Gleichnis vom Feigenbaum – Auslegung Lukasevangelium 13, 6-9

Lukas 13, 6-9

6 Er (Jesus; R. B.) sagte ihnen aber dies Gleichnis: Es hatte einer einen Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberg, und er kam und suchte Frucht darauf und fand keine. 7 Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, ich bin nun drei Jahre lang gekommen und habe Frucht gesucht an diesem Feigenbaum und finde keine. So hau ihn ab! Was nimmt er dem Boden die Kraft? 8 Er aber antwortete und sprach zu ihm: Herr, lass ihn noch dies Jahr, bis ich um ihn grabe und ihn dünge; 9 vielleicht bringt er doch noch Frucht; wenn aber nicht, so hau ihn ab.

Auslegung

Das Gleichnis vom Feigenbaum muss man im Zusammenhang sehen mit der Geschichte vom Einsturz des Turmes in Siloah. Sicherlich urteilten nicht wenige Juden folgendermaßen, wenn sie vom Einsturz des Turmes in Siloah hörten, bei dem 18 Menschen ums Leben kamen: „Jene müssen schlimme Sünder gewesen sein, sonst hätte Gott nicht dies Unglück über sie kommen lassen.“

Dies aber war eine typisch jüdische Deutung und dem Geist der neuen Religion, die Jesus predigte, diametral entgegengesetzt.

In Lukas 13, 1-5 lesen wir davon, wie Jesus zu einer ganz anderen Denkweise rät. Er empfiehlt angesichts des Unglücks von Siloah und jener, die dabei ums Leben kamen, an die eigene Schuld und Sünde zu denken und an das kommende (Welt-)Gericht. Er erwähnt zwar das kommende Gericht nicht wörtlich, aber es ist klar, dass er das meint, wenn er sagt: „Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen.“ Wer weise war, warf sich also nicht zum Richter auf über jene Unglücklichen von Siloah, sondern schlug an seine eigene Brust und sagte: „Ich will mich nun beeilen, Buße zu tun über meine Sünden, damit mir nicht Ähnliches widerfahre.“ (einer Weisheit, die so sprach, konnte man allerdings nur teilhaftig werden durch Glauben an einen Erlöser und Abkehr vom traditionellen Judentum, das zur Selbstrechtfertigung führte)

In Lukas 13, 6-9 gibt Jesus mit dem unfruchtbaren Feigenbaum, der nicht gleich abgehauen bzw. eine Weile verschont wird, ein Bild auf die Langmut und Geduld Gottes mit den Sündern (die Juden waren alle Sünder, nur erkannten es viele von ihnen nicht)bzw. mit dem Volk Israel. Israel war ein unfruchtbarer Feigenbaum, denn es hing dem Gesetzesjudentum an. Das Gesetzesjudentum führte nicht zur Erlösung des Sünders, sondern führte dazu, dass die Leute in ihren Sünden verharrten. Man war schon ein guter Jude, wenn man auf das Folgende stolz war:

  • ein biologischer Nachkomme des Patriarchen Jakob bzw. Abrahams zu sein
  • beschnitten zu sein
  • „Haber“ des Gesetzes zu sein
  • die Heiligung des Sabbat

Die Lehre von einem Erlöser war den Juden völlig fremd – sie stützten sich ganz auf ihre natürliche Abstammung, auf ihr jüdisches Volkstum.

Indem die Juden ganz an dem Natürlichen festhielten und sich nicht nach einem Erlöser ausstreckten, blieben sie durch und durch Sünder – „sie waren nichts weiter als sündiges Fleisch.“

Johannes 3, 6 Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch;

Johannes 6, 63 Der Geist ist’s, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze.

Sie waren genauso wie die Heiden unter der Herrschaft eines bösen Geistes. Dieser Geist bewirkte es auch, dass sie selbstgerecht waren und gerne andere (scharf) richteten. Der natürliche Mensch ist einfach selbstgerecht und wirft sich gerne zum Richter über andere auf – das Judentum verstärkte diese natürliche Neigung des Menschen nur.

Kurz gesagt: Der Grund, warum bisher irgendeinem Juden in Israel nicht das gleiche Unglück getroffen hatte wie jene von Siloah, war die Langmut und Geduld Gottes. Gott wartete ab , ob aus dem Volk Israel nicht doch noch ein fruchtbarer Feigenbaum werden würde. Dass aber Gott den Feigenbaum bisher verschont bzw. nicht umgehauen hatte, lag nicht daran, dass er etwa Wohlgefallen an dem Feigenbaum an sich selbst gehabt hätte, sondern Gott hoffte auf eine zukünftige Verwandlung des Feigenbaumes von einem unfruchtbaren in einen fruchtbaren. Nur als Vorstufe eines fruchtbaren Feigenbaumes hatte der unfruchtbare Feigenbaum eine Existenzberechtigung.

Das Volk Israel bzw. jeder einzelne Jude war bisher nicht von einem Unglück in der Art dessen von Siloah getroffen worden, weil er oder das Volk vor Gott wohlgefällig waren, sondern weil die Langmut Gottes abwartete, ob sie nicht Buße tun und an einen göttlichen Erlöser glauben würden, denn durch Buße und Glauben würden sie ein fruchtbarer Feigenbaum werden.

Würden sie aber auch fernerhin nicht Buße tun, würde Gott sie abhauen/umhauen.

Matthäus 3, 7-12

7 Als er (Johannes der Täufer; R. B.) nun viele Pharisäer und Sadduzäer sah zu seiner Taufe kommen, sprach er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? 8 Seht zu, bringt rechtschaffene Frucht der Buße! 9 Denkt nur nicht, dass ihr bei euch sagen könntet: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen (Steine aus dem Flussbett des Jordan; R. B.) Kinder zu erwecken. 10 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum: jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 11 Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. 12 Er hat seine Worfschaufel in der Hand; er wird seine Tenne fegen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.

Apg 19, 4

4 Paulus aber sprach: Johannes hat getauft mit der Taufe der Buße und dem Volk gesagt, sie sollten an den glauben, der nach ihm kommen werde, nämlich an Jesus.

 

Eine Lehre für Geistliche (damit sie nicht Rückhalt bei der Welt – zur Welt gehört spirituell gesehen auch das Judentum – sondern bei der Gemeinde suchen; die Gemeinde besteht aus Judenchristen und Heidenchristen):

Der Grund, warum die Kirche (Menschen, die an Jesus glauben) unter den Juden so schwer wächst, ist der, dass sie eine unglaubliche Haftung an das Natürliche haben. Ihr natürliches jüdisches Volkstum scheint ihnen eine völlige religiöse Befriedigung zu geben, völlige religiöse Genüge. Trotz aller „Übermacht“ des Jüdischen sollte ein christlicher Missionar unter Juden, sich niemals dazu hinreißen lassen, seine Anerkennung beim Judentum zu suchen, sondern er sollte seinen Rückhalt in der Gemeinde haben und sei sie auch noch so winzig.

Hinweis: Ein Judenchrist ist ein biologischer Nachkomme der Patriarchen Jakob, der sich vom Judentum abgewendet hat und an Jesus glaubt.

 

 

 

 

 

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