Auslegung Römerbrief, Kap. 1 bis Kap. 8

(siehe vorher Erklärung von schwierigen Begriffen des Römerbriefs und seiner Auslegung)

Lieber Leser, dies ist ein Blog. Wenn Sie die Liebe hätten, einen Kommentar zu hinter-lassen. Dialog ist Leben.

Einleitung

Den Römerbrief schrieb der treue Bote Jesu Christi Paulus an die Kirche zu Rom. Die Kirche zu Rom bestand aus Heidenchristen (gläubig gewordene Heiden) und Judenchristen (gläubig gewordenen Juden). Bevor die Heiden in der Kirche zu Rom Christen wurden, praktizierten sie die griechische Religion (Anbetung der Götter des griechischen Götter-Olymps wie z. B. Zeus und Hermes) und werden deshalb im Römerbrief Griechen genannt. Paulus erwähnt auch sogenannte Nicht-Griechen. Das waren einfach Heiden, die rein materialistisch lebten und sich um keine Religion kümmerten. Unbewußt dienten sie jedoch dem Götzen Mammon, der der Gott des Materialismus ist, und so wirft Paulus sie im weiteren Verlauf des Briefes in einen Topf mit den Griechen.

Merke: Im Römerbrief bedeutet das Wort Grieche „Anhänger der griechischen Religion“ und hat nichts mit der griechischen Nationalität zu tun!

Bevor die Juden in der Kirche zu Rom Christen wurden, praktizierten sie das Judentum (Gerechtigkeit aus Gesetzeswerken, Stolz auf die Beschneidung und das Haben des Gesetzes, Stolz auf die Abstammung von Abraham).

Merke: Judenchrist ist ein Jude, der Christ geworden ist.

Paulus predigte im Allgemeinen das Evangelium Gottes von seinem Sohn Jesus Christus.

Nun, was ist das?

Antwort:

„Gott, der Vater, warf unsere Sünden auf Gott, den Sohn, Jesus, als er ihn am Kreuz für uns dahingab. Um unserer Rechtfertigung willen hat er ihn auferweckt von den Toten.“

Diese wenigen Worte sind tatsächlich das komplette Evangelium, ganz schlicht, ganz einfach.

Warum schrieb Paulus einen solch langen Brief, wenn das Evangelium an sich so einfach ist?

Das einfache Evangelium wird ständig missverstanden und der Mensch erfindet laufend eigene Religionen. Die Lehrer der wahren Kirche müssen laufend Missverständnisse (Irrlehren, Häresien) aufklären und die Wertlosigkeit, ja sogar Verderblichkeit falscher Religionen aufdecken. Der Mensch ist erfinderisch im Bösen (falsche Lehren) und so müssen die Lehrer der Kirche immer wieder lange Briefe schreiben, um die falschen Lehren zu bekämpfen.

Nun zur Zusammenfassung von Röm. 1 bis Röm. 8 an sich.

Da ich Röm. 1 bis Röm. 8 durchgearbeitet habe, kann ich sagen, was die Kernaussage des Briefes ist und worauf sich alles zuspitzt:

Die Kernlehre des Briefes ist:

Wenn wir das Evangelium richtig verstehen, befähigt es uns zu einer Beherrschung unseres sündigen Körpers (Leibes) durch den Heiligen Geist.

Alles, was Paulus in Kap. 1-8 schreibt, dient nur dazu, den Leser soweit zu belehren, daß er demnächst als einer erfunden werde, der in Christus lebt bzw. in welchem der Heilige Geist waltet (die Begriffe „in Christus“ und „der Heilige Geist wohnt in ihm“ sind absolut gleichwertig und können wechselweise gebraucht werden).

Aus Anmerkungen des Paulus wie „Was sollen wir nun sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade umso mächtiger werde?“ kann man rückschließen, daß es etliche „Christen“ in der Kirche zu Rom gab, die enorme Glaubensprobleme hatten, denn dieser Gedanke „Was sollen wir nun sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade umso mächtiger werde?“ ist naturlich pervers. Dieser perverse Gedanke mag den zerrütteten Gehirnen abgefallener Heidenchristen entsprungen sein. Weiter sprachen einige in der Kirche zu Rom: „Lasst uns Böses tun, damit Gutes daraus komme?“ Dieser perverse Gedanke kam wahrscheinlich aus den zerrütteten Gehirnen abgefallener Judenchristen.

Da etliche Heidenchristen und etliche Judenchristen in der Kirche zu Rom wiederum Irrtümern verfallen waren, mußte Paulus ihnen das Evangelium neu predigen (natürlich gab es in der röm. Kirche daneben auch treue Christen, die das Evangelium voll erfaßt hatten und in der Freude ihres Herrn lebten). Diesen Abgefallenen wollte Paulus mit seinem Brief helfen, indem er ihnen das Evangelium noch einmal bis ins kleinste Detail hinein neu erklärte und ihnen gleichzeitig bewies, wie verderblich Griechentum, Gesetzes-Judentum und Billige-Gnade-Jesus waren.

Griechentum und Judentum außerhalb der Kirche waren staatlich und gesellschaftlich etabliert (beide Religionen liefen auf eine „Rechtfertigung der Sünde“ hinaus und so hatte man durch Etablierung der beiden Religionen indirekt die Sünde legalisiert, bewußt oder unbewußt). Obwohl Heidenchristen und Judenchristen in der Kirche das Evangelium angenommen hatten, konnte es sein, daß sie geistliche Probleme (Glaubensprobleme) mit Hilfe von Ideen der alten, überkommenen Religionen zu lösen suchten, die sie früher praktizierten und deren Ideen (Rechtfertigung der Sünde) gesellschaftlich salonfähig waren.

Dem setzt Paulus mit Nachdruck entgegen, daß das Evangelium die neue und einzig legitime Religion war, vom höchsten Gott verordnet. Außerdem galt Folgendes:

Jesus von Nazareth war ein jüdischer Königssohn und bestätigt als Gottessohn durch die Auferstehung von den Toten. Jesus war allezeit mit dem Heiligen Geist erfüllt gewesen und so erhob ihn Gott nach seinem Tod am Kreuz zum Herrscher des Universums. Leben im Geist auf Erden und Erhebung zur Herrlichkeit in der Ewigkeit, das ist ein kausaler Zusammenhang.

Auch wenn die abgefallenen Heidenchristen und Judenchristen noch so begeistert waren von ihren „guten“, alten Ideen aus ihren alten Religionen, Paulus setzte dem mit Wucht entgegen, daß das Evangelium eine autorisierte Botschaft war vom autorisierten Sohn, gepredigt vom autorisierten Apostel. Angesichts der Autorität, die ihnen hier begegnete, sollten sie ihre lächerlichen Ideen aufgeben und zurückkehren zum „Gehorsam des Glaubens“ bzw. „Gehorsam in Christus“.

Kurzer Exkurs zur brüderlichen Liebe in Christus

Gott wirkte in der Kirche zu Rom, auch durch das Gebet des Paulus und Paulus freute sich darauf demnächst Gemeinschaft mit seinen Brüdern in Rom zu haben. Trotz seines hohen, göttlichen Amtes war Paulus zu allererst der Bruder der Brüder zu Rom. Die Kirche ist kein hierarchisch aufgebauter Konzern, sondern eine Gemeinschaft von Brüdern in Christus und Schwestern im Herrn. Die Kirche ist der Leib Christi mit Christus als unsichtbarem Haupt. Kein Glied ist höher als das andere, sondern die Glieder dienen einander durch ihre verschiedenen Gaben, wie die Glieder des menschlichen Körpers verschiedene Aufgaben haben, aber der Körper nur einen Kopf hat. Ein Christ unterscheidet sich also vom anderen Christen nur durch die persönlichen Gaben, die er hat, aber ist gibt keine Rangordnung, keine Hierarchie wie in einer Firma oder Behörde. In der Kirche geht es weder um das Verdienen von Geld durch die Herstellung von Gütern und Dienstleistungen, noch hat die Kirche hoheitliche Aufgaben (Herrschen) wie der Staat und seine Beamten, die dafür Steuern als Lohn kassieren. Die Kirche ist um das Seelenheil ihrer Glieder und der ganzen Menschheit besorgt, das ist ihre Hauptaufgabe. Und so freut sich Paulus auf seinen Besuch in Rom:

„Denn mich verlangt danach, euch zu sehen, damit ich euch etwas mitteile an geistlicher Gabe, um euch zu stärken, das heißt, damit ich zusammen mit euch getröstet werde durch euren und meinen Glauben, den wir miteinander haben.“

Wie gesagt, es gab Heidenchristen und Judenchristen in der röm. Kirche, die schwere geistliche Probleme hatten. Statt jedoch ihre Kenntnis des Evangeliums zu vertiefen, um ihre Probleme zu lösen, verfielen sie darauf, wiederum Hilfe zu suchen bei „griechischen Ideen“ und „jüdischen Ideen“. Paulus wollte sie davon wieder abbringen und zum Evangelium zurückführen.

Die historischen Befunde des Paulus

Anhand des historischen Befundes versucht Paulus die Verderblichkeit von Griechentum und Judentum zu beweisen. Beide Religionen gipfelten in der Rechtfertigung der Sünde, wie wir sehen werden.

Paulus greift jetzt erst das historische Griechentum an. Er liefert den historischen Befund des Griechentums, der vernichtend ausfällt. Obwohl die Schöpfung (Himmel, Gestirne, Erde, Tiere, Pflanzen, gutes Wetter, gute Ernten, etc.) vom ewigen Schöpfergott zeugte, beteten die Griechen ihre lächerlichen Götter an. Außerdem reihten sie Gott, den Schöpfer, unter ihre Götzen ein und entehrten ihn damit. Sie legten Gott einen niedrigen Charakter bei ähnlich dem einer ihrer Götter. Sie machten sich Götter, die Hurenböcke, Mörder, Ehebrecher, usw. waren, um ihre eigene Sünde zu relativieren. Sünde bewirkt immer Schuldgefühle, Kummer, Depression (sogar ohne Kenntnis eines Gebotes; es ist ein psychologischer Effekt, den Gott in den Menschen hineingelegt hat). Sie hatten den Schöpfergott verlassen, da mußten sie sündigen (die Sünde war das Siegel ihrer Entfremdung von Gott), da kam der Tod (Schuldgefühle, Kummer,  Depression), aber sie kehrten nicht um zum Gott des Lebens, sondern machten sich sündige Götter, um ihre Schuldgefühle zu dämpfen durch Relativierung der Sünde. Durch die Anbetung der Götter entfernten sie sich aber noch mehr von Gott und er mußte sie völlig dahingeben, das heißt er zog seine schützende Hand ab und ihre Sünde explodierte förmlich (siehe Röm. 1, 24-32). Sie verdarben so stark, daß sie die Sünde sogar legalisierten (hatten Gefallen an denen, die es tun).

Kurz gesagt: Die Griechen hatten sich eine Art Billige-Gnade-Religion geschaffen (die griechische Idee). Sie ließen sich nicht von Gott heilen, sondern rechtfertigten sich selbst. Durch Rechtfertigung der Sünde explodierte die Sünde. Auch etliche Heidenchristen in der Kirche zu Rom standen in Gefahr „die griechische Idee“ zur Lösung ihrer geistlichen Probleme zu verwenden. Irgendwie schien das Evangelium bei ihnen nicht zu funktionieren. Obwohl sie eigentlich an Jesus Christus glaubten, lebten sie immer noch in Sünden und Schuldgefühle und Kummer ereilten sie. Statt nun das Evangelium zu vertiefen, rechtfertigten sie sich selbst (griechische Idee) und machten sich einen Billige-Gnade-Jesus.  Dies war natürlich Götzendienst in Gottes Augen und er gab sie dahin. Ihre Sünde explodierte. So gab es in der christlichen Kirche zu Rom penetrante Sünder.

Noch kürzer: Die abgefallenen Heidenchristen in der röm. Kirche hatten sich eine Billige-Gnade-Religion geschaffen. Sie ließen sich nicht von Gott helfen, sondern rechtfertigten sich selbst. Ihre Sünde explodierte und sie sprachen: „Laßt uns in der Sünde beharren, auf das die Gnade desto mächtiger werde.“

Als nächstes liefert Paulus den historischen Befund über die Tauglichkeit des Judentums, der ebenfalls vernichtend ausfällt. Offensichtlich war es historische Tatsache, daß die Juden die Heiden (Griechen + Nicht-Griechen) richteten. Sie sahen das Richten als Gesetzeswerk, um vor Gott gerecht zu werden. Weiter wollten sie die Heiden erziehen, leiten und sie das Gesetz lehren. Auch dies wiederum als Gesetzeswerk, um vor Gott gerecht zu werden.

Die Juden hatten nur ein „kleines“ Problem, das aller Welt offenbar war: Sie selber hielten das Gesetz nicht, sondern waren Diebe, Ehebrecher, etc. Die Sünden der Juden waren so offenbar, daß die ganze Welt den Namen Gottes lästerte, wegen der Sünden seines Volkes. Die Juden sanken schließlich so weit, daß sie sprachen: „Lasset uns Übles tun, auf daß Gutes daraus komme.“  Durch das Geben des Gesetzes hatte Gott den Zeigefinger gehoben (Beachte: „du sollst nicht“ sagt man nur zu jemand, der den Stand der Liebe zu Gott und seinem Nächsten bereits verlassen hat). Die Juden hätten dadurch erkennen sollen, daß sie sich nicht mehr in einem Heilsstande befanden und hätten Gott um Gnade bitten sollen, sie zu erlösen. Statt dessen machten sie einen Götzen aus Gesetz und Beschneidung. Gott gab sie dahin. Sie verdarben völlig.

Kurz gesagt: Es war historische Tatsache, daß Judentum und Griechentum die Sünde ihrer Anhänger nicht dämpften, sondern verstärkten.

Paulus kommt aber nicht umhin, auf die historische Tatsache hinzuweisen, daß es trotz allem auch einige kleine, nette Leutchen gab, die im Alltag heilig und gerecht lebten in Wort und Werk (dies waren Heidenchristen und Judenchristen, die dem Herrn treu waren). Paulus erwähnt das, um einen Kontrast zu geben zu dem verderblichen Griechentum und Judentum. So wie es historische Tatsache war, daß Griechen und Juden verdarben, war es auch historische Tatsache, daß viele Christen überwanden.

Schlußfolgerung: Es ließ sich historisch belegen, daß es nicht unmöglich war, in der Lebenswirklichkeit als Christ zu leben in wahrer Heiligkeit und Gerechtigkeit (diese Heiligen und Gerechten waren Heidenchristen und Judenchristen, bei denen das Evangelium funktionierte). Dies wiederum war ein Beleg dafür, daß es nicht korrekt war, das Evangelium als komplett funktionsunfähig zu defamieren. Das Evangelium konnte funktionieren, wenn man es nur richtig handhabte. Weiter beweist Paulus die völlige Unzulänglichkeit von Griechentum und Judentum.

Interessant:

Griechentum und Judentum führten zum gleichen Endergebnis:

„die Rechtfertigung der Sünde“

Griechen:

Relativierung der persönlichen Sünde durch sündige Götter (z. B. konnte ein Ehebrecher sich damit beruhigen, daß ja auch der Gott Zeus ein Ehebrecher war).

Juden:

Rechtfertigung der Sünde durch Gedanken wie:

  • „unsere Ungerechtigkeit stellt Gottes Gerechtigkeit ins Licht“
  • „die Wahrheit Gottes wird herrlicher durch meine Lüge“
  • „lasset uns Übles tun, auf auf daß Gutes daraus komme“

Zwischenergebnis:

Paulus hatte nun den historischen Beweis geliefert, daß Judentum und Griechentum die Sünde nicht dämpften, sondern sogar steigerten.

Judentum und Griechentum liefen auf eine Rechtfertigung der Sünde hinaus und so explodierte die Sünde. Hinzu kam, daß Gott sie dahingab, wegen ihres eigenwilligen Götzendienstes, sodaß die Sünde noch mehr entbrannte.

Weiter erwähnte Paulus treue Heidenchristen und Judenchristen, die durch das Evangelium zu realen Heiligen und Gerechten geworden waren. Sie taten gerechte Werke und alle Welt konnte es bezeugen.

Jeder vernünftige Leser des Römerbriefes mußte jetzt zugeben, daß das Evangelium doch die einzig gute Religion war.

Paulus sagt’s ganz kurz: Ja, wir werden gerecht durch Glauben an Jesus. Durch seinen Tod am Kreuz hat er unsere Schuld gesühnt. Es war historische Tatsache, daß der Glaube an das Evangelium oder der Glaube an Jesus Menschen zu Gerechten und Heiligen machen konnte. Diese Heiligen und Gerechten taten gerechte Werke im Alltag und die Menschen sahen es und staunten. Die Welt konnte bezeugen, daß es Menschen gab, deren Leben durch das Evangelium gebessert worden war.

Die von Gott verordnete Religion war tatsächlich auch gut in ihrer Substanz.

Wir hatten bereits erwähnt, daß etliche Heidenchristen der röm. Kirche die griechische Idee (Rechtfertigung der Sünde) der Heiden in die Kirche eingeschleppt hatten wie einen Schweinegrippevirus.

Was aber machten die abgefallenen Judenchristen der röm. Kirche?

Sie versuchten ihre Glaubensprobleme durch das mosaische Gesetz zu lösen. Wir sahen, Paulus hatte historisch bewiesen, daß das Gesetzes-Judentum auch wieder nur in der Rechtfertigung der Sünde endete; nur war der Weg dahin ein anderer als beim Griechentum. So stützten sich die abgefallenen röm. Judenchristen auf einen Rohrstab, der knicken mußte.

Paulus hatte bewiesen, daß es historische Tatsache war, daß das Judentum die Sünde nur förderte. Nun geht er geschichtlich zurück bis zu Abraham, um zu zeigen, daß das Judentum noch nie göttlich autorisiert war, sondern eine rein menschliche Wahn-vorstellung ist.

Die Juden waren stolz auf ihre Abstammung von Vater Abraham, ihre Beschneidung und das Haben des Gesetzes. Paulus beweist, daß Abraham ein gläubig gewordener Heide war, der die Beschneidung erhielt als Siegel seines Glaubens (die Beschneidung sollte also einen Juden eigentlich an den Glauben Abrahams erinnern; er hatte der Verheißung Gottes geglaubt, der ihm einen Sohn versprochen hatte). Weiter gab es noch kein mosaisches Gesetz zu Abraham’s Zeit (der „Vater der Juden“ konnte also unmöglich durch Gesetzeswerke gerecht worden sein!). Abraham war also ein „Heidenchrist“ gewesen und kein Jude. Abraham war durch Glauben gerecht geworden, aber nicht durch das Halten des Gesetzes (selbstverständlich lebte aber Abraham im Glauben so gerecht, daß er, falls es zu seiner Zeit ein Gesetz gegeben hätte, mit diesem niemals in Konflikt geraten wäre). Es war also historisch nicht haltbar, wenn sich die Juden auf Vater Abraham, Beschneidung und Gesetz beriefen. Schon seit Urzeiten konnte man nur durch Glauben an Gottes Verheißung gerecht werden, aber nicht durch Halten irgendeines Gesetzes.

Gott sprach Abraham gerecht, weil er seiner Verheißung geglaubt hatte. In gleicher Weise wird es allen Menschen (Heiden+Juden) zur Gerechtigkeit gerechnet, wenn sie glauben, daß:

Gott seinen Sohn für ihre Sünden dahingegeben hat und ihn um ihrer Rechtfertigung willen auferweckt hat von den Toten.

Dieser dem Glauben Abrahams verwandte Glaube gibt die Kraft, trotz Anfeindungen ein gerechtes Leben in dieser feindlichen Welt zu führen im Bewußtsein der Liebe Gottes und der zukünftigen Herrlichkeit.

Ende des historischen Befundes des Paulus.

Bis Röm. 5, 11 hatten wir es mit dem historischen Befund des Paulus zu tun. Jetzt kommt der psychiatrische Befund.

Psychiatrischer Befund des Paulus

Warum war zusätzlich noch ein psychiatrischer Befund notwendig?

Nun, Paulus wollte Heidenchristen + Judenchristen der Kirche zu Rom, die Glaubens-probleme hatten, helfen. Er war ein liebender Seelsorger. Sie waren am Evangelium gescheitert und suchten sich mit griechischen/jüdischen Ideen zu helfen, was sie nur weiter und schneller in den Abgrund führte.

DAS ENTSCHEIDENDE DES RÖMERBRIEFES

Die Heidenchristen und Judenchristen in Rom, die Probleme hatten, hatten das Evangelium bereits gehört (sie waren ja in der Kirche) und hatten es geglaubt und waren getauft worden. Sie wußten, sie waren durch die Taufe „der Sünde abgestorben“ und befanden sich durch die Taufe „in Christus“. Das hatten Missionare ihnen gesagt.

Im Alltag bemerkten sie jedoch weiter sündliche Begierden und schlossen daraus, das Evangelium würde mindestens bei ihnen selbst nicht funktionieren.

Etliche Heidenchristen machten sich folglich einen Billige-Gnade-Jesus, um es mit sich selbst noch aushalten zu können in Anbetracht ihres Frustes wegen ihres Sündigens.

Etliche Judenchristen sagten sich: „ich muß wieder mehr über das Gesetz meditieren, sonst werden meine Begierde mich noch ganz verschlingen.“

Beide Gruppen hatten nicht verstanden, daß der Leib des Christen unerlöst bleibt (siehe Röm. 5 und Röm. 7). Der Leib hat biologisch Adam’s Sündhaftigkeit geerbt. Gott setzt diesem bösen, biologischen Erbe Christus entgegen. Christen sind nun gleichzeitig Erben Adams und Erben Christi. Ihr ganzes Leben ist eine beständige Übung, das Erbe Adams immer mehr und gewohnheitsmäßig zu verleugnen und das Erbe Christi zu bejahen. Es stimmt zwar, wir sind „der Sünde abgestorben“ durch die Taufe und „in Christus“ durch die Taufe, aber das gilt uns als Gesamtpersönlichkeit. Bei der Taufe werden wir praktisch in 2 Heilstatsachen hineingetauft: „der Sünde abgestorben“ und „in Christus“.

Diese Heilstatsachen müssen wir aber täglich im Glauben ergreifen. Tag für Tag müssen wir durch den Heiligen Geist unseren sündigen Leib überwinden. Der Leib ist buchstäblich unverbesserlich. Jedes gerechte Werk, das wir tun, tun wir nur in Jesus bzw. nur durch die Kraft des Geistes. Gott, der Allmächtige, der Geist ist stärker und größer als unser sündiger Leib und zwingt ihn gerechte Taten zu tun.

Paradox:

Der sündige Leib des Christen tut gerechte Werke.

Wie funktioniert das?

Der sündige Leib des Christen ist in Jesus eingewickelt. Das allmächtige Wort Gottes (Jesus) hüllt uns ein und zwingt unseren Leib gerecht zu handeln.

Unsere Verantwortung: Wir müssen uns Tag für Tag erinnern, daß wir durch die Taufe „der Sünde abgestorben“ sind und durch die Taufe „in Christus“ sind. Täglich laden wir den demütigen, lieben Christus ein, uns zu führen. Jeden Tag verrichten wir mindestens das Morgengebet und das Abendgebet (noch mehr Gebet wird sicher nicht schaden!), wo wir um Erfüllung mit dem Heiligen Geist bitten in Erinnerung an unsere Taufe und den Tod und die Auferstehung Jesu.

Die Lösung aller Probleme: Die christliche Tauflehre.

Warum dann überhaupt ein Gesetz?

Paulus gibt nun den psychiatrischen Befund, warum das Gesetz für einen Christen keine Relevanz mehr hat.

Wenn Gott Gesetz mitteilt, ist das, wie wenn er den Zeigefinger hebt. Er sagt quasi: „Mir gefällt nicht, wie du handelst!“ Das sagt er ruhig, nüchtern und sachlich. Die Juden am Sinai brüllte er nur aus dem Grund an, weil sie ihm ins Gesicht logen. Sie sündigten permanent, sagten aber zu Gott: „wir halten dein Gesetz und wollen es weiterhin halten!“ Das war pervers.

Wenn Gott das Gesetz mitteilt, soll man sofort denken, man habe seinen „Heilsstand“ verlassen oder war noch nie in einem solchen, denn jemand der sich in der „himmlischen Behausung der Liebe = Heilsstand“ befindet, braucht kein Gesetz (du sollst nicht), sondern übt Liebe im Heiligen Geist an seinen Mitmenschen. „Du sollst nicht!“ wird erst notwendig für jemand, der gegen die Liebe handelt. Z. B. ein Dieb handelt gegen die Liebe, weil er seinen Nachbarn schädigt. Ein Diebstahl tut dem Bestohlenen einfach weh. Dieser Diebstahl wird verurteilt durch „du sollst nicht stehlen!“. Durch seinen Diebstahl bewies der Dieb, daß er sich nicht im Stande der Liebe befand. Angenommen, ein Dieb liest in der Bibel „du sollst nicht stehlen!“, dann soll ihm das primär zeigen, daß er einer ist, der außerhalb Gottes lebt. Er soll dann Gott bitten, ihm gnädigerweise das Heil zu geben (Heil = „in Christus sein“), damit er die Kraft bekomme, statt seinen Nachbarn zu bestehlen, ihn zu beschenken in Liebe (um seinen Nachbarn beschenken zu können, muß er natürlich einer Erwerbsarbeit nachgehen, statt zu stehlen; damit er Geld verdient, um Geschenke kaufen zu können). Würde aber der Dieb sagen, nachdem er das Gebot gelesen hatte: „ich will nun aus eigener Kraft mich bessern und nicht mehr stehlen!“, dann würde das Verbot „du sollst nicht stehlen!“ ihn umso mehr anreizen zu stehlen, denn verbotene Früchte schmecken gut. Hätte der Dieb sich im Stande der Liebe (= in Christus) befunden, hätte er seinen Nachbarn nicht bestohlen. Also, wer „in Christus“ ist oder wer „in der Liebe“ ist, der braucht kein Gesetz „du sollst nicht!“, denn er wird sowieso nur Dinge tun, die Gott so kommentieren würde: „Gut gemacht!“ (der bekehrte Dieb arbeite, damit er seinem Nächsten, der vielleicht in Not ist, etwas geben kann)

Sobald Gott Gesetz in Form von „du sollst nicht!“ mitteilt, müssen alle Alarmglocken läuten im Gehirn des Hörers. Die richtige Reaktion wäre dann: „Gott bringe mich bitte zurück zum Stande des Heils und der Liebe!“ Die falsche Reaktion wäre zu sagen: „Ich will versuchen dieses und jenes Einzelgebot zu halten!“ (wenn man in den Stand des Heils zurückgekehrt ist, wird man natürlich automatisch so leben, daß man nicht mit dem Gesetz Gottes in Konflikt kommt – insofern ist das Sein in Christus das wahre Halten der Gebote, das auch Gott befriedigt; ein Christ lebt also keineswegs als Gesetzloser, im Gegenteil)

Wer versucht außerhalb eines Heilsstandes das Gesetz zu halten, dem wird das Gesetz zum Fluch. Die Sünde nimmt Anlaß am Gebot und erregt jede Begierde (das schildert uns Paulus in Röm. 7, 7-13, wo er von Zeiten vor seiner Bekehrung berichtet). Der natürliche Mensch unter Gesetz verdirbt völlig, er stürzt in den Abgrund seiner Sünde. Im Gegensatz dazu lebt der gläubige Mensch in der Liebe zu Gott und seinem Nächsten. Er kommt nicht mit dem Gesetz in Konflikt, denn die Liebe ist weit mehr als die Erfüllung des Gesetzes (praktisch: er schenkt seinem Nachbarn etwas aus Liebe, statt ihn zu bestehlen, wozu er natürlich auch einer Erwerbsarbeit nachgehen muß, um das nötige Geld zum Kaufen von Geschenken zu haben). Das war die psycho-theologische Vernichtung des Gesetzes.

Was bleibt, ist der sündige Leib des Christen (siehe auch Röm. 7, 14-25), den er mit sich herumschleppen muß, solange er auf Erden lebt. Dennoch tut er gerechte Werke in Christus.

In Röm. 7, 14-25 erzählt uns Paulus die Geschichte seines unverbesserlichen Leibes.

Wir dürfen das nicht missverstehen, als ob Paulus in Sünde gelebt hätte und nicht vermochte die Begierden seines Leibes unter Kontrolle zu bringen. Paulus erzählt uns Röm. 7, 14-25 in dem Bewußtsein, daß er durch die Taufe „der Sünde abgestorben“ war und „in Christus“ war. „In Christus“ vollbrachte Paulus‘ sündiger Leib doch gerechte Taten.

Die freie Persönlichkeit des Christen

Gott hat uns als freie Persönlichkeiten geschaffen. Deswegen ließ er unseren Leib sündig, damit wir jeden Tag  freiwillig den Heiligen Geist bitten, uns zu erfüllen. Wir sollen freiwillig immer mehr in Gott hineinwachsen. Das ist die Umkehrung des Prozesses der Entfremdung Adam’s von Gott. Adam verließ freiwillig den liebenden Gott, wir sollen freiwillig zum liebenden Gott zurückkehren. Wir kehren täglich nach Hause zurück wie der verlorenen Sohn.

Es mag der Tag kommen, wo es uns zur Gewohnheit geworden ist die Begierden unseres Leibes durch den Geist zu überwinden. Im Gegenzug wird uns der gleiche Geist „Freude im Herrn“ schenken und gibt uns eine starke Hoffnung auf die Herrlichkeit im Himmel (er macht sie auf wunderbare Weise fast greifbar für uns, obwohl sie in der Zukunft liegt). Christentum ist also nicht nur Kampf gegen die Begierden, sondern auch „Freude im Herrn“. Gleichzeitig werden wir geehrt, leiden zu dürfen wie unser Herr. Jesus mußte leiden und wurde verworfen, also müssen auch wir leiden und werden verworfen werden. Leiden mögen teilweise unangenehm sein, doch sie läutern unseren Glauben und kommen uns so zugute. Tag für Tag werden wir Christus ähnlicher werden. Die Anfeindungen dieser Welt dienen uns nur zum Besten. In diesem Bewußtsein hoffen wir, daß Christus die Herrschaft bald auch sichtbar antritt und uns und die ganze Schöpfung nach Hause bringt zu Gott, der das Leben in Fülle ist.

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3 Antworten zu Auslegung Römerbrief, Kap. 1 bis Kap. 8

  1. Wolfgang Molzahn schreibt:

    Eine gelungene Zusammenfassung von Römer 1 bis 8. Bei Kapitel 7 bin ich anderer Meinung und möchte das Buch von Erich Mauerhofer „Der Kampf zwischen Fleisch und Geist bei Paulus“ empfehlen🙂

    • Vielen Dank!

      Was sagen Sie zu Römer 6? Ich meine den Bibeltext.

      Können wir aus dem Fleisch heraus glauben, oder bedarf es dazu nicht eines göttlichen Eingreifens?

      • Wolfgang Molzahn schreibt:

        Hallo Herr Braendlein,
        schön, dass Sie geantwortet haben. Ich dachte nämlich schon, dass mein Satz trotz Smily ein bisserl hart klingt – was ich so nicht will.
        Tja – Römer 6. Darf ich Sie ein wenig vertrösten? Vielleicht haben Sie sich ja meine Römerbrief-Auslegung angeschaut. Ich bin jetzt bei Kapitel 5,11 und sehr bald bei den „strittigen“ Kapiteln. Abonnieren Sie doch einfach meine Lektionen (falls Interesse besteht), dann brauche ich hier nicht so viel schreiben🙂
        Noch etwas: Falls Sie Zeit, Muse, usw. haben und meine Lektionen nicht nur textbezogen lesen wollen, dann würde ich Ihnen empfehlen, wirklich bei Lektion 1 zu beginnen und fortlaufend weiter zu machen. Ich gehe nämlich manchmal seltsame Wege!
        Ihnen einen gesegneten Sonntag
        Wolfgang Molzahn

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