Herodes und Johannes der Täufer

Eigentlich mochte Herodes Johannes den Täufer. Seine Frau Herodias aber hasste ihn abgrundtief. Wäre Herodes nicht mit Herodias verheiratet gewesen, hätte er Johannes wahrscheinlich nicht hingerichtet. Die Salbung Jesu durch die Sünderin aus Lukas 7 ist ein Bild auf die Liebe der Seele des bekehrten Sünders zu Jesus. Der Umgang von Herodes Antipas mit Johannes illustriert genau das Umgekehrte: Herodes liebte zwar Johannes den Täufer, aber er liebte auch seine (böse) Frau Herodias, liebte sie mehr als Johannes. Da er Herodias augenscheinlich mehr liebte als Johannes, ließ er ihn auf ihren Wunsch hin hinrichten. Sicherlich finden viele Menschen Jesus grundsätzlich sehr sympathisch. Aber mehr als Jesus lieben sie ihre sündige Natur, ihren natürlichen „Gemahl“. Sie ziehen den zeitlichen Genuß der Sünde dem ewigen Heil vor, wollen nicht Buße tun, sondern bleiben bei irgendeiner menschgemachten Religion wie Islam, Katholizismus, Billige-Gnade-Protestantismus, evangelikaler Glaube, etc., die die Sünde rechtfertigt, wo man also ein „Gläubiger“ sein und gleichzeitig ein Sünder bleiben kann, da man durch das Halten bestimmter äußerlicher Rituale seiner Religion (zum Beispiel die fünf Säulen des Islam) sich von Liebe und Gerechtigkeit im Alltag dispensiert. Aber nur der durch die Liebe im Alltag tätige Glaube ist der wahre Glaube. Solche „töten“ sozusagen Jesus für sich selbst. Absolut gesehen, kann natürlich niemand Jesus töten – aber ich kann ihn für mich selbst töten, indem ich ihm nicht die Herrschaft über mein Leben überlasse durch Buße und sakramentale Taufe. Ich kann Jesus in mir „töten“.

Matthäus 14, 1-12 1 Zu der Zeit kam die Kunde von Jesus vor den Landesfürsten Herodes. 2 Und er sprach zu seinen Leuten: Das ist Johannes der Täufer; er ist von den Toten auferstanden, darum tut er solche Taten. 3 Denn Herodes hatte Johannes ergriffen, gefesselt und in das Gefängnis geworfen wegen der Herodias, der Frau seines Bruders Philippus. 4 Denn Johannes hatte zu ihm gesagt: Es ist nicht recht, dass du sie hast. 5 Und er hätte ihn gern getötet, fürchtete sich aber vor dem Volk; denn sie hielten ihn für einen Propheten. 6 Als aber Herodes seinen Geburtstag beging, da tanzte die Tochter der Herodias vor ihnen. Das gefiel dem Herodes gut. 7 Darum versprach er ihr mit einem Eid, er wolle ihr geben, was sie fordern würde. 8 Und wie sie zuvor von ihrer Mutter angestiftet war, sprach sie: Gib mir hier auf einer Schale das Haupt Johannes des Täufers! 9 Und der König wurde traurig; doch wegen des Eides und derer, die mit ihm zu Tisch saßen, befahl er, es ihr zu geben, 10 und schickte hin und ließ Johannes im Gefängnis enthaupten. 11 Und sein Haupt wurde hereingetragen auf einer Schale und dem Mädchen gegeben; und sie brachte es ihrer Mutter. 12 Da kamen seine Jünger und nahmen seinen Leichnam und begruben ihn; und sie kamen und verkündeten das Jesus.

Markus 6, 14-29 14 Und es kam dem König Herodes zu Ohren; denn der Name Jesu war nun bekannt. Und die Leute sprachen: Johannes der Täufer ist von den Toten auferstanden; darum tut er solche Taten. 15 Einige aber sprachen: Er ist Elia; andere aber: Er ist ein Prophet wie einer der Propheten. 16 Als es aber Herodes hörte, sprach er: Es ist Johannes, den ich enthauptet habe, der ist auferstanden. 17 Denn er, Herodes, hatte ausgesandt und Johannes ergriffen und ins Gefängnis geworfen um der Herodias willen, der Frau seines Bruders Philippus; denn er hatte sie geheiratet. 18 Johannes hatte nämlich zu Herodes gesagt: Es ist nicht recht, dass du die Frau deines Bruders hast. 19 Herodias aber stellte ihm nach und wollte ihn töten und konnte es nicht. 20 Denn Herodes fürchtete Johannes, weil er wusste, dass er ein frommer und heiliger Mann war, und hielt ihn in Gewahrsam; und wenn er ihn hörte, wurde er sehr unruhig; doch hörte er ihn gern. 21 Und es kam ein gelegener Tag, als Herodes an seinem Geburtstag ein Festmahl gab für seine Großen und die Obersten und die Vornehmsten von Galiläa. 22 Da trat herein die Tochter der Herodias und tanzte und gefiel Herodes und denen, die mit am Tisch saßen. Da sprach der König zu dem Mädchen: Bitte von mir, was du willst, ich will dir’s geben. 23 Und er schwor ihr einen Eid: Was du von mir bittest, will ich dir geben, bis zur Hälfte meines Königreichs. 24 Und sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich bitten? Die sprach: Das Haupt Johannes des Täufers. 25 Da ging sie sogleich eilig hinein zum König, bat ihn und sprach: Ich will, dass du mir gibst, jetzt gleich auf einer Schale, das Haupt Johannes des Täufers. 26 Und der König wurde sehr betrübt. Doch wegen des Eides und derer, die mit am Tisch saßen, wollte er sie keine Fehlbitte tun lassen. 27 Und sogleich schickte der König den Henker hin und befahl, das Haupt des Johannes herzubringen. Der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis 28 und trug sein Haupt herbei auf einer Schale und gab’s dem Mädchen und das Mädchen gab’s seiner Mutter. 29 Und als das seine Jünger hörten, kamen sie und nahmen seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

Diese Schilderungen aus Markus und Matthäus lassen sich nur zusammenbringen, wenn man annimmt, daß Herodes Johannes eigentlich gern hatte, aber dann doch der Liebe zu seiner bösen Frau Herodias den Vorrang gab. So wird Herodes zum Bild für die Seele des Menschen, die ihren neuen legitimen Gemahl Jesus, der ihr vielleicht nicht völlig unsympathisch ist, verschmäht und ihren alten Gemahl „die sündige Natur“ oder „der alte Mensch“ bevorzugt. Die durchaus reale Wertschätzung, die Herodes für Johannes hatte, wird am Jüngsten Tag von Gott (Jesus) nur als blanker Hass gerechnet werden, da Herodes den lieben Johannes nicht gegenüber seiner bösen Frau bevorzugte bzw. weil auch seine Seele das alte Leben in der Sünde gegenüber dem neuen Leben in Christus vorzog.

Besser als Herodes machte es einstmals Mose:

Hebräer 11, 24-26 24 Durch den Glauben wollte Mose, als er groß geworden war, nicht mehr als Sohn der Tochter des Pharao gelten, 25 sondern wollte viel lieber mit dem Volk Gottes zusammen misshandelt werden als eine Zeit lang den Genuss der Sünde haben, 26 und hielt die Schmach Christi für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens; denn er sah auf die Belohnung.

 Lk 14,26 Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein.

Das bedeutet nicht, daß ein Christ seine Verwandten hassen soll, sondern daß seine Liebe zu Christus und seiner Kirche so groß sein soll, daß verglichen damit, also relativ, die Liebe zur Verwandtschaft wie Hass erscheint.

Mt 10,37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.

Siehe auch: König Herodes Antipas, ein Rohr, vom Wind hin- und herbewegt, und Jesus – Auslegung Lukasevangelium 13, 31-33

 

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