Jesus und das Schwören

(Fortsetzung von „Bergpredigt und Römerbrief“)

Matthäus 5, 33-37

33 Ihr habt weiter gehört, dass zu den Alten gesagt ist (3.Mose 19,12; 4.Mose 30,3): »Du sollst keinen falschen Eid schwören und sollst dem Herrn deinen Eid halten.« 34 Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron; 35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße; noch bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs. 36 Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören; denn du vermagst nicht ein einziges Haar weiß oder schwarz zu machen. 37 Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.

Denken wir wieder daran, daß die Jünger Jesu sich in einer besonderen Situation befanden. Sie lebten in Gemeinschaft mit dem heiligen Jesus. Dadurch wurde ihnen einerseits ihre Sündhaftigkeit bewußt, andererseits wurden sie aber auch heiliger in Tat und Wahrheit (sie wurden tatsächlich heiliger im alltäglichen Verhalten). Die Gemeinschaft von Menschen, die von Natur aus Sünder waren, mit dem heiligen Jesus brachte die, in den Seligpreisungen genannten, besonderen Charaktereigenschaften wie Bescheidenheit, Mitgefühl, Sanftmut, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, etc. hervor.  Allein schon diese Charaktereigenschaften mußten zu Anfeindungen seitens des Volkes führen. Weiter verkündeten die Jünger das Evangelium von Jesus Christus, das aber auch nicht von allen sofort angenommen wurde. So waren die Jünger versucht ihrerseits eine Feindseligkeit gegen die normalen Israeliten aufzubauen. Es konnte durchaus passieren, daß sie geneigt waren, diese vielleicht verächtlich als „Ungläubige“ (bezüglich des Evangeliums) zu bezeichnen. Die Pharisäer und Schriftgelehrten hatten sich das Gesetz zum Eigentum gemacht, die Jünger standen in Gefahr sich die Gnade zum Eigentum zu machen. Beides war gotteslästerlich, denn sowohl Gesetz als auch Gnade sind ausschließliches Eigentum Gottes. Der Christ muß sich jeden Tag neu an sein Heil in Christus erinnern. Der Christ braucht täglich neu Gnade seinen sündigen Leib zu zähmen. Wer einmal angefangen hat zu glauben, der bekommt keinen fixen Status „ewig begnadigt“, sondern er muß Tag für Tag in der Gnade bleiben, indem er durch die Gnade seine Sündhaftigkeit überwindet (jeden Tag erinnert sich der Christ daran, daß er der Sünde abgestorben ist durch die Taufe und jeden Tag bittet der Christ Christus in ihm zu herrschen, so wie er ihn bei der Taufe empfangen hat) und Liebe an Gott und seinen Mitmenschen übt. Nur wer sich in solchem Stande des Überwindens durch die Gnade befindet, kann getrost dem Jüngsten Tag entgegensehen. Der Christ sieht immer zu allererst sich selbst gefordert gerecht zu handeln und seinen Mitmenschen gegenüber ist er barmherzig.

Titus 2, 11-14:

11 Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen 12 und nimmt uns in Zucht, dass wir absagen dem ungöttlichen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben 13 und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilands Jesus Christus, 14 der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.

Die Pharisäer und Schriftgelehrten waren einer fürchterlichen Anmaßung anheimgefallen. Sie maßten sich an das Volk nach dem Gesetz richten zu dürfen, wollten das Volk das Gesetz lehren und es leiten und erziehen. Sie missbrauchten das Gesetz als Zuchtrute und schlugen damit das Volk. Gott hätte eigentlich gewollt, daß das Gesetz zu der Schlußfolgerung führte, daß man sich nicht in einem seligen Heilsstande der Liebe befände, der ein Leben beinhaltete, das nicht mit dem Gesetz in Konflikt war. Wer sich durchs Gesetz seiner Sündhaftigkeit bewußt wurde, hätte Gott um Gnade bitten sollen, ihn zum Heil zurückzubringen. Weil nun aber die Pharisäer und Schriftgelehrten das Gesetz mißbrauchten, indem sie dem Volk zürnten, es beleidigten und verfluchten, anstatt es den Glauben an einen Erlöser zu lehren, wurden sie selbst von Gott gerichtet und er erniedrigte und entehrte sie. Die Pharisäer und Schriftgelehrten predigten dem Volk nicht Erlösung und Befreiung von Sünden durch einen Erlöser, sondern verfluchten das Volk. Das zahlte Gott ihnen heim, indem er sie dahingab selbst über die Maßen zu sündigen. Er versagte ihnen seine Bewahrung und so mußten ihre Lüste und Begierden überschäumen. Von Frauen, die sie nur aus sexueller Not heraus geheiratet hatten, ließen sie sich wieder scheiden, wenn diese alterten, krank wurden, etc. und brachen so die Ehe.

So wie die Pharisäer und Schriftgelehrten sich selbst ein Sonderrecht gaben vor Gott (sie richteten sich selbst nicht für Dinge, die sie bei anderen richteten), konnte es auch den Jüngern passieren, daß sie sich ein Sonderrecht gaben.

Hatten nicht die „Gerechten“ das Recht den Sündern (die das Evangelium noch nicht angenommen hatten) mal eins überzubraten?

Wer seine Mitmenschen als verfluchte Sünder sieht, ihnen mit Geringschätzung und Abneigung begegnet, der kann sie unmöglich lieben. Wer aber nicht liebt, der muß automatisch sündigen. Angenommen, die Jünger würden jemals anfangen falsch zu schwören, konnten sie sich sicher sein, daß sie auf dem niedrigen Niveau der Pharisäer und Schriftgelehrten angekommen waren. Die Jünger sollten sich hüten ihre Mitmenschen (die Sünder) zu verfluchen, sie geringschätzig zu behandeln oder ihnen mit Abneigung zu begegnen. Die Jünger sollten sich das Bewußtsein bewahren, daß sie von Natur selbst Sünder waren und nur durch Gottes Gnade in Jesus sich besserten. Genau diese Gnade sollten sie auch ihren Mitmenschen, den Sündern ohne Jesus, vermitteln. Würden sie ihre Mitmenschen richten, würden sie ihrerseits von Gott dahingegeben werden und sie würden zu Lügnern und Falsch-Schwörern (Meineidigen) werden wie die Pharisäer und Schriftgelehrten.

Das gewohnheitsmäßige falsche Schwören der Pharisäer und Schriftgelehrten zeigte, daß sie sittlich-moralisch am Nullpunkt angelangt waren. Sie taten soviel Strafwürdiges, Böses, Verwerfliches, daß sie ständig unter Eid ableugnen mußten dieses oder jenes verbrochen zu haben.

Wenn ein Pharisäer oder Schriftgelehrter schwor, wußte man sofort, daß er log. Schwüre sind eigentlich heilig (auch und besonders aus Gottes Sicht). Durch einen Schwur soll die Wahrheit einer Aussage verbürgt werden, indem man Gott als Zeugen anruft. Die Pharisäer und Schriftgelehrten hatten also den heiligen Schwur pervertiert. In der Lebenswirklichkeit eines Pharisäers oder Schriftgelehrten bedeutete das Wort Schwur Lüge. Dies war die totale Pervertierung des Schwurs. Am Tag X galt der Schwur beim Tempel, am Tag X+1 galt nur noch der Schwur beim Gold des Tempels. So konnte man sich sicher sein, daß ein Pharisäer oder Schriftgelehrter bewußt immer einen geraden ungültigen Schwur schwörte, d. h. er log, indem er eine falsche Aussage (Lüge) durch einen „ungültigen“ Schwur bekräftigte. 

Matthäus 23, 16-22:

Weh euch, ihr verblendeten Führer, die ihr sagt: Wenn einer schwört bei dem Tempel, das gilt nicht; wenn aber einer schwört bei dem Gold des Tempels, der ist gebunden. 17 Ihr Narren und Blinden! Was ist mehr: das Gold oder der Tempel, der das Gold heilig macht? 18 Oder: Wenn einer schwört bei dem Altar, das gilt nicht; wenn aber einer schwört bei dem Opfer, das darauf liegt, der ist gebunden. 19 Ihr Blinden! Was ist mehr: das Opfer oder der Altar, der das Opfer heilig macht? 20 Darum, wer schwört bei dem Altar, der schwört bei ihm und bei allem, was darauf liegt. 21 Und wer schwört bei dem Tempel, der schwört bei ihm und bei dem, der darin wohnt. 22 Und wer schwört bei dem Himmel, der schwört bei dem Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt.

Da Gott die Pharisäer und Schriftgelehrten dahingegeben hatte in ihre Lüste und Begierden, begingen sie häufig auch wirklichen Ehebruch. Sie platzten förmlich vor Lüsternheit. Da kam es sicherlich öfter vor, daß sie einer Frau versprachen sie zu heiraten, nachdem sie zu ihr eingegangen waren und später schwörten sie, sie hätten mit der Frau nie etwas zu tun gehabt. Oder sie waren schon verheiratet, wurden aber ihrer Ehefrau (die Basis der Ehe war wahrscheinlich lediglich die geschlechtliche Vereinigung) bald überdrüssig und gingen schließlich zu einer fremden, schöneren Frau ein, was sie später unter Schwur ableugneten.

Matthäus 19, 1-12:

1 Und es begab sich, als Jesus diese Reden vollendet hatte, dass er sich aufmachte aus Galiläa und kam in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordans; 2 und eine große Menge folgte ihm nach und er heilte sie dort. 3 Da traten Pharisäer zu ihm und versuchten ihn und sprachen: Ist’s erlaubt, dass sich ein Mann aus irgendeinem Grund von seiner Frau scheidet? 4 Er aber antwortete und sprach: Habt ihr nicht gelesen: Der im Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie als Mann und Frau 5 und sprach (1.Mose 2,24): »Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden „ein“ Fleisch sein«? 6 So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern „ein“ Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden! 7 Da fragten sie: Warum hat dann Mose geboten, ihr einen Scheidebrief zu geben und sich von ihr zu scheiden? 8 Er sprach zu ihnen: Mose hat euch erlaubt, euch zu scheiden von euren Frauen, eures Herzens Härte wegen; von Anfang an aber ist’s nicht so gewesen. 9 Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, und heiratet eine andere, der bricht die Ehe. 10 Da sprachen seine Jünger zu ihm: Steht die Sache eines Mannes mit seiner Frau so, dann ist’s nicht gut zu heiraten. 11 Er sprach aber zu ihnen: Dies Wort fassen nicht alle, sondern nur die, denen es gegeben ist. 12 Denn einige sind von Geburt an zur Ehe unfähig; andere sind von Menschen zur Ehe unfähig gemacht; und wieder andere haben sich selbst zur Ehe unfähig gemacht um des Himmelreichs willen. Wer es fassen kann, der fasse es!

Ehescheidung war offensichtlich ein großes Problem in Israel und die Jünger schlugen völlig über die Stränge, indem sie schlußfolgerten, man solle überhaupt nicht heiraten. Da wollten die Jünger den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Nicht-Heiraten war auch keine Lösung für den durchschnittlichen Mann. Ganz Wenige mochten die Ehelosigkeit wagen, die ihre Sexualität so gut unter Kontrolle hatten, daß dies der Wirkung einer physischen Kastration entsprach.

Die Lösung für Ehebruch und falsches Schwören

Die Lösung ist wiederum das Evangelium: Gott, der Vater, warf unsere Sünden auf Jesus, als er ihn am Kreuz für uns dahingab. Um unserer Rechtfertigung willen wurde er auferweckt von den Toten. Durch die Taufe wurden wir mit Jesu Tod und Auferstehung verbunden. Täglich muß der Mensch sich daran erinnern, daß er durch die Taufe der Sünde abgestorben ist und durch die Taufe in Christus ist.  Wir sind mitgestorben und mitauferstanden zusammen mit Jesus. Gott gab seinen Sohn für uns, als wir noch Sünder und Feinde Gottes waren, so sehr liebte er uns. Wenn wir dies glauben, werden wir als Reaktion Gott lieben. Auch werden wir die Sünder lieben, weil auch Gott uns schon liebte, als wir noch Sünder waren.

In diesem Glauben werden wir erfüllt sein mit dem Heiligen Geist und in Liebe leben. In dieser „himmlischen Behausung der Liebe“ wird Gott uns bewahren vor Erniedrigung und Entehrung. Der Geist wird uns helfen unseren Körper zu bändigen und so werden wir nicht stürzen in den Abgrund unserer sündigen Begierden. Wir werden es nicht nötig haben, böse Taten unter Schwur zu leugnen, denn was wir tun, ist in Gott getan. Wir werden nicht nur mit dem Körper unserer Ehefrau verheiratet sein, sondern mit ihr als ganze Person. Zusammen mit unserer Ehefrau werden wir dem Herrn dienen und er wird uns und unsere Ehe erhalten auch wenn unsere Körper altern und krank werden.

 

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