Auslegung Lukasevangelium, Kap. 11; Leben in der Kraft des Heiligen Geistes

Bibeltext: Lukasevangelium, Kapitel 11 (bitte anklicken und lesen)

Wenn wir Lukas 10 und Lukas 9 miteinander vergleichen, dann sehen wir, daß die Siebzig die Probleme der Zwölf (Mission als profane Erwerbsarbeit sehen, Weglassen der unbe-liebten Bußpredigt, Rangstreit, Streben nach irdischer Macht, Ehre und Reichtum statt Seelsorge, etc.) nicht hatten.

Die Siebzig hatten das Heil in Jesus und nichts als dieses Heil gaben sie an die Menschen weiter; nur das reine Evangelium predigten sie, aber mit Kraft.

Warum waren sie mit dem Heiligen Geist erfüllt?

Es muß an dem Unmündig-Sein gelegen haben, das in Lukas 10 erwähnt wurde. Sie waren ganz bewußt darin unmündig, „zurückgeblieben, unreif, kindlich“, daß sie sich nicht von der Überzeugung abbringen lassen wollten, daß Glaube an Gott immer mit andauernder sittlich-moralischer Besserung einhergehen muß. Die „Weisen“ und „Klugen“ dieser Welt haben Wege ersonnen, vermeintlich auch ohne sittlich-moralische Besserung an Gott glauben zu können – es wird jedoch ein böses Erwachen für sie geben. Spätestens am Jüngsten Tag wird sich herausstellen, wer wirklich die Dummen und die Klugen waren. Da die Unmündigen sich nicht mit einer vermeintlichen Gerechtigkeit aus Gesetzeswerken (später konnte es auch eine vermeintliche Gerechtigkeit durch einen Billige-Gnade-Jesus sein) abspeisen lassen wollten, innerlich ganz ehrlich blieben, gab Gott ihnen das wirkliche Heil, rief Jesus sie in seine Nachfolge, seine sakrale, lebendig machende Gemeinschaft. Es tut übrigens nichts zur Sache, daß viele von denen, die Jesus in seine Nachfolge rief, offenbare Sünder, also nicht einmal Gesetzes-Juden waren (die Gesetzes-Juden waren heimliche Sünder, Heuchler). Es war zwar nicht gut in sich selbst, daß sie offen-bare Sünder waren, auch von den Gesetzes-Juden so genannt, aber wenigstens hatten sie sich von den Gesetzes-Juden nicht mit einer oberflächlichen Tünche beschmieren lassen, die doch nichts half. Insofern war es „gut“, daß sie zunächst offenbare Sünder geblieben waren, nicht heuchelten wie die Gesetzes-Juden, bis schließlich Jesus kam, der sie wirklich heilte an Seele und Leib.

Lukas 10, 20-21 20 Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. 21 Zu der Stunde freute sich Jesus im Heiligen Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja, Vater, so hat es dir wohlgefallen.

Egal an welchem Ort er ist, soll der Christ das Vaterunser beten:

Unser Vater im Himmel!

Dein Name werde geheiligt.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Aber dieses Vaterunser ist im Grunde genommen nichts anderes als die Bitte um den Heiligen Geist. All diese Einzelbitten werden auf einmal erhört durch die Gabe des Heiligen Geistes:

Durch den Heiligen Geist sind wir überhaupt mit Gott verbunden (unser Vater im Himmel).

Eph 2,18 Denn durch ihn haben wir alle beide in „einem“ Geist den Zugang zum Vater.

Hebr 9,14 um wie viel mehr wird dann das Blut Christi, der sich selbst als Opfer ohne Fehl durch den ewigen Geist Gott dargebracht hat, unser Gewissen reinigen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott!

Wir werden den Namen Gottes heiligen (dein Name werde geheiligt) durch unser Leben, je mehr uns der Geist erfüllt (der Name Gottes ist natürlich schon heilig an sich selbst, aber bei uns als Gliedern am Leib Christi und Gottes hapert es manchmal noch, deswegen bedürfen wir der permanenten Heiligung durch den Geist)

Eph 5,30 Denn wir sind Glieder seines (Christi; R. B.) Leibes. (da ja auch Christus Gott ist, kann man sicherlich auch vom Leib Gottes sprechen, auch wenn dieser Begriff wenig gebräuchlich ist)

2Thess 2,13 Wir aber müssen Gott allezeit für euch danken, vom Herrn geliebte Brüder, dass Gott euch als Erste zur Seligkeit erwählt hat in der Heiligung durch den Geist und im Glauben an die Wahrheit,

Wenn der Geist mit uns ist, werden Menschen gläubig, denn er überführt sie (dein Reich komme); unter den Gläubigen ist das Reich Gottes schon gekommen, ganz einfach weil sie Gottes Herrschaft als König anerkennen, freiwillig auf ihn hören.

Joh 16,8 Und wenn er (der Heilige Geist; R. B.) kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht;

Wenn der Geist uns erfüllt, tun wir auch den Willen Gottes (dein Wille geschehe).

Röm 8,14 Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.

Der Geist läßt uns Gutes tun (auch arbeiten für den Broterwerb) und so gibt er uns unser tägliches Brot immerdar.

Apg 10,38 wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit Heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan (für den gewöhnlichen Christen besteht „Gutes tun“ auch in der alltäglichen Erwerbsarbeit; R. B.) und alle gesund gemacht, die in der Gewalt des Teufels waren, denn Gott war mit ihm.

Eph 4,28 Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern mühe sich vielmehr und wirke mit seinen Händen das Gute, damit er dem Bedürftigen etwas mitzugeben habe!

Der Geist wirkt Bereitschaft, Schuldigern zu vergeben, denn er zeigt uns, daß wir auch arme, kleine Sünderlein sind, die nicht allzu selbstgerecht sein sollten. Außerdem zeigt er uns, daß die Rache Gottes ist, wir uns nicht selbst rächen sollen.

Joh 16,8 Und wenn er (der Heilige Geist; R. B.) kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht;

Röm 12,19 Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

Im Geist warten wir geduldig auf die Erlösung von dem Bösen.

1Petr 5,10 Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen.

Offb 3,10 Weil du mein Wort von der Geduld (die Bergpredigt; R. B.) bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen.

Im Geist sprechen wir auch: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. (dies sprechen wir trotz der Tatsache, daß wir hier auf Erden unser Kreuz tragen, das heißt leiden und verworfen werden von der Welt; wir schauen auf das Zukünftige)

Hebr 11,10 Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.

Hebr 11,16 Nun aber sehnen sie sich nach einem besseren Vaterland, nämlich dem himmlischen. Darum schämt sich Gott ihrer nicht, ihr Gott zu heißen; denn er hat ihnen eine Stadt gebaut.

Hebr 12,22 Sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu den vielen tausend Engeln und zu der Versammlung

Hebr 13,14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir

„Der bittende Freund“

Wenn wir an Bedürftige etwas weitergeben wollen, dann müssen wir erst etwas empfangen haben, sonst stehen wir ja mit leeren Händen da. Der Eine konnte die drei Brote seinem Freund nur vorsetzen, weil sein anderer Freund sie ihm vorher gab. Genauso können wir das Evangelium nur predigen, wenn wir selbst das Heil in Jesus empfangen  haben, den Heiligen Geist haben. Die Kirche predigt den Sündern das Evangelium, aber das ist ja noch lange nicht alles, sondern auf die Kraft kommt es an (die Evangelikalen predigen das Evangelium auch aber ohne die Kraft Gottes; die Worte allein machen es also nicht).

1Thess 1,5 denn unsere Predigt des Evangeliums kam zu euch nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft und in dem Heiligen Geist und in großer Gewissheit. Ihr wisst ja, wie wir uns unter euch verhalten haben um euretwillen.

Das Entscheidende ist, daß Sünder durch die Kirche des Heiligen Geistes (er hat göttliche Kraft) teilhaftig werden mittels der sakramentalen Taufe. Die große Gabe der Kirche ist der Heilige Geist. Der Geist wird zwar im Zusammenhang mit der Taufe gegeben aber nicht auf mechanische Art und Weise. Die Taufe der römisch-katholischen Kirche ist zwar gültig, aber wenn Katholiken wirklich den Geist bei der Taufe empfangen hätten, dann würden sie ja ihre Kirche verlassen, denn sie ist keine christliche Kirche mehr wegen des Papsttums, der falschen Eucharistie, der Lehre von der Gerechtigkeit aus Werken, etc. Angenommen, der Geist würde bei der Taufe einfach mechanisch gegeben, dann könnte ja jede häretische Kirche, wo der Heilige Geist nicht gegenwärtig ist, mit der Taufe Gott in den Griff bekommen, Gott zu etwas zwingen: Den Geist zu geben. Falls der Geist bei der Taufe mechanisch gegeben würde, könnten man also Gott mittels der Taufe zwingen, sich zu einer Kirche zu stellen, die er wegen Häresie (Irrlehre) verworfen hat, das wäre absurd. Ich selbst wurde auch von einem katholischen Priester getauft, habe den Geist aber erst als Erwachsener empfangen, als ich anfing, Bücher von Dietrich Bonhoeffer, der evange-lischer Pfarrer war, zu lesen. Anscheinend kann Gott sogar durch „entschlafene“ Gläubige den Geist geben, wenn es sonst keine Möglichkeit gibt, denn sie ruhen im Herrn, sind also insofern nicht wirklich tot.

Röm 14,8 Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.

Apg 8,17 Da legten sie (Petrus und Johannes; R. B.) die Hände auf sie (die Getauften von Samaria; R. B.) und sie empfingen den Heiligen Geist.

Apg 9,17 Und Hananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul (Paulus; R. B.), der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, dass du wieder sehend und mit dem Heiligen Geist erfüllt werdest. (bei dieser Gelegenheit wurde Paulus auch getauft; man darf die Taufe und das Auflegen der Hände, den Empfang des Geistes, nicht auseinanderreißen, beides zu-sammen ist eine Einheit)

Apg 19,6 Und als Paulus die Hände auf sie (die Jünger von Ephesus; R. B.) legte, kam der Heilige Geist auf sie und sie redeten in Zungen und weissagten. (auch hier wurden die Hände aufgelegt im Zusammenhang mit der Taufe; die Einheit von Geistesempfang und Taufe muß also gewahrt bleiben)

Ich muß wirklich zugeben, daß es „verrückt“ ist, daß die Taufe der römisch-katholischen Kirche gültig ist, obwohl sie keine christliche Kirche mehr ist. Dennoch, die katholische Kirche tauft nach meinem Kenntnisstand immer noch mit der richtigen Gesinnung (Taufe zur Vergebung der Sünden) und hat auch immer noch das richtige Gottesbild (Trinität, ein Gott in drei Personen). Aber natürlich, der heilige Geist hat die katholische Kirche schon lange verlassen, denn der Papst stiehlt Christus sein Amt als Bischof aller Bischöfe. Der Papst maßt sich ein Amt an, das nur der göttliche Christus ausfüllen könnte und dürfte. Der Papst maßt sich ein göttliches Amt an. So ist also die katholische Kirche keine christliche Kirche sondern eine Papstkirche; ihr Gott ist wirklich der Papst, nicht der ewige Gott, der Himmel und Erde gemacht hat. Nicht der Wille Gottes geschieht in der katholischen Kirche sondern der Wille des Papstes. Im Gegensatz dazu ist das Haupt der christlichen Kirche der unsichtbare Jesus Christus. In der echten christlichen Kirche gibt es keinen sichtbaren Oberbischof sondern nur lokale Bischöfe an den einzelnen Orten, die alle dem unsichtbaren Haupt, Christus, unterworfen sind. Christus, das Haupt, regiert die wahre Kirche durch den Heiligen Geist.

Hieraus folgt, daß Katholiken erst durch den Einfluss echter Christen selber Christen werden können. Dazu ist allerdings keine Wiedertaufe erforderlich bzw. eine Wiedertaufe wäre sogar kriminell, ist verboten. Es genügt, wenn der Christ betet, daß der Katholik den Geist empfangen möge und ihm die Hände auflegt. Sicherlich sollte das nach Möglichkeit ein Christ tun, der ein geistliches Amt hat, der ordiniert ist.

Natürlich muß der Katholik sich auch lossagen von der ganzen falschen katholischen Glau-benslehre, insbesondere vom Papsttum, der falschen Lehre von der Eucharistie und der falschen Lehre von der Werksgerechtigkeit. Der Katholik wird dann wirklich Christ, Christ im engeren Sinne (im weiteren Sinne war er natürlich allein schon durch die Taufe Christ; aber das ewige Leben wird man nur ererben, wenn man irgendwann auch Christ im engeren Sinne wird, das heißt aus der Kraft seiner Taufe Jesus nachfolgt im Alltag), wenn er umkehrt von seinen Sünden und seine ganze Hoffnung allein auf die befreiende Kraft des Todes und der Auferstehung Jesu setzt, die ihm durch seine Kindertaufe zugeeignet wurde/wird, und sonst nichts. Sicherlich wird Gott ihm dann den Geist geben, wenn die christliche Kirche für ihn betet und die Hände auflegt.

Jesus und die bösen Geister

Was will Lukas damit lehren?

Offensichtlich konnten die Juden böse Geister nicht wirklich austreiben bzw. die Aus-treibung war nur vorübergehender Natur und nach einer Weile wurde es mit dem Menschen schlimmer als vorher.

Lukas 11, 24-26 24 Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so durchstreift er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht; dann spricht er: Ich will wieder zurückkehren in mein Haus, aus dem ich fortgegangen bin. 25 Und wenn er kommt, so findet er’s gekehrt und geschmückt. 26 Dann geht er hin und nimmt sieben andre Geister mit sich, die böser sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie darin, und es wird mit diesem Menschen hernach ärger als zuvor.

Aber warum konnten sie die bösen Geister nicht wirklich austreiben?

Nun, die Austreibung der Juden, die doch keine wirkliche war, hinterließ ein Vakuum im Menschen. Was sollte der Mensch nun machen, statt sündigen? – es war ganz leer in ihm. Unser Leib braucht einen Modus (auf Englisch „mood“). Unser Leib kann schlichtweg und schlechthin nicht ohne mood sein. Da die Juden dem Menschen keinen Ersatz für den alten mood gaben, mußte der Mensch zwangsläufig wieder in den alten mood zurück-kehren; es ging einfach nicht anders.

Mt 12,28 Wenn ich aber die bösen Geister durch den Geist Gottes (dauerhaft; R. B.) aus-treibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen.

Das war das Erfolgsrezept Jesu: Er trieb die bösen Geister durch den Geist Gottes aus. Hierbei wurde kein Vakuum hinterlassen. Dem Menschen wurde einer neuer Modus gegeben, ein komplett neues Leben. So wie früher das Sündigen die Beschäftigung des Leibes des Menschen gewesen war, so war es nach der Austreibung des bösen Geistes durch Jesus das neue Leben im Heiligen Geist, das Tun von Liebeswerken und das Wirken von Gerechtigkeit.

(die Sache ist in Wirklichkeit noch ein bisschen komplizierter, denn im Zusammenhang mit der sakramentalen Taufe, die man auch als Exorzismus sehen kann, wird nicht nur der Heilige Geist gegeben, sondern der Mensch auch der Sünde für abgestorben erklärt. Es sind also zwei Heilstatsachen, die dem Glaubenden helfen, nicht wieder unter die Herrschaft des bösen Geistes zu kommen)

Hier spielt auch wieder die Sache mit dem Unmündig-Sein herein. Die jüdischen Führer bezichtigten Jesus, er würde die Dämonen mit dem Obersten der Dämonen austreiben. Was ihnen in Wirklichkeit nicht gefiel, war, daß Jesus den Menschen wirklich rein machte, zur sittlich-moralischen Besserung verhalf. Egal ob man sagt, Jesus mache frei von Sünde oder Jesus treibe den bösen Geist aus, man drückt letztlich die gleiche Sache nur mit verschiedenen Begriffen aus. Also, die jüdische Führer wollten gar nicht, daß die Men-schen frei wurden. Die Religion der jüdischen Führer war nur etwas für „Mündige“, die so „klug“ waren, ihrer sündiges Leben wie eine schmutzige Wand mit der jüdischen Religion übertünchen zu lassen, was ihnen echte sittlich-moralische Besserung ersparte. Das ewige Leben werden aber nur die Unmündigen ererben, die so „unreif“ waren und blieben, darauf zu beharren, daß wahre Religion zu sittlich-moralischer Besserung führen muß.

Epheser 2, 1-3 1 Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden, 2 in denen ihr früher gelebt habt nach der Art dieser Welt, unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams. 3 Unter ihnen haben auch wir alle einst unser Leben geführt in den Begierden unsres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Sinne und waren Kinder des Zorns von Natur wie auch die andern.

(Dieser Abschnitt aus dem Epheserbrief sagt eindeutig, daß Sünde nichts anderes ist als eine Wirkung der bösen Geister oder des Teufels; der Teufel und seine Dämonen haben praktisch Zugriff auf den Leib des Menschen, egal ob der Mensch das will oder nicht; nur die sakramentale Taufe, wo wir der Sünde absterben, kann uns vom Zugriff des Teufels auf unser Fleisch befreien, wobei wir die Tatsache, daß wir durch die Taufe der Sünde abgestorben sind, täglich neu im Glauben ergreifen müssen, um unsere alten Gewohnheiten zu überwinden; unser Leib bleibt sündig in sich selbst trotz Taufe, aber wir als Gesamtperson sind durch die Taufe der Sünde abgestorben, woraus folgt, daß wir als Getaufte die Kraft haben, unseren in sich selbst sündigen Leib zu kontrollieren – wir sind nicht mehr unter dem absoluten Zwang, sündigen zu müssen, sondern können über-winden durch die Kraft der Taufe; wenn wir Tag für Tag überwinden, werden wir das ewige Leben ererben)

Alle Religiösen, ausgenommen die Glieder der christlichen Kirche, sind eigentlich Heuch-ler. Sie wollen gar nicht ganz rein werden, sondern schminken sich wie eine Hure bzw. sind eine getünchte Wand. Wenn sie echten Christen begegnen, die reinen Herzens sind, werden sie wütend und neigen dazu, die echten Christen als Kinder des Teufels zu betrachten und den Heiligen Geist als Dämon.

Mt 23,15 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr Land und Meer durchzieht, damit ihr einen Judengenossen gewinnt; und wenn er’s geworden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr. (dieser Vers sagt doch alles – oder?)

Mt 23,27 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch aussehen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat!

Mt 23,28 So auch ihr: von außen scheint ihr vor den Menschen fromm, aber innen seid ihr voller Heuchelei und Unrecht.

Das Zeichen Jonas

Die jüdischen Führer forderten ein Zeichen, das Jesu Messianität bestätigte trotz der Tatsache, daß er ja ständig Zeichen tat. Vielleicht wollten sie, daß er die Römer durch messianische Gewalt aus dem Land trieb. Natürlich wäre Jesus dazu fähig gewesen. Allein, dann wäre aber auch für die jüdische Führer der Gerichtstag dagewesen – Jesus in seiner Eigenschaft als ewiger Gott hätte auch sie vernichtet. Jesus aber hatte den Vorsatz, noch nicht zu richten, sondern erst einmal zu retten, ein liebender Seelsorger zu sein – es war Gnadenzeit. So konnte er dem Wunsch der jüdischen Führer nicht entsprechen und sie legten ihm das als Schwäche aus. Aber wie kann einer, der Lahme gehend und Blinde sehen macht, schwach sein? Sie täuschten sich gröblich in ihm, verstanden ihn nicht.

Das Zeichen Jonas ist der Tod und die Auferstehung Jesu. Der Tod und die Auferstehung Jesu ist die Grundlage für die Befreiung von der Sünde, vom Einfluss der bösen Geister (im Grunde ist jeder ungläubige und ungetaufte Mensch besessen; es kommt nur bei jedem verschieden stark zum Ausdruck, sodaß man nur die schlimmsten Fälle wirklich auch als besessen bezeichnet). Das Machtzeichen, das Jesus auf Erden tut, ist also nicht die Einführung eines neuen, politischen Systems unter Gewaltanwendung, sondern er befreit Einzelne von der Herrschaft Satans und bringt sie unter Seine Herrschaft, in sein Reich – so breitet sich das Reich Gottes aus, ganz sanft und still. Aber dieser Herrschafts-wechsel des Einzelnen ist natürlich auch ein gewaltiges Wunder: Der Einzelne wird befreit zur Nächstenliebe, wird frei von Selbstsucht. Wieviele Menschen nehmen sich Nächsten-liebe vor, aber scheitern doch kläglich, werden sogar noch selbstsüchtiger, weil sie es ohne Jesus, den Befreier, versuchen.

Lk 11,52 Weh euch Schriftgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen und habt auch denen gewehrt, die hineinwollten.

Die jüdischen Führer weigerten sich, an einen Erlöser zu glauben und predigten auch keinen Erlöser. Vielmehr lehrten sie die Gerechtigkeit aus Gesetzeswerken, was aber die Menschen ins Unglück stürzte. Auch die jüdischen Führer selbst wurden durch ihren Unglauben immer mehr zu Söhnen der Hölle.

Das Grundproblem der jüdischen Führer war, daß sie nicht wirklich rein werden wollten.

Lk 7,30 Aber die Pharisäer und Schriftgelehrten verachteten, was Gott ihnen zugedacht hatte, und ließen sich nicht von ihm (Johannes der Täufer; R. B.) taufen.

Die jüdischen Führer wollten also nicht umkehren von ihren bösen und schlechten Wegen.

Sie hatten auch böse Augen. Sie beneideten die Römer und Herodes Antipas um ihre Macht, ihre Ehre, ihren Reichtum. Durch ihre Augen sogen sie sich mit Bildern bzw. Vorstellungen von Macht, Ehre und Reichtum voll, so wurden ihre Augen böse. Sie ließen nicht die Bilder von den Menschen in sich hinein, die unter dem Gesetzes-Judentum jämmerlich dahinvegetierten, auch nicht die Bilder davon, wie Jesus sie heilte durch seine neue Religion. Diese Menschen, derer Jesus sich annahm, wurden zu Salz und Licht durch ihren Glauben an Jesus, ihre Gemeinschaft mit ihm. Jesus war ihr Licht und ihr Heil. Jene ließen nicht (mehr) Bilder von Macht, Ehre und Reichtum in sich hinein durch ihre Augen, sondern hatten Mitleid mit jenen, die noch nichts von Jesus wußten und gingen zu ihnen, um ihnen von Jesus zu erzählen. So hatten sie gute Augen und ihr ganzer Leib blieb licht, so wie er grundsätzlich schon licht geworden war, als sie anfingen an Jesus zu glauben.

Hier in Lukas 11 wird uns also das Geheimnis warer Jüngerschaft geoffenbart, einer Jüngerschaft, die ggf. schon hier auf Erden mit der Ordination in ein geistliches Amt belohnt werden kann (siehe Lukas 10, die Siebzig).

Ein wahrer Jünger wird man durch Buße, Glaube an Jesus und sakramentale Taufe. Die Taufe stellt wirklich die metaphysische Beziehung zu Jesus her, sodaß man, von der Sünde befreit, frei wird zur Nächstenliebe. Den Glauben bewahrt man, wenn man sich täglich seiner Taufe erinnert und in ihrer Kraft, der Kraft des Todes und der Auferstehung Jesu, seine alten sündigen Neigungen überwindet und Gott und seinen Nächsten liebt. Man bewahre sich auch gute Augen, indem man nicht Bilder von Menschen in sich hinein läßt, die Macht, Ehre und Reichtum haben in dieser Welt. Vielmehr schaue man auf die Menschen, die in Erbärmlichkeit dahinvegetieren unter der Sklaverei der Sünde bzw. Satans und predige ihnen das Evangelium; und tue auch jenen Gutes, die die Botschaft nicht gleich annehmen, wenn sie um Hilfe bitten, damit sich der Fluch in Segen wandle.

Ergänzung

Das moderne Pendant zu den antiken Pharisäern und Schriftgelehrten sind unter anderem die Evangelikalen. Auch sie treiben den bösen Geist nicht wirklich aus dem Menschen aus. Es kann mit dem Menschen nach seiner sogenannten Bekehrung, wenn die erste Euphorie vorbei ist, schlimmer werden als vorher – erst wird das Haus geschmückt, allerdings bleibt es verhängnisvollerweise ein leeres Haus trotz des Schmucks, und dann kommt der böse Geist mit sieben anderen zurück. In den USA werden immer wieder evangelikale Prediger in Skandale verwickelt: Jahrelang predigt einer die Nachfolge Jesu (im evangelikalen Sinne) und plötzlich, eines Tages stellt sich heraus, daß er seine Frau betrogen hat oder Ähnliches. Wer außer den Evangelikalen beschäftigt sich intensiver mit der Nachfolge Jesu (natürlicher haben sie eine sehr verzerrte Vorstellung von der Nachfolge, da sie den Geist nicht haben). Aber da sie nicht wirklich von neuem geboren sind, führt das nur dazu, daß die sündige Natur noch mehr zum Sündigen gereizt wird, die Dämonen sich erst recht auf sie stürzen. Der evangelikale Glaube ist wirklich ein Bubenstück, ein Meisterstück des Teufels. Wer darin verstrickt ist, ist wirklich zu bedauern.

Kleiner Exkurs zu Besessenheit

Es entspricht dem Befund der Bibel, daß tatsächlich jeder natürliche Mensch, der ungläu-big und ungetauft ist, besessen ist; allerdings werden im allgemeinen Sprachgebrauch nur die schlimmsten Fälle als besessen bezeichnet. Daß der Mensch sündigt, ist nichts anderes als die Folge seiner Besessenheit; die bösen Geister haben Zugriff auf den Körper des Menschen, bewirken sündige Neigungen, Lüste, Begierden. Nichts ist natürlich dem modernen, aufgeklärten Menschen anstößiger als diese Behauptung, aber allein wichtig ist der Befund der Bibel, das Zeugnis der heiligen Schrift. Übrigens ist für Luther der Exorzismus ein ganz natürlicher Bestandteil der Kindertaufe, was man in seinem Taufbüchlein nachlesen kann.

Ende Exkurs

Es klingt so gut, wenn die Evangelikalen von Nachfolge reden – man könnte sie glatt für die wahren Christen halten, die wirklich verstanden haben, worauf es ankommt. Aber da sie den Geist nicht haben, nicht von neuem geboren sind, wird die Nachfolge für sie zur unerträglichen Last, denn sie versuchen, Jesus aus eigener Kraft nachzufolgen. Mag sein, daß sie Gott darum bitten, er möge ihnen dazu verhelfen, es ihnen verleihen, daß sie nicht aus eigener Kraft, sondern aus der Kraft Jesu Jesus nachfolgen – aber wie soll Gott dieses Gebet erhören? Nicht aus eigener Kraft sondern aus der Kraft Jesu folgen wir Jesus nach, wenn wir uns auf die sakramentale Taufe einschließlich Kindertaufe beziehen, aber gerade diese Taufe verleugnen ja die Evangelikalen und setzen sie außer Kraft durch ihre Wiedertaufe bzw. lächerliche Badertaufe (natürlich bezeichnen sie ihre Wiedertaufe bzw. Badertaufe intern als die legale Taufe). Für die Evangelikalen ist der Teufel nicht wie ein Blitz vom Himmel gefallen, ist der Fürst dieser Welt nicht ausgestoßen, sondern hat nach wie vor vollen Zugriff auf ihr Fleisch, „ist ihr Gott im Himmel, des Willen sie tun“, auch wenn sie das, denke ich, gar nicht gerne hören und strikt von sich weisen werden.

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