Erklärung von schwierigen Begriffen aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukasevangelium, Kap. 15, Verse 11-32)

Lukas 15, 11-32

11 Und er (Jesus; R. B.) sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. 12 Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie. 13 Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. 14 Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben 15 und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. 16 Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm. 17 Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! 18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. 19 Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! 20 Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. 21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. 22 Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße 23 und bringt das gemästete Kalb und schlachtet’s; lasst uns essen und fröhlich sein! 24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein. 25 Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen 26 und rief zu sich einen der Knechte und fragte, was das wäre. 27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat. 28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. 29 Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre. 30 Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. 31 Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, das ist dein. 32 Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.

 

An wen war das Gleichnis  vom verloren Sohn gerichtet?

Jesus erzählte dieses Gleichnis jüdischen Pharisäern und Schriftgelehrten, die ihn scharf kritisierten für seinen barmherzigen Umgang mit Zöllnern und Sündern. Unter anderem durch das Gleichnis vom verlorenen Sohn wollte Jesus den Pharisäern und Schriftgelehrten sein Verhalten gegenüber den Zöllnern und Sündern erklären. Im Gegensatz zu Jesus bevorzugten die Pharisäer und Schriftgelehrten es, die Zöllner und Sünder zu richten.

Lukas 15, 1-3 1 Es nahten sich ihm (Jesus; R. B.) aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. 2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen. 3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

 

Was ist mit „Mensch“ gemeint?

Die religiösen Juden (z. B. Pharisäer und Schriftgelehrte) gingen sehr unbarmherzig mit jenen Juden um, die offen in Sünde lebten (die Zöllner und Sünder). Insofern waren sie aus Gottes Sicht Unmenschen. Indem Jesus den barmherzigen Vater aus dem Gleichnis „Mensch“ nennt, übt er indirekt Kritik an den religiösen Juden – vor dem hellen Hintergrund der Menschlichkeit des Vaters aus dem Gleichnis musste die Unmenschlichkeit der religiösen Juden wie ein dunkler Fleck erscheinen. Das Ganze gewinnt besondere Schärfe dadurch, dass ja der Vater aus dem Gleichnis ein Bild auf den wirklichen Gott ist. Die religiösen Juden sollten also erkennen, dass sie nicht nur Unmenschen waren, sondern auch im Gegensatz zu Gott standen.

 

Was wird durch „Söhne“ versinnbildlicht?

Damit sind die Juden gemeint. Die Juden standen von Haus aus in einer gewissen Beziehung zu Gott wie die Söhne aus dem Gleichnis zu ihrem Vater.

 

Warum „zwei Söhne“?

In dem Gleichnis geht es um zwei Arten von Juden, deswegen „zwei Söhne“.

 

Was bedeutet „jüngerer Sohn“?

Durch das Wort „jung“ soll eine gewisse Unerfahrenheit zum Ausdruck gebracht werden. Im Gegensatz zum „älteren Sohn“ war es dem  „jüngere Sohn“ nicht möglich bei seinem Vater zu bleiben trotz der zerstörten Beziehung. Sowohl der Ältere als auch der Jüngere hatten ja ihren Vater schwer beleidigt, indem sie schon vor seinem Tod das Erbe entgegennahmen. Mit dem Begriff „jüngerer Sohn“ wurden jene Juden zur Zeit Jesu versinnbildlicht, die offen in Sünden lebten, das heißt die Zöllner und Sünder. Sie versuchten nicht, den Makel ihres Getrenntseins von Gott unter einer dicken Schicht religiöser Tünche zu verbergen wie die religiösen Juden – insofern waren sie „jung und unerfahren“.

 

Worauf ist das Wort „Erbe“ oder „Erbteil“ ein Bild?

Damit ist das natürliche Wesen des (ungläubigen) Menschen gemeint, das in der Bibel häufig auch als „Fleisch“ bezeichnet wird.

Das Erbe der beiden Söhne im Gleichnis war mit Schande behaftet, da sie es vor dem Tod des Erblassers entgegennahmen. Genauso ist in unserer Realität das natürliche Wesen des (ungläubigen) Menschen mit Schande behaftet, weil es keine Beziehung hat zum Tod Gottes, des „Erblassers“, am Kreuz (Gott starb in der Person Jesu Christi am Kreuz).

 

Was bedeutet „sammelte zusammen“?

Das entspricht in der Realität dem Folgenden: Einer reißt sich zusammen.

Beispiel:

„Mutti, ich bin zu müde, die Hausaufgaben zu machen.“

Antwort:

„Nichts da, reiß dich mal zusammen!“

 

Was ist das „ferne Land“?

Das ist die sündige Welt und im engeren Sinne der unsichtbare Raum, wo sich der Teufel und seine Dämonen aufhalten (in der Bibel einfach „Luft“ oder „unter dem Himmel“ genannt).

Epheser 2, 1-3

1 Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden, 2 in denen ihr früher gelebt habt nach der Art dieser Welt, unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams. 3 Unter ihnen haben auch wir alle einst unser Leben geführt in den Begierden unsres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Sinne und waren Kinder des Zorns von Natur wie auch die andern.

Epheser 6, 12

Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.

 

Was heißt „zog in ein fernes Land“?

Es scheint etwas Gutes zu sein, wenn einer versucht, sich zusammenzureißen. Wenn einer sich aber nur auf Basis seines natürlichen Vermögens zusammenreißt, tut er damit in Gottes Augen nicht etwas Gutes, sondern etwas Schlechtes und er begibt sich damit auf eine „Reise in ein fernes Land“ (wer auf sein natürliches Wesen setzt, begibt sich allein schon dadurch in die Gottesferne).

 

Was heißt „brachte er sein Erbteil durch mit Prassen“?

Damit ist noch gar nicht das hemmungslose Sündigen gemeint, sondern einfach das Folgende: Man wirft sein Leben weg und geht dem Ruin entgegen (aus Gottes Sicht), einfach indem man sich auf sein natürliches Wesen stützt, einfach sein natürliches Wesen auslebt.

„Brachte er sein Erbteil durch mit Prassen“ ist also das „Leben“ (besser: die Existenz) des Menschen, der nicht mit der Quelle des Lebens verbunden ist. Es erscheint zunächst so unschuldig, so harmlos, so unverdächtig, auf das Natürliche zu setzen, aber in Wirklichkeit begibt man sich damit in die Gottesferne („zog in ein fernes Land“), wirft sein Leben weg und geht dem Ruin (in geistlicher, aber eventuell auch in psychischer, physischer und materieller Hinsicht) entgegen.

Der Mensch fällt hierbei der Lüge zum Opfer, der Mensch sei von Natur aus gut und nicht böse. Eine der gefährlichsten Irrlehren, die es gibt, ist die Verleugnung der Erbsünde, der Tatsache, dass alle Menschen die degenerierte Natur des gefallen Adam biologisch geerbt haben, auch die Juden. Wir alle (Juden und Heiden) haben die Sündhaftigkeit Adams geerbt.

(ein „Heide“ aus jüdischer Sicht ist ein Deutscher, Russe, Franzose, Grieche, Italiener, Engländer, Schwede, etc.)

 

Was bedeutet „als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben“?

Das heißt nicht anderes, als dass der, der auf das Natürliche setzt, definitiv im Ruin enden wird (auch wenn am Anfang alles gut aussehen mag) – es ist nur eine Frage der Zeit. Der Mensch, der nicht mit der Quelle des Lebens verbunden ist, dessen „Akkus“ laufen leer („das Seine verbrauchen“).

Über die sündige Welt kommt laufend eine „Hungersnot“. Dies wird jedoch nur von jenen bemerkt, deren „Akkus“ verbraucht sind. Die sündige Welt kann der Not der Menschen mit leeren „Akkus“ nicht begegnen (sie „darben“); im Gegenteil, der Fürst dieser Welt („Bürger jenes Landes“, Teufel) stürzt sich auf die Geschwächten – siehe das Folgende:

 

Was bedeutet „und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten“?

Was bedeutet „hängte sich an einen Bürger jenes Landes“?

Der rein natürliche Mensch, der keinen Erlöser hat, ist von Haus aus ruiniert, das heißt zwangsläufig dem Teufel verfallen; das sind alle Menschen, die nicht an Jesus Christus glauben. Im Gleichnis ist das Ganze eine zeitliche Abfolge, aber in der Wirklichkeit ist es ein Zustand, der Zustand des natürlichen Menschen, des Menschen, der nicht an Jesus glaubt.

Der „Bürger jenes Landes“ ist, wie gesagt, der Teufel. Er wird „Bürger“ genannt, weil seine Art und Weise das ganz Legitime ist in der sündigen Welt (in ihrer Reinstform gedacht). Die Dinge, die der Teufel wirkt, sind gemäß des Bürgertums der sündigen Welt. Ganz besonders wenn auf Erden eine heidnische Religion herrscht, wird die Gesellschaft fast ganz zur sündigen Welt in Reinstform. Israel war zur Zeit Jesu Teil des römischen Reiches, in dem die griechisch-römische Religion herrschte. Vieles, was aus der Sicht des Judentums schwerste Sünde war, war aus der Sicht der griechischen-römischen Religion sogar etwas Gutes. Juden, die aus jüdischer Sicht als offenbare Sünder lebten („der verlorene bzw. jüngere Sohn“), erhielten dafür von den Heiden (Römer, Griechen, etc.) auch noch Beifall.

Was heißt „Säue hüten“?

Das ist einfach das Leben des unerlösten (natürlichen) Menschen in seinen Lüsten und Begierden, die vom Teufel gewirkt werden (im Gleichnis waren ja die Säue Eigentum des Bürgers jenes Landes).

Epheser 2, 1-3

1 Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden, 2 in denen ihr früher gelebt habt nach der Art dieser Welt, unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams. 3 Unter ihnen haben auch wir alle einst unser Leben geführt in den Begierden unsres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Sinne und waren Kinder des Zorns von Natur wie auch die andern.

 

Was heißt „Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm“?

Der Mensch, der nur auf sein natürliches Wesen setzt, ohne einen Erlöser lebt, findet keine Befriedigung. Der Mensch ist so „konstruiert“, dass er etwas anbeten muss. Es gibt keinen Menschen auf Erden, der nicht irgendetwas anbetet (das ist gültig trotz des Lippenbekenntnisses mancher Menschen, sie seien völlig areligiös). Wenn der Mensch nicht Gott anbetet, d. h. nicht an einen Erlöser glaubt, muss er zwangsläufig den Teufel anbeten (wenige Menschen beten den Teufel im Geist, aber viele beten ihn in der Wahrheit an, das heißt sie begehen wirkliche Sünden). Im Gleichnis wird das durch die Formulierung „und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen“ zum Ausdruck gebracht (der Mensch versucht, sich durch Sünde zu befriedigen, aber damit betet er den Teufel an und verunreinigt sich). Der Mensch, der sich auf sein natürliches Wesen stützt, was zunächst sehr harmlos und unverdächtig erscheinen mag, liefert sich damit in der Folge dem Teufel aus und zwar definitiv.

Die Sünde ist zunächst äußerst verlockend, scheint den „Bauch zu füllen“, scheint „satt“ zu machen, zu befriedigen (dies suggeriert der Teufel dem Menschen), aber in Wirklichkeit gebiert sie den Tod (in geistlicher, aber auch physischer, psychischer und materieller Hinsicht).

Unter „Tod“ kann man außer dem physischen und dem geistlichen Tod auch Krankheit, Depression, Unglück, Armut, etc. verstehen.

Jakobus 1, 14-15 14 Sondern ein jeder, der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt. 15 Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.

 

Was bedeutet „da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger!“?

Die „Tagelöhner“ waren zur Zeit Jesu die Jünger Jesu in Gemeinschaft mit Jesus; heute ist das die Gemeinschaft der Gläubigen, die christliche Kirche. Die christliche Kirche („Tagelöhner“) hat „Brot die Fülle“, weil bei ihr Gott gegenwärtig ist, der die Auferstehung und das Leben ist. Da wo Gott gegenwärtig ist, ist Leben die Fülle und der Tod muss weichen.

Die Zöllner und Sünder („verlorener bzw. jüngerer Sohn“) zur Zeit Jesu, die sich durch ihre Sünden ruinierten,  sahen Jesus und seine Jünger in Gemeinschaft mit ihm („Tagelöhner“) und den „Wohlstand“, den sie genossen.

Der Fluch der Sünde (der Tod, siehe oben) wurde den Zöllnern und Sündern zum Segen, weil er bewirkte, dass sie auf Jesus und seine Jünger aufmerksam wurden (werden mussten), die in Gott die völlige Genüge hatten (das Leben in Fülle).

 

Was bedeutet „ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. 19 Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!“?

Normalerweise haben die Begriffe, die im Gleichnis vom verlorenen Sohn verwendet werden, nicht ihre wörtliche Bedeutung, sondern versinnbildlichen etwas. Zum Beispiel wurden durch den Begriff „der jüngere Sohn“ die Juden versinnbildlicht, die offen in Sünden lebten, das heißt die Zöllner und Sünder.

Die Formulierung „ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir“ ist aber eine Formulierung aus der Realität bzw. keine Bildersprache. Der „jüngere Sohn“ im Gleichnis nahm sich dieses Schuldbekenntnis vor, um physischen Hunger loszuwerden. Daraus folgt, dass das Schuldbekenntnis der Zöllner und Sünder in der Realität nicht nur zur Stillung des geistliches Hungers führte, sondern zu völliger Genüge in jeglicher Hinsicht (geistlich, psychisch, physisch und materiell).

Die Formulierung „ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße“ bedeutet in der Realität, dass der Mensch sich nicht mehr auf sein natürliche Wesen stützt, nicht mehr glaubt, er könne sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.

Die Formulierung „mache mich zu einem deiner Tagelöhner“ lässt sich, wie folgt, erklären: Ein Tagelöhner trat in ein Verhältnis zu seinem Arbeitgeber nicht aufgrund seines natürlichen Wesens, das womöglich Sympathie bei seinem Arbeitgeber erregt hätte, sondern einfach aufgrund eines (mündlichen) Vertrages (Arbeitsvertrag). Auch heute, wenn sich einer irgendwo bewirbt, geht es nicht darum, ihn als Person unter Berücksichtigung persönlicher Merkmale in eine Gemeinschaft (ähnlicher Personen) aufzunehmen, sondern es geht darum, ihn allein in seiner Eigenschaft als Arbeitskraft in eine Arbeitsgemeinschaft einzugliedern. Kurz gesagt: Wenn einer eine Arbeitsstelle sucht, spielen alle seine natürlichen Veranlagungen, die er neben seiner Arbeitskraft hat, keine Rolle; das Verhältnis zwischen Arbeiter und Arbeitgeber basiert allein auf folgendem Rechtsgeschäft: Der Arbeiter verspricht eine bestimmte Arbeitsleistung und der Arbeitgeber im Gegenzug angemessenen Lohn. Der Punkt bei der Sache ist, wie schon gesagt, dass das Rechtsgeschäft zustande kommt unabhängig von den persönlichen Eigenschaften des Arbeiters, die er neben seiner Arbeitskraft hat.

Bezogen auf Zöllner und Sünder in der Realität: Gott nimmt also die Zöllner und Sünder auf Grundlage eines Aktes auf, der Ähnlichkeit mit einem Rechtsgeschäft hat – er nimmt die Sünder auf unabhängig von ihrem natürlichen Wesen -, allerdings über ein Rechtsgeschäft noch weit hinausgeht. Gott schaut nicht auf das natürliche Wesen der Zöllner und Sünder – darin besteht die Ähnlichkeit zu einem Rechtsgeschäft -, die bei ihm „unterkommen“ wollen, sondern allein auf ihr Begehren, er wolle sie doch aufnehmen und auf ihre Buße und ihr Verleugnen des Natürlichen.

Hinweis: Keineswegs soll mit dem Begriff „Tagelöhner“ ausgedrückt werden, dass man sich das Heil durch Werke verdienen könnte.

 

Was bedeutet „und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn“?

Gott reagiert sehr empfindsam auf das Begehren jener, die nicht auf ihr natürliches Wesen setzen und umkehren wollen, er wolle sie doch bei sich aufnehmen: Er nimmt sie nicht nur auf, ohne auf ihr natürliches (verbogenes) Wesen zu schauen, sondern nimmt sie so gar so bei sich auf, als ob sie ganz seinen Wünschen entsprechen würden (siehe Anmerkung, unten). Dieser Akt, der eine gewisse Ähnlichkeit mit einem „Rechtsgeschäft“ hat (Gott schaut bei diesem Akt nicht auf das natürliche Wesen des Menschen), aber doch weit darüber hinausgeht, ist in der Realität die sakramentale Taufe. Da nimmt Gott die Zöllner und Sünder bei sich auf (was heute in der Taufe geschieht, konnte Jesus, in dem die Fülle der Gottheit wohnte, zu seinen Lebzeiten auch ohne Taufe erledigen). Bei diesem Vorgang der Aufnahme werden die Sünder gleichzeitig von Neuem geboren: Der alte Mensch der Sünde wird für tot erklärt und sie kommen in Christus hinein. Durch die Taufe wird also der Sünder nicht nur aufgenommen, sondern auch zu einem wohlannehmbaren, wohlangenehmen Sohn gemacht.

Durch das „küsste ihn“ kommt zu Ausdruck, dass Gott den Sünder in der Taufe tatsächlich anrührt. Durch nichts kann der Mensch Gott näher kommen als durch die sakramentale Taufe.

Durch die Formulierungen „als er aber noch weit entfernt war“ und „er lief“ wird klar, dass nicht der Sünder zu Gott kommt, sondern Gott kommt zum Sünder in das „ferne Land“ und holt ihn heim, bringt ihn nach Hause. Der Sünder muss nur die Voraussetzung erfüllen, dass er bußfertig ist und nicht mehr auf sein natürliches Wesen setzen will (und er muss Aufnahme bei Gott begehren). Die Abkehr vom natürlichen Wesen wird besiegelt durch den Tauftod: Wir sind mit Christus gestorben in der Taufe. Nur der Mensch, der glaubt, dass er mit Christus gestorben ist in der Taufe, ist ein Mensch, der sich wirklich sicher sein kann, dass er nicht mehr auf das Natürliche setzt, sondern auf Gottes Gnade.

Die Evangelikalen bzw. „Bibeltreuen“ mögen noch so sehr danach trachten, nichts aus eigener Kraft zu tun, sondern durch Jesus; es wird ihnen aber nicht gelingen, denn sie ermangeln des Tauftodes, wodurch die natürliche Existenz definitiv beendet wird.

(Hinweis zur Taufe der Evangelikalen: Die Taufe der Evangelikalen ist nicht sakramental und somit kommt der evangelikale Täufling nicht in den Genuss der Vernichtung seiner alten, schäbigen Existenz bzw. bleibt ganz beim Alten).

 

Was bedeutet „der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße“?

Die Erklärung hierzu, siehe oben. Interessant ist, dass der Sünder nur dann im Angesicht Gottes umkehren und nicht mehr auf sich selbst setzen kann, wenn das mit Bezug zur sakramentalen Taufe geschieht. Im Gleichnis: Der Sohn spricht sein Schuldbekenntnis erst aus, als der Vater in heimgeholt hat. Als er noch im „fernen Land“ war und sein Vater ihn noch nicht heimgeholt hatte, konnte er sich sein Schuldbekenntnis nur vornehmen. Beim echten Christentum steht alles mit den Sakramenten in Verbindung – alle steht und fällt mit dem Gebrauch der Sakramente.

 

Was bedeutet „aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße 23 und bringt das gemästete Kalb und schlachtet’s; lasst uns essen und fröhlich sein! 24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein“?

Das „Gewand“ ist Christus, in den wir hineingetauft werden. Wichtig: Auch der perverseste und schlimmste Sünder kommt durch die Taufe sofort („schnell“) in Christus hinein. Christen sollen sich nur in Christus kennen und nicht nach dem, was sie natürlicherweise sind (waren), nicht nach der natürlichen Persönlichkeit – entscheidend ist das „Gewand“.

Wenn Christen große Leistungen vollbracht haben, geben sie Christus die Ehre und nicht sich selbst. Christus ist ihr „goldener Ring“, ihr Ruhm und ihre Ehre.

Gott macht durch die Taufe aus Sündern Boten Gottes: die „Schuhe“.

Durch die Taufe sterben und auferstehen wir zusammen mit Jesus: das „geschlachtete Kalb“.

Im Zusammenhang mit der Taufe empfangen wir den heiligen Geist: „Lasst uns essen und fröhlich sein!“

Durch die Taufe dringen wir vom geistlichen Tod zum geistlichen Leben durch.

Durch die Taufe gelangen wir von der Gottesferne („verloren“) zur Gemeinschaft mit Gott („gefunden“).

In der wahren Kirche, die lehrt, dass man aus der Kraft der Taufe als wirklicher Christ leben kann, ist der heilige Geist tatsächlich gegenwärtig: „Und sie fingen an, fröhlich zu sein.“

 

Was bedeutet: „Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen“?

Der „ältere Sohn“ waren zur Zeit Jesu jene Juden, die die „Altklugheit“ besaßen, den Makel ihrer Gottesferne unter einer dicken Schicht religiöser Tünche zu verbergen.

Sie taten Gesetzeswerke („war auf dem Feld“), die Gott nicht wohlgefielen, denn sie waren nicht „Bewohner des Hauses“ (zu Lebzeiten Jesu war das „Haus“ die Schar der Jünger Jesu; heute ist das die christliche Kirche) und somit waren ihre Werke nicht in Gott getan.

Wenn die religiösen Juden die Schar der Jünger in Gemeinschaft mit Jesus anschauten („nahe zum Hause kamen“), mussten sie sich eingestehen, dass Gott dort gegenwärtig war: „Singen und Tanzen“.

 

Was bedeutet „und rief zu sich einen der Knechte und fragte, was das wäre. 27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat. 28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn“?

Die Freude der Gläubigen durch die Gegenwart Gottes ist dem Religiösen fremd („was das wäre“). Der Religiöse ärgert sich darüber, dass Gott gegenüber den ehemaligen Sündern, die ganz offen und ohne Scham in Sünde gelebt hatten, Gnade walten lässt und sie aufnimmt, und will sich der Gemeinschaft der Gläubigen nicht anschließen („wollte nicht hineingehen“). Der Gemeinschaft der Gläubigen hätten sich die religiösen Juden angeschlossen durch Buße und Glaube an Jesus.

Bis einschließlich heute (21. Dezember 2018) bittet Gott die religiösen Juden, zum Christentum zu konvertieren („sein Vater ging heraus und bat ihn“). Würden sich heute in Sünde gefallene Juden (Juden die in offener Sünde leben) zum Christentum bekehren und an Jesus glauben, käme dadurch Gott den religiösen Juden, die ihre Sünde unter religiöser Tünche zu verbergen suchen, nahe, „ginge zu ihnen heraus“: Sie müssten sich eingestehen, dass Gerechtigkeit nicht durch das Gesetz kommt, sondern durch Glauben an  Jesus Christus.

 

29 Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre. 30 Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. 31 Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, das ist dein. 32 Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.“

Den religiösen Juden steht ihre Selbstgerechtigkeit im Wege. Sie täuschen sich gröblich darin, sie hätten die Gebote Gottes noch nie übertreten. Gott gab ihnen nie einen „Bock“, weil er an ihrer Religion keinen Gefallen hat; er will nicht Religion, sondern dass Sünder Buße tun und von Neuem geboren werden. Die religiösen Juden bildeten eine geschlossenen Gemeinschaft, die allerdings fern von Gott war („Freundeskreis der Gottesfernen“). Sie ermangelten der Freude durch die Gegenwart Gottes („fröhlich gewesen wäre“). Sie richten die offenbaren Sünder („Hab und Gut mit Huren verprasst“), statt barmherzig die Sünde der Sünder auf folgenden unglücklichen Fehltritt zurückzuführen: Das Setzen auf das natürliche Wesen. Wären die religiösen Juden barmherzig gewesen, hätten sie die offenbaren Sünder als Opfer eines Fehltrittes betrachtet: zu glauben, der Mensch sei von Natur aus gut. Aber statt dessen rechnen sie ihnen ihre Sünde voll zu und ärgern sich darüber, dass Gott ihnen gnädig ist. Gott ruft die religiösen Juden nochmals auf, zum Glauben an Jesus zu konvertieren: „Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein“ (nur wer selber ein geretteter Sünder ist, freut sich über die Rettung anderer Sünder).

„Was mein ist, das ist dein“

Gott hat eine gewisse Beziehung zu allen Juden aufgrund des alttestamentlichen Bundes. Allerdings glaubten auch schon zu alttestamentlicher Zeit die wirklich Frommen an einen Erlöser. Der Glaube an einen Erlöser war schon Ziel des alten Bundes. Die alten Juden hätten Gott im Tempel zu Jerusalem begegnen können, um von ihm angerührt zu werden. Diese Begegnung mit Gott im steinernen Tempel wurde seit der Zeit, als Johannes der Täufer predigte, durch die Begegnung mit dem sichtbaren Jesus ersetzt, in dem die Fülle der Gottheit leibhaftig wohnte. Die Schar der Jünger in Gemeinschaft mit Jesus war der neue Tempel, der neue Ort der Gegenwart Gottes (Gott war unter den Jüngern durch Jesus gegenwärtig; Jesus inmitten der Schar der Jünger war das personifizierte Sakrament und machte aus Sündern Gläubige ohne Taufritual). Heute ist der Tempel die christliche Kirche, in der Gott gegenwärtig ist durch den heiligen Geist, und die Begegnung mit Gott findet statt in der Taufe, die von der Kirche zelebriert wird (der wirkliche Täufer bei jeder Taufe ist Gott selbst).

Die religiösen Juden müssen begreifen, dass das Christentum (der neue Bund) die Vollendung des alten Bundes ist. Der neue Tempel, auf den die Juden so sehnsuchtsvoll warten, ist schon längst da: die christliche Kirche.

Wenn die Juden den alten Bund richtig verstehen würden (es kam ja schon im alten Bund darauf an, mit einem Erlöser verbunden zu sein), würden sie an Christus glauben und sich taufen lassen.

Trotz der Tatsache, dass die Juden bisher mit dem alten Bund nicht zur Vollendung gekommen sind, fühlt sich Gott ihnen noch verpflichtet und ein Stück weit an den alten Bund gebunden: „Was mein ist, das ist dein“. Allerdings würde der alte Bund nur in seiner Vollendung zur Errettung vor der ewigen Verdammnis ausreichen; die Vollendung wäre die Begegnung mit Gott im neuen Tempel Gottes, der christlichen Kirche, durch die Taufe.

Warnung: Ein Jude, der nicht zum Christentum konvertiert, wird in der Hölle landen.

 

 

Anmerkung

Im Allgemeinen lassen sich die Menschen leiten von Sympathie und Antipathie, was ihre Beziehungen  zu anderen Menschen betrifft – das ist nicht unbedingt etwas Positives. Im Arbeitsleben ist der Mensch so vernünftig, einmal – so viel an ihm ist – von Sympathie und Antipathie abzusehen und eine Beziehung allein auf einen übergeordneten Zweck zu gründen (ich meine die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer). Bei Gott ist es so, dass er seine Beziehung zu den bußfertigen Sündern nicht nur auf einen übergeordneten Zweck gründet, der ihn von Sympathie und Antipathie wegschauen lässt, sondern er behandelt die bußfertigen Sünder, die bei ihm Aufnahme suchen, wie Leute, die ihm total sympathisch sind.

Der verlorene Sohn (der jüngere Sohn) wäre nach seinem Sinneswandel mit einer Tagelöhner-Beziehung zu Gott zufrieden gewesen; Gott aber macht ihn (wieder) zu seinem Sohn.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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