Gleichnis vom verlorenen Sohn – Auslegung Lukasevangelium 15, 11-32 (verbesserte Version)

Lukas 15, 11-32

11 Und er (Jesus; R. B.) sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. 12 Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie. 13 Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. 14 Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben 15 und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. 16 Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm. 17 Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! 18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. 19 Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! 20 Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. 21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. 22 Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße 23 und bringt das gemästete Kalb und schlachtet’s; lasst uns essen und fröhlich sein! 24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein. 25 Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen 26 und rief zu sich einen der Knechte und fragte, was das wäre. 27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat. 28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. 29 Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre. 30 Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. 31 Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, das ist dein. 32 Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.

 

Auslegung

 

Einleitung

Die jüdischen Pharisäer und Schriftgelehrten kritisierten Jesus dafür, dass er so freundlich mit den Zöllnern und Sündern umging. Durch mehrere Gleichnisse,  unter anderem durch das Gleichnis vom verlorenen Sohn, wollte Jesus den Pharisäern und Schriftgelehrten sein Verhalten gegenüber den Zöllnern und Sündern erklären.

Lukas 15, 1-3 1 Es nahten sich ihm (Jesus; R. B.) aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. 2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen. 3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

Hauptteil

11 Und er (Jesus; R. B.) sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne.“

Die Juden hatten von Haus aus eine gewisse Beziehung zu Gott (Gott wird durch das Wort „Mensch“ versinnbildlicht) wie bildlich gesprochen Söhne zu ihrem Vater. Jesus nennt Gott in dem Gleichnis „Mensch“, weil er sich durch seine Barmherzigkeit deutlich von den Pharisäern und Schriftgelehrten unterschied, die unbarmherzig waren. Indem Jesus Gott durch einen barmherzigen Menschen versinnbildlicht, stellt er die Pharisäer  und Schriftgelehrten als Unmenschen bloß.

12 Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie.“

Das „Erbteil“ versinnbildlich das natürliche Wesen des Menschen.

Das Testament (sein letzter Wille) eines Erblassers bezüglich des Erbes bzw. Erbteils tritt mit dessen Tod in Kraft. Ein Erbe, das nach dem Tod des Erblassers entgegengenommen wird, ist ein legitimes Erbe, da der Willen des Erblassers nicht übergangen wurde. Ein vor dem Tod des Erblassers entgegengenommenes Erbe ist ein schändliches Erbe, da der Wille des Erblassers nicht beachtet wurde; im Gleichnis beugt sich der Vater dem Willen der Söhne, somit geschieht nicht sein Wille – sein Wille wird übergangen -, sondern der Wille der beide Söhne. Beide Söhne erlangten ein schändliches Erbteil, weil sie den Willen ihres Vaters übergangen hatten bzw. weil ihr Erbteil keinen Bezug zum Tod ihres Vater hatte (durch den Tod ihres Vaters wäre sein Testament in Kraft getreten und somit wäre bezüglich des Erbes sein Wille geschehen und nicht der Wille der Söhne – das Erbe wäre legitim geworden).

In der Realität bedeutet das (mit Schande behaftete) Erbe der beiden Söhne das natürliche Wesen des Menschen, das nicht mit Gottes Willen in Einklang ist – der natürliche Mensch tut nicht den Willen Gottes. Der natürliche Mensch führt sein Leben, ohne den Willen Gottes zu beachten; der Tod Gottes, des Erblassers, in der Person Jesu Christi am Kreuz ist für ihn bedeutungslos, wodurch sein Leben und Wesen ein schändliches ist.

Einer der beiden Söhne wird „der jüngere“ genannt. Er fordert ganz unverschämt noch zu Lebzeiten seines Vaters sein Erbteil ein (dadurch wird die Beziehung zum Vater zerstört). Das waren zur Zeit Jesu jene Juden, die ganz offen den Willen Gottes ignorierten, nicht darauf achteten, dass ihr Leben mit Gottes Willen im Einklang war („gib mir, Vater, das Erbteil“; sie wollten selbst über ihr Erbteil die Verfügungsgewalt haben, das heißt in ihrem Leben sollte ihr eigener Wille geschehen). Sie werden mit „jüngerer Sohn“ versinnbildlicht, weil sie sozusagen zu „jung und unerfahren“ waren, den Missstand ihrer zerstörten Beziehung zu Gott durch Religion zu beschönigen.

Aber auch der ältere Sohn nimmt sein Erbteil entgegen (dadurch wird wie beim jüngeren Sohn die Beziehung zum Vater zerstört); wenn er auch nicht wie der jüngere Sohn ganz unverschämt und offen die Forderung nach der Verfügungsgewalt über das Erbe ausspricht. Das waren zur Zeit Jesu die religiösen Juden. Auch sie führten ihr Leben, das heißt ein Leben, das nicht mit Gottes Willen im Einklang war. Allerdings besaßen sie die Altklugheit im Gegensatz zur Unerfahrenheit der nicht-religiösen Juden, ihr Getrenntsein von Gott mit Religion zu kaschieren. Niemals hätten sie zugegeben, dass sie von Gott getrennt seien.

Kurz gesagt: Sowohl die Juden, die offen in Sünden lebten („jüngerer Sohn“), als auch die religiösen Juden, die im Verborgenen und vielleicht mit Scham sündigten („älterer Sohn“), lebten aus Gottes Sicht nach ihrem eigenen Willen, ohne den Willen Gottes, des Erblassers, zu beachten. Ihr „Erbe“ war mit Schande behaftet, weil es keinen Bezug zum Willen des Erblassers hatte.

13 Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen.“

Indem der Mensch auf sein natürliches Wesen setzt – was ihm selbst zunächst ganz unverdächtig erscheinen mag -, begibt er sich bildlich gesprochen auf eine Reise in ein fernes Land und bringt sein Erbteil durch mit Prassen. Der Mensch, der außerhalb des Willens Gottes lebt (das ist eben der Mensch, der auf sein natürliches Wesen setzt), verschleudert sein Leben bzw. verprasst es.  Indem der Mensch auf sein natürliches Wesen setzt – was ihm so harmlos erscheinen mag -, entfernt er sich von Gott bzw. reist bildlich gesprochen in ein fernes Land. Das ferne Land ist die sündige Welt, das heißt alle Menschen, die nicht an Jesus glauben.

Der „Witz“ bei der Sache ist: Es erscheint dem Menschen vielleicht ganz harmlos und unverdächtig, auf sein natürliches Wesen zu setzen. Aber aus Gottes Sicht bedeutet das, sich in die Gottesferne („zog in ein fernes Land“) zu begeben und sein Leben wegzuwerfen („brachte sein Erbteil durch mit Prassen“). Im weiteren Verlauf des Gleichnisses vom verlorenen Sohn sieht man, wie verhängnisvoll es ist, auf das Natürliche zu setzen.

Der Mensch fällt hierbei der Lüge zum Opfer, der Mensch sei von Natur aus gut und nicht böse. Eine der gefährlichsten Irrlehren, die es gibt, ist die Verleugnung der Erbsünde, der Tatsache, dass alle Menschen die degenerierte Natur des gefallen Adam biologisch geerbt haben, auch die Juden. Wir alle (Juden und Heiden) haben die Sündhaftigkeit Adams geerbt.

(ein „Heide“ aus jüdischer Sicht ist ein Deutscher, Russe, Franzose, Grieche, Italiener, Engländer, Schwede, etc.)

14 Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben 15 und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. 16 Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm.“

Der Mensch, der auf sein natürliches Wesen setzt („das Seine verbraucht“), landet ziemlich schnell beim Teufel („Bürger jenes Landes“), der die sündige Welt („fernes Land“) regiert; der Mensch verfällt seinen Lüsten und Begierden („Säue hüten“), wodurch er unrein wird („draußen auf dem Acker“). Die Lüste und Begierden werden vom Teufel und seinen Dämonen bewirkt (die Säue im Gleichnis sind ja Eigentum des Bürgers jenes Landes). Die Sünde erscheint zunächst reizvoll, aber ihr Lohn ist der Tod („begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm“).

Epheser 2, 1-3 1 Auch ihr (die Gläubigen der Kirche zu Ephesus; R. B.) wart tot durch eure Übertretungen und Sünden, 2 in denen ihr früher gelebt habt nach der Art dieser Welt, unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams. 3 Unter ihnen haben auch wir alle einst unser Leben geführt in den Begierden unsres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Sinne und waren Kinder des Zorns von Natur wie auch die andern.

17 Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! 18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. 19 Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! 20 Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater.“

Der Sünder richtet sich durch seine Sünde zugrunde („ich verderbe hier im Hunger“). Die „hungrigen“ Zöllner und Sünder zur Zeit Jesu sahen Jesus und die Schar der Jünger in Gemeinschaft mit ihm („die Tagelöhner Gottes“). Jesus und seine Jünger führten zwar ein einfaches Leben, aber doch hatten sie in jeglicher Hinsicht volle Genüge: Gott war bei ihnen gegenwärtig durch Jesus. In den Augen der Zöllner und Sünder hatten Jesus und seine Jünger „Brot in Fülle“ und dies bewog sie, zu Gott („Vater“) umzukehren, der durch Jesus gegenwärtig war. In der Realität wurde der Vater aus dem Gleichnis durch Jesus repräsentiert. Jesus ist zwar der Sohn Gottes, aber in seiner Offenbarung an den Menschen stimmt er mit Gott, dem Vater, überein (der Vater und der Sohn haben ein einiges Handeln). Wäre der Vater Mensch geworden, er hätte sich wie Jesus verhalten.

Wer mit seinem Natürlichen zum Ende gekommen ist („habe gesündigt; nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße“), der ist so gut wie angekommen bei Gott („machte sich auf und kam zu seinem Vater“). Allerdings kommt man erst durch die sakramentale Taufe einschließlich Kindertaufe endgültig bei Gott an. Die eigene Umkehr bzw. Buße ist ein notwendiger Schritt. Die tatsächliche Begegnung mit Gott („zu meinem Vater gehen“) findet dann aber in der Taufe statt oder wenn man sich auf seine bereits vorhandene Kindertaufe bezieht.

Hinweis: Der verlorene Sohn kehrt nicht nur um, sondern geht auch zu seinem Vater. In der Wirklichkeit muss also der Sünder nicht nur umkehren von seinen Sünden, sondern sich auch taufen lassen bzw. auf seine bereits vorhandene Kindertaufe beziehen. Die Umkehr ist notwendig, aber hinreichend ist die Taufe, um ein Christ („Tagelöhner“) zu werden.

20 Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“

Aus Vers 20 geht hervor, dass der verlorene Sohn eigentlich nicht eigenständig nach Hause ging, sondern vom Vater heimgeholt wurde („er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn“), das heißt Gott holt den bußfertigen Sünder heim. Der Sünder kann nicht selbst (aus eigener Kraft) zu Gott kommen, sondern nur Buße tun (umkehren). Hat er aber Buße getan, holt ihn Gott heim. Die Heimholung geschieht durch die Taufe.

Gott hat sich den Sündern genaht durch Jesus Christus (siehe Anmerkung, unten), der für uns zur Sünde gemacht wurde. Das kommt auch in Vers 20 zum Ausdruck, wo es heißt, dass sich der „Vater“ (Gott) Richtung „fernes Land“ (sündige Welt) begab, um sich seines Sohnes (bußfertiger Sünder) anzunehmen. Bei der Taufe wird es für den Einzelnen metaphysische Wirklichkeit, dass Gott den Sündern nahegekommen ist.

Es ist übrigens nicht allein wichtig, dass Gott in Jesus der Welt räumlich nahe kam, indem Jesus tatsächlich unter den Sündern lebte, mit ihnen Gemeinschaft hatte, sondern wichtig ist auch, dass Jesus sich in geistlicher Hinsicht zu den Sündern begab. Dies tat er durch die Taufe des Johannes, wo er sich als Sünder deklarieren ließ – obwohl er natürlich keiner war – und durch seinen Tod am Kreuz, wo er für uns zur Sünde gemacht wurde.

2. Korinther 5, 21 Denn er (Gott; R. B.) hat den (Jesus; R. B.), der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

„21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. 22 Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße 23 und bringt das gemästete Kalb und schlachtet’s; lasst uns essen und fröhlich sein! 24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden.“

In Vers 21 – 24 wird versinnbildlicht, was dem bußfertigen („ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße“) Sünder durch die Taufe alles geschenkt wird. Durch die Taufe werden wir in Christus gekleidet („Gewand“). Durch die Taufe wird Christus unser Ruhm und unsere Ehre („Ring“). Durch die Taufe sterben und auferstehen wir zusammen mit ihm („bringt das gemästete Kalb und schlachtet’s; lasst uns essen und fröhlich sein“).

„essen und fröhlich sein“

Im Zusammenhang mit der Taufe empfangen wir den Heiligen Geist, der uns volle Genüge gibt und uns fröhlich macht.

Die Formulierungen „in Christus sein“ und „den Heiligen Geist haben“ sind gleichwertig. Also kann man auch sagen: „Weil wir in Christus sind („Gewand“), haben wir die volle Genüge und sind fröhlich.“ „In Christus sein“ können wir natürlich nur, weil wir durch die Taufe mit Christus gestorben und auferstanden sind; so ist Jesu Tod und Auferstehung der tiefste Grund unserer Freude.

Der bußfertige Sünder dringt durch die Taufe bzw. durch den Tod und die Auferstehung Jesu, deren Kraft ihm bei der Taufe zugeeignet wird, vom geistlich Tod zum geistlichen Leben hindurch; er gelangt von der Gottesferne („verloren“) zur Gemeinschaft mit Gott („gefunden“).

Als Jesus auf Erden lebte, machte er Menschen (fast ausschließlich Juden) zu Christen, ohne ein sichtbares Taufritual zu vollziehen, denn er selbst war die personifizierte Taufe, das personifizierte Sakrament. In Jesus war die Fülle der Gottheit gegenwärtig, die neues Leben schaffen konnte. Heute kommen Menschen in die lebendig machende Gegenwart des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes durch die sakramentale Taufe einschließlich Kindertaufe.

25 Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen 26 und rief zu sich einen der Knechte und fragte, was das wäre. 27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat. 28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. 29 Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre. 30 Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. 31 Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, das ist dein. 32 Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.“

Die religiösen Juden („älterer Sohn“) tun Werke aus dem Fleisch heraus („auf dem Feld“; siehe Hinweis, unten), die Gott nicht gefallen. Sie führen ein trauriges Leben. Sie kommen aber nicht umhin, zuzugeben, dass Freude und Glück („Singen und Tanzen“) bei den Sündern ist, die Buße getan haben und an Jesus glauben („das Haus“), wenn sie Jesus und seine Jünger anschauen („nahe zum Hause kommen“).

Das „Haus“ war zu Lebzeiten Jesu die Schar der Jünger in Gemeinschaft mit ihm; heute ist das „Haus“ die christliche Kirche.

„was das wäre“

Den religiösen Juden ist die Freude jener Juden fremd, die Buße getan haben und an Jesus glauben.

„dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat. 28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen.“

Die religiösen Juden ärgern sich darüber, dass Gott die bußfertigen Sünder einfach aus Gnaden annimmt und schließen sich nicht der Schar der Jünger Jesu an („wurde er zornig und wollte nicht hineingehen“). Die Gnade Gottes materialisierte, indem Gott seinen Sohn für die Sünder gab („dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet“).

„gesund“

Sünder sind „gesund“ geworden, wenn sie nicht mehr auf ihr natürliches Wesen setzen, sondern auf Gott und seine Gnade. Wer sich von sich selbst abwendet und Gott zuwendet, dem wird mit Sicherheit Hilfe von Gott zuteil.

„sein Vater bat ihn“

Bis heute (14. Dezember 2018) bittet Gott die religiösen Juden, zum Christentum zu konvertieren. Es liegt ein Missverständnis vor, wenn die religiösen Juden glauben, das Christentum sei nur eine Religion für die Heiden (Deutsche, Amerikaner, Engländer, Griechen, Italiener, etc.). Nein, die Juden wurden von Gott damit geehrt, dass die Predigt des Evangeliums Gottes von seinem Sohn Jesus Christus unter ihnen begann (zur Zeit Johannes des Täufers). Nach den Juden kamen die Heiden an die Reihe. Na ja, vielleicht werden ja bald die nicht-religiösen Juden, die wie ungläubige (ungläubig bezüglich des Christentums) Heiden leben, den religiösen Juden ein Vorbild, indem sie zum Glauben an Jesus kommen.

„so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten“

Die religiösen Juden leben in einer großen Täuschung über sich selbst. Nein, auch sie brechen die Gebote Gottes Tag für Tag und sind von Gott getrennt. Sie brauchen genauso wie die offenbaren Sünder Vergebung und Erlösung durch Jesus Christus.

„nie einen Bock gegeben“

Gott hat keinen Gefallen an den Werken, die die religiösen Juden aus dem Fleische (natürliches Wesen des Menschen) heraus tun. Sie empfangen dafür keinen Lohn („Bock“).

„du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, das ist dein“

Das bezieht sich auf den alten Bund Gottes mit den Juden. Trotz dieses Bundes, durch den die Juden von Haus aus in einer gewissen Beziehung zu Gott stehen, fordert Gott die Juden auf, zum Christentum (der neue Bund) zu konvertieren: „Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein“. Christen freuen sich, wenn Sünder errettet werden: „Denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.“ Nur ein zum Christentum konvertierter Jude würde sich über die Errettung von Sündern freuen, das heißt die Aufforderung: „Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein.“ ist nichts anderes als die Aufforderung an die Juden, sich zum Christentum zu bekehren.

Das Christentum ist der neue Bund Gottes mit den Menschen und besser als der alte Bund. Der alte Bund Gottes mit den Juden ist zwar noch gültig, aber nur durch den neuen Bund können sie vor der ewigen Verdammnis gerettet werden. Und schon die wirklich Frommen des alten Bundes glaubten an einen göttlichen Erlöser. Der neue Bund ist die Volloffenbarung dessen, was im alten Bund nicht so deutlich zu erkennen, aber doch auch schon gültig war: Der Mensch braucht einen göttlichen Erlöser. Heute wissen wir, dass er Jesus Christus heißt. Der neue Bund ist die Vollendung des alten.

 

 

Ergänzung

Der verlorene Sohn hatte ja sein Erbe verprasst – es war weg, nicht mehr da. Wieder Sohn seines Vaters zu werden, bedeutete aber, auch wieder rechtmäßiger Erbe zu werden.

Wie aber sollte das geschehen, da ja das Erbe nicht mehr da war?

Stellen wir uns vor, irgendein Mensch, der sein Erbe vor dem Tod des Erblassers entgegengenommen hat, bereut seine Tat und will sich mit dem Erblasser versöhnen. Er würde die Summe Geldes von seinem Konto auf das Konto des Erblassers zurücküberweisen und erst beim Tode des Erblassers erneut Anspruch darauf erheben. Dadurch würde sein schandbares Erbe zu einem legitimen Erbe.

In gleicher Weise hätte im Gleichnis der Sohn sein Erbe zurückbringen und auf den Tod seines Vaters warten müssen, um es bei dessen Tod erneut in legitimer Weise zu empfangen. Das war praktisch unmöglich.

Ein analoges Problem hat aber auch ein Sünder in der Realität. Seines natürlichen Lebens bzw. Wesens ist er ja verlustig gegangen (der Sünder, der mit sich selbst zum Ende gekommen ist, setzt nicht mehr auf sein natürliches Wesen). Dieser Verlust wird bei der Taufe endgültig, wo der Mensch in den Tod Christi getauft wird, das heißt er stirbt mit Christus, sein natürliches, mit Sünde behaftete Wesen wird für tot erklärt. Wie aber soll so ein Mensch wieder legitimer Erbe werden, das heißt ein wohlgefälliges Leben bzw. Wesen empfangen? Ein Schritt ist schon damit getan, dass der Mensch in den Tod Christi getauft wurde (Legitimierung des Erbes durch Tod des Erblassers; allerdings mit dem Problem, dass bei der Taufe das natürliche Wesen des Menschen für tot erklärt wird bzw. bildlich gesprochen das alte Erbe gänzlich vernichtet wird). Allerdings: Wo ist die Substanz, wo ist das neue Leben? Der verlorene Sohn hätte auf den Tod des Vaters warten können, aber was hätte das genutzt, denn sein Erbe war ja weg – ein illegitimes Erbe, das weg ist, kann man nicht mehr zu einem legitimen machen. Dieses Problem wird gelöst, indem Gott sich selbst dem Menschen als Erbteil gibt, das heißt der Mensch stirbt nicht nur mit Christus in der Taufe (die Legitimierung des Erbes durch den Tod des Erblassers, wobei bildlich gesprochen allerdings auch das alte Erbe verschwindet), sondern aufersteht auch zusammen mit ihm (Erlangung des neuen Erbes). Nach der Taufe ist der Mensch in Christus. „In Christus sein“ heißt aber ein neues Wesen bzw. Leben zu haben und dadurch hat der Getaufte auch wieder ein Erbteil trotz der Tatsache, das er sein altes Erbteil (sein natürliches Wesen) verloren hat.

 

Anmerkung

Philipper 2, 6-8

6 Er (Jesus; R. B.), der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, 7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. 8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.

 

Hinweis

„Auf dem Feld“ kling so bürgerlich ehrbar, aber im Zusammenhang des Gleichnisses vom verlorenen Sohn bedeutet es in Wirklichkeit etwas negatives.

Warum?

Als der ältere Sohn auf dem Feld war, war er nicht bei seinem Vater. Er war zwar nicht in einem fernen Land wie sein jüngerer Bruder, aber in Gemeinschaft mit seinem Vater war er auch nicht. Die religiösen Juden taten Werke (des Gesetzes), aber ermangelten genauso wie die nicht-religiösen Juden (Zöllner und Sünder) der Erlösung, die in Christus Jesus ist, durch die der Mensch in Gemeinschaft mit Gott kommt.

Römer 3, 24 und (Juden und Heiden; R. B.) werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

 

 

 

 

 

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