Auslegung Lukasevangelium, Kap. 6, Verse 12-49; Gründung der christlichen Kirche; Verhaltensregeln bei Anfeindung durch die Welt, unser Kampf

12Es begab sich aber zu der Zeit, dass er auf einen Berg ging, um zu beten; und er blieb die Nacht über im Gebet zu Gott. 13Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger und erwählte zwölf von ihnen, die er auch Apostel nannte: 14Simon, den er auch Petrus nannte, und Andreas, seinen Bruder, Jakobus und Johannes; Philippus und Bartholomäus; 15Matthäus und Thomas; Jakobus, den Sohn des Alphäus, und Simon, genannt der Zelot; 16Judas, den Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde.

17Und er ging mit ihnen hinab und trat auf ein ebenes Feld. Und um ihn war eine große Schar seiner Jünger und eine große Menge des Volkes aus ganz Judäa und Jerusalem und aus dem Küstenland von Tyrus und Sidon, 18die gekommen waren, ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden; und die von unreinen Geistern umgetrieben waren, wurden gesund. 19Und alles Volk suchte ihn anzurühren; denn es ging Kraft von ihm aus und er heilte sie alle,

20Und er hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach:

Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer.

21Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr sollt satt werden. Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen.

22Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und euch ausstoßen und schmähen und verwerfen euren Namen als böse um des Menschensohnes willen. 23Freut euch an jenem Tage und springt vor Freude; denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel. Denn das Gleiche haben ihre Väter den Propheten getan.

24Aber dagegen: Weh euch Reichen! Denn ihr habt euren Trost schon gehabt. 25Weh euch, die ihr jetzt satt seid! Denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht! Denn ihr werdet weinen und klagen. 26Weh euch, wenn euch jedermann wohlredet! Denn das Gleiche haben ihre Väter den falschen Propheten getan.

27Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; 28segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. 29Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht. 30Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück. 31Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch! 32Und wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Dank habt ihr davon? Denn auch die Sünder lieben ihre Freunde. 33Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, welchen Dank habt ihr davon? Denn die Sünder tun dasselbe auch. 34Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr etwas zu bekommen hofft, welchen Dank habt ihr davon? Auch die Sünder leihen den Sündern, damit sie das Gleiche bekommen. 35Vielmehr liebt eure Feinde; tut Gutes und leiht, wo ihr nichts dafür zu bekommen hofft. So wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.

36Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. 37Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. 38Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen. 39Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? 40Der Jünger steht nicht über dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister. 41Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? 42Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!

43Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht trägt, und keinen faulen Baum, der gute Frucht trägt. 44Denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt. Man pflückt ja nicht Feigen von den Dornen, auch liest man nicht Trauben von den Hecken. 45Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser bringt Böses hervor aus dem bösen. Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. 46Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?

47Wer zu mir kommt und hört meine Rede und tut sie – ich will euch zeigen, wem er gleicht. 48Er gleicht einem Menschen, der ein Haus baute und grub tief und legte den Grund auf Fels. Als aber eine Wasserflut kam, da riss der Strom an dem Haus und konnte es nicht bewegen; denn es war gut gebaut. 49Wer aber hört und nicht tut, der gleicht einem Menschen, der ein Haus baute auf die Erde, ohne Grund zu legen; und der Strom riss an ihm und es fiel gleich zusammen und sein Einsturz war groß.

Auslegung

Nach der Szene auf dem Kornfeld und der Szene in der Synagoge (Lukas 6, 1-11) waren Jesus und das orthodoxe Judentum endgültig geschieden. Die orthodoxen Juden hatten unter Beweis gestellt, daß sie von allen guten Geistern verlassen bzw. Kinder des Teufels waren. Somit war es für Jesus unmöglich, fernerhin als Glied der Synagoge, als Jude, zu handeln, sondern er mußte seine Unabhängigkeit von ihnen manifestieren. Er hatte schon einige Zeit gepredigt und geheilt, es gab schon eine ganze Schar von Jüngern. Nur eine Handvoll hatte er bisher auch ins geistliche Amt berufen.

Eines ist klar, die Zahl der Jünger wuchs und dieses kleine “Volk Gottes” brauchte allmählich eine Struktur, eine Ordnung. Auf die Synagoge und deren Klerus konnte Jesus nicht zurückgreifen, also mußte notgedrungen etwas Neues her – so berief Jesus die zwölf Apostel.

“12 Es begab sich aber zu der Zeit, dass er auf einen Berg ging, um zu beten; und er blieb die Nacht über im Gebet zu Gott. 13 Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger und erwählte zwölf von ihnen, die er auch Apostel nannte:”

Wir gewinnen hier wieder einen kleinen Blick in die Gottheit, denn wenn Jesus betete, dann sprach Christus, Gott, mit Gott, dem Vater. Gott, der Sohn, besprach sich sozusagen mit Gott, dem Vater, welche von den Jüngern er erwählen sollte, welche von ihnen Apostel sein sollten. Hier wird wieder die brüderliche Gesinnung der Personen der Gottheit unter-einander deutlich. “Keine Person der Gottheit spielt sich gegenüber der anderen als Gott auf, obwohl sie alle drei Gott sind; es will sich keiner über den anderen setzen – im Gegenteil.” Christus maßt sich nicht eine einsame Entscheidung an, sondern bespricht sich mit dem Vater. Zwischen Gott, dem Vater, und Gott, dem Sohn, ist also Friede, jedoch mehr als ein spießbürgerlicher Friede – auf der Gottheit liegt ein tiefer Friede. Die Personen der Gottheit leben nicht einfach so nebeneinander her ohne Beziehung miteinander; sie teilen sich nicht etwa in einer Art modus vivendi die Herrschaft über das Universum, sondern regieren es zusammen in tiefster, innigster Gemeinschaft. Es findet ein permanenter Abgleich zwischen den Personen der Gottheit statt, sodaß sie immer ein einiges Handeln haben.

Und es gehörte zur Vorhersehung Gottes, daß auch Judas Iskariot Apostel werden sollte, welcher ihn (Jesus) hernach verriet. (ich vermute übrigens, daß Judas dem äußeren Schein nach der heiligste der zwölf Apostel war, er schien sicherlich prädestiniert zu sein für das Bischofsamt der christliche Kirche; sein schwerer Fehler war nur, wie ich vermute, daß er Oberbischof bzw. Oberapostel (Apostelfürst) sein wollte, und daß sogar trotz der Tatsache, daß Jesus, der legitime, wahre und einzige Bischof aller Bischöfe, noch lebte; deswegen wollte er ja Jesus eine Zeitlang im Kerker verschwinden lassen durch den Verrat, aber es kam viel schlimmer, als Judas dachte)

Exkurs zur Bergpredigt aus dem Matthäusevangelium, die im Gegensatz zur lukanischen „Bergpredigt“ (siehe oben) auch darauf eingeht, wie der Christ sich während einer Zeit der Mission gegenüber Noch-nicht-Gläubigen verhalten soll:

Jesus war es völlig klar, daß die Apostel und seine Jünger, sprich die junge Kirche, die gleichen Anfeindungen erleben würden wie er selbst. Da standen die Jünger in Gefahr dem Volk zu zürnen, es zu beleidigen und verfluchen, wenn sich die Einzelnen „nicht schnell genug bekehrten“. Die Pharisäer und Schriftgelehrten, der alte jüdische Klerus, zürnten dem Volk, beleidigten und verfluchten es so gerne. Gott bestrafte sie dafür, indem er sie dahingab in Erniedrigung, Entehrung, Lüsternheit, Lüge, Meineid und Gewalttätigkeit. Weil der alte jüdische Klerus die armen Sünderlein so strenge richtete, machte Gott aus ihnen selbst perverse Sünder. Davor wollte Jesus die Jünger bewahren durch die Bergpredigt. Auch sie standen in Gefahr zu zürnen, zu beleidigen und verfluchen; noch viel mehr als der alte jüdische Klerus, denn man würde sie ohne Ursache hassen; sie, die wirklich nur Gutes taten.

Joh 15,19 Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.

Joh 15,20 Gedenkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten.

Auch gab es die Versuchung zu äußerlicher Frömmigkeit und Materialismus. Auch dem begegnet Jesus mit der Bergpredigt des Matthäusevangeliums.

Ende Exkurs Bergpredigt aus dem Matthäusevangelium

Siehe Auslegung Bergpredigt

Die Bergpredigt aus dem Matthäusevangelium und die “Bergpredigt” aus dem Lukasevangelium sind nicht identisch.

Warum?

Es scheint, daß die Missionssituation nicht mehr gegeben war, als Lukas sein Evangelium schrieb. Dies wird eben deutlich an den Unterschieden zwischen der lukanischen “Bergpredigt” und der Bergpredigt aus dem Matthäusevangelium. Bei Lukas wird der Teil weggelassen, wo es um den aufwallenden Zorn des Missionars gegenüber Ungläubigen geht, die sich nicht schnell genug bekehren wollen. Auch gab es während der Missionssituation (Bergpredigt des Matthäus-evangeliums) die Versuchung zu äußerlichem Gottesdienst und Materialis-mus (wenn nach einer Mission eine gewisse Zeit vergangen ist, darf es in der Gemeinde eigentlich keine größere Anzahl von Menschen mehr geben, die nur äußerlich religiös sind oder materialistisch, das heißt unechte Christen; deswegen geht die lukanische Bergpredigt nicht auf äußerlichen Gottesdienst und Materialismus ein). Bei Lukas werden einfach schon zwei “feindliche” Lager vorausgesetzt, die nach der Mission entstanden waren. Es geht nur noch um das Verhalten des Christen gegen über den ungläubigen Feinden; die Welt ist in zwei Lager geteilt durch eine bereits geschehene Mission.

Bei Matthäus geht es mehr um Jünger, die geistlich arm sind und nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, während es bei Lukas mehr nach physischer Armut und Hunger aussieht.

Wie ist das zu erklären?

Nun, da die Missionssituation vorbei war, war die Menschheit in zwei Lager geteilt. Einerseits ungläubige (bezüglich des Christentums) Heiden und Juden, andererseits gläubige Heiden und Juden, spricht Heidenchristen und Judenchristen oder kurz gesagt: Christen. Die christliche Kirche, die Gemeinschaft der geistlich Armen und nach Gerechtigkeit Hungernden, wurde von ungläubigen Juden und Heiden verfolgt. Dies führte zu materieller Armut der Kirche. So waren die geistlich Armen und die nach Gerechtigkeit Hungernden gleichzeitig materiell arm und physisch hungrig. Nicht das materielle Armut bzw. physischer Hunger an sich selbst einen Wert vor Gott hätten – nein, nein! Aber um ihres Glaubens willen, um Jesu willen ertrugen die ersten Christen Armut und Hunger. Ihr Glaube bzw. Jesus war ihnen mehr wert als materieller Wohlstand. Nur deswegen kann dann in der lukanischen Bergpredigt gesagt werden:

“Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer.  21 Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr sollt satt werden.”

Die ersten Christen wollten sich nicht durch Armut und Hunger das Heil verdienen, sondern sie erlebten Anfeindung wegen ihres Glaubens an Jesus, der ihnen das Heil frei geschenkt hatte (sie waren von Neuem geboren aus Wasser und Geist durch Buße, Glaube und sakramentale Taufe). Hätten sie diesen Glauben verleugnet und somit ihr Heil verloren, wäre ihnen Anfeindung und damit Armut erspart geblieben. Den ersten Christen war also ihr Heil bzw. ihr Glaube an Jesus mehr wert als materieller Wohlstand – insofern waren dann Armut und Hunger Ausdruck ihrer Seligkeit.

Siehe Soll ein Christ in Armut leben – gefällt das Gott?

Bei Lukas gibt es auch negative Seligpreisungen, sprich Wehrufe. Den Leuten, egal ob Juden oder Heiden, die sich nun nach erfolgter Mission ganz fest im Lager des Unglaubens (bezüglich des Christentums) eingenistet hatten, wird mit Verderben gedroht:

24 Aber dagegen: Weh euch Reichen! Denn ihr habt euren Trost schon gehabt. 25 Weh euch, die ihr jetzt satt seid! Denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht! Denn ihr werdet weinen und klagen. 26 Weh euch, wenn euch jedermann wohlredet! Denn das Gleiche haben ihre Väter den falschen Propheten getan.”

Ihr Reichtum oder ihre Sattheit waren nicht böse an sich selbst. Ihr Reichtum oder ihre Sattheit waren böse als Ausdruck ihres Unglaubens. Ihr Unglauben kam darin zum Ausdruck, daß sie reich und satt sein konnten, während andere arm und hungrig waren. Dies war sehr böse. Sie schlossen praktisch die Christen aus der Leistungsgesellschaft aus, die auch dem götzendienerischem Materialismus verfallen war. Die zur Brüderlichkeit neigenden Christen passten nicht ins System der gegenseitigen Konkurrenz und es vertrug sich auch nicht mit dem System, daß sie nicht den Mammon, den Gott des Materialismus, sondern Jesus anbeteten. Sie waren eines anderen Geistes (ich glaube, das ist das Hauptproblem des Christen in dieser Welt und die Hauptursache für Anfeindung – er ist eines anderen Geistes; der Christ hat im tiefsten Grunde ein metaphysisches Problem, solange er auf Erden lebt – die unsichtbaren Mächte der Finsternis sind seine Feinde). Die Christen kannten weder das Streben nach Karriere noch den Wettbewerb der Statussymbole. Auch war ihnen ‚Wohlleben nicht wichtig, da der Frieden Gottes auf ihnen war. Die Christen passten also überhaupt nicht ins System.

Die Sache mit der Verführung zum Materialismus (“ihr sollt euch nicht Schätze sammeln … “) und zur äußerlichen Frömmigkeit (“um von den Menschen gesehen zu werden”) wird, wie schon gesagt, bei Lukas weggelassen. Da nun (nach der Zeit der Mission) Juden und Heiden den ersten Christen endgültig als Feind gegenüberstanden, war die Gefahr des Materialismus und des Augendienstes nicht gegeben (in der Kirche gab es langfristig keinen Raum für Scheinheilige und Materialisten; dies war mit dem echten Glauben an Jesus nicht vereinbar). Dagegen waren ja die allerersten Christen, also die Judenchristen, in Gefahr wie ihre “jüdischen Stammverwandten” auch wiederum dem Materialismus und den äußerlichen Gottesdienst zu frönen – deswegen wird darauf bei der Bergpredigt aus Matthäus eingegangen.

Übrigens enthält die “Bergpredigt” eine verborgene Botschaft:

Erst stellt ja Jesus die Gläubigen als die in dieser Welt Armen hin und die Ungläubigen als die Reichen. Dann aber heißt es plötzlich, die Gläubigen sollten sich über die Ungläubigen erbarmen, wenn diese um materielle Hilfe bäten. Wie soll denn der Arme dem Reichen helfen? Dies kann nichts anderes bedeuten, als daß Gott die Feinde der Jünger erniedrigen wird bzw. er führt die Rechtssache der Gläubigen. Gott kann die Feinde der Frommen arm machen. Und wenn nun so ein erniedrigter Feind einen Jünger um Hilfe bittet, dann soll er sie ihm gewähren und nicht denken: “Dieser Arsch, nun hat ihn Gott endlich bestraft, das hat er verdient.” Der Christ soll dem von Gott Gerichteten nicht noch zusätzlich eins drüber braten, nachtreten, sondern den Schmerz lindern in Barmherzigkeit.

Der Apostel Paulus bestätigt dies. Zwischen Röm 12,19 und Röm 12,20 liegt die Erniedrigung des Feindes durch Gott selbst. Dies tut Gott, wenn der Christ ihm seine Rechtssache anbefiehlt und sich nicht selber rächt.

Röm 12,19 Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

(Erniedrigung des Feindes)

Röm 12,20 Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22).

Ich könnte mir vorstellen, daß nicht wenige Menschen das Christentum wegen der Bergpredigt innerlich ablehnen, für weltfremd, nicht praktikabel halten: “Das ist doch wohl zuviel verlangt in so einer schlechten Welt.” Diese Argumentation wäre sogar richtig, wenn nicht Gott versprochen hätte, die Rechtssachen der Gläubigen zu führen. Durch die Wirklichkeit von Gottes Richten wird die Bergpredigt sogar zum Gegenteil von dem, was viele Menschen meinen, daß sie sei. Sie verdammt nicht den Gläubigen zum Prügelknaben, Fußabtreter, Sklaven, Sündenbock, etc. der Gottlosen, die dem Gläubigen übel mitspielen, sondern das Gegenteil ist der Fall. Indem die Gläubigen an sich halten, nach der Bergpredigt handeln, geben sie dem Zorn Gottes Raum, der ihren Feinden übel mitspielen wird.

Ganz wichtig bei dieser Sache ist natürlich, daß man wirklich Christ ist, daß man wirklich mit Gott verbunden ist durch Buße, Glauben an Jesus und sakramentale Taufe einschließlich Kindertaufe. Wer nicht von Neuem geboren ist aus Wasser und Geist (das ist die sakramentale Taufe einschließlich Kindertaufe), der wird furchtbaren Schiffbruch erleiden, wenn er aus eigener Kraft nach der Bergpredigt leben will – das endet in Verzweiflung und unter Umständen im Selbstmord. Nach der Bergpredigt kann nur leben, wer wirklich unter dem Schutz des Höchsten steht, von einem unsichtbaren Schutzwall umgeben ist (eine unsichtbare Leibwache).

Ergänzung

Also, die “Bergpredigt” des Lukasevangeliums ist ein Kampfschrift. Auf welchen Kampf bezieht sie sich? Es ist der Kampf der Christen, der Kirche, unser Kampf, mein Kampf mit der sündigen Welt, den Ungläubigen (bezüglich des Christentums).

Es sind zwei Lager da: Die Gläubigen und die Ungläubigen.

Die Ungläubigen gehen gegen die Kirche vor, die nur Gutes im Sinn hat. Das ist idiotisch, dämonisch, aber dennoch leider Realität. Die säkulare Gesellschaft verfolgt die Kirche ohne Ursache (zur säkularen Gesellschaft zählen natürlich auch alle etablierten Religionsgemeinschaften, die nicht den Glauben der christlichen Kirche haben). Die Anschläge der Welt auf die Kirche müssen geschehen, historisches Faktum werden, das kann selbst der allmächtige Gott nicht verhindern, denn wenn er es verhindern wollte, müßte er die ungläubigen Menschen ihres freien Willens berauben, was aber bedeuten würde, daß sie keine Menschen mit voller Menschenwürde mehr wären. Was Gott allerdings tun will und wird, und das ist eben in der lukanischen “Bergpredigt” enthalten, ist, daß er die Rechtssache der Frommen führen wird. Voraussetzung dafür ist allerdings, daß die Frommen das Recht nicht selbst in die Hand nehmen und ihre Rechtssache Gott anbefehlen. Hat Gott die Feinde der Kirche dann geschlagen und erniedrigt, soll sich die Kirche über die Feinde erbarmen und ihnen auch materiell helfen, falls sie darum bitten. Die Kirche soll nicht dem von Gott Gerichteten auch noch zusätzlich eins drüber braten.

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