Was ist eigentlich Zeit?

Vor der Schöpfung sitzen der Vater, der Sohn und der Heilige Geist in ihrem Konferenzzimmer und sprechen zueinander:

„Kann es vielleicht sein, dass wir uns gegenseitig etwas vormachen?“

„Wir brauchen jemand – vom Wesen her uns ähnlich -, der von uns unabhängig ist und uns seine Meinung sagt.“

„Also lasst uns Engel schaffen.“

Ein Teil der Engel, die Gott schuf, betete ihn freiwillig an und ein Teil nicht. Gott nahm es sich sehr zu Herzen, dass ein Teil der Engel ihm unterstellte, er sei gierig nach Macht, Ehre und Reichtum, hielte diese Dinge fest wie einen Raub. Gott war sehr verletzt, hatte eine seelische Wunde, war traumatisiert, fühlte sich gekränkt.

Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist treffen sich nochmals im Konferenzzimmer und diskutieren, wie sie die Unterstellung aus der Welt schaffen könnten, sie seien gierig nach Macht, Ehre und Reichtum. Da sprach der Sohn: „Ich bin bereit, eine Zeit lang meine göttliche Macht nicht zu gebrauchen, bis dahin, dass ich mich nicht durch Gebrauch meiner göttlichen Macht des Sterbens erwehren bzw. dem Tod entziehen würde, wenn es eurer Wille ist.“ Da erschraken der Vater  und der Heilige Geist, denn auch nicht im Entferntesten wären einer von ihnen darauf gekommen, dies von einer anderen Person der Gottheit zu verlangen. Auf der anderen Seite waren sie froh, denn es gab keine andere Lösung: Nur indem Gott (der Sohn) bereit war den Kelch des Todes aus der Hand Gottes (des Vaters) zu nehmen, konnte er beweisen, dass Gott sanftmütig und demütig ist. Schließlich wurden sich alle drei einig, dass der Sohn sterben sollte – dies brachten sie nur deswegen über sich, weil der Sohn es gerne freiwillig tun wollte.

Damit das Ganze kein abgekartetes Spiel sein konnte, musste der Sohn den gefallenen Engeln (siehe oben) ausgeliefert werden, die nicht von Gott manipuliert sein konnten, sondern aus eigener Machtvollkommenheit heraus handelten. Der Sohn musste zum Spielball der gefallenen Engel werden. Deswegen musste er ein Wesen werden, niedriger als die Engel: ein Mensch (natürlich wurde er nur niedriger in seiner Eigenschaft als Mensch und nicht als Gott, denn er verlor seine Göttlichkeit niemals, sondern betätigte bzw. gebrauchte sie nur nicht; der Sohn Gottes ließ sozusagen seine Göttlichkeit für eine Weile ruhen).

Indem Gott Adam und Eva schuf, schuf er die Menschheit, aus der eines Tages Jesus hervorgehen sollte. Wie es nicht anders sein konnte, fielen gleich auch die ersten Menschen Adam und Eva bzw. die Menschheit und begaben sich unter die Herrschaft der gefallenen Engel. Dies jedoch war Gottes Vorsehung, denn: Der Mensch Jesus war doch etwas besonderes, denn er war von seiner Empfängnis im Mutterleib an nicht unter der Herrschaft jener gefallenen Engel, d. h. „er konnte ja gar nicht anders, als Gott dienen“ (eine im Raum stehende Unterstellung). Gleichsam könnte jemand behaupten: „Es musste ja so kommen, dass sich durch Jesus die Sanftmut und Demut Gottes erwies, den er war zwar ein Mensch, aber ein Mensch ohne Erbsünde, denn er wurde durch den Heiligen Geist empfangen und von der Jungfrau Maria geboren.

Die Vollendung des Schöpfungs-Epos ist nun, dass Menschen, die eine Weile als Sünder gelebt haben, d. h. unter der Herrschaft der gefallenen Engel, auch zum Erweis der Sanftmut und Demut Gottes beitragen trotz der Tatsache, dass sie aus einer ganz anderen Welt wie Gott oder der Sohn Gottes kommen. Jene haben den Vorzug, nicht von Gott manipuliert sein zu können, da sie ursprünglich aus dem Machtbereich des Bösen kommen. Jeder Christ ist in Christus bzw. Christus ist in ihm. Die Sanftmut und die Demut eines Christen sind letztendlich die Sanftmut und die Demut Christi bzw. Gottes. Wenn ein Christ sanftmütig und demütig ist, ist das jedes Mal eine Willensentscheidung nicht der alten Natur zu folgen, sondern Christus – es ist durchaus kein Automatismus, wenn ein Christ sanftmütig und demütig ist. Und gerade das dient zur Verherrlichung Gottes – alles geschieht aus freiem Willen.

Was ist nun Zeit?

Die Zeit ist nicht anderes, als das durch den ständigen Vorgang von Zeugung und Geburt ein riesiger Pool an Wesen (Menschen) entsteht, die, wenn sie wollen (die Freiwilligkeit ist der Witz bei der Sache), bestätigen können, dass Gott sanftmütig und demütig ist. Wir können hier zwar von vielen Milliarden reden, aber im Grunde genommen ist der Pool unendlich groß, denn Zahlen in der Größenordnung von Milliarden sind für uns weder fassbar noch vorstellbar – wir sagen einfach: „unendlich“. Gott schuf also beginnend mit Adam und Eva einen unendlich großen Pool an Wesen mit freiem Willen, in der Hoffnung einige von ihnen würden freiwillig in der Sanftmut und Demut Christi leben, die ein Beweis für die Sanftmut und Demut Gottes ist.

Die Zeit geht zu Ende, wenn der letzte Mensch geboren wird. Es gibt eine Grenze, ab der ein weiteres Wachstum der Menschheit den Beweis für Gottes Sanftmut und Demut nicht mehr weiter erhärten würde – wenn man eine Meinungsumfrage macht, dann bleibt ab einer gewissen Zahl von Befragten das Ergebnis fest und man braucht keine weiteren Personen zu befragen, weil sich sowieso nichts mehr ändern würde.

Wenn dann der Schöpfungs-Epos zu Ende ist, kehrt alles zurück zu Gott, wird wieder in Gott ruhen. Dies ist der perfekte Zustand und in diesem Zustand existiert Zeit in unseren Begriffen von heute nicht mehr, weil Tag/Zustand 1 der Ewigkeit sich nicht unterscheidet von Tag/Zustand 1000 000 000 der Ewigkeit – die ganze Ewigkeit ist praktisch ein Tag ohne Ende.

Ein Tag unserer gegenwärtigen Zeit geht immer aus dem vorhergehenden Tag hervor: Die Welt von heute ist ein Abkömmling der Welt von gestern und heute entsteht die Welt von morgen. Genauso könnte man sagen, jede Sekunde ginge aus der anderen hervor. Zeit ist, weil Zustand n aus dieser Welt aus dem Zustand n-1 hervorgeht. Ein Zustand dieser Welt kann nicht ohne den vorhergehenden Wirklichkeit werden. Anders in der Ewigkeit: In der Ewigkeit geht nicht ein Zustand aus dem anderen hervor, sondern es bleibt alles immer gleich (gut; siehe Anmerkung): alles ruht in Gott. In Gott ist alles einfach immer schon da und muss nicht erst wachsen oder hergestellt werden. Plastisch: Als Jesus während seines Erdenlebens ausnahmsweise doch einmal seine göttliche Macht gebrauchte und aus Wasser Wein machte, war das ein Vorgriff auf die Ewigkeit. Ein Vorgang, der in der Zeit viele Monate in Anspruch nimmt (Wachstum der Reben und der Trauben + Ernte + Transport + Keltern + Abfüllen + etc.) wird durch Gottes Herrlichkeit zu einem Vorgang, der nur einen Augenblick dauert.

Man kann es auch so sehen: Wenn heute eine Traube wächst, wächst sie durch Gottes Gnade. Wenn ein Weizenkorn wächst, wächst es durch Gottes Gnade. Und wenn ein Tropfen Wasser vom Himmel fällt, tut er es durch Gottes Gnade. In Gott sind aber sozusagen unendlich viele Trauben, Weizenkörner, Regentropfen und Zeit entsteht dadurch, dass ER uns diese Dinge portionsweise gibt. Zeit ist durch das portionsweise Austeilen der Gaben Gottes.

Durch den Fall Luzifers trug Gott sozusagen eine Wunde davon und der Vorgang der Heilung dieser Wunde ist die Zeit, in der wir leben. Dass ein Schaden da ist, manifestiert sich dadurch, dass Gott Güter nur portionsweise zur Verfügung stellt – die Schöpfung ist beschädigt. Wäre Gottes Wunde geschlossen, es stünde uns alles immer unbegrenzt zur Verfügung – wir müssten auf nichts warten; also wäre keine Zeit mehr, sondern Ewigkeit.

Ergänzung:

Man kann es auch so sehen:

Gott ist unendlich sanftmütig und demütig, fast ein schüchterner zurückhaltender Mensch, der am liebsten zusammengekauert in seinem Kämmerlein sitzen würde, um niemand zu belästigen.

Erst wenn Christus und eine riesige Zahl von Menschen ihm freiwillig zurufen: „Wir lieben Dich“, dann glaubt er endlich, dass er liebenswürdig ist. Ist er nicht liebenswürdig? Natürlich, er ist wirklich liebenswürdig – wirklich nett.

Gott schuf nicht in einem Augenblick eine riesige Zahl von Mutanten, die ihm dann bestätigt hätten, er sei ganz liebenswürdig, sondern er gab nur einen kleinen, zaghaften Impuls (die Erschaffung Adams und Evas), der dazu führte, das eine Menschheit entstand, die doch autark war. Ein Mensch entsteht durch die freie Willensentscheidung zweier Menschen. Dies stellt sicher, dass wir nicht von Gott vorprogrammierte Mutanten sind. Es führt aber auch zum Vorhandensein der Zeit, die dadurch ist, dass eine Generation immer erst nach der letzten kommen kann bzw. aus ihr hervorgeht.

 

Anmerkung:

„Es bleib immer alles gleich (gut)“ heißt nicht, dass die Ewigkeit ein fades, ewiges Alles-bleibt-gleich wäre. Nein, nein, denn „bleibt gleich“ heißt ja die gleichbleibende Anwesenheit des Lebens bzw. die gleichbleibende Abwesenheit des Todes: In Gott ist alles Gute, was man sich nur erträumen mag, die völlige Genüge. Die Ewigkeit ist wie ein Sommertag, der nie zu Ende geht.

 

 

 

 

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