Auslegung Bergpredigt

Die Bergpredigt findet man im  Matthäusevangelium, Kapitel 5-7

Jesus war bekannt geworden in Israel und bis weit über seine Grenzen hinaus, denn seine Lehre war konsistent (in sich stimmig) und er machte den ganzen Menschen gesund. Da kamen die Volksmassen zu ihm geströmt, um ihn zu hören und gesund zu werden.

Jesus geht heraus aus der Masse des Volkes auf einen Berghang und seine Jünger folgen ihm dorthin und Jesus stellt dem Volk damit bildlich vor Augen, was der Kern seiner Lehre ist: BEI JESUS SEIN. Diese kleine Schar der Jünger in Gemeinschaft mit Jesus war der Anfang der christlichen Kirche, die die Gnade und die Wahrheit verkörpern soll, die in Christus Jesus ist.

Jesus ruft vom Berghang herunter: „Selig, selig, … , selig.“ Auf dem Berg Sinai hatte er dem Volk Israel noch zugerufen: „Du sollst nicht!, du sollst nicht!, … du sollst nicht!“ Mit den zehn Geboten wollte Gott dem Volk Israel nur ihre Sündhaftigkeit aufzeigen und nach der Verkündigung der Gebote hätten sie ihre Sündhaftigkeit erkennen sollen, und Gott um Gnade bitten sollen, dass er selbst ihnen Heil gäbe oder ihr Heil würde und sie bessere. Stattdessen versuchten sie anmaßenderweise das Gesetz aus eigener Kraft zu halten, obwohl es Tatsache war, dass sie es nicht konnten. Auch als Gott seine Offenbarung an das Volk Israel schließlich auf ein Maximum brachte und sie besuchte in der Person seines Sohnes, gebrauchte Israel das Gesetz noch falsch.

Die alttestamentlichen Propheten konnten dem Volk nur predigen, das heißt Worte geben. Jesus aber gibt nun dem Volk Israel eine Verkörperung seiner Lehre: die Schar der Jünger in Gemeinschaft mit ihm. Das Volk sollte erkennen: Selig ist, wer sich in die Gemeinschaft mit Jesus rufen lässt und darin  bleibt. Der Mensch in der Gemeinschaft mit Jesus bekommt nicht ein „Du sollst nicht!“ zu hören, sondern ein „selig“, denn aus seiner Gemeinschaft mit Jesus entspringt ein Leben, das nicht regelmäßig mit dem Gesetz (= Gebote) in Konflikt kommt. Dieses Leben ist Jesus selbst und es wird sichtbar durch Liebe zu Gott und zum Nächsten.

Die Jünger waren von Natur aus sündhaft, genauso wie ihre israelischen Volksgenossen, nur hatten sie sich unter die Obhut von Jesus begeben, der sie heiligte (sie wurden täglich heiliger in Tat und Wahrheit im Alltag). In der Gemeinschaft Jesu mehrte sich den Jüngern das Bewusstsein ihrer Sündhaftigkeit und gleichzeitig machte sie Jesus heiliger, dies führte zu folgenden Charaktereigenschaften:

  • Bescheidenheit
  • Mitgefühl
  • Sanftmut
  • Verlangen nach Gerechtigkeit
  • Barmherzigkeit
  • Reinheit persönlicher Motive
  • Versöhnlichkeit
  • Gerechtigkeit
  • Standhaftigkeit im Glauben

Mit diesem Verhalten wollten sich die Jünger nicht erst das Wohlwollen Jesu verdienen, sondern es entsprang aus ihrer Gemeinschaft mit Jesus. Das große Glück der Jünger war es, dass Jesus sie in seine Gemeinschaft gerufen hatte und dass sie in Gemeinschaft mit ihm blieben. Die Jünger glaubten, dass Jesus der verheißene Christus (Messias, Gesalbter) war, denn das Alte Testament zeugte von ihm, Johannes der Täufer bestätigte ihn und schließlich wies er sich aus durch seine Zeichen und Wunder (z. B. Heilungen).

Die Menschen, die in der Gemeinschaft Jesu o. g. Charaktereigenschaften hervorbringen, werden in der Ewigkeit zur Herrlichkeit des Sohnes Gottes erhoben werden. Die Gemeinschaft der Jünger mit Jesus wird im ewigen Leben münden bzw. sie ist das ewige Leben, nur noch nicht offenbar in Herrlichkeit, sondern offenbar in Niedrigkeit (Bescheidenheit, Sanftmut, usw.).

Jesus ruft aus über seine Jünger: „selig“. Dies ruft er dem Volk zu, das sich ein Beispiel an den Jüngern nehmen sollte. Jeder einzelne aus dem Volk konnte selig werden, wenn er sich in die Gemeinschaft Jesu oder der Jünger begab und die Welt (alle Menschen, die nicht an Christus glauben) verließ. Das „selig“ sollte aber auch ein Trost für die Jünger sein, die wegen ihrer christlichen Charaktereigenschaften und ihrer Zugehörigkeit zu Jesus Anfeindung erleben würden.

Den Rest der Bergpredigt nun richtet Jesus nur an die Jünger und das Volk steht dabei und hört mit.

Der größte Teil der Menschheit wird das Evangelium (= Gott, der Vater, hat Gott, den Sohn, um unserer Sünden willen dahingegeben und um unserer Rechtfertigung willen auferweckt von den Toten) niemals glauben, sondern nur ein kleiner Teil der Menschheit. Dadurch bilden sich zwei Lager: Die Welt (Menschen ohne Jesus) und die Kirche (Menschen in Gemeinschaft mit Jesus).

Die Welt ist leider nicht neutral, sondern greift die Kirche an, wobei es nicht hauptsächlich um die physische Vernichtung der Kirche geht, sondern darum, sie vom Glauben an Jesus wieder abzubringen (Jesus sagt in den Seligpreisungen, dass die Verfolgung der Kirche durch die Welt ein klares Indiz für ihre Seligkeit ist).

Das schlimme am Hass der Welt ist, dass er keine Ursache hat. Er ist einfach da und dämonischer Natur. Für die Jünger bzw. die Kirche ist das schwer zu ertragen. Die Jünger verhalten sich vorbildlich, berichten den Verdurstenden von der Wasserquelle (Jesus), aber die Verdurstenden feinden sie dafür an.

Es lag nahe für einen Jünger, wegen der Anfeindungen wiederum Verhaltensmuster der Weltbürger anzunehmen, um der Verfolgung zu entgehen. So würde er aber seines Heils verlustig gehen und sein Salz-Sein und Licht-Sein verlieren. Sogar die Welt selbst würde ihn ausstoßen für solches Verhalten.

Jesus sagt: „Passt euch nicht an die Welt an, sondern bleibt in der Gemeinschaft mit mir (Christus) und in der Liebe zu Gott und zum Nächsten; ihr werdet zwar von einem Teil der Menschen Anfeindung dafür erleben, aber es wird auch Menschen geben, die durch eure Christlichkeit (Salz + Licht) zum Vater zurückkehren (preisen). Was gibt es größeres, als das Weltbürger zu Kindern Gottes werden.“

Wer allerdings seinen christlichen Charakter aufgibt, setzt sich zwischen die Stühle und verliert am Ende alles bei Gott und den Menschen.

Angenommen, die Jünger würden sich Christen nennen, aber ihren christlichen Charakter aufgeben und sich wieder wie Weltbürger verhalten, dann würde sie das Schicksal der Pharisäer und Schriftgelehrten ereilen. Im Rest der Bergpredigt nimmt Jesus verwerfliche Verhaltensweisen der Pharisäer und Schriftgelehrten auf und stellt dem das christliche Verhalten entgegen. Jesus wollte die Jünger davor bewahren, zu Pharisäern und Schriftgelehrten zu werden, denn dann hätten sie alles verloren bei Gott und den Menschen.

Diejenigen, die sich bereits zwischen die Stühle gesetzt hatten, waren die Pharisäer und Schriftgelehrten. Gott (Jesus) bezeichnet sie permanent als Heuchler und es darf wohl als sicher angenommen werden, dass sie auch beim einfachen Volk nicht sehr beliebt waren. Die Misere der Pharisäer und Schriftgelehrten lag darin, dass sie nicht an einen Erlöser glaubten, der sie charakterlich bessern konnte und auch nicht solch einen Erlöser dem Volke predigten. Sie wollten Lehrer, Erzieher, Leiter und Richter des Volkes sein, aber weil sie das Gesetz als Schlagstock missbrauchten gab Gott sie dahin und sie wurden selber zu perversen Sündern. Gott zog seine schützende Hand von ihnen ab und sie mussten genau in den Sünden leben, die sie beim Volk durchs Gesetz verurteilten. Hätten die Pharisäer und Schriftgelehrten das Gesetz richtig gebraucht, hätten sie sich vom Gesetz von ihrer Sündhaftigkeit überzeugen lassen und Gott um einen Erlöser gebeten. Dieser Erlöser hätte ihnen Liebe zum Volk gegeben und sie hätten auch dem Volk den Erlöser gepredigt, nachdem sie das Volk durchs Gesetz liebevoll und wohlmeinend auf seine Sündhaftigkeit hingewiesen hätten.

Indem die Pharisäer und Schriftgelehrten das Gesetz nicht als Wegweiser zum Evangelium gebrauchten, missbrauchten sie es.

Matthäus 5, 17-20:

17 Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. 18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht. 19 Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich. 20 Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.

Wie gesagt, das Gesetz hätte für die Pharisäer und Schriftgelehrten und für das Volk ein Wegweiser zum Evangelium von der heilsamen Gnade Gottes sein sollen. Weil aber die Pharisäer und Schriftgelehrten nie an einen Erlöser glaubten, konnten sie das Gesetz nie richtig verstehen. Ein sündiger Mensch kann nur dann so leben, dass er nicht in Konflikt mit dem Gesetz gerät, wenn er in Gemeinschaft ist mit einer Person der Gottheit (der Sohn oder der Heilige Geist). Wenn Gott bei einem Menschen oder in einem Menschen ist, dann bewirkt er in ihm das rechte Verständnis des Gesetzes und Liebe zu Gott und zum Nächsten, was die Erfüllung des Gesetzes ist (Erfüllung ist mehr als Halten; der Erfüller des Gesetzes tut sozusagen immer mehr, als das Gesetz fordert, während der Halter immer ein gewisses Defizit hat). Der Mensch, der in Gemeinschaft mit Gott lebt, schließt aus den „Du sollst nicht!“ – Geboten auf das positive, liebevolle Verhalten (z. B. „du sollst nicht töten!“ legt Jesus aus als „du sollst dem Sünder nicht zürnen, ihn nicht  beleidigen und ihn nicht verfluchen!“, das heißt der Christ bewahre Liebe zum Sünder, weil Gott ihn auch schon geliebt hat, als er noch ein Sünder war). Die Pharisäer und Schriftgelehrten hatten eigentlich die Absicht das Gesetz richtig zu lehren. Weil sie aber sich nicht unter die Obhut eines Erlösers begaben, konnten sie das Gesetz nie richtig (gottgemäß) verstehen und es auch nicht erfüllen (Liebe zu Gott und zum Nächsten).  Im weiteren Verlauf zeigt Jesus die falsche Auslegung des Gesetzes durch die Pharisäer und Schriftgelehrten auf und stellt dem die geistliche Auslegung entgegen (Töten, Ehebruch, Schwören, Vergelten).

Viele Israeliten würden die Predigt der Jünger ablehnen und da standen die Jünger in Gefahr dem Volk zu zürnen, es zu beleidigen und zu verfluchen. Dadurch hätten sie aber genau konträr zum Gesetz und zum Evangelium gehandelt, denn durch Gesetz und Evangelium bietet Gott dem Sünder Freundschaft und Heil an (das Gesetz zeigt dem Sünder seine Sündhaftigkeit und das Evangelium schenkt Befreiung und Heiligung). Falls nun die Jünger merkten, dass sie wie die Pharisäer und Schriftgelehrten dem Volk zürnten, es beleidigten, verfluchten, die Sünder richteten und daraufhin von Gott dahingegeben wurden in Erniedrigung, Entehrung, Lüsternheit, Lüge und Meineid und Gewalttätigkeit, dann sollten sie erkennen, dass sie gegen das Gesetz handelten (Töten, Ehebruch, Schwören, Vergelten). Solch einen Lebensstil in permanentem Gesetzesbruch sollten sie sich selbst nicht zubilligen, sondern Gott neu um Erfüllung mit Glauben und dem Heiligen Geist bitten, der sie selbst heiligen würde und Liebe zu den Sündern schenken würde, was die Erfüllung des Gesetzes ist. Keinesfalls sollten die Jünger sich trotz permanenten Gesetzesbruches noch als Jünger Jesu bezeichnen mit dem Verweis darauf, Jesus habe ja die Rechnung durch seinen Tod am Kreuz im Voraus beglichen. Permanenter Gesetzesbruch zeigt, dass man seinen Heilsstand in Christus verlassen hat und es ist höchste Zeit umzukehren und Gott um die Erneuerung der Gemeinschaft mit sich selbst zu bitten.

Im Folgenden koordiniert Jesus zuerst das Gebot „Du sollst nicht töten!“ neu (gottgemäß).

Die Pharisäer und Schriftgelehrten vermittelten dem Volk ein falsches Bild vom Gesetz, indem sie dem Volk zürnten, es beleidigten (Nichtsnutz) und verfluchten (gottloser Narr). Indem sie zürnten, beleidigten und verfluchten, verstießen sie gegen das Gebot „Du sollst nicht töten!“. Sie predigten zwar dem Wortlaut nach „Du sollst nicht töten!“, aber durch ihr Verhalten dem Volk gegenüber predigten sie „Du darfst die Sünder töten!“

Die Jünger predigten zwar nicht das Gesetz, sondern die heilsame Gnade Gottes, aber auch sie standen in Gefahr dem Volk zu zürnen, es zu beleidigen und zu verfluchen. Die Jünger waren sich ihres vorbildlichen Verhaltens bewusst und predigten Gnade und Wahrheit, da konnten sie Anfeindungen seitens des Volkes sicherlich sehr schwer ertragen und kaum verstehen, denn sie hatten ja keinerlei Ursache für Anfeindungen gegeben. Man hasste sie ohne Ursache. So standen die Jünger in Gefahr selbst eine Feindseligkeit gegen das Volk aufzubauen. Feindseligkeit aber ist das Gegenteil von Liebe. Indem sie eine Feindseligkeit gegen das Volk aufgebaut hätten, hätten die Jünger ihren seligen Heilsstand der Liebe verlassen. Hatten die Jünger schon Leuten gezürnt, sie beleidigt oder verflucht, dann sollten sie schleunigst hingehen und die beleidigten um Vergebung bitten, andernfalls würde ihr ganzer Gottesdienst wertlos werden, ja sie würden sogar selbst dem Zorn Gottes verfallen, der sie erniedrigen und entehrten würden (Gefängnis, Bankrott).

Durchs Evangelium will Gott den Menschen seine Freundschaft beweisen. Es ist sozusagen ein Angebot der Freundschaft Gottes an den Menschen. Die Entfremdung Adams von Gott, der die vertrauensvolle Gemeinschaft des liebenden Gottes verlassen hatte, soll rückgängig gemacht werden durchs Evangelium. Würden nun die Prediger des Evangeliums (die Jünger) Feinde des Volkes werden, würden sie dem Evangelium genau entgegengesetzt handeln. Sie würden das Evangelium annullieren, was schlimmer wäre als die Verzerrung des Gesetzes durch die Pharisäer und Schriftgelehrten.

Die Pharisäer und Schriftgelehrten richteten mit Vorliebe die Hurer und Ehebrecher, statt ihnen einen Erlöser zu verkünden, der sie von ihren Sünden befreien konnte. Die Jünger verkündeten zwar korrekterweise den Erlöser Jesus, aber sicher taten nicht alle Hurer und Ehebrecher gleich Buße. Da konnte es passieren, dass auch die Jünger die Hurer und Ehebrecher verdammten. Da hätten sie aber den seligen Heilsstand der Liebe verlassen und Gott hätte sie dahingegeben. Er hätte seine schützende Hand abgezogen, ihre Sünde wäre explodiert und sie wären gestürzt in den Abgrund ihrer entfesselten Begierden (lüsterne Blicke, Lüsternheit) und sexueller Manipulationen (rechte Hand). Dies, um ihnen zu zeigen, dass auch sie ohne die heilsame Gnade Gottes (von Natur aus) verdammte Sünder waren und deshalb die Sünder nicht verdammen sollten. Wenn nun die Jünger an sich selbst Zunahme von Lüsternheit und anderes spürten, sollten sie Gott wieder neu um Erfüllung mit dem Heiligen Geist und Glauben bitten. Der Geist gibt einerseits Liebe zu den Sündern und hilft andererseits Prozesse der Lust im eigenen Körper perfekt zu unterdrücken, was der Wirkung nach der Entfernung bzw. der Amputation des betreffenden Körperteils entspricht (Auge, Hand). Die Heiligen lieben die Sünder, weil der Geist, der sie heiligt auch der Geist der Liebe ist.

Auch der Ehebruch oder die unrechtmäßige Scheidung hat ihren Grund in einer Entfremdung von Gott. Von wem der Geist gewichen ist, der verfällt seinen Lüsten und Begierden und so basiert auch seine Ehe nur noch auf der sexuellen Vereinigung. Vielleicht wurde die Ehe schon nur aus sexueller Not heraus geschlossen. Frauen haben es an sich, dass sie schnell dahinwelken und da ist es wichtig, dass man nicht nur den Körper liebt, sondern die ganze Person, sonst ist die Ehe schnell dahin. Wie der Lüsterne und der Manipulierer bitte also auch der zur Scheidung Versuchte neu um die Erfüllung mit dem Heiligen Geist bzw. mit dem Glauben. Der Geist wird die Lust des Körpers dämpfen und neue Liebe zum Ehepartner schenken. Gemeinsam wird man dem Herrn dienen und der wird die Ehe erhalten.

Da die Pharisäer und Schriftgelehrten den Sündern (das Volk) zürnten, sie beleidigten und verfluchten und verdammten (sie hätten zuweilen auch die Sünder getötet, wenn die römische Obrigkeit sie nicht daran gehindert hätte), gab Gott sie dahin, ihre Sünde schäumte über, sie ersoffen in Lüsternheit, sexueller Manipulation und Ehebruch und vielen anderen Sünden (Diebstahl, siehe Röm. 2). Noch dazu gab Gott sie der Entehrung und Erniedrigung preis. Die wahren Verfluchten in Israel waren also die Pharisäer und Schriftgelehrten selbst.

So misslang ihnen also fast alles und sie taten soviel Strafwürdiges, Böses und Verwerfliches, dass sie ständig unter Eid ableugnen mussten, dieses oder jenes verbrochen zu haben. Immer wenn ein Pharisäer oder Schriftgelehrter schwor, wusste man sofort, dass er log, denn er schwor immer einen gerade ungültigen Eid, um eine Aussage zu bekräftigen, die eine Lüge war. So konnte er sich vermeintlich rechtfertigen, er habe keinen Meineid geschworen, sondern „nur“ gelogen. Aus Gottes Sicht hatte er natürlich einen Meineid geschworen und die Lüge in sich selbst war auch schon schlimm genug. Das permanente, falsche Schwören zeigte, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten am sittlich-moralischen Nullpunkt angekommen waren. Wenn die Jünger nicht mehr mit einem schlichten „Ja“ oder „Nein“ auskamen, sondern auch immer öfter schwören mussten, sollten sie sich fragen, ob sie nicht auch von Gott abgefallen waren. Dann sollten sie wieder neu um die Erfüllung mit dem Heiligen Geist oder Glauben bitten. Der Heilige Geist würde ihr Leben so gestalten, dass sie es nicht nötig hätten, Dinge unter falschen Schwüren abzuleugnen. Wer mit dem Heiligen Geist erfüllt ist, dessen Werke sind in Gott getan und er wird dafür Lob und Ehre erhalten.

Verflucht von Gott und unbeliebt beim Volk waren die Pharisäer und Schriftgelehrten sicherlich nicht selten dem Volkszorn ausgesetzt und bekamen es sicherlich manchmal zu spüren. Da schlugen sie natürlich zurück oder riefen die Religionspolizei. Dass sie diejenigen im Volk, die es wagten gegen sie aufzumucken, natürlich nicht liebten, sondern hassten, war sowieso klar – „ungläubige Feinde, nur gehasst“.

Die Jünger standen prinzipiell unter dem Schutz Gottes, gerade wenn sie sich nicht dazu verleiten ließen, dem Volk zu zürnen, es zu beleidigen, zu verfluchen und zu verdammen. Wenn die Jünger „im Herrn“ blieben, würde sicher auch ihre sexuelle Enthaltsamkeit, Wertschätzung der Ehe und Ehrlichkeit beim Volk bekannt werden und man würde sie soweit respektieren.

Trotz vorbildlichen Verhaltens konnte es aber zu Übergriffen seitens des Volkes kommen. Wie für den Herrn galt auch für die Jünger: „Sie haben mich gehasst ohne Ursache!“ Diese Dämonie muss der Jünger Jesu sein Leben lang aushalten und soll sie seinerseits weder mit Rache (Zurückschlagen) noch mit Hass gegen den Feind beantworten.

Johannesevang. 3, 17: Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

Röm. 5, 8: Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Röm. 12, 19: Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

Backenstreiche und Feindschaft seitens der Welt sind nicht von Gott autorisiert und damit belanglos, nur ein kurzer Kälteeinbruch für den, für den der Sommer schon begonnen hat. So sieht der Jünger Jesu über diese Dinge hinweg und bleibt ein glückliches Kind des Sommers. Er liebt um der Liebe (Christus) willen auch seine Feinde. Der Christ hat seit der Taufe nur noch ein Leben und das besteht in Liebe. Gibt er dieses Leben auf, fällt er der Verwesung anheim.  Der Kern des Wesens Gottes ist seine Versöhnlichkeit. Er sucht Freundschaft und Frieden unter allen Umständen. Wer Gott auf Erden darin ähnelt die Feinde zu lieben, der wird in der Ewigkeit feierlich als Kind Gottes offenbar werden.

Die Feindesliebe ist sicherlich die Krone der Nachfolge Jesu. Kein Mensch kann Feindesliebe aus sich selbst heraus produzieren, denn unser alter Adam ist rachsüchtig. Die Feindesliebe ist eine Frucht des  Heiligen Geistes. Deshalb bitte der Christ jeden Tag neu um die Erfüllung mit dem Heiligen Geist, so wie er ihn bei der Taufe empfangen hat. Der Geist wird Jesus Christus verherrlichen: Jesus Christus starb für uns, als wir noch Feinde Gottes waren. Diese Feindesliebe Jesu sollte auch bei uns Feindesliebe bewirken.

Die erste Versuchung durch die Welt ist nun abgeschlossen. Es war die Versuchung zum Zorn, zum Beleidigen, zum Verfluchen und Verdammen der Sünder, gipfelnd in Erniedrigung, Entehrung, Lüsternheit, Ehebruch, Meineid des Jüngers oder der direkte, gewalttätige Angriff der Welt sogar auf den vorbildlichen Christen ohne Ursache, um ihn zur Feindseligkeit zu verführen.

Gelingt es der Welt nicht, den Jünger zu ihrem Feind zu machen, versucht sie ihn zu verführen wie eine Hure. Das Liebesangebot der Hure ist aber nichts anderes als verdeckte Feindschaft.

Der Jünger betet, gibt Almosen, fastet. Dies ist alles gut in sich selbst. Aber so wie es Kreise in der Welt gibt, die den Jünger scharf anfeinden, gibt es Kreise in der Welt, die ihm eine falsche Ehre geben wollen, um dadurch seinen Glauben an Jesus zu zerstören. Der Jünger betet, gibt Almosen und fastet, weil er damit irgendwelchen Nöten begegnen will, getrieben wird er vom Heiligen Geist, dem Lob, Preis und Ehre gebührt für sein Wirken in uns. Nimmt der Jünger die falschen Ehrerbietungen der Welt an, stiehlt er damit Gott die Ehre. Der Jünger kann nur die Werke tun, die Gott zuvor bereitet hat. Wenn der Jünger geehrt wird, gibt er diese Ehre an Gott weiter. Die Heuchler (Pharisäer und Schriftgelehrten) wurden nur deshalb von der Welt geehrt, weil sie nicht Gott die Ehre gaben, sondern ihre eigenen Ehre suchten. Mit der Welt zusammen feierten sie einen nichtigen Gottesdienst des werksgerechten Fleisches, sie zelebrierten ihre äußerlichen, religiösen Übungen und die Welt klatschte Beifall dafür.  Hätten die Heuchler auf einen Erlöser hingewiesen, sie wären sowieso nie von der Welt geehrt worden, denn ein Erlöser ist der Welt verhasst. So empfiehlt Jesus den Jüngern, von vornherein alle diese Übungen im Verborgen auszuführen. Würden die Jünger ein Verlangen in sich spüren die religiösen Übungen vor den Augen der Welt auszuführen, sollten sie sich fragen, ob sie nicht dabei waren ihren Heilsstand in Christus zu verlassen. Das Suchen nach öffentlicher Ehre war ein Attribut der Heuchler, die Gott verflucht hatte. Ihre Sünde wurde dadurch noch einmal multipliziert, denn sie nahmen Ehre, obwohl sie Schimpf verdient hatten. Die Bösen ehren die Bösen (die Welt ehrt die Pharisäer und Schriftgelehrten). Da sollte es den Jüngern mulmig werden, wenn die böse Welt sie Ehren wollte, denn diese falsche Ehre der Welt hätte die Jünger in Wirklichkeit nicht erhoben, sondern degradiert. Der Jünger bete also täglich um die Erfüllung mit dem Heiligen Geist, der es in ihm wirken wird, dass er nicht die vergängliche Ehre der Welt sucht, sondern Ehre bei Gott, die ewig bleibt. Das Motiv für das Handeln des Jüngers ist die Liebe und sonst nichts.

Der allgemeine Grundgötzendienst der Welt ist der Materialismus (das sagte schon Luther) und die dritte Versuchung für den Jünger nach Feindseligkeit und falscher Ehre. Die Welt ist fremd dem Leben Gottes und so sucht sie Ehre durch Statussymbole, treibt Vorsorge für die Zukunft oder vegetiert einfach so dahin im Umwälzen von Materie. In ihrem Egoismus vergisst die Welt ihren Nächsten, der Not leidet. Sie investiert ihre Mittel lieber in Statussymbole, Zukunftsvorsorge, Wohlleben, anstatt dem Nächsten zu helfen, der in seiner Not umkommt.

Der Jünger, der sich diesem Treiben der Welt anschließt, verlässt den seligen Stand der Nächstenliebe, denn wenn er alle seine Mittel für Statussymbole, Zukunftsvorsorge und Konsum ausgibt, kann er seinem Nächsten in Not nicht mehr helfen. Gott gibt ihn dahin und zieht seine schützende Hand vom Jünger ab. Seine Augen werden schließlich blind für Bedürftige, sein Leib verfinstert sich und sammelt und konsumiert nur noch,  was darin gipfelt dass er unter die Herrschaft des Dämon Mammon kommt. Der Mammon schließlich „verleiht“ ihm ein Leben in Erbärmlichkeit, er degradiert ihn zum menschlichen Roboter: Arbeiten, Essen, Schlafen, Kaufen, Arbeiten, Essen, Schlafen, Kaufen, usw..

Jesus will seinen Jüngern den Dienst des Mammon ersparen und fordert sie deshalb auf, ihren Heilsstand in Christus zu bewahren. Sie sollten sich Schätze im Himmel sammeln bzw. zuerst nach dem Reich Gottes trachten, indem sie auch ihre Güter und Vermögen dem Herrn zur Verfügung stellten und nicht für sich selbst sorgten. Die Kirche betreibt Einrichtungen aller Art, die dem Wohl der Menschen dienen: Missionsstationen, christliche Schulen und Kindergärten, theologische Schulen, Armenhäuser, Krankenhäuser, Fonds für Verfolgte, etc. Hier kann der Christ seine Güter und sein Vermögen einbringen.

Die Verheißung Jesu für den, der sich auch für kirchliche Belange einsetzt, ist die, dass er ihm seinen Alltag erleichtern will (Jesus: Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.) Jesus redet hier nicht Faulenzern und Parasiten das Wort, sondern sagt nur denen Erleichterung zu, die sich auch für sein Reich einsetzen, was auch mühevolle Arbeit bedeutet.

Der Jünger sollte sich also nicht vom Status-Denken, Vorsorgetreiben und Konsumsucht der Welt anstecken lassen, sondern ruhig und still dem Herrn dienen durch Nächstenliebe. Der Herr würde ihn bewahren vor der traurigen Sklaverei des schnöden Mammon (Gott des Materialismus) und ihm in der herrlichen Freiheit und Sorglosigkeit der Kinder Gottes alles geben, was zum Leben notwendig ist.

Das war nun die dritte Versuchung durch die Welt, der Materialismus.

Die vierte Versuchung für die Kirche wäre nun, die Wohlhabenden zu richten. Dies ist aber nicht ihre Aufgabe. Klein (bescheidene Verhältnisse) und Groß (wohlhabend) braucht das Evangelium Gottes von seinem Sohn Jesus Christus: Gott, der Vater, hat Gott, den Sohn, um unserer Sünden willen dahingeben und um unserer Rechtfertigung willen auferweckt von den Toten. Klein und Groß soll das Evangelium glauben und getauft werden bzw. sich im Glauben an die Kindertaufe erinnern. Das Evangelium macht, dass der Mensch zurückkehrt in die Gemeinschaft des liebenden Gottes und so wird er selbst ein liebendes Wesen, dessen Augen geöffnet werden für die vielen Nöte in der Welt.

Klein und Groß, gläubig geworden an den Herrn, sollen nun dem Herrn alles, was sie haben, zur Verfügung stellen. Wenn sie von Nöten erfahren, sollen sie helfen nach Maßgabe der Not, das heißt sie sollen soviel geben, dass die Not beendet wird und soviel sie können.

Die Kleinen sollen nicht die Großen richten, sondern auf sich selbst schauen, dass sie dem Herrn dienen möchten auch mit ihren wenigen Gütern und bescheidenen Vermögen.

Glücklich, wer nicht den Versuchungen der Welt erliegt: Feindseligkeit, falsche Ehre, Materialismus und böses Richten.

Bewahrt werden vor der Versuchung durch die Welt wird nur, wer sich täglich seiner Taufe erinnert. Durch die Taufe sind wir der Sünde abgestorben und in Christus (Kindertaufe ist gültig, man erinnere sich ihrer im Glauben). Durch die Taufe wohnt der Heilige Geist in uns und den sollen wir jeden Tag bitten, dass er uns immer mehr erfülle. So werden wir nicht die Lüste unseres ewig sündigen Körpers vollbringen, sondern Werke christlicher Nächstenliebe tun.

Matthäus 7, 7-11:

7 Bittet (um den Heiligen Geist), so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 8 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. 9 Wer ist unter euch Menschen, der seinem Sohn, wenn er ihn bittet um Brot, einen Stein biete? 10 Oder, wenn er ihn bittet um einen Fisch, eine Schlange biete? 11 Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!

Bitten wir Gott täglich um den Heiligen Geist und um Glauben, so werden wir unseren Stand in Christus bewahren.

Das ewige Leben wird nur der ererben, dessen Glaube an Jesus trotz des heftigen Widerstands der Welt auch gute Früchte brachte. Nur der Glaube ist echt, der Frucht hervorbringt. Die faulen Bäume werden ins Feuer geworfen werden und müssen brennen.

Die Welt überwindet, wer sich gemäß der Anweisungen der Bergpredigt nicht wieder von ihr einfangen lässt. Die Ehre bei Gott bleibt ewig, aber die Ehre der Welt vergeht.

Das Volk hat alles mitgehört und wer sich nun Christ nennt, der befolge die Anweisungen der Bergpredigt, denn nicht nur Gott, sondern auch das Volk weiß, was vom Christen verlangt wird. Wer lieber in die Welt zurückkehren will, der tue es, aber nenne sich nicht Christ und bleibe der Kirche fern.

Offb 3,5 Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.

Siehe auch: Die Bergpredigt und die Bösen – hat die Bergpredigt Grenzen?

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