Benjamin Franklin über Glauben und Kirche

Ich lese gerade die Autobiographie des berühmten amerikanischen Staatsmannes Benjamin Franklin (1706-1790 a. D.; siehe unbedingt Ergänzung vom 22.03.2015, unten), dessen guter Ruf wohl unbestritten ist, ähnlich wie der gute Ruf des biblischen Patriarchen Abraham.

Franklin lebte im gleichen Jahrhundert wie Friedrich der Goße, König von Preußen (siehe unbedingt Ergänzung vom 31.10.2014, unten), und hatte ähnliche Ansichten über Religion wie Friedrich. Beide schätzten sehr den ursprünglichen christlichen Glauben, der von Jesus Christus gestiftet worden war (siehe Ergänzung, unten), verwarfen aber das von den Kirchen verursachte Zerrbild des christlichen Glaubens, das zu ihrer Zeit bestand. Völlig inakzeptabel war selbstverständlich die katholische Kirche (Friedrich der Große gegen die katholische Kirche) mit ihrem herrschsüchtigen, ehrsüchtigen und geldgierigen Klerus, scharf kritisiert wurden aber auch die protestantischen Kirchen. Welche Meinung Friedrich über die protestantischen Kirchen hatte, habe ich schon vor einigen Wochen gepostet: Friedrich der Große über Religion und Reformation.

Hochinteressant in diesem Zusammenhang ist ein Aussage des frommen und treuen evangelischen Pastors Dietrich Bonhoeffer, daß schon die Schüler Luthers die neue protestantische Lehre nicht richtig verstanden (Luther predigte die „teure Gnade“, seine Schüler aber misinterpretierten ihn und wurden Prediger der „billigen Gnade“). Dies sagt Bonhoeffer in seinem Buch „Nachfolge“. Franklin und Friedrich bezeugen uns also historisch glaubwürdig, daß nicht erst zu Bonhoeffer’s Zeiten (Drittes Reich) die protestantische Kirche vom ursprünglichen Glauben abgewichen war, sondern sogar schon im 18. Jahrhundert, nicht lange nach der Reformation, was zusammenpaßt mit dem theologischen Befund Bonhoeffers.

Franklin ist nicht etwa im Milieu der englischen Staatskirche aufgewachsen, sondern unter Puritanern, die an sich wieder treuere Christen als die englischen Staatskirchenchristen sein wollten. Haarsträubend ist, daß dennoch Franklin auch von diesem strengeren puritanischen Christentum enttäuscht war, wie der folgende Text aus seiner Autobiographie (Benjamin Franklin, Autobiographie, Verlag C. H. Beck 2010) zeigen wird (wenn selbst schon die Puritaner heruntergekommen waren, wie sehr dann erst die englische Staatskirche). Beachten Sie bitte, daß Franklin nicht etwa vom Glauben abgefallen war (Apostasie), sondern im Alltag ein tugendhafter Mensch, das heißt ein wahrer Christ sein wollte, der Gott und seinen Nächsten (Mitmenschen) tatsächlich liebt. Franklin war kein Christenhasser, sondern suchte das wahre Christentum und wurde von seiner eigenen Kirche daran gehindert:

Benjamin Franklin schreibt:

Ich war in religiöser Hinsicht als Presbyterianer erzogen worden, und obgleich einige Dogmen jener Sekte (mit dem Wort Sekte meint Franklin eigentlich Konfession, siehe Anmerkung, unten; R. B.), wie die ewigen Ratschlüsse Gottes, die Gnadenwahl, die Verwerfung usw. mir unverständlich und andere zweifelhaft erschienen und ich häufig von öffentlichen Versammlungen der Sekte wegblieb, weil der Sonntag der Tag meiner Studien war, so war ich doch niemals ohne einige religiöse Grundsätze. Ich bezweifelte zum Beispiel niemals das Dasein Gottes, bezweifelte nie, daß er die Welt geschaffen habe und durch seine Vorsehung leite; daß der paßendste Gottesdienst darin bestehe, den Menschen Gutes zu erweisen; daß unsere Seelen unsterblich seien und daß jedes Verbrechen seine Strafe und die Tugend ihren Lohn fände, entweder hienieden oder im Jenseits. Diese hielt ich für die wesentlichen Teile jeder Religion, und da sie in all den Religionen zu finden waren, die wir in unserem Lande hatten (ich vermute, daß Franklin hier hauptsächlich die verschiedenen protestantischen Konfessionen meint; R. B.), so achte ich diese alle, wenn auch mit verschiedenen Graden von Hochachtung, da ich ich sie (die Grundsätze; R. B.) mehr oder weniger mit anderen Glaubensartikeln vermischt fand, die – ohne irgendein Bestreben, Sittlichkeit einzuflößen, zu fördern oder zu befestigen, hauptsächlich dazu dienten, uns voneinander zu trennen und gegeneinander unfreundlich zu machen (diese ist eine äußerst scharfe Kritik Franklin’s an den protestantischen Kirchen, denn er sagt damit praktisch, daß die protestantischen Kirchen pervertiert waren, also genau das Gegenteil lehrten von dem, was Christus sie geheißen hatte zu lehren; R. B.). Diese Achtung für alle, samt der Ansicht, daß selbst die schlimmste noch einige gute Wirkungen habe, veranlaßte mich, allen Gesprächen auszuweichen, die dazu beitragen konnten, die gute Meinung zu mindern, die ein anderer von seiner Religion haben mochte; und da nun unsere Provinz an Bevölkerung zunahm und fortwährend neue Gotteshäuser notwendig wurden, die gewöhnlich aus freiwilligen Beiträgen erbaut wurden, so verweigerte ich niemals mein Scherflein für einen derartigen Zweck, was für einer Sekte derselbe auch zugute kommen mochte (Franklin unterstützte selbstverständlich keine Sekten, sondern verschiedene protestantische Konfessionen; C. H. Beck Verlag hat das englische Wort „sect“ falsch übersetzt; R. B.).

Obwohl ich selten einem öffentlichen Gottesdienst beiwohnte, hatte ich doch noch immer eine günstige Meinung von seiner Schicklichkeit und Nützlichkeit, wenn er richtig geleitet wurde, und ich bezahlte regelmäßig meinen jährlichen Beitrag für die Unterhaltung des einzigen presbyterianischen Betsaals und Geistlichen, die wir in Philadelphia hatten. Der letztere pflegte mir zuweilen einen freundschaftlichen Besuch zu machen und mich zu ermahnen, daß ich auch seine Abendmahlsfeiern besuche, und ich ließ mich hie und da bewegen, dies zu tun – einmal sogar fünf Sonntage hintereinander. Wäre er nach meiner Ansicht ein guter Prediger gewesen, so hätte ich meinen Besuch im Gottesdienst vielleicht fortgesetzt, trotz der fördernden Gelegenheit, die mir meine Sonntagsmuße in meinem Studienlauf gewährte; allein, seine Predigten waren vorzugsweise entweder polemische Argumente oder Erklärungen der eigentümlichen Lehren unserer Sekte (Konfession!; R. B.) und für mich insgesamt sehr trocken, uninteressant und unerbaulich, weil dadurch nicht ein einziger sittlicher Grundsatz eingeprägt oder geltend gemacht wurde und sie eher darauf abzielten, uns zu Presbyterianern als zu guten Bürgern zu machen.

Endlich wählte er zu seinem Text jenen 8. Vers aus dem 4. Kapitel der Epistel an die Philipper: „Weiter, liebe Brüder, was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohllautet, ist etwa ein Lob, ist etwa eine Tugend, dem denket nach“, und ich bildete mir ein, in einer Predigt über einen solchen Text müßten wir unfehlbar irgend etwas von Sittenlehre zu hören bekommen. Allein er beschränkte sich nur auf fünf Punkte, die der Apostel gemeint habe, nämlich: 1. den Sabbat heiligzuhalten; 2. die Heilige Schrift fleißig zu lesen; 3. den Gottesdienst gehörig zu besuchen; 4. am Sakrament teilzunehmen; 5. den Dienern Gottes die schuldige Achtung zu bezeugen. Dies mochten lauter gute Dinge sein; da sie aber nicht diejenige Art von guten Dingen waren, die ich von jenem Text erwartete, so zweifelt ich daran, denselben jemals auf Grund eines anderen Textes zu begegnen, war angewidert und besuchte seine Predigten niemals wieder. Ich hatte einige Jahre zuvor, nämlich 1728, eine kleine Liturgie oder Gebetsform für meinen eigenen Gebrauch zusammengestellt unter dem Titel „Glaubensartikel und Religionsübungen“. Ich kehrte zu deren Benutzung zurück und ging nie wieder in öffentliche Versammlungen. Mein Verhalten mag tadelnswert sein, allein ich gebe es preis, ohne irgendwelchen weiteren Versuch, es zu entschuldigen, denn meine gegenwärtige Absicht geht dahin, Tatsachen zu erzählen, und nicht Verteidigungen dafür vorzubringen.

Ungefähr um diese Zeit faßte ich den kühnen und ernsten Vorsatz, nach sittlicher Vervollkommung zu streben (das ist doch interessant, daß ein Mensch in dem Moment, wo die er die Kirche verläßt, nach sittlicher Vervollkommnung anfängt zu streben, was bedeuten muß, daß mit der Kirche etwas nicht stimmte; R. B.). Ich wünschte leben zu können, ohne irgendeinen Fehler zu irgendeiner Zeit zu begehen; ich wünschte alles zu überwinden, wozu entweder natürliche Neigung, Gewohnheit oder Gesellschaft mich veranlassen könnten. Da ich wußte oder zu wissen glaubte, was recht und unrecht sei, so sah ich nicht ein, weshalb ich nicht immer das eine sollte tun und das andere lassen können. Ich fand jedoch bald, daß ich mir eine weit schwierigere Aufgabe gestellt, als ich mir eingebildet hatte. Während ich alle Sorgfalt aufbot, um mich vor dem einen Fehler zu hüten, wurde ich häufig von einem anderen überrascht; die Gewohnheit gewann die Übermacht über die Unachtsamkeit, und die Neigung war zuweilen stärker als die Vernunft. Ich kam zuletzt zu dem Schluß, die bloße spekulative Überzeugung, daß es in unserem Interesse liege, vollkommen tugendhaft zu sein, reiche nicht hin, um uns vor dem Straucheln zu bewahren, und die gegenteiligen Gewohnheiten müssen gebrochen, gute dafür erworben und befestigt werden, ehe wir irgend Vertrauen auf eine stetige gleichförmige Rechtschaffenheit des Wandelns haben können. Zu diesem Zweck erfand ich mir daher nachfolgende Methode:

In den verschiedenen Aufzählungen der Tugenden und sittlichen Vorzüge, welchen ich bei meinem Lesen begegnet war, fand ich deren Verzeichnis mehr oder weniger zahlreich, je nachdem die betreffenden Schriftsteller mehr oder weniger Begriffe unter demselben Namen zusammengefaßt hatten. Die Genügsamkeit zum Beispiel wurde von den einen auf Essen und Trinken beschränkt, während sie von anderen so weit ausgedehnt wurde, daß sie die Mäßigung jedes anderen Vergnügens, Verlangens, Gelüstes, jeder Neigung oder Leidenschaft, körperlicher wie geistiger, bedeute und sich sogar auf unseren Geiz und Ehrgeiz erstrecke. Ich nahm mir nun vor, zum Zwecke größerer Deutlichkeit lieber mehr Namen anzuwenden und weniger Ideen mit jedem zu verknüpfen, als wenige Namen mit vielen Ideen. So faßte ich denn unter dreizehn Namen von Tugenden alles zusammen, was mir zu jener Zeit als notwendig oder wünschenswert einfiel, und verband mit jedem einen kurzen Lehrsatz, welcher die volle Ausdehnung ausdrückte, die ich seiner Bedeutung gebe.

Die Namen der Tugenden samt ihren Vorschriften waren:

1. Mäßigkeit – Iß nicht bis zum Stumpfsinn, trink nicht bis zur Berauschung!

2. Schweigen. – Sprich nur, was anderen oder dir selbst nützen kann; vermeide unbedeutende Unterhaltung!

3. Ordnung. – Laß jedes Ding seine Stelle und jeden Teil deines Geschäfts seine Zeit haben!

4. Entschlossenheit. – Nimm dir vor, durchzuführen, was du mußt; vollführe unfehlbar, was du dir vornimmst!

5. Sparsamkeit. – Mache keine Ausgabe, als um anderen oder dir selbst Gutes zu tun; das heißt vergeude nichts!

6. Fleiß. – Verliere keine Zeit; sei immer mit etwas Nützlichem beschäftigt; entsage aller unnützen Tätigkeit!

7. Aufrichtigkeit. – Bediene dich keiner schädlichen Täuschung; denke unschuldig und gerecht, und wenn du sprichst, so sprich dananch!

8. Gerechtigkeit. – Schade niemandem, indem du ihm unrecht tust oder die Wohltaten unterläßt, die deine Pflicht sind!

9. Mäßigung. – Vermeide Extreme; hüte dich, Beleidigungen so übel aufzunehmen, wie sie es nach deinem Dafürhalten verdienen!

10. Reinlichkeit. – Dulde keine Unsauberkeit am Körper, an Kleidern oder in der Wohnung!

11. Gemütsruhe. – Beunruhige dich nicht über Kleinigkeiten oder über gewöhnliche oder unvermeidliche Unglücksfälle!

12. Keuschheit. – Übe geschlechtlichen Umgang selten, nur um der Gesundheit oder der Nachkommenschaft willen, niemals bis zur Stumpfheit, Schwäche oder zur Schädigung deines eigenen oder fremden Seelenfriedens oder guten Rufes!

13. Demut. – Ahme Jesus und Sokrates nach!

Da es meine Absicht war, mir die Gewohnheit aller dieser Tugenden anzueignen, so hielt ich es für angemessen, meine Aufmerksamkeit nicht zu zersplittern, indem ich alles auf einmal versuchte, sondern mein Augenmerk immer nur auf eine von ihnen zu gleicher Zeit richtete, und dann erst, wenn ich mich zum Herrn derselben gemacht, zu einer andern fortzuschreiten, und so fort, bis ich alle dreizehn durchgemacht haben würde. Da aber die vorherige Erwerbung einiger von diesen Tugenden auch die Erwerbung gewisser anderer erleichtern dürfte, so ordnete ich sie mit dieser Absicht in der Reihenfolge an, wie sie oben stehen. Die Mäßigkeit ander Spitze, da sie dazu dient, jene Kühle und Klarheit des Kopfes zu verschaffen, die so unerläßlich ist, wo man beständige Wachsamkeit beobachten und auf der Hut sein muß, gegen die unermüdliche Anziehungskraft alter Gewohnheiten und die Gewalt beständiger Versuchungen. Ist die Mäßigkeit erworben und gefestigt, so muß das Stillschweigen leichter sein. Nun ging aber mein Wunsch dahin, gleichzeitig mit der Zunahme der Tugend auch Kenntnisse zu erwerben, und in Anbetracht dessen, daß diese Kenntnisse im Gespräch leichter durch den Gebrauch des Ohrs als der Zunge erworben werden, und weil ich daher mit einer Gewohnheit zu brechen wünschte, die ich angenommen hatte: nämlich zu schwatzen, zu witzeln und zu scherzen, was mich nur für unbedeutende Gesellschaft annehmbar machte, so räumte ich dem Schweigen die zweite Stelle ein. Ich erwartete, diese Tugend und die nächste, die Ordnung, würden mir mehr Zeit gestatten, um meinen Zielen und meinen Studien nachzugehen. Die Entschlossenheit, einmal zur Gewohnheit geworden, würde mich fest erhalten in meinen Bemühungen, alle die  weiter folgenden Tugenden zu erringen; Sparsamkeit und Fleiß sollten mich von dem Rest meiner Schulden befreien, mir Wohlstand und Unabhängigkeit sichern und mir die Ausübung der Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit usw. um so leichter machen. In der Annahme, daß, dem Rat des Pythagoras in seinen „Goldenen Versen“ gemäß, eine tägliche Prüfung notwendig sein würde, ersann ich nachstehende Methode, um diese Prüfung durchzuführen:

Ich machte mir ein kleines Buch, worin ich jeder der Tugenden eine Seite anwies, linierte jede Seite mit roter Tinte, so daß sie sieben Felder, für jeden Tag der Woche eines, hatte, und bezeichnete jedes Feld mit dem Angfangsbuchstaben des Tages. Diese Felder kreuzte ich mit dreizehn roten Querlinien und setzte an den Anfang jeder Linie die Anfangsbuchstaben von einer der Tugenden, um auf dieser Linie und in dem betreffenden Feld durch ein schwarzes Kreuzchen jeden Fehler vorzumerken, den ich mir, nach genauer Prüfung meinerseits, an jenem Tag hinsichtlich der betreffenden Tugend hatte zuschulden kommen lassen.

Ich nahm mir vor, auf jede dieser Tugenden der Reihe nach eine Woche lang genau achtzugeben. So ging in der ersten Woche mein hauptsächliches Augenmerk dahin, jeden auch noch so geringen Verstoß gegen die Mäßigkeit zu vermeiden, die anderern Tugenden ihrem gewöhnlichen Schicksal zu überlassen und nur jeden Abend die Fehltritte des Tages zu verzeichnen. Wenn ich daher auf diese Weise in der esten Woche meine erste, mit M. bezeichnete Linie frei von schwarzen Punkten zu halten vermochte, so nahm ich an, die gewohnheitsmäßige Ausübung dieser Tugend sei so sehr gestärkt und ihr Gegenpart so sehr geschwächt, daß ich es wagen konnte, mein Augenmerk auf die Mitbeachtung der nächsten auszudehnen und für die folgende Woche beide Linien frei von Kreuzen zu erhalten. Wenn ich auf diese Weise bis zur letzen fortschritt, konnte ich in dreizehn Wochen einen vollständigen Kurs und in einem Jahr vier Kurse durchmachen. Und wie derjenige, der das Unkraut in einem Garten zu beseitigen hat, keinen Versuch macht, alle die schlechten Gewächse auf einmal zu entfernen, was über seine Kraft und Möglichkeit hinausgehen würde, sondern immer nur an einem der Beete auf einmal arbeitet und erst, nachdem er damit fertig geworden ist, ein zweites in Angriff nimmt, so hoffte ich das ermunternde Vergnügen zu haben, auf meinen Seiten den Fortschritt, den ich in der Tugend machte, dadurch ermitteln zu können, daß ich nach und nach meine Linien von ihren schwarzen Punkten befreite, bis ich am Ende nach einer Anzahl von Kursen so glücklich sein würde, nach einer täglichen Selbstprüfung von dreizehn Wochen ein reines Buch zu überblicken.

Dieses mein Büchlein hatte zum Motto folgende Zeilen aus Addisons „Cato“:

„Das halt ich fest. Gibt’s droben eine Macht (und daß dem so ist, kündet laut Natur in ihren Werken), so freut sie sich der Tugend, und der Mensch, dran sie sich freut, muß glücklich sein.“

sowie ein anderes Motto aus Cicero:

„O vitae Philosophia dux! O virtutum indagatrix expultrixque vitiorum! Unus dies, bene et ex praeceptis tuis actus, peccanti immortalitati est anteponendus.“

Und endlich ein drittes aus den Sprüchen Salomonis (Kap. 3, Verse 16,17), wo von der Weisheit oder der Tugend die Rede ist: „Langes Leben ist zu ihrer rechten Hand, in ihrer Linken ist Reichtum und Ehre. Ihre Wege sind liebliche Wege und alle ihre Pfade Friede.“

Und da ich Gott als die Quelle der Weisheit auffaßte, erachtete ich es für gerecht und notwendig, ihn um seinen Beistand zu ihrer Erlangung dringend zu bitten; zu diesem Zweck verfaßte ich folgendes kleine Gebet, das meinen Prüfungstabellen für den täglichen Gebrauch vorangestellt war:

„O allmächtige Güte, mildtätiger Vater, barmherziger Führer! Vermehre mir jene Weisheit, die meinen wahren Vorteil erkennt! Stärke meine Entschlüsse, das zu vollbringen, was jene Weisheit vorschreibt! Nimm meine freundlichen Dienste gegen deine übrigen Kinder als die einzige in meinen Kräften stehende Erwiderung für deine unaufhörlichen Gnaden gegen mich!“

Zuweilen benutzte ich auch ein kleines Gebet, das ich aus Thomsons Gedichten nahm, nämlich:

„Des Lichts und Lebens Vater, höchstes Gut! O lehre mich, was gut ist, lehr mich dich! Vor Torheit, Eitelkeit, vor Laster rette mich und jedem niedern Trieb; erfülle meine Seele mit Kenntnis, Seelenfrieden, reiner Tugend, mit hehrem, vollem Segen, nie erlöschendem!“

(Ende von Franklin’s Ausführungen)

Anm.:

Das englische Wort „sect“ hat im englischen Sprachraum mehr die Bedeutung „Konfession“ und weniger die Bedeutung Sekte. Sekten wie die Zeugen Jehovas, Scientology oder die Mormonen würde man im Englischen wohl als „Cults“ bezeichnen. Übrigens gab es zu Franklin’s Zeiten weder die Mormonen, Scientology noch die Zeugen Jehovas, was eine Bestätigung der Annahme ist, daß Franklin mit „sect“ Konfession meinte: Presbyterianer, Kongregationalisten, Separatisten, Lutheraner (übrigens sind die Baptisten eigentlich eine Sekte und keine Konfession, weil sie wiedertaufen und damit aus der einen weltweiten Kirche Jesu ausgeschlossen sind, die die eine heilige sakramentale Taufe bewahrt und nicht wiedertauft, auch nicht bei Konfessionswechsel, wenn z. B. ein Calvinist Lutheraner wird).

Der Katholizismus ist keine Konfession, auch wenn sich das im deutschen Sprachgebrauch so eingebürgert hat, sondern die kath. Kirche ist eine falsche Kirche. Sie hält zwar fest an der einen heiligen sakramentalen Taufe, sodaß ein Katholik, der Lutheraner werden will, nicht wiedergetauft werden muß und soll, hat aber ihren Herrn (Jesus Christus) verlassen, dessen Stelle der schändliche Papst einnimmt. Der Gott der katholischen Kirche ist ein kleiner, lächerlicher, menschlicher Zwerg, genannt Papst, der natürlich völlig damit überfordert ist das Haupt des Leibes Christi (die Kirche) also des Leibes Gottes zu sein, und deswegen ist die katholische Kirche zu einer Kloake von Irrlehren geworden; sie entbehrt des göttlichen Lehrers: der Heilige Geist, durch den Christus die wahre Kirche regiert.

Hinweis:

Auch Luther weist in seinen Schriften immer wieder auf die Wichtigkeit der Mäßigung beim Essen und Trinken für den Christen hin, wobei er das „evangelisches Fasten“ nennt. Auch Jesus und die Apostel haben vor Völlerei und Sauferei gewarnt.

Ergänzen sollte man noch, was Franklin hier leider nicht erwähnt, daß die Grundlage aller sittlich-moralischen Besserung das Evangelium ist:

Gott, der Vater, hat Gott, den Sohn, Jesus, um unserer Sünden willen dahingegeben und um unserer Rechtfertigung willen auferweckt von den Toten.

Wenn Sie dieses Evangelium glauben und getauft werden, lieber Leser, wird Ihnen das von Gott zur Gerechtigkeit gerechnet. Der Sündenfall Adams wird für Sie persönlich rückgängig gemacht und Sie kehren zurück in die vertrauensvolle Gemeinschaft des liebenden Gottes, der Himmel und Erde gemacht hat.

Falls Sie schon als Säugling getauft wurden, müssen Sie nicht noch einmal getauft werden! Ihre Kindertaufe ist selbstverständlich gültig. Sie können sich einfach auf ihre Kindertaufe rückbeziehen, denn Gott steht über Raum und Zeit.

Durch die sakramentale Taufe sterben Sie der Sünde ab und Gott gibt Ihnen Gerechtigkeit in Christus. So wie sie bisher als Sünder gelebt haben, können Sie jetzt als Gerechter leben und gerecht handeln. Stören Sie sich nicht an den Begierden ihres Leibes (Körpers), sondern überwinden Sie sie durch Christus, der seit der Taufe in Ihnen wohnt durch den Heiligen Geist. Rufen Sie Christus täglich um Hilfe im Kampf gegen ihren Leib an.

Wie eben schon gesagt, der Leib des Christen bleibt sündig in sich selbst bis zum Tod trotz Glaube und Taufe. Der Christ muß sich täglich erinnern, daß er in Christus hineingetauft wurde und der Sünde abgestorben ist. In diesem Bewußtsein wird es möglich sein Benjamin Franklin’s Methode erfolgreich anzuwenden. Man sollte sich dabei jedoch bewußt sein, daß der Leib in sich selbst oder an sich unverbesserlich ist. Es geht praktisch darum gewohnheitsmäßig den Leib oder seine Lüste zu unterdrücken. Es soll immer mehr zur Gewohnheit werden, daß man nicht den Willen des Leibes tut, sondern den Willen des Geistes.

Wir gefallen ist (gesündigt hat), auch wieder als gläubiger, getaufter Christ, der stehe wieder auf und nehme Jesu Opfer am Kreuz als Sühneopfer zur Vergebung der Sünden in Anspruch. Jesu Opfer am Kreuz war nicht nur ein Werk der Erlösung, sondern auch ein Sühneopfer für unsere Sünden. Jeder, der regelmäßig Jesu Opfer als Werk der Erlösung für sich in Anspruch nimmt, indem er es sich zur Gewohnheit macht, seinen Leib durch den Heiligen Geist zu unterdrücken, darf es auch getrost als Sühneopfer zur Vergebung seiner Sünden in Anspruch nehmen, das ist die teure Gnade.

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Ergänzung vom 31.10.2014

Ich habe mittlerweile Friedrich’s „Vorrede zum Auszug aus Fleury’s Kirchengeschichte“ gelesen. Bisher ging ich tatsächlich davon aus, Friedrich sei insgeheim Christ gewesen, weil er die Tugend so favorisiert. Durch das Lesen von Friedrich’s „Vorrede zum Auszug aus Fleury’s Kirchengeschichte“ wurde mir aber klar, daß Friedrich kein Anhänger des ursprünglichen, wahren Christentums einschließlich seiner Lehre von Jesus als dem Sohn Gottes war, sondern Friedrich favorisierte nur die Morallehre Jesu bzw. die christliche Morallehre. Die Lehre von der Gottessohnschaft Jesu betrachtete er als ein Dogma, das die Kirche erst nachträglich hinzugefügt habe, das also nicht von Jesus und den Aposteln stammte. Friedrich betrachte die Lehre von der Gottessohnschaft Jesu sogar als angeblich schädlich. Er hielt diese Lehre für die Ursache vieler Glaubenskriege – und wenn sich Menschen gegenseitig den Schädel einschlagen, ist das natürlich der Morallehre von Jesus diametral entgegengesetzt, also schädlich (so dachte Friedrich). Soweit ich aber weiß, haben weniger die Anhänger der korrekten Lehre die Irrlehrer und deren Anhänger verfolgt, sondern umgekehrt die Irrlehrer und ihr Anhang die wahre Kirche. Friedrich täuschte sich also sehr. Friedrich der Große war definitiv kein Christ, denn wer nicht glaubt, daß Jesus der Sohn Gottes ist, der kann kein tugendhaftes Leben im christlichen Sinne führen, denn er entbehrt der Erlösung, die in Christus Jesus ist.

Ähnliches gilt wahrscheinlich für Benjamin Franklin, wobei ich bisher noch keine Gelegenheit hatte, dies genauer zu recherchieren.

Ergänzung vom 22.03.2015

Bis vor wenigen Wochen hielt ich sehr viel von Friedrich dem Großen und Benjamin Franklin, da sie soviel Wert legten auf die christliche Tugenden. Ich unterstellte bisher, sie seien beide insgeheim Christen gewesen. Es sieht mir aber mittlerweile  so aus, daß beide zwar die Morallehre des Christentums bzw. die Morallehre Jesu schätzten, aber nicht glaubten, daß Jesus Gottes Sohn sei. Sie verleugneten also die metaphysische Komponente des Christentums. Wer allerdings nicht glaubt, daß Jesus Gottes Sohn sei, der kann auch kein Christ sein und wird in der Hölle landen. Das praktische Problem ist auch, daß uns die Morallehre Jesu wenig nutzt, wenn wir nicht glauben, daß er Gottes Sohn ist. Wir haben die degenerierte Natur Adams biologisch geerbt, die eine sehr starke Neigung zum Sündigen hat. Solange wir nicht glauben, daß Jesus Gottes Sohn ist, sind wir den sündigen Neigungen unserer Natur absolut schutzlos und hilflos ausgeliefert. Gebote, Gesetze, Satzungen, Vorschriften, etc. reizen uns sogar zum Sündigen, statt die Sünde zu dämpfen – dies zeigt, wie völlig verdorben unser  natürlicher Mensch ist: Wenn man ihm ein Gebot gibt, dann sündigt er noch mehr. Wenn man also die metaphysiche Komponente des Christentums wegläßt, dann richtet man unermesslichen Schaden an, denn die reine Morallehre des Christentums wird bewirken, daß die Menschen eher mehr als weniger sündigen.

Unter dem Vorbehalt, daß es wirklich wahr ist (ich habe leider keine Zeit für tiefergehende Recherchen), daß Friedrich der Große und Benjamin Franklin wirklich nicht glaubten, Jesus sei Gottes Sohn, verfluche ich sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes.

Benjamin Franklin:

„Here is my Creed: I believe in one God, Creator of the Universe. That He governs it by his Providence. That he ought to be worshipped. That the most acceptable Service we can render to him, is doing Good to his other Children…. I think the System of Morals [devised by Jesus] and his Religion as he left them to us, the best the World ever saw, or is likely to see; but I apprehend it has received various corrupting Changes, and I have with most of the present Dissenters in England, some Doubts as to his Divinity.“

(aus Letter from Benjamin Franklin to Ezra Stiles, Benjamin Franklin, March 9, 1790)

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