten aus dem Judentum heraus kamen, der traditionellen Religion Israels – er fing an mit waschechten, frommen Juden. Leider war nur ein sehr kleiner Teil der Synagoge so fromm wie Petrus und Andreas. (siehe Johannesevangelium 1)

Es ist wichtig, daß sich die Kirche sozusagen aus der Synagoge heraus entwickelte. Jesus war also kein Neurer (was im Bereich der Religion ein Schimpfwort ist), wollte keine neue Religion stiften, sondern er wollte nur die Religion seiner Väter, des Volkes Israels, das Judentum, befreien von (falscher) lähmender Orthodoxie. Christentum ist nichts anderes als Judentum allerdings nach der korrekten Auslegung des Tanach, des Alten Testamentes, gereinigtes Judentum. Eben seine Verwurzelung in der Geschichte des alten Volkes Gottes und seiner Heiligen Schrift macht das Christentum so glaubwürdig, zu der Religion schlechthin. Keine andere Religion hat ein so gutes Fundament wie das Christentum bzw. im Vergleich zum Christentum haben alle anderen Religionen kein Fundament. Im Gegensatz zum Christentum beruht zum Beispiel der Islam auf Halluzinationen (oder waren es seine eigenen Erdichtungen, Lügen; wer weiß das schon) eines geisteskranken Arabers, der so überaus anmaßend war, zu behaupten, jene Eingebungen (oder eigenen Erdichtungen) kämen von Gott – aber niemals war ein Zeuge dabei, als Gott angeblich zu ihm sprach. Das Reden des jüdischen bzw. des christlichen Gottes wurde dagegen ständig von glaubwürdigen Zeugen beobachtet. Im Vergleich zum Christentum ist der Islam also ein Haufen Scheißdreck, weiter nichts – er fußt auf dem reinen Nichts, hat keine historische Grundlage. Es gab noch nie Menschen, die bezeugen konnten (Augenzeugen einer Erscheinung Gottes, Hörer der Stimme Gottes, etc.), wie Gott in die Geschichte der Menschheit eingegriffen hätte, um den Islam als neue Religion zu etablieren.

Im Gegensatz zur Begebenheit mit Zachäus, der auch Zöllner war, lesen wir bei der Berufung des Levi (= Matthäus) nichts davon, daß er einen Teil seines Vermögens den Armen gegeben hätte und durch Betrug erworbenes Geld zurückerstattet hätte.

Lk 19,8 Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.

Nun, dies wahrscheinlich deshalb, weil er (Levi) es (Gabe an die Armen, großzügige Rückerstattung von unrechtmäßig erhobenen Zöllen) als Reaktion auf die Bußpredigt Johannes des Täufers bereits längst getan hatte, bevor er Jesus begegnete. Levi war sicherlich wohl vorbereitet auf eine Begegnung mit dem Herrn, dem Gott Israels.

Lukas 3, 12-13 13 Es kamen auch die Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm (Johannes der Täufer; R. B.): Meister, was sollen denn wir tun? 13 Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist!

Daß Levi nun seine Zollstation verließ, hat nichts damit zu tun, daß der Beruf des Zollbeamten an sich sündig gewesen wäre, sondern Jesus, Gottes Sohn, hatte eine wichti-gere Aufgabe für Levi. Levi lag es fern, sich einfach so aus dem Berufsalltag des Zöllners davonzustehlen. Nein, nein! Christus sagte gleichsam zu ihm: „Ich erlaube dir, deinen bisherigen Beruf aufzugeben, denn ich habe einen nützlicheren Beruf, eine wichtigere Aufgabe für dich.“ Nur weil Jesus, Herr und Gott, Levi die Erlaubnis gab bzw. sogar dazu aufforderte, durfte er seinen alten Beruf aufgeben. Sicherlich kam die Sache dem irdischen Dienstherrn des Levi, dem Levi eigentlich Gehorsam schuldete, nicht gelegen, aber Jesus war viel höher als der irdische Dienstherr von Levi und man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Zachäus zum Beispiel scheint einfach Zöllner geblieben zu sein (Jesus rief in zwar in die Nachfolge aber nicht in ein geistliches Amt), nur daß er nach seiner Bekehrung seine Einnahmen nicht nur für sich selbst verbrauchte, sondern auch Armen damit half und schließlich nichts durch Betrug (überhöhte Zollgebühren) erwarb gemäß der Predigt des Johannes.

Wie sähe solch eine Berufung wie die Levis heute aus?

Natürlich ginge das nicht so, daß ein einfacher Christ plötzlich von sich behaupten würde, Gott habe durch einen Traum, einen Bibelvers, etc. zu ihm gesprochen, er solle seinen Job kündigen und Missionar werden sondern so: Ein Christ mit einem ganz normalen weltlichen Beruf sieht einfach die Not des Deutschen Volkes, vielleicht auch des Volkes Israel, und will helfen. Sicherlich wäre es heute mehr als sinnvoll, nach Israel zu gehen und den Juden das Evangelium von Jesus zu verkünden. Der Wunsch allein, eine geistliche Not beheben zu wollen, macht’s aber noch nicht, sondern der Kandidat muß sich auch von der Gemeinde bzw. Kirche beurteilen lassen, ob er für diesen Beruf, dieses geistliche Amt, geeignet ist. Wenn ihn dann die Kirche zu einer theologischen Ausbildung ermutigt und danach ordiniert, entspricht das einem Ruf durch den sakralen Jesus, denn die echte Kirche ist der Leib Christi.

Durch die sakramentale Taufe einschließlich Kindertaufe sind wir alle Jünger, hat uns Jesus in seine Nachfolge gerufen. Grundsätzlich kann die Ausübung eines normalen, weltlichen Berufes ohne Weiteres Teil des Lebens in der Nachfolge sein. Die Berufung in ein geistliches Amt muß aber durch die Kirche erfolgen, das kann sich keiner einfach so anmaßen, da ja alle Jünger zunächst das gleiche Recht haben durch ihre Taufe. Natürlich sollte der Betreffende ein vorbildlicher Christ sein:

1. Timotheus 3, 1-7 1 Das ist gewisslich wahr: Wenn jemand ein Bischofsamt begehrt, der begehrt eine hohe Aufgabe. 2 Ein Bischof aber soll untadelig sein, Mann einer einzigen Frau, nüchtern, maßvoll, würdig, gastfrei, geschickt im Lehren, 3 kein Säufer, nicht gewalttätig, sondern gütig, nicht streitsüchtig, nicht geldgierig, 4 einer, der seinem eigenen Haus gut vorsteht und gehorsame Kinder hat in aller Ehrbarkeit. 5 Denn wenn jemand seinem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie soll er für die Gemeinde Gottes sorgen? 6 Er soll kein Neugetaufter sein, damit er sich nicht aufblase und dem Urteil des Teufels verfalle. 7 Er muss aber auch einen guten Ruf haben bei denen, die draußen sind, damit er nicht geschmäht werde und sich nicht fange in der Schlinge des Teufels.

Ja und die erste Amtshandlung des Levi war es, daß er für Jesus und Zöllner und Sünder ein großes Mahl machte in seinem Hause. So wurde aus dem Haus Levis eine kleine Kirche. Beachten wir, daß Levi und Jesus nicht auf eine gottlose Feier von Ungläubigen gingen, sondern Levi und Jesus luden die Sünder zu sich ein. Das Festmahl in Levis‘ Haus stand also unter christlichem Vorzeichen trotz der Tatsache, daß viele Teilnehmer Sünder waren. Das Festmahl in Levis‘ Haus war im Grunde ein Gottesdienst.

Die Pharisäer und Schriftgelehrten ließen sich vom Volk, von den gewöhnlichen Sündern, immer für ihre mönchischen Werke applaudieren. Sie waren auch gierig nach Macht, Ehre und Reichtum. Sie benutzten das Gesetz der Thora als Instrument, mit dem sie das Volk klein hielten, einschüchterten.

Wie machten sie das?

Sie verlangten vom Volk, es solle das Gesetz der Thora aus eigener Kraft halten. Dies war ganz gegen Befund der heiligen Schrift, der lautet: Kein Mensch kann aus eigener Kraft das Gesetz der Thora halten – vielmehr nimmt die Sünde Anlaß am Gebot und der Mensch wird statt besser noch schlimmer durch das Gesetz. Wenn dann die armen Jüdlein bzw. jüdischen Sünderlein immer mehr in Sünden versanken, wurden sie von den Pharisäern und Schriftgelehrten auch noch gerichtet. Sie missbrauchten, vergewaltigten wirklich das jüdische Volk, indem sie ihm das Gesetz vorhielten, ohne auch einen Erlöser zu predigen, der ein Leben schenken konnte, das nicht mit dem Gesetz in Konflikt war. Einerseits richteten sie das Volk Israel, andererseits mußte ihnen das Volk applaudieren, wenn sie beteten, fasteten und Almosen gaben, um von den Menschen gesehen zu werden.

Sie waren auch geldgierig: Lk 20,47 sie fressen die Häuser der Witwen und verrichten zum Schein lange Gebete. Die werden ein umso härteres Urteil empfangen.

Sie waren auch ehrsüchtig: Mt 23,7 und haben’s gern, dass sie auf dem Markt gegrüßt und von den Leuten Rabbi genannt werden.

Das Ganze ist wirklich sehr komisch: Die Pharisäer und Schriftgelehrten erwarben sich nicht Macht, Ehre und Reichtum auf legitime Weise durch besonderen Verdienst, verdienstvolle Taten, die sie vor anderen ausgezeichnet hätten, sondern mit der Waffe des Gesetzes als Schlagstock machten sie das Volk relativ zu sich kleiner, sodaß sie relativ zum Volk größer erscheinen mußten – alles sehr pervers. Das ganze böse System war auf Lüge aufgebaut, denn  wenn sie keiner sah, heimlich, fraßen sie sich voll wie die Säue, soffen bis zum Umfallen, begingen Ehebruch, träumten von hohen Ämtern, ersannen Anschläge gegen die wirklich Frommen, etc. Und ihre religiösen Werke taten sie nur, um von den Menschen gesehen zu werden. (siehe Anmerkung 2, unten)

Lies Matthäus 23!

Wie ist das mit dem neuen Kleid, dem alten Kleid und den Lappen gemeint?

Nun, im alten Israel vor Christi Geburt gab es ja immer wieder Menschen, die nicht aus eigener Kraft gottselig leben wollten sondern durch einen Erlöser genauso wie wir Christen heute. Jene unterschieden sich auch in ihrem äußerlichen Leben von den anderen Israeliten. Zum Beispiel beteten und fasteten sie und gaben Almosen (sie wollten damit ausschließlich der Not eines Bedürftigen begegnen; es war Nächstenliebe). Das ahmten andere Israeliten  nach, aber ohne sich auf einen göttlichen Erlöser zu stützen (sie übernahmen nur das äußerliche Ritual, die Hülle, als religiöses Werk, um sich das Heil zu verdienen und von den Menschen gesehen zu werden; es geschah nicht aus Nächstenliebe). So rissen sie praktisch Lappen aus dem neuen Kleid (das neue Kleid ist immer das Leben aus der Kraft eines Erlösers; das alte Kleid ist immer das „Werken, die Werkerei“ aus eigener Kraft) heraus. Aber ein Lappen konnte nur innerhalb eines neuen Kleides ein „gutes Stück Stoff“ sein. Aus dem Gesamtkleid herausgerissen war er eben nur noch ein Lappen.

Die Pharisäer und Schriftgelehrten warfen Jesus vor, daß er aß und trank. Johannes dem Täufer hatten sie vorgeworfen, daß er fastete.

Lukas 7, 33-35 33 Denn Johannes der Täufer ist gekommen und aß kein Brot und trank keinen Wein; so sagt ihr: Er ist besessen. 34 Der Menschensohn (Jesus; R. B.) ist gekommen, isst und trinkt; so sagt ihr: Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! 35 Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden von allen ihren Kindern.

Das Problem der Pharisäer und Schriftgelehrten war, daß sie eines anderen Geistes als Jesus und seine Jünger waren. Sie waren nicht erlöst und schutzlos den Begierden ihres Fleisches (Körpers) ausgeliefert. Sie trugen das alte Kleid einer Religion aus dem Fleisch heraus. Praktisch bestand diese Religion dem äußeren Schein nach aus Fetzen des neuen Kleides, war insgesamt aber doch ein altes Kleid. Was am neuen Kleid vielleicht ein Kragen war, war am alten Kleid ein Ärmel. Aber rechteigentlich war es ein Kragen, denn es zählt die Stelle am neuen Kleid, der wahren Religion. Da nun die Pharisäer und Schriftgelehrten in Kategorien des alten Kleides dachten, mußten sie alles missverstehen, falsch deuten. Sie konnten die Taten von Jesus und Johannes nicht richtig einordnen, weil sie in Begriffen des alten Kleides dachten. Sie waren auch sehr unehrlich, denn im obigen Abschnitt loben sie Johannes indirekt für sein Fasten, aber Jesus sagt, daß sie ihn sonst wegen des Fastens für besessen hielten. Solches wankelmütige, willkürliche Urteilen ist typisch für die Diener Satans. Wären sie Johannes noch einmal begegnet (er saß im Gefängnis), dann hätten sie ihm vorgehalten, warum er denn nicht esse und trinke wie Jesus und seine Jünger – eine Frechheit. Nicht Jesu oder Johannes‘ vermeintliches Fehlverhalten war also das Problem sondern der böse Keim, der in den Pharisäern und Schriftgelehrten wohnte und sich in gehässiger Kritik an Jesus und Johannes äußerte; mochten jene sich auch noch so korrekt verhalten. Verstehen Sie, lieber Leser?

Jes 61,10 Ich freue mich im HERRN, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt.

Röm 13,14 sondern zieht an den Herrn Jesus Christus und sorgt für den Leib nicht so, dass ihr den Begierden verfallt.

Gal 3,27 Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.

Eph 4,24 und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Grundsätzlich trägt jeder Christ durch Buße, Glaube und sakramentale Taufe das Kleid des neuen Lebens, Jesus selbst. Jesus aber achtet unseren freien Willen und so sollen wir ihn Tag für Tag freiwillig immer mehr unser Kleid der Gerechtigkeit sein lassen, so wie er es grundsätzlich schon ist. Entkleiden wir uns doch nicht, wo wir bekleidet sind mit einem königlichen Gewand, Jesus.

Auf dieses neue Kleid, das Sein in Jesus bzw. Jesus selbst, kommt es an.

Anmerkung 1

Sünder ist nicht gleich Sünder. Mann kann die Menschheit in drei Gruppen aufteilen: Fromme, Sünder, Erzsünder (Bösewichter). Lange Zeit war es so, daß zumindest im christlichen Abendland die meisten Menschen gewöhnliche Sünder waren (allmählich kommen wir aber dahin, daß fast alle Menschen nur noch Erzsünder sind – das Ende der Welt scheint da zu sein!) trotz ihrer Taufe; das war die Volkskirche. Sie waren hin- und hergerissen zwischen Himmel und Hölle, Glaube und Sündigen. Sicherlich würden vernünftige Menschen gerne fromm sein, wenn es hier auf Erden nicht soviel kosten würde – wer will schon nicht in den Himmel. Man will einerseits in den Himmel, aber andererseits ein einigermaßen angenehmes Leben auf Erden führen, was nur durch (das ewige Leben gefährdende) Kompromisse bezüglich des Sündigens zu erlangen ist. Wohlstand auf Erden und ewiges Heil sind kaum miteinander vereinbar. Es ist ihnen aber klar, daß sie mit Sicherheit, definitiv, die ewige Verdammnis ernten würden, würden sie zu Erzsündern werden, die bereit sind, Sitte und Moral komplett zu opfern für persönliche Macht, Ehre und Reichtum. Das Verrückte ist, daß oft Geistliche (z. B. Papst, Kardinäle, katholische Bischöfe und Priester, evangelische Pfarrer, evangelikale Leiter, Prediger und Pastoren, etc.) Erzsünder sind. Sie begehen Verbrechen unter dem Deckmantel der Religion. Sie sind so geschickt im Umgang mit Lüge, Halbwahrheiten, Schein und Fiktion, daß sie es schaffen, daß viele gewöhnliche Sünder sie sogar ehren trotz der Tatsache, daß sie, die Erzsünder, die gewöhnlichen Sünder schädigen. Die gewöhnlichen Sünder lassen sich von den vermeintlich Besseren (den Geistlichen) treten, erniedrigen, lassen sich von ihnen leiten, erziehen, belehren, etc. (heute scheinen allerdings mehr Menschen als früher dieses Spiel zu durchschauen und machen den Fehler, mit den bösen Geistlichen auch den in sich selbst guten Glauben, der von den bösen Geistlichen missbraucht wurde, zu verwerfen – so werden allmählich alle Menschen zu Erzsündern; das ist, was man nennt: „Das Kind mit dem Bade ausschütten“; die bösen Geistlichen machen sich sehr schuldig vor Gott, da sie den Menschen einen Vorwand liefern, auch den wahren Glauben zu verwerfen.)

Die Menschen, die mit Levi und Jesus zusammen ein Mahl hielten, waren gewöhnliche Sünder. Da hatte man den ein oder anderen Fehltritt begangen und war vom jüdischen Klerus als Sünder abgestempelt worden für alle Zeit, unabänderlich; man trug nun ein furchtbares Brandmal. Das Schlimme dabei war, daß der jüdische Klerus in aller Heimlichkeit noch viel schwerer sündigte als die gewöhnlichen Sünder, also eigentlich kein Recht zum Richten hatte. Sein Richten war absolut verbrecherisch. Dieser armen Sünderlein nun, hin- und hergerissen zwischen Gut und Böse, Himmel und Hölle, Glaube und Unglaube, etc. nimmt sich Jesus an, indem er Gemeinschaft hat mit ihnen, bei ihnen ist,  Zeit mit ihnen verbringt, denn SEINE Gegenwart ist im Grunde genommen schon die Lösung aller Probleme. Was wir geknickten Sünderlein uns immer wieder vor Augen halten müssen, ist, daß wir Jesus nicht erst etwas bringen müssen, bevor er uns hilft, unsere Probleme zu lösen, sondern wir sollen so zu ihm kommen, wie wir sind und er schenkt sich uns selbst (persönliche Beichte bei einem christlichen Bruder). Wenn er unser Leben wird/ist, dann ist unser Leben in der Regel auch nicht im Konflikt mit dem Gesetz der Thora (das ist natürlich ein Wachstumsprozess). Heute würden wir zu Levi und Jesus gehen, wenn wir zu einem Gottesdienst der echten Kirche, in der Jesus gegenwärtig ist durch den Heiligen Geist, gehen würden. Momentan scheint aber die echte Kirche nicht da zu sein – apokalyptisch.

Auf keine Fall dürfen wir die obige Geschichte so missverstehen, daß Jesus etwa die Erzsünder besonders liebt, die bedenkenlos sind in der Wahl ihrer Mittel. Der Gedanke sei ferne, daß Gott jemand umso mehr liebte, je mehr er sündigte – völlig pervers. Manche Evangelikale scheinen in dieser Richtung zu denken – als ob man erst Junky (Drogen-süchtiger), Zuhälter, Prostituierte, Krimineller, etc. werden müßte, bevor man Christ werden könnte – völlig idiotisch. Natürlich nimmt Jesus auch solche auf, wenn sie in Reue zu ihm kommen, aber was ich sagen will, ist, man muß nicht erst vom Normalbürger zum Junky, Zuhälter, etc. degenerieren, bevor man Christ werden kann – ein völlig unsinniger Gedanke.

Jesus sagt ja nicht: „Kommt her zu mir alle ihr frechen, unverschämten Sünder, ich drück‘ ein Auge zu!“, sondern „Mt 11,28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

Übrigens schädigen moderne Pharisäer und Schriftgelehrte (Klerus der römisch-katholischen Kirche, Klerus der evangelischen Kirche, evangelikale Leiter, Älteste, Prediger, Pastoren, etc.) die gewöhnlichen Sünder heute nicht dadurch, daß sie sie richten, sondern dadurch, daß sie die Sünde legalisieren. Aber die Legalisierung der Sünde ist genauso wenig im Interesse des Sünders wie das böse Richten – beides führt in den Tod, die ewige Verdammnis.

Wir brauchen wieder Geistliche, die das Gesetz der Thora richtig anwenden: Sie sollen uns durch das Gesetz darauf hinweisen, daß wir Dinge tun, die Gott nicht gefallen. Dies sollen sie ganz nüchtern und sachlich in einem Geist der Liebe tun; wohlwollend. Dann sollen sie uns aber nicht auffordern, das Gesetz aus eigener Kraft zu halten, sondern so reden über uns: Mein permanentes Brechen von Geboten zeigt, daß ich mich nicht in einem gottseligen Stande befinde, vielmehr ein Wesen bin, das unter die Sünde verkauft ist, der lebenspendenden Gegenwart Gottes entbehrt. Ich brauche also einen göttlichen Erlöser, der mir ein neues Leben gibt bzw. selbst mein Leben wird. Das neue Leben in Jesus wird mein altes Leben immer mehr verdrängen und ich werde immer weniger in Konflikt geraten mit den Geboten Gottes.

Anmerkung 2

In der freien Wirtschaft ist es ja so, daß eine Firma dann aufsteigt, wenn sie qualitativ hochwertige Produkte herstellt. In der freien Wirtschaft steigt also eine Firma auf, die Produkte herstellt, die mehr wert sind.

Keine Firma käme auf die folgende Idee: Herstellung mittelmäßiger Produkte und Erniedrigung von Konkurrenten durch Negativ-Werbung. Wie idiotisch wäre es, wenn Miele ständig auf die Mängel von Siemens-Waschmaschinen hinweisen würde, um Kunden für sich zu gewinnen, aber selbst Maschinen bauen würde, die gar nicht besser wären als die des Konkurrenten.

So verrückt ist die Welt: Was wir in der Wirtschaft nicht dulden würden, lassen wir uns von sogenannten Geistlichen bieten. Sie schüchtern uns ein, machen uns klein, aber in Wirklichkeit sind sie schlimmere Sünder als wir – wirklich kriminell.

Ergänzung

Die alten Pharisäer und Schriftgelehrten erniedrigten das Volk Israel durch Missbrauch des Gesetzes der Thora.

Wie schädigen uns unsere heutigen Geistlichen?

Nun, die Methode der modernen Geistlichen (Papst, Kardinäle, katholische Priester und Bischöfe, evangelische Pfarrer und Bischöfe, evangelikale Leiter, etc.) ist noch viel ausge-klügelter, raffinierter als die alte Methode der Pharisäer und Schriftgelehrten. Die modernen Geistlichen schädigen uns, indem sie die Sünde legalisieren bzw. die Gebote Gottes abschaffen (wozu sie natürlich kein Recht haben, aber es dennoch tun). Dies scheint uns zunächst wesentlich angenehmer zu sein, als daß man von uns verlangt, die zehn Gebote aus eigener Kraft zu halten und dann in bösartiger Weise von den Geistlichen gerichtet zu werden, falls wir sie nicht halten. Das Problem dabei ist jedoch, daß ja die Sünde uns unglücklich macht auch ohne Anwesenheit eines Gebots. Nicht die Gebote Gottes  sind das Problem. Mit jeder Sünde lösen wir uns mehr heraus aus der unsichtbaren Struktur, Gott, die das Universum zusammenhält; wir verlieren mehr und mehr an Halt, beginnen zu fallen. Gott aber ist das Leben in sich selbst. Mit jeder Sünde entfernen wir uns also ein Stückchen mehr von der Quelle des Lebens. Je mehr wir sündigen, desto mehr gewinnt auch der Satan, der Fürst des Verderbens, Raum in uns, denn es gibt keine neutrale Zone. Dies werden wir spüren in Form von Depression, Antriebslosigkeit, Einsamkeit, Hilflosigkeit, Krankheit, Sterben, Fatalismus, etc.

Die modernen Geistlichen sind also wahrlich Wölfe im Schafspelz. Wir gehen Richtung Abgrund, Richtung Hölle und sie laufen neben uns her und rufen uns zu: „Ihr tut nichts Schlimmes; ihr kommt alle in den Himmel.“

Weitere Ergänzung

Eine „kleine“ Nadel haben die heutigen „Geistlichen“ doch, mit der sie uns piksen können.

Was ist das?

Auf Grund einer geschichtlichen Entwicklung lehren heute alle Religionsgemeinschaften im Westen außer der wahren Christlichen Kirche im Grunde das Gleiche. Egal ob jemand Katholik ist, Protestant, Evangelikaler, Muslim, Buddhist, Hindu, etc. seine Geistlichen bzw. religiösen Führer verlangen von ihm, daß er beruflich bzw. wirtschaftlich erfolgreich ist. Das ist der sogenannte asketische Protestantismus (die Askese besteht in der totalen Konzentration auf das Berufliche und Vernachlässigung alles sonstigen) bzw. ein aufgeklärtes Christentum, das mit dem Christentum, welches Jesus und die Apostel gelehrt haben, gar nichts mehr zu tun hat. Der asketische Protestantismus spricht gleichsam:

Beruflicher Erfolg = Gerechtigkeit

Der durch die Liebe tätige Glaube wird durch erfolgreiche Berufstätigkeit ersetzt. Das ganze Christentum wird beim asketischen Protestantismus auf den beruflichen Erfolg reduziert oder im weitesten Sinne auf den wirtschaftlichen Erfolg, wirtschaftliches Wachstum. Dieses Phänomen hat z. B. der Soziologe Max Weber in seinem Buch Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus beschrieben.

Es spielt eigentlich gar keine Rolle, was heute irgend so ein närrischer, katholischer Priester, evangelischer Pfarrer oder Imam auf seiner Kanzel quasselt, letztendlich wissen alle Schäfchen bzw. Wölfchen (Muslime) seiner Gemeinde, wo es lang geht und was zählt. Das Bild des Menschen, in den heute alle Glieder der etablierten Religionsgemeinschaften umgeformt werden sollen, sieht so aus: Kleiner, mickriger Spießbürger, der sexuell sehr freizügig ist und lebt, der auch religiös sehr tolerant ist und nur noch mit Arbeiten und Konsumieren beschäftigt ist. Das einzige womit sich heute ein Bürger der westlichen Welt noch vom anderen unterscheiden kann, ist der berufliche bzw. wirtschaftliche Erfolg.

Und wenn heute einer zu sehr vom Bild des perfekten Spießbürgers abweicht, dann ist der erste, der ihn pikst, unangenehme Fragen stellt, sein Priester, Pfarrer, Imam, etc. Und die Linientreuen in der Gemeinde kritisieren natürlich auch den Abweichler und piksen ihn mit dummen Fragen:

  • Warum geht deine Tochter nicht auf das Gymnasium?
  • Warum lernt dein Sohn nur Bäcker und macht kein Studium?
  • Wann machst du endlich deinen Meister?
  • Warum hast du deine Stelle verloren?
  • Warum bist du schon so lange arbeitslos?
  • Na, hast du schon was Neues?
  • Ich fahr‘ einen BMW – und du?
  • Wieso kommst du mit zerrissenen Jeans in den Gottesdienst?
  • Was, du hast keine Lebensversicherung?
  • Was, du hast keine private Haftpflichtversicherung?
  • Ihr fliegt dieses Jahr nicht nach Mallorca?
  • Ich hab‘ mir ’nen Designergarten anlegen lassen – und du?
  • Ich bin zum Abteilungsleiter befördert worden – und du?
  • Du hast keinen Fernseher? Ich hab‘ schon einen HD-Flachbildschirm.
  • etc. („ich kotz gleich“)

Ich sag’s doch: Apokalypse ist da!

Und noch eine Anmerkung:

These nach Max Weber:

Kapitalismus ist entstanden aus dem asketischen Protestantismus.

Protestantische Askese:
 
  • selbstlose Berufsarbeit
  • Kapital gewinnen
  • sparsam sein
  • gewonnenes Kapital nicht für Konsum verbrauchen, sondern reinvestieren
  • „christliche“ Nachfolge erschöpft sich praktisch völlig in der Berufsarbeit
Falle: Gewonnenes Kapital selbst wirkt verführerisch, auch die Güter. Güter gewinnen Macht über den Menschen. Calvinismus trug somit zur Entchristlichung bei.

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